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Tipps: Gebrauchtes Motorrad kaufen

27.03.2017

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Eine Probefahrt ist ein absolutes Muss für Gebrauchtbike-Interessenten. Hier erfahren Sie, worauf dabei zu achten ist.

Egal, ob Zweiradanfänger oder erfahrener Biker: Auf dem Markt findet jeder ein gebrauchtes Motorrad nach seinem Geschmack. Dabei sollten Interessenten einiges beachten. Wir geben Tipps.


Kein Aprilscherz: Seit genau 20 Jahren gibt es Saisonkennzeichen in Deutschland. Am 1. April beginnt für fast 1,3 Millionen Bikes - und damit fast 60 Prozent des gesamten deutschen Bestandes - das Zweiradjahr 2017. Wer noch kein passendes Motorrad hat, kann jetzt fündig werden. Ein gebrauchtes Bike ist eine günstige Alternative zu Neufahrzeugen.


Bedingt durch die Änderungen bei den Zulassungsvorschriften ergibt sich 2017 eine besondere Situation: Seit Anfang des Jahres dürfen - von einzelnen Ausnahmen abgesehen - nur noch Leicht- und Motorräder zugelassen werden, die die strengeren Euro-4-Bestimmungen erfüllen. Daher bieten Motorradhändler in diesem Frühjahr zahlreiche Neufahrzeuge mit Tageszulassungen aus 2016 an. Motorradfahrer, die hier zuschlagen, bieten dann ihre ersetzten gebrauchten Maschinen auf dem privaten Markt an. Deswegen ist für 2017 ein reger privater Motorradhandel zu erwarten.


Warum ein gebrauchtes Bike Sinn macht


Vor einem Kauf sollten sich Interessenten darüber Gedanken machen, welche Maschine für sie infrage kommt. Wichtige Größen sind unter anderem das Gewicht der Maschine sowie Sitzhöhe, Sitzhaltung und Kniewinkel. Für Anfänger bieten sich Motorräder mit einer aufrechten Sitzposition wie Reiseenduros, Enduros und Crossover-Modelle an.


Gerade Motorräder sind meist als reines Hobbygerät im Einsatz. Darum finden sich sehr oft gut erhaltene Gebrauchte mit geringer Kilometerleistung und in gutem Pflegezustand. Zudem haben Maschinen schon nach zwei Jahren ihren größten Wertverlust hinter sich. Nach fünf bis acht Jahren bietet sich zudem eine kostensparende Eigenwartung des Bikes an, die auch für wenig versierte Schrauber möglich ist.


Gebrauchtbike finden


Der Hauptunterschied zwischen verschiedenen Angeboten ist meist der, ob sie online oder klassisch offline gemacht werden. Im Internet sind Plattformen wie mobile.de oder die Kleinanzeigen-Seite von Ebay beliebte Anlaufstellen. Im analogen Leben bilden Anzeigen der Lokalpresse Angebote in der Nähe sehr gut ab, während sich Annoncen in Motorrad-Fachzeitschriften meist an ein Fachpublikum mit speziellen Präferenzen richten.


Kauf beim Händler oder von privat?


Vertrauen ist gut, Garantie ist besser. Und die gewährleistet nur ein Händler. Gerade Neulinge und Laien sind darum bei einem gewerblichen Anbieter besser aufgehoben. Aber Achtung: Händler verkaufen ältere und günstigere Maschinen häufig explizit ohne Sachmängelhaftung – und damit ungern an Privatpersonen. 


Solche Maschinen finden sich daher meist im Privathandel. Dort können Interessenten Geld sparen, sollten aber einigermaßen technisch versiert sein und müssen sich im Vorfeld genau über Markt- und Modellsituation erkundigen.


Wert einer Maschine ermitteln


Interessenten sollten stets einen kühlen Kopf behalten. Lassen Sie sich nicht von besonders hohen oder niedrigen Angeboten im Internet blenden. Der Preis für ein konkretes Bike kann nur individuell nach einer Prüfung vor Ort und einer Probefahrt ermittelt werden. ADAC Mitglieder erhalten hier kostenlose Kalkulationen, die als Orientierungshilfe dienen. Auch Schwacke oder DAT bieten professionelle Hilfe - allerdings meist kostenpflichtig.


Besondere Vorsicht ist bei Zubehörteilen geboten. Nur wenn es für den Interessenten sinnvoll ist, sollte er bereit sein, anfallende Aufpreise auch wirklich zu zahlen. Eine Alternative gibt es immer, das garantiert der riesige Markt für Second-Hand-Bikes in Deutschland.


Tipps für Anfänger und Wiedereinsteiger


Massenmodelle sind häufiger zu haben, zudem günstiger in der Anschaffung und meist auch im Unterhalt. Daher sollten Anfänger und Wiedereinsteiger eher zu Maschinen aus der Großserie greifen. Packt einen dann die Leidenschaft, ist ein Umstieg auf ein spezielleres Bike jederzeit problemlos möglich. 


Fragen an den Verkäufer


Auch wenn ein Angebot verlockend wirkt: Weite Anreisen lohnen sich in den seltensten Fällen. Darum sollten Interessenten vorab am Telefon oder schriftlich alles in Erfahrung bringen, was sie zu dem Fahrzeug wissen müssen. Einen ausführlichen Fragenkatalog finden Sie hier in der ADAC Checkliste.


Danach ist vor allem Ihr Bauchgefühl gefragt. Denn meist spüren Interessenten schnell, ob ein Verkäufer einen seriösen und ehrlichen Eindruck macht. Stimmen Zustand und Preis der Maschine sowie das Felling, steht einer Besichtigung nichts mehr im Weg.


