Motorrad-Neuheiten 2020: Das sind die neuen Modelle der Saison

14.11.2019

Wir stellen die brandneuen Motorräder und Scooter der aktuellen Saison vor: Von der Enduro über Naked Bikes, Retro-Modelle bis zum Supersportler. Plus: Technische Daten & Preise.

Motorrad Neuheiten 2020 BMW F900 fahrend dynamisch
Newcomer 2020: Die neue BMW F 900 R
  • Viel Elektronik, noch mehr Power, aber auch gekonntes Retro-Design prägen den Bike-Auftritt 2020.
  • Highlights der Saison sind u. a. die BMW F 900 R/XR, die Honda Fireblade und die Harley-Enduro Pan America.
  • Auch interessante E-Motorräder drängen auf den Markt.

Immer härtere Umweltauflagen haben dem Motorrad-Absatz bislang nicht geschadet. Die Hersteller finden immer neue Wege, Motoren (noch) stärker zu machen und die Fahrwerke weiter zu verbessern. Das zeigte die Internationale Motorradmesse EICMA in Mailand. Trotz der 2020 für Neumodelle in Kraft tretenden Euro-5-Norm steigen die Literleistungen einiger Triebwerke munter weiter.

Zu sehen ist aber auch: Motorräder werden immer "elektronischer". Viele Modelle haben inzwischen eine ganze Phalanx an Assistenzsystemen an Bord, bis hin zur Sechsachsen-Sensorbox, die sämtliche Fahrzustände erfasst und bei Bedarf die nötigen Stabilisierungseingriffe einleitet – Elektronikhelfer, um die enorme Kraft überhaupt beherrschbar zu machen. Absurd? Egal, wie man dazu steht: Mailand zeigte mehrere ultrastarke Motorräder mit rund 210 PS Leistung bei 200 Kilo Gewicht.

Nach wie ausgeprägt: Der Gegentrend in Form zurückhaltend motorisierter Retro- oder "Heritage"-Bikes. Und wie sieht es aus mit Elektro-Antrieben bei Motorrädern? Darum machen die etablierten Hersteller (außer Harley) noch immer einen Bogen, doch es regt sich was. Mehr dazu unten. Hier die Stars der EICMA und die wichtigsten neuen Modelle 2020.

BMW: Angeschärfte Mittelklasse

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Motorrad Neuheiten 2020 BMW F900 XR
Wendiger Tourer: BMW F 900 XR

Mit drei neuen Modellen startet BMW in die Saison 2020. Knapp 9000 Euro rufen die Bayern für ihren neuen Roadster F 900 R auf. Die Ablösung der altgedienten F 800 R entlockt ihrem Reihen-Twin jetzt 105 PS (früher 95 PS) bei maximal 92 Nm Drehmoment und fülligerer Drehmomentkurve. Zusammen mit einer eher sportlichen Ergonomie und einer (optionalen) elektronischen Heckfederung gibt sich die neue 900er als sehr fahraktives, wendiges Motorrad. Neu ist ein leichter Kunststofftank mit 13 Liter Volumen. Um die F 900 R und auch die neue F 900 XR (siehe unten) in leistungsreduzierten Varianten für den Führerschein A2 anbieten zu können, wurde ein separater Typschlüssel für eine optionale 95-PS-Version nötig; so können beide Modelle auch mit 48 PS ausgeliefert werden. 

Als "Sports Adventure"-Bike rollt die neue F 900 XR in die Läden; mit ihr transformiert BMW das erfolgreiche Konzept des Vierzylinders S 1000 XR in die Zweizylinder-Mittelklasse. Sie teilt sich Triebwerk und Rahmenlayout mit der unverkleideten Schwester F 900 R, ist mit fahrfertig 219 Kilogramm aber acht Kilo schwerer als diese. Ab 11.400 Euro wird die Mittelklasse-XR zu haben sein – bei BMW-typisch langer Aufpreisliste. 

    

Supersportler im Enduro-Kleid

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Motorrad Neuheiten 2020 BMW S1000 XR fahrend
Enduro mit Supersportler-Genen: BMW S 1000 XR

Die größte Marktbedeutung der drei Neumodelle dürfte der S 1000 XR zukommen. Die Supersportlerin im Kleid einer Straßenenduro ist 10 Kilo leichter als die Vorgängerin, zugleich umfangreicher ausgestattet und – bei gleicher Nominalleistung von 165 PS – auch kräftiger, weil der Drehmomentverlauf günstiger gestaltet wurde.

