Mit einer Diabetes-Erkrankung ist Autofahren meist möglich. Wann die Fahrtauglichkeit gemindert sein kann und worauf Betroffene achten sollten. Stabile Blutzuckerwerte sind Bedingung Selbstkontrolle vor der Fahrt Folgeerkrankungen können Fahrtauglichkeit einschränken Diabetes und Autofahren: Welche Voraussetzungen gelten? Die meisten Menschen können trotz einer Diabetes-Erkrankung Auto fahren. Wichtigste Voraussetzung ist, dass die Blutzuckerwerte stabil sind und regelmäßig kontrolliert werden. Betroffene sollten den Blutzucker vor der Autofahrt messen und für den Notfall Traubenzucker oder ähnliche Snacks mit schnell wirkenden Kohlenhydraten griffbereit haben. Wie viele Menschen sind von Diabetes betroffen? Diabetes mellitus, umgangssprachlich auch als Zuckerkrankheit bezeichnet, ist eine Volkskrankheit: In Deutschland haben etwa 9,1 Millionen Menschen eine Typ-2-Diabetes-Erkrankung, dabei wird die Dunkelziffer auf mindestens zwei Millionen weitere Betroffene geschätzt. Der seltenere Diabetes Typ 1 betrifft vorwiegend Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene. Fahrtauglichkeit bei Diabetes Verkehrsteilnehmende mit Diabetes müssen sicherstellen, dass sie in der Lage sind, ein Auto zu fahren (Fahrtauglichkeit). Für die Beurteilung der Fahrtauglichkeit ist der Diabetes-Typ nicht entscheidend. Ausschlaggebend ist vielmehr, ob Komplikationen bei der Behandlung oder im Verlauf der Erkrankung auftreten oder nicht. Diese stehen in erster Linie in Verbindung mit einer Unterzuckerung (Hypoglykämie), die zu Verhaltens- und Bewusstseinsstörungen führen kann. Wichtig ist, dass der Diabetes gut eingestellt ist und Betroffene geschult sind, eine Unterzuckerung zu erkennen, sie zu verhindern und im Ernstfall richtig handeln zu können. Wer kann die Fahrtauglichkeit einschätzen? Die behandelnden Ärzte sind nicht dazu verpflichtet, die Erkrankung einer Verkehrsbehörde zu melden. Aber sie sprechen der Patientin oder dem Patienten aus medizinischer Sicht eine verbindliche Einschätzung über die Fahrtauglichkeit aus. Wer sich nicht daran hält, begeht eine Ordnungswidrigkeit. Im Zweifel kann die Patientin oder der Patient eine medizinische Zweitmeinung zu einem ausgesprochenen "ärztlichen Fahrverbot" einholen. Für Menschen mit Diabetes, die einen Lastkraftwagen oder Bus fahren und Fahrgäste befördern, gelten andere Bestimmungen als für das Fahren eines privaten Personenkraftwagens oder von Motorrädern. Geregelt ist das über die Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV), die Anlage 4 FeV und die Begutachtungsleitlinien der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt). Detaillierte und fundierte Informationen zu dem Thema hat auch die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) in der aktuellen Leitlinie Diabetes und Straßenverkehr zusammengestellt. Wann ist die Fahrerlaubnis in Gefahr? Wahrnehmungsstörungen durch Unterzuckerung: Das Führen eines Fahrzeugs ist erst wieder erlaubt, wenn die oder der Verkehrsteilnehmende wieder zu jeder Zeit den Blutzuckerspiegel verlässlich kontrollieren kann. Schwere Unterzuckerung in den letzten zwölf Monaten: Das ausgesprochene ärztliche Fahrverbot wird erst aufgehoben, wenn der oder die Betroffene die Werte wieder stabil halten kann und die Unterzuckerung rechtzeitig wahrnimmt. Anhaltender zu hoher Blutzuckerwert: Eine Überzuckerung (Hyperglykämie) kann die Gesundheit, Konzentration, Reaktion und/oder Aufmerksamkeit so beeinträchtigen, dass das Unfallrisiko steigt. Daher besteht auch in diesem Fall ein Fahrverbot. Gesundheitliche Komplikationen oder Folgeerkrankungen: Häufige Spätfolgen von Diabetes sind Sehstörungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese spielen eine Rolle bei der Fahreignung. Gibt es aus ärztlicher Sicht Einschränkungen der Fahreignung, ist es wichtig, dass Sie sich an die Empfehlung halten, da Sie selbst für die Sicherstellung Ihrer Fahrtauglichkeit verantwortlich sind. In manchen Fällen benötigen Sie ein fachärztliches Gutachten zur Fahreignung, damit die Fahrerlaubnisbehörde die Fahrerlaubnis erteilen oder verlängern kann. Die Untersuchungen dieser verkehrsmedizinischen Begutachtung richten sich nach den Vorgaben der FeV und den Begutachtungsleitlinien der BASt. Welche Unfallrisiken bestehen bei Diabetes? Menschen mit Diabetes haben allenfalls ein leicht erhöhtes Unfallrisiko, bedingt durch folgende Faktoren. Häufige Unterzuckerung: Der Blutzucker sinkt zu stark ab. Eine Hypoglykämie kann leicht oder stark ausgeprägt sein und entsprechende Symptome verursachen – von Schwitzen, Zittern oder Unruhe bis hin zu Müdigkeit, Konzentrationsstörungen oder Ohnmacht. Nebenerkrankung Schlafapnoe: Tritt oft zusätzlich zum Diabetes auf und führt bei Betroffenen während des Schlafs zu verengten Atemwegen und Atemaussetzern. Tagesschläfrigkeit und Aufmerksamkeitsstörungen sind Folgen davon. Das Unfallrisiko ist dadurch erhöht. Sehstörungen als Folgeerkrankung: Diabetes birgt ein erhöhtes Risiko für Augenerkrankungen. Eine schwankende Sehschärfe im Tagesverlauf kann zum Beispiel ein frühes Zeichen einer leichten Netzhautschädigung (diabetische Retinopathie) sein. Wird ein dauerhaft erhöhter Blutzucker medikamentös zu schnell gesenkt, kann es zu verschwommenem Sehen kommen. Dieses kann bis zu drei Monate andauern. Wie lässt sich unterwegs einer Unterzuckerung vorbeugen? Wer auf Insulin angewiesen ist, sollte in jedem Fall vor dem Autofahren den Blutzucker messen. Legen Sie auf längeren Fahrten häufiger Pausen ein, unter anderem, um die Werte erneut zu kontrollieren. Bei den ersten Anzeichen von Unterzuckerung unbedingt pausieren und erst weiterfahren, wenn die Werte wieder stabil sind. Hilfe liefern im Notfall schnelle Kohlenhydrate in Form von Traubenzucker, Snacks oder Fruchtsäften, die im Auto als Reserve griffbereit liegen sollten. Es ist ratsam, einen Diabetikerausweis mit sich zu führen. Das Dokument ist unter anderem in Apotheken oder bei der Krankenkasse erhältlich und kann im Notfall Aufschluss über den Gesundheitszustand des Verkehrsteilnehmenden geben. Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.