Besichtigung: Umfassender Check


Für Fahrzeugbesichtigung und Probefahrt sollten Sie genügend Zeit einplanen und geeignete Bekleidung, einfaches Werkzeug sowie eine Taschenlampe mitnehmen. Ein sachkundiger Begleiter kann wertvolle Dienste leisten. Falls nötig, Überführungskennzeichen nicht vergessen.


Beim technischen Check prüfen Sie, ob es Rost an der Auspuffanlage, den Schweißnähten des Rahmens oder im Tank gibt, und Öl an Motor, Vorderradgabel oder Federbein austritt. Schleifspuren an Lenkerenden, Schalldämpfern oder Verkleidungsteilen deuten auf einen Crash oder Sturz hin. Ein Check aller Lampen, Blinker und Schalter ist ebenso sinnvoll.


Reifen genau überprüfen


Fahrgestellnummer und Reifengröße müssen den Angaben in den Papieren entsprechen. Gibt es für das Modell eine Reifenbindung, ist eine Freigabe des Fahrzeug- oder Reifenherstellers erforderlich. Wenn die Pneus kaum noch Profil haben oder eckig abgefahren sind, steht bald ein teurer Reifenkauf ins Haus. Bei einem auffälligen Höhen- oder Seitenschlag der Räder sollte man auf den Kauf verzichten.


Um Gabel und Lenkkopflager zu überprüfen, heben Sie die Motorradfront an. Dazu drückt ein Helfer das Heck des aufgebockten Bikes nach unten. Umfassen Sie die entlastete Telegabel mit beiden Händen am unteren Ende und drücken Sie sie nach vorn und hinten. Es darf kein Spiel zu spüren sein. Drehten Sie die Gabel von Anschlag zu Anschlag, muss die Lenkung auch bei kleinsten Drehungen leicht und gleichmäßig zu bewegen sein.


Ist an dem Zweirad nicht die Original-Auspuffanlage, sondern ein Modell aus dem Zubehörhandel montiert, muss sie den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen. Sonst droht beim TÜV oder einer Verkehrskontrolle Ärger. Den gibt es auch, wenn bei einer zugelassenen Anlage der "db-Killer" entfernt wurde. In beiden Fällen erlischt die Betriebserlaubnis und es winkt eine Strafe von bis zu 90 Euro.


So checken Sie die Bremsen


Bei den Bremsscheiben müssen Sie auf den Verschleiß achten. Wenn die Mindestdicke noch nicht unterschritten ist, fährt man mit senkrecht aufgesetztem Daumennagel von innen nach außen. Bei tieferen Riefen oder eingelaufenen Scheiben mit sichtbaren Absätzen an den inneren und äußeren Scheibenrändern müssen die Scheiben wahrscheinlich ausgewechselt werden. Rhythmische Schleifgeräusche beim gleichmäßigen Drehen des Vorderrads können auf einen seitlichen Schlag der Scheibe hinweisen.


Lässt sich der Handbremshebel leicht bis in die Nähe oder ganz an den Gasgriff heranziehen, ist das Bremssystem schlecht entlüftet oder undicht. Falls möglich, sollten Sie die Einstellung des Hebels verändern. Ändert sich nichts, verzichten Sie besser auf eine Probefahrt. Die Bremsbeläge sollten noch mindestens drei Millimeter dick sein. Und: ABS bietet ein unschätzbares Sicherheits-Plus.


Lässt sich die Kette deutlich vom hinteren Ritzel abheben, sind Kette und Ritzel wahrscheinlich verschlissen. Die Kettenspannung muss beim freien Drehen des Hinterrads immer gleich bleiben. Andernfalls könnte die Kette unterschiedlich gelängt sein. Bei einem Kardanantrieb muss sich das Hinterrad in beide Richtungen gleichmäßig drehen lassen. Es dürfen keine mahlenden Geräusche zu hören sein.


Probefahrt


Macht das Motorrad einen verkehrssicheren Eindruck? Haben Sie echtes Interesse an der Maschine? Dann ist eine Probefahrt Pflicht. Niemals ein Motorrad ohne ausgiebige Probefahrt kaufen! Bei schlechtem Wetter vereinbaren Sie am besten einen Folgetermin. In jedem Fall müssen Sie im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis sein. Hier finden Sie eine Vereinbarung zwischen Verkäufer und Interessent für eine Probefahrt.


Die Maschine muss gut anspringen, der Motor sauber Gas annehmen, das Bike gleichmäßig beschleunigen und die Bremsen dürfen nicht quietschen oder rubbeln. Blauer Rauch aus dem Auspuff deutet auf erhöhten Motorverschleiß hin. Zieht das Motorrad stark in eine Richtung, können Gabel oder Rahmen verzogen sein. Die Batterie muss mehrere Motorstarts problemlos bewältigen können.


Ein Tipp: Gönnen Sie sich und der Maschine während der etwa 30-minütigen Probefahrt eine Pause. Machen Sie das Fahrzeug aus, steigen Sie ab und hören Sie kurz auf Ihr Bauchgefühl. Wenn der Fahreindruck und Ihr Empfinden Sie positiv stimmen, dann gilt es nur noch, sich mit dem Verkäufer über den Preis zu einigen. Ein abschließender Kaufvertrag dokumentiert das Geschäft inklusive aller Zusatzvereinbarungen. Hier finden Sie den ADAC Kaufvertrag für ein gebrauchtes Motorrad.


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