Zur Serienausstattung zählen ein semiaktives Fahrwerkssystem, ein umfangreiches Fahrassistenz-Paket, Voll-LED-Beleuchtung und ein gut ablesbares 6,5-Zoll-TFT-Display. Die Gänge 4, 5 und 6 sind endlich länger übersetzt, das oft kritisierte Geräusch- und Verbrauchsniveau der nun fahrfertig 226 Kilo wiegenden Maschine dürfte sich positiv verändern. Die Preisliste beginnt hier mit 16.950 Euro.

Bayerische Donnerbolzen

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Motorrad Neuheiten 2020 BMW R18 fahrend
Big Boxer als Dragster: die BMW R 18/2 kommt erst 2021

BMWs auf alt getrimmter Cruiser R 18 mit fettem 1,8-Liter-Boxermotor ist noch gar nicht auf dem Markt (im späten Frühjahr 2020 soll's so weit sein), da kommt bereits eine neue Variante vorgefahren – zumindest im Video. Die R 18/2 soll die nächste Ausbaustufe des Big-Boxer-Konzepts sein. BMW bezeichnet die /2 als das Gegenstück zur Harley-Konkurrentin R 18.

Die /2 wirkt muskulöser und mit ihrer Scheinwerfermaske dynamischer. Als "moderner Custom-Cruiser mit Dragster-Einflüssen" soll sie laut BMW zeigen, wie flexibel die neue Bike-Architektur ist. Die /2 wird aber wohl erst 2021 zu haben sein. Technische Daten und Preise der beiden R 18-Varianten sind noch Verschlusssache.

Hondas Sieger-Ambitionen

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Motorrad Neuheiten 2020 Honda CBR1000 Freisteller
Will nicht mehr hinterherfahren: Honda Firbelade

Lange stand die Honda Fireblade im Schatten der leistungsmäßig überlegenen Bikes aus dem Hause BMW, Ducati oder Aprilia. Jetzt will sich Honda wieder an die Spitze setzen. Das neue "Feuerschwert" hört auf die Bezeichnung CBR 1000 RR-R. Viermal "R" für "Racing" im Namen, das ist eine Ansage an BMWs S 1000 RR (nur zweimal "R") oder Aprilias RSV4 1000 RR (ebenfalls nur zwei "R").

Mit 217 PS bei 202 Kilo Gewicht hat sich Honda gemeinsam mit Aprilias neuer RSV4 1100 Factory wieder an die Spitze gesetzt. Viel Elektronik und aerodynamische "Flügelchen" an der Verkleidung sollen dafür sorgen, dass sie am Boden bleibt. Der Preis ist noch nicht bekannt.

Roller-Liebling ganz neu

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Motorrad Neuheiten 2020 Honda SH125i fahrend Stadt
Populärer Stadtflitzer: Honda SH 125i

Ebenfalls neu bei Honda: der überarbeitete Einsteiger-Liebling CMX 500 Rebel und das 2020er-Update der Africa Twin. Erwähnenswert auch der komplett neu konzipierte Roller SH 125i: Der in Italien gefertigte und europaweit beliebte Scooter ist nicht nur Euro-5-kompatibel, sondern kommt optisch deutlich aufgefrischt daher. Modernes Outfit mit klassischen Zitaten – Honda zeigt hier, wie so etwas geht. 

Seine Holperstrecken-tauglichen 16-Zoll-Räder behält der Scooter glücklicherweise. Es gibt ihn auch als SH 150i, dann allerdings mit 16,2 statt 12,5 PS, mithin nicht mehr tauglich für den Führerschein A1 ab 16. 

KTM: Noch ne Schippe drauf 

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KTM 1290 Super Duke R
Das "Biest" jetzt noch biestiger: KTM 1290 Super Duke R

Motorräder aus Mattighofen in Oberösterreich tragen Spitznamen wie "Das Biest" oder "Das Skalpell". Was die KTM-Macher im brancheninternen Leistungswettlauf nicht davon abhalten kann, deren Leistung weiter zu steigern. Das neue Naked Bike 890 Duke R rühmt sich mit 121 PS bei 184 Kilo Gewicht, kann somit kaum noch der Mittelklasse zugerechnet werden.

