So erkennen Sie Herzinfarkt-Symptome und reagieren im Notfall richtig

Eine Rettungssanitäterin schiebt einen Mann auf einer Trage in den Krankenwagen
Bei einem Herzinfarkt spielt eine schnelle ärztliche Versorgung eine entscheidende Rolle© iStock.com/Kzenon

Bei einem Herzinfarkt bekommt das Herz zu wenig Sauerstoff. Schnelles Handeln kann das Risiko für bleibende Schäden verringern und die Überlebenschancen erhöhen.

  • Herzinfarkt ist ein medizinischer Notfall

  • Bei jedem Verdacht sofort die 112 wählen

  • Symptome bei Frauen oft anders als bei Männern

Ein Herzinfarkt zählt zu den Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die in Deutschland mit über einem Drittel aller Sterbefälle zu den häufigsten Todesursachen zählen. Im Jahr 2021 starben über 45.000 Menschen in Deutschland an einem Herzinfarkt – 60 Prozent davon waren Männer, 40 Prozent Frauen.

Zwar haben sich diese Zahlen durch verbesserte Behandlungsmöglichkeiten in den letzten Jahrzehnten reduziert. Entscheidend bleibt jedoch, wann und wie schnell Betroffene medizinische Hilfe erhalten. Ein Herzinfarkt ist immer ein medizinischer Notfall, weshalb Sie bei jedem Verdacht umgehend die Notrufnummer 112 wählen sollten.

In den meisten Fällen ist eine Verengung oder ein Verschluss der Herzkranzgefäße die Ursache für einen Herzinfarkt. Damit der Herzmuskel arbeiten kann, wird er durch viele Blutgefäße – die sogenannten Herzkranzgefäße (Koronararterien) – mit ausreichend Sauerstoff und Nährstoffen versorgt.

Kommt es in einem Bereich des Herzmuskels zur Minderversorgung mit Sauerstoff, kann die Pumpfunktion des Herzens manchmal nicht aufrechterhalten werden. Auch andere Organe erhalten dann nicht genügend Sauerstoff, um richtig arbeiten zu können. Dieser Zustand führt zu einem Herzstillstand und wird als kardiogener Schock bezeichnet.

Herzinfarkt-Symptome erkennen

Typische Anzeichen für einen Herzinfarkt treten meist plötzlich auf und äußern sich so:

  • Anhaltende (über fünf Minuten) starke, stechende, teils brennende Schmerzen hinter dem Brustbein, die in Arme, Schultern, Rücken oder Oberbauch, den Hals-, Kiefer- und Nackenbereich ausstrahlen können

  • Sehr starkes Druck- oder Engegefühl im Brustkorb

  • Kurzatmigkeit oder Atemnot

  • Angstgefühl, das bis hin zur Todesangst reichen kann

Vor allem bei Menschen mit koronarer Herzkrankheit können herzinfarktähnliche Anfälle (Angina pectoris) auftreten. Zu Schmerzen und Druckgefühl in der Brust kommt es mitunter nach körperlicher Anstrengung. Oftmals verschwinden die Beschwerden wieder nach wenigen Minuten, wenn Betroffene sich ausruhen oder Bedarfsmedikamente einnehmen. Ist die Erkrankung weiter fortgeschritten, können die Symptome jedoch einen Herzinfarkt ankündigen.

Unabhängig von Vorerkrankungen gilt jedoch grundsätzlich: Wenn Brustschmerzen und Engegefühl länger als fünf Minuten anhalten, rufen Sie einen Rettungswagen unter 112.

Betroffene sind in der Regel blass im Gesicht und kaltschweißig. Schwindel oder Schwäche sowie Übelkeit oder Erbrechen zeigen sich oft als weitere Symptome eines Herzinfarkts.

Starke Brustschmerzen gleich Herzinfarkt?

Es gibt auch andere Erkrankungen, die ähnliche Symptome wie die eines Herzinfarkts verursachen können. Deshalb gilt grundsätzlich: Untypische Anzeichen schließen einen Herzinfarkt nicht aus und typische beweisen ihn nicht. Aber es sind Warnzeichen des Körpers, die den Verdacht auf einen möglicherweise lebensbedrohlichen Herzinfarkt nahelegen. Nur mit ärztlicher Hilfe kann dieser Verdacht durch Untersuchungen wie EKG und Bluttests aufgeklärt und gegebenenfalls behandelt werden.

Wie kündigt sich ein Herzinfarkt an?

