Neuwagenkauf – Diese Rechte haben Sie bei Mängeln

Frau sitzt in einem Cabrio Probe
Mängel am Neuwagen – Kennen Sie Ihre Rechte? ∙ © Fotolia/Maksym Povozniuk

Sie kaufen sich einen Neuwagen, weil Sie ein einwandfreies, zuverlässiges Auto haben wollen. Umso ärgerlicher, wenn der Neue Mängel hat. ADAC Juristen erklären, welche Rechte Sie haben.

  • Nacherfüllung: Reparatur oder Neulieferung

  • Rücktritt oder Kaufpreisminderung

  • Garantieansprüche neben den Sachmängelhaftungsrechten

Broschüre: Alles Wichtige zum Neuwagenkauf
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Recht auf Nacherfüllung: Zwei Jahre Sachmängelhaftung

Sie haben das Recht auf Übergabe eines mangelfreien Autos. Ist das nicht der Fall, müssen Sie sich an Ihren Verkäufer wenden. Denn Ihre Rechte aus der gesetzlichen Sachmängelhaftung haben Sie nur gegenüber Ihrem Verkäufer!

Die Sachmängelhaftung gibt dem Käufer innerhalb von zwei Jahren nach Übergabe des Neuwagens das Recht auf Nacherfüllung. Sie können sich zwischen Nachbesserung (Reparatur) oder Nachlieferung (neues Auto) entscheiden.

Wusste der Verkäufer von dem Mangel, liegt ein arglistiges Verschweigen vor und die Frist verlängert sich auf drei Jahre.

Was gilt als Mangel

Nach dem Gesetz liegt ein Sachmangel vor, wenn die Kaufsache nicht die vereinbarte Beschaffenheit aufweist. Dies ist einfach bei offensichtlichen Mängeln.
Aber nicht in allen Fällen ist das so eindeutig:

  • Das Auto muss fabrikneu sein. Das ist der Fall, wenn das Modell unverändert weitergebaut wird, keine durch längere Standzeit bedingten Mängel vorliegen und zwischen Herstellung des Autos und Abschluss des Kaufvertrages nicht mehr als 12 Monate liegen.
    Ob Ihr Auto schon länger auf Halde stand, können Sie selbst feststellen

  • Unerklärlich hoher Kilometerstand: Probefahrten und Überführungsfahrten sind zulässig

  • Eine Tageszulassung ist kein Mangel, wenn dadurch die Herstellergarantie und die Frist für die Hauptuntersuchung nur um wenige Tage verkürzt wird

  • Prospektangaben und Werbeaussagen: Ein Mangel liegt vor, wenn dem Neuwagen Prospekt- oder Werbeaussagen fehlen. Konstruktions- oder Formänderungen, Abweichungen im Farbton und Änderung des Lieferumfangs brauchen Sie nur hinzunehmen, wenn sie unerheblich und zumutbar sind.

  • Mehrverbrauch: Weicht der Kraftstoff-/Stromverbrauch von den Herstellerangaben ab, kann ein Sachmangel vorliegen. Denken Sie daran, dass der konkrete Verbrauch auch von Ihrem Fahrverhalten abhängt (Häufige Kaltstarts, Staus, Ladung, Sonderausstattung, Klimaanlage). Ein Sachverständiger kann Vergleichsfahrten durchführen und den Mehrverbrauch feststellen.
    Mehr Informationen zum Mehrverbrauch finden Sie hier.

  • Montagsauto: Häufen sich eine Vielzahl nicht ganz geringfügiger Mängel, kann ein erheblicher Mangel vorliegen. Bei einem so genanntes Montags- oder Zitronenauto ist ein Festhalten am Kaufvertrag nicht mehr zumutbar

Wer muss den Mangel beweisen?

In den ersten sechs Monaten nach dem Kauf muss der Verkäufer beweisen, dass das Auto zum Zeitpunkt der Übergabe mangelfrei war (Beweislastumkehr). Danach ist der Käufer in der Beweispflicht, dass der Mangel schon bei Übergabe vorhanden war.
Tipp: Werden Sie daher gleich aktiv, wenn Sie einen Mangel feststellen!

Verkäufer muss nachbessern

Zeigt sich ein Mangel am Auto, müssen Sie den Verkäufer zur kostenlosen Nacherfüllung auffordern und eine angemessene Frist setzen.

Musterschreiben Nachbesserung nach Reparatur
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Der Verkäufer darf die Nachbesserung oder Ersatzlieferung nur verweigern, wenn sie nur mit unverhältnismäßigen Kosten möglich ist.

Käuferrechte gelten neben Neuwagengarantie

Manche Händler verweisen Ihre Kunden bei Mängeln auf die Neuwagengarantie. Die gesetzlichen Ansprüche aus der Sachmängelhaftung bestehen unabhängig neben Garantieansprüchen. Sie geben mit Rücktritt und Kaufpreisminderung weitergehende Rechte als eine Garantie.