Die 890er- wird die 790er-Duke keineswegs ablösen, sondern parallel zu ihr existieren – als "Power-Skalpell" gewissermaßen. "The Beast", die 1290 Super Duke R, wird 2020 noch biestiger, entlockt ihrem 1300er V-2-Motor künftig 180 statt 177 PS und stützt ihre Hinterradschwinge nun über eine besser ansprechende Umlenk-Hebelei ab. Trotz der unbändigen Kraft gilt die 1290er-Duke aber als gut beherrschbares Motorrad.  

Kleine Reiseenduro von KTM

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KTM 390 Adventure stehend von der Seite
Optisch eine Große: KTMs kleine Enduro 390 Adventure 

Kommen wir zu einem volkstümlicheren Modell: Da kleinere Reiseenduros derzeit gerne genommen werden, bringt KTM 2020 die 390 Adventure auf den Markt.

172 Kilo, angetrieben von einem quirligen 44-PS-Einzylinder, dazu ein voll einstellbares, durchaus schottertaugliches Fahrgestell – hier werden nicht nur Einsteiger zufrieden gestellt. Auch KTM lässt sich noch keine Preise entlocken. 

Yamahas neue Tracer 700 

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Yamaha Tracer 700 fahrend von der Seite
Liebt kurvige Landstraßen: Yamaha Tracer 700

Fleißig überarbeitet hat Yamaha etliche Modelle: Die Tracer 700, kleinere Schwester der beliebten 900er, hat nicht nur ein neues Gesicht (das den Super-Renner R1 zitiert), sondern erfüllt bereits die Euro-5-Norm.

Das Fahrwerk des wendigen Allrounders ist voll einstellbar, mit gut 73 PS aus einem 700er-Zweizylinder ist man absolut ausreichend motorisiert, und das zu einem Preis von knapp 8200 Euro.

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 Yamaha MT 125 fahrend von der Seite
Erwachsen, auch als Achtelliter-Bike: Yamaha MT-125

Den "bösen Blick" trainieren die beiden überarbeiteten Naked Bikes aus der MT-Reihe. "MT" steht für "Master of Torque", also Drehmoment-Meister, was für die kleineren Modelle MT-125 und MT-03 natürlich nur bedingt passt. Ein bisschen rebellisch aber sind sie allemal. 

Die 125er zielt mit ihren 15 PS und einem Preis von knapp 4800 Euro auf die 16-Jährigen mit Führerschein A1, die MT-03 hat immerhin 42 PS aus einem 320er-Zweizylinder und ist mit knapp 5500 Euro ein günstiges Bike (nicht nur) für Inhaber der leistungsbeschränkten A2-Lizenz.

Neue Roller von Yamaha

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Yamaha Tricity 300 fahrend
Darf mit Autoführerschein gefahren werden: Tricity 300

Auch in Sachen Roller tut sich was bei Yamaha: Ganz neu der Tricity 300 mit doppeltem Vorderrad, der sogar mit dem Autoführerschein Klasse B bewegt werden. Das Neigekonzept der Vorderachse, von anderen Herstellern bereits bekannt, bringt Sicherheit bei Nässe oder auf Schienen und Kopfsteinpflaster.

Die 28 PS des Tricity reichen nicht nur für die Stadt, sondern locker auch für den Wochenendausflug. Einen Preis hat Yamaha noch nicht genannt. 

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Yamaha TMax fahrend auf der Straße
Kraftvolles Reisesofa: Yamahas Großroller Tmax 560

Beim Maxi-Scooter Tmax 560 stieg der Hubraum des Zweizylinders von 530 auf 560 Kubikzentimeter, hier stehen jetzt knapp 48 PS zur Verfügung ebenso wie zwei Fahrmodi beim Automatikgetriebe. In der Variante "Tech Max" gibt es sogar Tempomat, Heizgriffe, Sitzheizung und besonders gute Konnektivität. Bei aller Bequemlichkeit kann der Tmax ein ausgesprochen sportliches Gefährt sein. Für die Basisvariante sind knapp 12.000 Euro fällig. 

Die Kawasaki-Kraftmaschine 

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Kawasaki Z H2 stehend von hinten
Kraft aus dem Kompressor: Kawasaki Z H2

Mit der Kawasaki Z H2 bringen die Japaner eine neue Kraftmaschine. Das Power-Naked-Bike beherbergt den bekannten 1000er-Reihenvierzylinder, der dank Kompressoraufladung 200 PS produziert.