Neben akuten Symptomen eines Herzinfarkts haben etwa die Hälfte der Betroffenen auch längerfristige Vorzeichen. Sie treten etwa 24 bis 48 Stunden vor einem Infarkt auf; Frauen sind davon häufiger betroffen. Langfristige Vorzeichen für einen Herzinfarkt sind beispielsweise:

  • Kurzfristiges Engegefühl in der Brust oder Brennen hinter dem Brustbein

  • Schlafstörungen, teils nächtliches Erwachen mit Beschwerden

  • Abgeschlagenheit

  • Kurzatmigkeit

  • Angstzustände

  • Leichte Schmerzen in der Brust und/oder in den Armen

Die Vorboten eines Herzinfarkts können unspezifisch sein und sowohl in Ruhe als auch nur bei körperlichen Belastungen wie zum Beispiel Treppensteigen auftreten. Bei Menschen mit Herzerkrankungen (vor allem koronarer Herzkrankheit) ist eine Unterscheidung oft nicht einfach. Denn unter Anstrengung können die Symptome auch chronisch auftreten. Hier gilt jedoch: Wer auch im Ruhezustand Beschwerden hat, muss die 112 wählen. In diesem Fall ist zwingend sofortige notärztliche Hilfe erforderlich.

Was ist ein stummer Herzinfarkt?

Die Anzeichen für einen Herzinfarkt können von Mensch zu Mensch unterschiedlich sein. Manche Symptome fehlen oder treten nur mild in Erscheinung. Tatsächlich zeigen sich bei etwa 45 Prozent aller Herzinfarkte keine eindeutigen Symptome, etwa bei einem Viertel der Betroffenen verläuft der Herzinfarkt sogar ohne Schmerzen. Manchmal wird der Infarkt erst bei einer Routineuntersuchung Jahre später im EKG entdeckt. In der Medizin wird dies als stummer oder stiller Herzinfarkt bezeichnet.

Die Ursachen dafür sind unterschiedlich. Bei einem leichten Herzinfarkt können zum Beispiel lediglich kleine Ästchen der Herzkranzarterien verengt oder verschlossen sein, wodurch die Beschwerden mitunter geringer ausfallen. Eine gestörte Schmerzempfindung durch eine Diabetes-Erkrankung kann ebenfalls hinter einem untypischen Verlauf stecken.

Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte können mit der Zeit zu Nervenschäden führen, auch am Herzen. Selbst wenn große Herzkranzarterien verengt oder verschlossen sind, also ein schwerer Herzinfarkt vorliegt, ist es möglich, dass der typische Brustschmerz fehlt. Wichtig ist: Ein stummer oder leichter Herzinfarkt kann genauso gefährlich sein wie einer mit ausgeprägten Symptomen – notärztliche Hilfe ist also immer erforderlich.

Herzinfarkt-Symptome bei Frauen

Herzinfarkt galt lange als typische Männerkrankheit. Immer noch besteht das Risiko, dass Betroffene sowie Behandelnde bei Frauen länger benötigen, um einen Herzinfarkt als Ursache von Beschwerden in Betracht zu ziehen. Herzinfarkt-Symptome zeigen sich bei vielen Frauen nicht so eindeutig wie bei Männern. So ist der typische Brustschmerz bei Frauen oft weniger stark ausgeprägt und tritt als Hauptsymptom nur bei 50 Prozent auf (bei Männern in 70 Prozent der Fälle). Folgende Anzeichen für einen Herzinfarkt können bei Frauen auftreten:

  • Atembeschwerden bis Atemnot

  • Schmerzen am Rücken und/oder Oberbauch

  • Ziehen in den Armen

  • Schweißausbrüche

  • Übelkeit und/oder Erbrechen

  • Starke Müdigkeit

  • Depressive Verstimmung

Erste Hilfe bei Herzinfarkt

Wenn Sie die genannten Herzinfarkt-Symptome an sich selbst wahrnehmen oder bei einer anderen Person erkennen, wählen Sie sofort die Notrufnummer 112 verlieren Sie keine Zeit! Wenn Sie allein leben und einen Hausnotruf haben, können Sie den Notruf per Knopfdruck über das System absetzen. Der Notruf ist die erste und wichtigste Maßnahme, die Sie in einem solchen Fall durchführen sollten – auch wenn Sie unsicher sind oder hoffen, dass sich die Beschwerden von allein wieder bessern.

Was Sie bei einem Herzinfarkt nicht tun sollten: selbst ins Krankenhaus fahren. Der Rettungswagen ist schneller bei Ihnen als Sie im Krankenhaus und kann zudem bereits vor Ort notärztlich versorgen. Zudem können Sie bei einem Herzinfarkt hinter dem Steuer andere Personen in Gefahr bringen.

Wenn Sie als Ersthelferin oder Ersthelfer bei einem Verdacht auf Herzinfarkt vor Ort sind, führen Sie je nach Situation folgende Erste-Hilfe-Maßnahmen nach dem Wählen der Notrufnummer 112 durch:

  • Folgen Sie den Anweisungen der Rettungsleitstelle: Beantworten Sie die Fragen, die gestellt werden. Diese umfassen die Angabe Ihres Namens und der Adresse sowie zum Zustand der betroffenen Person. Bleiben Sie in der Leitung und stellen Sie das Telefon sofern möglich auf Lautsprecher. So sind Ihre Hände frei für weitere Maßnahmen.