Tipp: Lassen Sie sich vom Händler daher nicht auf die Garantie verweisen!

Kostenfreie Nachbesserung

Die Nacherfüllung muss für Sie als Käufer insgesamt kostenfrei sein. Bei der Reparatur haben Sie Anspruch auf Original-Ersatzteile bzw. Neuteile.

Der Verkäufer trägt alle mit der Nachbesserung zusammenhängenden Kosten (z.B. Abschleppkosten zur nächstgelegenen Vertragswerkstatt, Materialkosten, Schmierstoffe etc.) und auch die Fahrtkosten von und zur Werkstatt zur Durchführung der Reparaturen.
Es besteht aber kein Anspruch auf einen kostenlosen Mietwagen, Nutzungs- oder Verdienstausfall.

Ist das Auto wegen des Sachmangels nicht mehr fahrbereit, müssen Sie den Verkäufer ausdrücklich informieren, wenn Sie einen anderen Vertragshändler einschalten.

Rücktritt oder Kaufpreisminderung

Sie können vom Kaufvertrag zurücktreten oder den Kaufpreis mindern, wenn ...

  • die Nachbesserung fehlgeschlagen ist.
    Das bedeutet, dass ein und derselbe Mangel nach mindestens zwei Nachbesserungsversuchen immer noch vorhanden ist

  • die gesetzte Frist zur Nacherfüllung erfolglos verstrichen ist

  • der Verkäufer die Nacherfüllung verweigert

Rücktritt vom Kaufvertrag

Zurücktreten können Sie nur bei einem erheblichen Mangel. Das ist der Fall, wenn der Mangel die Verkehrssicherheit beeinträchtigt oder die Mängelbeseitigungskosten fünf Prozent des Kaufpreises überschreiten.

So gehen Sie vor:

  • Schriftliche Rücktrittserklärung gegenüber dem Verkäufer

  • Rückgabe des Autos gegen Erstattung des Kaufpreises

  • Anspruch des Käufers auf Ersatz notwendiger Verwendungen (z.B. Reparaturkosten). Darunter fallen Betriebskosten (z.B. Kraftstoff, Öl) und Kosten für Nummernschilder oder Zulassung

  • Anrechnung des Gebrauchsvorteils: Sie müssen den Vorteil ausgleichen, den Sie durch die Benutzung des Fahrzeuges hatten. Der BGH berechnet den Gebrauchsvorteil aus Bruttokaufpreis, der gefahrenen Kilometer und der zu erwartenden Gesamtlaufleistung des Autos

Kaufpreisminderung

Statt dem Rücktritt oder wenn der nicht behobene Mangel unerheblich ist, können Sie auch die Minderung wählen.

Sie behalten das Auto und können den Kaufpreis mindern. Ist der Kaufpreis schon gezahlt, hat Ihnen der Händler die Differenz aus tatsächlich gezahltem und gemindertem Kaufpreis zu erstatten.

Die Kaufpreisminderung muss für jeden Einzelfall geschätzt werden. Im Streitfall muss ein Sachverständiger den Minderwert festlegen.

Zusätzlich Schadenersatz möglich

Trifft den Händler ein Verschulden an der Lieferung des mangelhaften Fahrzeugs, können Sie zusätzlich auch Schadenersatz verlangen.

Für die Feststellung des Schadensersatzanspruchs, sollten Sie sich von einem ADAC Vertragsanwalt beraten lassen.

Zwei Jahre Verjährungsfrist

Die gesetzlichen Sachmängelansprüche verjähren in zwei Jahren ab Übergabe des Autos. Wird im Rahmen der Sachmängelhaftung nacherfüllt, beginnt – allerdings nur in Bezug auf den beseitigten Mangel – die zweijährige Sachmängelhaftung erneut zu laufen. Voraussetzung ist, dass der Verkäufer den Mangel anerkannt hat.

Danach können Sie beim Hersteller oder Händler einen Kulanzantrag stellen. Die Kulanz ist eine freiwillige Leistung. Der Umfang liegt im Ermessen des Herstellers bzw. Händlers. Maßstab ist häufig

  • das Fahrzeugalter, die Fahrleistung

  • die lückenlose Durchführung der Wartungsarbeiten in einer Vertragswerkstatt

  • die Markentreue des Kunden

Neuwagengarantie

Beim Neuwagenkauf erhalten sie üblicherweise eine Garantie für das neue Auto. Inhalt und Umfang der Herstellergarantien können erheblich voneinander abweichen.

Einen Überblick über die Laufzeiten der Garantien erhalten Sie hier.

Übersicht der Hersteller-Garantien
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Alles Wichtige zum Thema Neuwagenkauf.

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Musterschreiben Nachbesserung

Musterschreiben Nachbesserung nach Reparatur
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Angela Baumgarten
Fach-Autorin
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Petra Gerhäuser
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