Das ganze Motorrad signalisiert nichts anderes als geballte Kraft und verlangt selbstverständlich nach einem charakterlich gefestigten Fahrer – und nach einem gut gefüllten Konto. Unter 17.000 Euro geht hier nichts.

Z-Schwestern überarbeitet

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Kawasaki Z900 stehend von der Seite
Gibt's nicht nur in Kawa-Grün: Kawasaki Z 900

Diverse Leistungsstufen darunter rangieren die überarbeitete Z 900 (Vierzylinder, 125 PS) und deren kleinere Schwester Z 650 (Zweizylinder, 68 PS). Es sind dies moderne, sportliche Maschinen, solide gebaut, handlich zu fahren und gerade deshalb so beliebt.

2020 gibt es moderne TFT-Displays im Cockpit sowie LED-Beleuchtung zu Preisen von knapp 7000 Euro (Z 650) bzw. knapp 9500 Euro (Z 900). Erfreulich, dass die herrlich historisch anmutende W 800 mit ihrem wunderschön anzuschauenden Königswellen-Motor auch die Euro-5-Hürde überspringt. Sie wird also (für knapp 10.000 Euro) weiter zu haben sein.  

Harley-Davidson: Ab in die Prärie       

Harley-Davidsons Klassiker laufen bei den Käufern nicht mehr so gut. Was tun? In neue Segmente vorstoßen. Das E-Motorrad LiveWire gibt es ja schon, Ende 2020 wird Harley die asphaltierte Straße verlassen (oder dies zumindest ermöglichen): Die Pan America, erste Reiseenduro aus Milwaukee, will künftig bei den Offroad-Dickschiffen ein Wort mitreden.

Sie kommt mit einem völlig neu entwickelten Motor namens "Revolution Max". Technische Details wollten die Amerikaner auf der EICMA noch nicht nennen, als "Entwicklungsziel" wurden für den 60-Grad-V2-Motor mächtige 145 PS und 122 Nm Drehmoment genannt. 1,25 Liter Hubraum wird er haben, der Antrieb des Hinterrads erfolgt über eine Kette.  

   

Harleys Streetfighter Bronx

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Motorrad Neuheiten 2020 Harley Davidson Bronx schwarzer Hintergrund
Ja, es ist eine Harley: die neue Bronx

Und noch etwas völlig Neues von Harley: Ein kompakter Streetfighter namens Bronx – auch er mit dem neuen "Revolution Max"-Motor, hier abgespeckt auf voraussichtlich 975 cm3 und 115 PS. Wie bei der Pan America wird eine Ausgleichswelle im Motor die Vibrationen des V2 reduzieren. Das auf der EICMA gezeigte Vorserienfahrzeug hatte einen Hinterradantrieb mittels wartungsarmem Zahnriemen (anders als die kettengetriebene Pan America). Auch wenn weitere Daten noch geheim gehalten werden: Schön ist sie definitiv, die Harley Bronx.

 

Suzukis neue Reiseenduro  

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Suzuki V-Strom fahrend auf der Straße
Neunziger Jahre wiederbelebt: Suzuki V-Strom 1050

Bestandspflege bei Suzuki: Ein neues (besser: altes) Styling haben die Japaner ihrer beliebten Groß-Enduro verpasst. Die V-Strom 1050 erinnert in der 2020er-Version an die DR Big 800, Suzukis Enduro-Urahnen aus den 1990er-Jahren. Mit 108 PS ist das Reise-Bike gut motorisiert, eine A2-taugliche 48-PS-Version soll es ebenfalls geben.

Außerdem neu: LED-Lichttechnik, Drive-by-Wire-System, elektronische Helfer wie Kurven-ABS, Wheelie- und Stoppie-Überwachung, Tempomat, Berg-Anfahrhilfe, verschiedene Fahrmodi. Viele dieser Assistenten sind allerdings der XT-Version vorbehalten. Die Basisversion soll knapp 13.000 Euro, die XT gut 14.000 Euro kosten. 

Ducati: Das stärkste Naked Bike

Definitiv ein Publikumsmagnet auf der Mailänder EICMA: Ducatis brachiales Naked Bike Streetfighter V4. Die Nachfolgerin des 2013 eingestellten Streetfighters hat jetzt den Vierzylinder-V-Motor der rennorientierten Panigale V4 und ist mit ihren 208 PS (bei vollgetankt 200 Kilo Gewicht) der neue PS-Champion unter den Unverkleideten.