  • Wenn die Person mit Herzinfarkt-Symptomen wach und ansprechbar ist: Bleiben Sie bei der oder dem Betroffenen und versuchen Sie, ruhig zu bleiben. Unterstützen Sie die Person, indem Sie beruhigend mit ihr reden und versuchen, ihr die Atmung zu erleichtern. Dazu verhelfen Sie ihr in eine bequeme Sitzposition (erhöhter Oberkörper) und befreien sie aus beengender Kleidung. Frische Luft durch geöffnete Fenster empfinden Menschen in diesem Zustand oft als angenehm. Warten Sie gemeinsam, bis der Rettungsdienst eintrifft.

  • Wenn die Person mit Herzinfarkt-Symptomen bewusstlos wird: Bei einem Herzinfarkt besteht immer die Gefahr, dass das Herz plötzlich aufhört zu schlagen beziehungsweise in einen ineffektiven Rhythmus verfällt. Ist das der Fall, kommt es innerhalb weniger Sekunden zur Bewusstlosigkeit. In diesem Fall führen Sie eine Wiederbelebung durch: Bewusstseinsprüfung, Atemkontrolle, Herzdruckmassage (30-mal) im Wechsel mit Beatmung (zweimal), bis der Rettungsdienst eintrifft oder die Person wieder selbstständig atmet.

  • Die Messung von Blutdruck oder Puls ist für Ersthelfende bei einem Herzinfarkt nicht relevant. Der Blutdruck kann bei einem Herzinfarkt niedrig, normal oder erhöht sein. Und sowohl die Pulsfrequenz als auch der Rhythmus sind im Rahmen der Erste-Hilfe-Maßnahmen keine Parameter, die eindeutig das Vorliegen eines Herzinfarkts belegen. Der Rettungsdienst beziehungsweise der Notarzt oder die Notärztin werden diese Werte messen, um den Gesamtzustand bewerten und medizinische Notfallmaßnahmen einleiten zu können.

ADAC Notfallpass: Hilfe im Ernstfall

Generelle Informationen zu Ihrem Gesundheitszustand helfen den Rettungskräften bei einem Notfall. Im ADAC Notfallpass können alle relevanten Notfalldaten hinterlegt und zentral in der Wallet-App des Smartphones gespeichert werden:

  • Vorerkrankungen

  • Medikamenten-Allergien

  • Medikationen

  • Blutgruppe

  • Kontaktpersonen (Angehörige, Notfallkontakte, Haus- und Fachärzte)

  • Informationen zu einer Schwangerschaft

  • Informationen zu Implantaten (z. B. Herzschrittmacher)

  • Informationen zu Organspendeausweis, Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht

Im ADAC Notfallpass liegen diese Daten sicher verschlüsselt, damit sie bei einem Verlust des Smartphones nicht in falsche Hände gelangen. Der Notfallpass kann in die Rettungskette integriert werden. Im Notfall kann er von den Rettungskräften gescannt und ausgelesen werden. Im Zuge einer Weiterbehandlung im Krankenhaus können die Daten der entsprechenden Klinik zur Verfügung gestellt werden.

Wann ist das Herzinfarkt-Risiko erhöht?

Zu Herzinfarkten kommt es am häufigsten in den frühen Morgenstunden. Weitere Faktoren und Situationen, die das akute Risiko für einen Herzinfarkt erhöhen können:

  • Stress

  • Körperliche Anstrengung sowie sexuelle Aktivität

  • Kälte

  • Hoher Alkoholkonsum oder übermäßiges Essen

Zu den langfristigen Risikofaktoren für einen Herzinfarkt zählen Alter, Geschlecht und familiäre Veranlagung. Generell gilt:

  • Je höher das Alter, desto höher das Herzinfarkt-Risiko

  • Tendenziell haben mehr Männer einen Herzinfarkt

  • Bei Frauen steigt das Risiko für einen Herzinfarkt nach der Menopause an

  • Ausschlaggebend für das familiär bedingte Risiko ist, wie viele enge Verwandte von einem Herzinfarkt betroffen waren und in welchem Alter dieser bei ihnen auftrat. Je jünger, desto höher ist das vererbte Herzinfarkt-Risiko.

Neben diesen nicht beeinflussbaren langfristigen Risikofaktoren gibt es eine Reihe von Faktoren, auf die Sie selbst Einfluss haben, um das Herzinfarkt-Risiko zu senken:

  • Nicht rauchen

  • Sich körperlich fit halten

  • Täglich Obst und Gemüse essen

  • Den Alkoholkonsum einschränken

  • Stress reduzieren

Auch Übergewicht und Erkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck können das Herzinfarkt-Risiko erhöhen. Betroffene sollten ihr Gewicht und insbesondere das Bauchfett reduzieren, sowie sich regelmäßig ärztlich untersuchen lassen. Die Gesundheit des Herzens und der Blutgefäße spielt auch für das Schlaganfall-Risiko eine Rolle.

Die Deutsche Herzstiftung bietet einen Herzinfarkt-Risiko-Test an, bei dem Sie Ihr persönliches Herzalter bestimmen können.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.