Jede Menge Elektronik soll die Maschine auf Kurs halten, wir finden: Sie ist auch im Stehen schön. Preise (ab März 2020): ab 20.000 Euro für die V4, die noch edlere V4 S knapp 23.000 Euro.  

   

Der V2 bleibt das Markenzeichen

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Motorrad Neuheiten 2020 Ducati Panigale V2 schwarzer Hintergrund
Formvollendet mit Einarmschwinge: die neue Panigale V2

Ducatis Top-Modell Panigale V4 wurde runderneuert, bekommt für 2020 das volle Elektronik-Paket und Verkleidungs-Flügelchen ("Winglets") für mehr Anpressdruck auf der Straße, legt mit 214 PS aber leistungsmäßig nicht mehr zu.

Und wer sich jetzt fragt, was mit Ducatis traditionellen V-2-Motoren passiert ist? Die werkeln natürlich weiter: In der Ducati Scrambler, der Multistrada, der Diavel, aber auch in der rennstreckentauglichen Supersportlerin Panigale V2. Letztere darf jetzt mit einer Alu-Einarmschwinge unterwegs sein. Die Daten dieser roten Schönheit: 155 PS, vollgetankt 200 Kilo, knapp 18.000 Euro.  

Triumph: Die Drehmoment-Könige 

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Triumph Rocket 3R GT 11 stehend auf der Straße
Mehr Motor geht nicht: Rocket 3 GT (links) und R (rechts)

Knapp 170 PS sind längst kein Rekord mehr im Konzert der stärksten Motorräder, wohl aber sagenhafte 221 Newtonmeter Drehmoment. Diesen Spitzenwert hält die neue Triumph Rocket 3 inne, deren 2,5-Liter-Reihendreizylinder auch hubraummäßig ganz oben steht.

Das wieder aufgelegte und komplett umgemodelte "Muscle Bike" aus dem britischen Hinckley fährt in zwei Versionen zu den Händlern: als Power-Roadster "R"  (ab 21.950 Euro) und Tourer "GT" (ab 22.750 Euro). Unter 325 Kilo Gewicht geht hier nichts, aber das sind ja schon mal 40 Kilo weniger als bei der Ur-Rocket. 

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Triumph Thruxton RS fahrend auf der Straße
Spontaner und drehfreudiger: neue Thruxton RS

Modellpflege beim schön gestylten Café Racer Thruxton RS: Er entlockt seinem 1200er-Reihenzweizylider jetzt 105 PS (acht mehr als bislang) und 112 Nm Drehmoment. Triumph verspricht auch mehr Drehfreude und spontanere Leistungsentfaltung. Ab Februar 2020 soll die Thruxton für 15.550 Euro beim Händler stehen. 

 

Aprilias neuer Mittelklasse-Renner

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Motorrad Neuheiten 2020 Aprilia RS 660 Freisteller back
Aprilias neue Mittelklasse: RS 660

Im italienischen Piaggio-Konzern ist Aprilia für die sportlichen Motorradfahrer zuständig, Moto Guzzi eher für die traditionellere und "gemütlichere" Klientel. Bei Aprilia schauen natürlich viele auf das Superbike RSV 4 1100 Factory mit 217 PS, wichtiger aber ist die neue Aprilia RS 660: die "kleine" Sportlerin kommt im Sommer 2020 mit 100 PS, Euro 5 und feinen Ausstattungsdetails in die Läden. Aluminium-Schwinge, großes Elektronik-Paket, fünf Fahrmodi – damit ist die 660er für Rennstrecke und Landstraße gleichermaßen gerüstet.

Guzzi: Reisepaket für die V85

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Moto Guzzi V85 TT stehend von der Seite
Jetzt auch sandfarben: die neue Guzzi V85 TT Travel

Mit der gelungenen und bewusst reduziert gehaltenen Reiseenduro V85 TT hat Moto Guzzi einen großen Erfolg gelandet. Grund genug, das Modell nun zu pflegen. Die neue V85 TT Travel (unverändert 850 cm3, 85 PS) richtet sich an die Reisefraktion und kommt ab Werk mit Koffern, großer Scheibe, Heizgriffen, LED-Zusatzscheinwerfern und "MIA" – Guzzis Multi-Media-Plattform. Erkennbar ist die Travel durch die Wüstenfarbe mit dem schönen Namen "Sabbia-Namib".  Preise nannte Moto Guzzi noch nicht. 

Hier finden Sie einen ausführlichen Fahrbericht zur Moto Guzzi V85 TT.   

Husqvarna mit 900er Reiseenduro

Als KTM-Tochter profitieren die Schweden vom Know-how der Österreicher und bauen technische ausgereifte Motorräder, die sich von der Masse abheben. Vermutlich erst 2021 wird eine schicke Reiseenduro hinzukommen: Die Norden 901 basiert auf der KTM 790 Adventure, der Reihenzweizylinder wird aber knapp 900 cm3 Hubraum und über 100 PS aufweisen.

Auf der EICMA hieß es, man wolle bewusst Fernreisende gewinnen. Auffälliger Motorschutz, diverse Sturzbügel, LED-Zusatzlicht sowie ein passendes Gepäcksystem unterstreichen diesen Anspruch.  

   

Benelli berappelt sich

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Motorrad Neuheiten 2020 Benelli leoncino Freisteller back
Schön gemachter Scrambler: Benelli Leoncino 800 Trail

Unter chinesischer Ägide geht es mit Benelli wieder aufwärts. Die Leoncino-Modelle sind schön gestylte und preiswerte Naked Bikes, die jene Kunden im Blick haben, denen eine Ducati zu teuer ist. Neu in 2020 sind die Leoncino 800 und später auch die Leoncino 800 Trail.

Antrieb ist ein neu entwickelter Zweizylinder mit gut 750 cm3 und 82 PS. Nach der erfolgreichen Leoncino 500 nehmen die Italiener damit die Oberklasse ins Visier. Ausstattung (Marzocchi-Upsidedown-Gabel, Brembo-Bremsanlage, auffälliger Gitterrohrrahmen) und Optik stimmen jedenfalls. Die Preise auch, die bei rund 7000 Euro beginnen dürften.  

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Motorrad Neuheiten 2020 Benelli Imperiale Freisteller back
Auferstehung der 50er-Jahre: Benelli Imperiale 400

Auch der Retro-Welle will sich Benelli nicht verschließen:  Das Ergebnis der „Mission Nostalgie“ heißt hier Benelli Imperiale 400. Das schön anzuschauende Motorrad – angelehnt an Benellis MotoBi-Reihe der 1950er Jahre – entlockt seinem 375er Einzylinder 21 PS und kostet knapp 4500 Euro. 

Moto Morini mit neuer Mittelklasse     

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Motor Morini X-Cape stehend von der Seite
Elegante Erscheinung: Moto Morini X-Cape

Noch eine italienische Traditionsmarke, die mit chinesischer Hilfe wieder auf die Füße kommt. Moto Morini kommt mit einer völlig neuen Mittelklasse-Plattform, auf der verschiedene Modelle aufgebaut werden. So das Enduro-angehauchte Adventure-Bike X-Cape oder der Scrambler 6 ½. Beide bekommen einen 650er-Reihentwin, dessen Leistung noch nicht verraten wurde; es soll aber auch 48-PS-Versionen geben.  

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Moto Morini Super Scrambler stehend von der Seite
Die Kraft des großen V2: Moto Morini Super Scrambler

Weiter oben legt Moto Morini ebenfalls zu – mit dem 1200er Super Scrambler. Hier kommt ein mächtiger V2-Motor mit 116 PS und 108 Nm Drehmoment zum Einsatz. Stollenreifen, Speichenräder und hochgelegter Auspuff machen deutlich, dass der Super Scrambler für Ausflüge jenseits asphaltierter Routen immer zu haben ist. Preise liegen noch nicht vor.  

Ein Scrambler von Indian 

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Idian FTR 1200 fahrend auf der Straße
Indian light: FTR 1200 Rally

Ähnlich wie Harley-Davidson kann auch Indian nicht mehr allein auf amerikanische Riesencruiser setzen. Nachdem vor einem Jahr der sportliche, auf Retro getrimmte "Flat-Tracker" FTR 1200 vorgestellt wurde, schieben die Amerikaner jetzt eine Version im Scrambler-Look nach – die FTR 1200 Rally.

Sie soll schon im Frühjahr 2020 erhältlich sein. Der 1,2-Liter-V2 leistet auch hier 123 PS. Der Preis ist noch nicht bekannt, die Normalversion kostet bislang rund 15.000 Euro. 

Motorradträume mit MV Agusta 

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MV Agusta Rush 1000 stehend von der Seite
Auch im Stehen schön: MV Agusta Rush

Besonders edel, besonders schön, besonders teuer – von diesem Image versucht die italienische Motorrad-Manufaktur MV Agusta zwar mit völkstümlicheren 800er-Modellen wie der Turismo Veloce 800 oder Dragster 800 wegzukommen. Doch Blickfang bleiben natürlich die Superbikes.

Die neue Rush 1000 basiert auf dem kraftstrotzenden Streetfighter Brutale 1000  RR, ruft in ihrem 1000er-Vierzylinder also 208 PS ab – und das bei deutlich unter 200 Kilo Gewicht. Auffällig das Scheibendesign des Hinterrads. Der Preis ist noch unbekannt, für Normalverdiener aber ohnehin uninteressant.  

Und wie steht es mit E-Antrieben? 

Es regt sich was – nicht bei den etablierten Marken, die bislang (außer Harley Davidson) nur Ankündigungen zu bieten haben. Treiber der Elektro-Szene sind vor allem Newcomer und findige Start-Ups, darunter nicht selten chinesische Firmen. Eine ganze Messehalle war auf der EICMA Elektro-Zweirädern vorbehalten, hier die auffälligsten Neuerscheinungen.  

RMK: Elektromotor im Hinterrad

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RMK E2 stehend von der Seite
Das etwas andere E-Motorrad: RMK E2

Ein technisches Highlight der EICMA war die Serienversion des Elektromotorrads RMK E2. Als Besonderheit bietet das wuchtige Naked Bike aus Finnland ein Hinterrad mit integriertem 80-kW-Motor (109 PS), der sich ringförmig in die Felge schmiegt. Konkrete Fahrleistungen wurden noch nicht genannt, doch soll der Sprint auf Tempo 100 weniger als 4 Sekunden dauern. Die Reichweite wird 200 bis 300 Kilometer betragen. Tatsächlich soll 2020 ausgeliefert werden, so wurde versprochen. Die Preise liegen bei 25.000 Euro. 

   

Kymco mit starkem Naked Bike

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Kymco Renovex fahrend auf der Straße
Von wegen nur Roller: Kymco will die schnelle E-RevoNEX bauen
Die Taiwanesen wollen sich nicht auf ihrem Ruf als Rollerspezialisten ausruhen, sondern bei der E-Mobilität den etablierten Marken voraus sein. Die neue RevoNEX ist optisch ein ansprechendes Naked Bike, noch dazu eines mit guten Fahrleistungen. Die Reichweite bleibt noch ein Geheimnis, doch soll der Sprint auf Tempo 100 unter 4 Sekunden dauern, bis zur Höchstgeschwindigkeit von 205 km/h sollen weniger als 12 Sekunden vergehen. Bis zum Marktstart dauert es hingegen länger: Erst 2021 soll es soweit sein.

Erwähnenswert auch der Roller Kymco I-One DX, der trotz einiger progressiver Details wie ein klassischer Roller daherkommt. Das Modell soll über 70 km/h schnell werden und dank zwei herausnehmbarer Batteriepakete bis 100 Kilometer Reichweite bieten.

Vespa: Die Wespe fliegt jetzt 70 

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Vespa Elettrica stehend im Studio
Besser mitschwimmen mit mehr Speed: Vespa Elettrica 70

Bislang war die Vespa Elettrica lediglich als Kleinkraftrad mit 45 km/h Spitze zu haben. Fahren darf man so etwas mit dem Zweiradführerschein AM (ab 16) oder dem Autoführerschein (und natürlich mit allen Motorrad-Lizenzen). Problem: In der Stadt und erst recht auf dem Land ist man mit Tempo 45 oftmals ein Verkehrshindernis. Wer besser mitschwimmen will, kann jetzt auch zur 70 km/h schnellen Elettrica 70 greifen. Die kommt bis zu 90 Kilometer weit, kostet knapp 6.700 Euro, verlangt aber nach dem Motorradführerschein A1 (ab 16).   

Ottobike: Taiwan-Bike mit deutschem Namen 

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Otto Bike MCR S stehend von der Seite
Sehr sportlich gezeichnet: Ottobike MCR S

Bereits im zweiten Quartal 2020 will der taiwanesische Anbieter Ottobike in Europa antreten. Neben dem Serienmodell MCR – ein Naked Bike mit über 200 Kilometer Reichweite – wurde in Mailand auch der sportlich gestylte Einsitzer MCR S vorgestellt. Die Bikes wiegen jeweils knapp 200 Kilo, sind bis zu 140 km/h schnell. Besonderheit der Motorräder: Sie sind sehr kompakt, rollen auf lediglich 14 Zoll großen Rädern 

Energica: Roter Blitz aus Modena

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Motorrad Neuheiten 2020 Energica Eva Ribelle fahrend
Kapazitäts-Champion unter der E-Bikes: Energica Eva Ribelle

Bereits seit einigen Jahren bietet der italienische Newcomer Energica mit Erfolg E-Motorräder an. Auf der EICMA präsentierte der Hersteller aus Modena seine Modellpalette mit rekordverdächtigen 21,5-kWh-Akkus; bislang waren es 13,6 kWh. Die sportlichen Bikes heißen Eva Ribelle ("Rebellin"), Eva EsseEsse9 und Ego. 145 PS und 215 Nm Drehmoment sowie 200 km/h Spitze sind eine Ansage.

Die neuen Akkus sollen das Trio im Stadtverkehr bis 400 und auf der Autobahn immerhin noch 180 Kilometer weit antreiben, wobei dank Schnell-Ladung 80 Prozent der Kapazität binnen 40 Minuten wieder aufgefüllt sind. Die Preise wurden deutlich gesenkt und starten künftig bei rund 21.000 Euro.

Zero: Streetfighter benzinfrei      

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Zero SRF stehend im Studio
Viele Assistenzsysteme an Bord: Zero SR/F

Auch Zero zählt zu den Pionieren im E-Motorrad-Bau, entsprechend ausgereift sind die Bikes der Amerikaner. Schön sind sie inzwischen auch. Die Zero SR/F ist ein sehr dynamisch gezeichneter Streetfighter, der so gar nichts mit nüchternem Steckdosen-Charme zu tun hat. 110 PS und 190 Nm setzt der E-Motor frei, die Spitze beträgt (abgeregelte) 200 km/h, mit dem 14,4 kWh-Akku sind maximal 175 Kilometer Reichweite drin, auch hier ist Schnell-Ladung (95 Prozent binnen einer Stunde) möglich. Hinzu kommt ein umfangreiches Fahrassistenz-Paket nebst festen und programmierbaren Fahrmodi. Preis: ab 20.800 Euro.   

Ein E-Chopper namens Panther

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Motorrad Neuheiten 2020 Hadin Panther Fahrer
Amerikanisches Flair: Haidin Panther

Haidin Panther nennt sich ein neues E-Motorrad-Projekt aus den USA. Es handelt sich um einen eher klassisch anmutenden Chopper mit teilweise eigenwilligen und leicht futuristischen Designdetails – statt Fußrasten gibt's Trittbretter, der hochgeschwungene Lenker zitiert Easy-Rider-Zeiten. 61 PS soll der E-Motor liefern, die Kraft wird per Riemen zum Hinterrad des 270-Kilo-Brockens gereicht, dank Schnell-Ladung soll der Akku binnen 30 Minuten wieder 80 Prozent Kapazität haben. Marktstart und Preis wurden noch nicht genannt. 

Horwin: Elektrisch fahren ab 16 

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Horwin CR6 stehend
Neu in der "125er-Klasse": Horwin CR6

Einiges bewegt sich im Segment elektrischer Leichtkrafträder. Horwin heißt eine neue (chinesische) Marke, die jetzt die Modelle CR6 und CR6 Pro präsentierte. Es handelt sich um klassisch anmutende Naked Bikes der 125er-Klasse (Führerschein A1 ab 16), die in zwei Leistungsstufen angeboten werden. Während bei der CR6 maximal 95 km/h möglich sind, kann die Pro dank Fünfganggetriebe 10 km/h schneller fahren. Die Reichweite wird mit maximal 150 km angegeben, die Preise beginnen bei knapp 5900 Euro, in Deutschland sind die Zweiräder bereits erhältlich.  

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Text: Claus Christoph Eicher mit Material von SP-X. Fotos: PR. 

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