ADAC Test Mini-SUV: Hyundai Kona, Kia Stonic, Seat Arona und Opel Crossland X

16.11.2018

Hyundai Kona, Kia Stonic, Seat Arona und Opel Crossland X machen mit frischem Design und quirligen Motoren großen Spaß. Vier neue Mini-SUV im Vergleichstes. Wer wird Testsieger?

  • Die kleinen SUV sich wahre Raumwunder und erfreuen sich großer Beliebtheit
  • Im Test müssen vier Modelle beweisen, wie gut sie sind
  • Große Unterschiede in den Fahrleistungen, Gesamtnoten von 2,6 bis 3,0

 

Erinnern Sie sich noch an den Werbeslogan einer neuen Automarke im Jahr 1998? "Reduce to the max" – auf kleinstem Raum, nämlich nur 2,50 Metern Außenlänge, das maximal Mögliche zu bieten – war nicht nur ein genialer Werbespruch der Marke Smart, sondern auch ein ziemlich geniales Konzept.

Doch so richtig geklappt hat das Ende des Jahrtausends nicht. Die meisten Menschen wollen eben mehr als zwei Sitzplätze plus Ablage für die Sporttasche wie im Smart fortwo. Und abgesehen von mehr Platz erwarten sie vor allem einen ordentlichen Federungskomfort, einen kompromisslosen Antrieb sowie ein unkritisches Fahrverhalten. In allen vier Punkten konnte der damalige Smart bekanntlich nicht überzeugen.

Kleine Raumwunder

Ganz anders die aktuellen Mini-SUV. Mit Längen zwischen 4,14 bis 4,21 Metern erfüllen sie die Platzansprüche des Alltags, sie sind günstig im Unterhalt und machen trotz ihrer auf Minimalgröße geschrumpften Motoren Spaß beim Fahren. "Reduce to the max" – hier klappt die Umsetzung der smarten Idee besser.

Zum Vergleichstest treten an: Hyundai Kona (120 PS), Kia Stonic (120 PS), Opel Crossland X (130 PS) und Seat Arona (115 PS), alle vier angetrieben von Dreizylinder-Turbobenzinern in Kombination mit einer Sechsgang-Handschaltung.

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Die Motoren laufen wenig kultiviert

Die größte Überraschung: Bei Leistung und Drehmoment lassen diese Dreizylinder kaum Wünsche offen. Es ist schon erstaunlich, was die Ingenieure heutzutage aus einem Motor mit nur einem Liter Hubraum herausholen. Der Langsamste des Quartetts ist der Hyundai Kona, der für den Sprint auf 100 Stundenkilometer 12,0 Sekunden braucht – erst bei 181 km/h geht ihm die Puste aus.

Schnellster: Der Opel Crossland, der in deutlich unter zehn Sekunden auf 100 ist und beim Maximalspeed die 200-Stundenkilometer-Marke knackt. Die Leistung unserer kleinen SUVs ist also absolut ausreichend.

Gewöhnungsbedürftig bleibt das Geräusch der Dreizylinder: Das mürrische Knurren beim Beschleunigen hat man ihnen nicht abtrainieren können. Am wenigsten kultiviert wirkt der Crossland, der mit 1,2 Litern Hubraum und 130 PS den größten Antriebsblock unter der Haube hat. Die gemessenen Schallpegel bleiben dennoch bei allen Kandidaten – auch im Opel – moderat.

Unterschiedliche Fahrleistungen

Kia Stonic und Seat Arona zaubern dem Fahrer schnell ein Lächeln auf die Lippen. Die beiden Leichtgewichte wuseln nicht nur flink durch den Stadtverkehr, sie lassen sich auch prima über kurvige Landstraßen scheuchen – wenn man nicht zu faul ist, ausgiebig den Schaltknüppel zu betätigen.

Im Hyundai muss man kleine Abstriche beim Fahrspaß machen, weil der mit rund 100 Kilo Mehrgewicht ein bisschen viel Speck auf den Hüften hat. Der Opel Crossland X (auf der Plattform des Peugeot 2008) verliert durch ein hakeliges Getriebe, seine Wankneigung in Kurven und eine gefühllose Lenkung.

SUV Vergleichstest Heckansicht
Dass alle vier SUVs auf Kleinwagen basieren, sieht man ihnen nicht an

Praktisch: Die erhöhte Sitzposition

Überzeugen kann der Opel mit seiner SUV-typisch erhöhten Sitzposition: 52 Zentimeter über der Straße. Das ist zehn Zentimeter höher als in einem normalen Kleinwagen wie dem VW Polo. Im Kia Stonic sitzt der Fahrer nur 46 Zentimeter hoch – das ist kaum mehr SUV-ähnlich.

Fondpassagiere kommen im kleinen Seat Arona erstaunlicherweise am besten unter – er nutzt die Ibiza/Polo-Plattform. Zwei Personen bis zu einer Körpergröße von 1,90 Metern sitzen hier sogar auf der Rückbank bequem. In die zweite Reihe des Opel passen Leute bis 1,80 Meter. Und im Hyundai Kona wie im Kia Stonic reicht die Beinfreiheit hinten nur für Menschen bis 1,75 Meter.

Auch gepäcktechnisch müssen sich die Mitfahrer des Hyundai und des Kia am meisten bescheiden. Und trotzdem: Für diese nur knapp 4,20 Meter langen Vertreter der Kleinwagenklasse sind die Platzverhältnisse überraschend üppig.

Testsieger: Seat Arona

Zoom-In
Frontalansicht Seat Arona
Testsieger: Der ausgewogene Seat Arona

Wer aber überlegt, einen dieser praktischen und sympathischen Mini-SUV als Wagen für die junge Familie zu nutzen, wird eher enttäuscht. Zum Kindertransport empfiehlt sich nämlich einzig der Seat Arona: Nur hier kann man zwei Kindersitze auf der Rückbank sicher und problemlos befestigen.

Dass diese SUV technisch voll auf der Höhe der Zeit sind, beweisen sie nicht zuletzt mit ihren Infotainment-Systemen sowie dem Angebot an Sicherheitsausstattung. Vom Totwinkelwarner bis zum Notbremsassistenten sind viele wichtige Features erhältlich. Freunde guter Musik finden sogar sehr hörenswerte Soundanlagen. Mit einer der höheren Ausstattungen und den hier getesteten Dreizylindermotoren sind die vier für anspruchsvollere Singles und Zwei- bis Dreipersonenhaushalte bestens geeignet.

Und bleiben immer noch günstig. Bestes Beispiel ist der gut ausgestattete Arona. Mit Wartung, Wertverlust und allem Drum und Dran kostet er 442 Euro im Monat. Hinsichtlich der Bezahlbarkeit sind die Mini-SUV also top. Getreu dem Motto: "Reduce to the max".


ADAC Urteil Bewertung

1. Platz: 
Seat Arona 1.0 Eco TSI Style

Karosserie/Kofferraum: 2,9
Innenraum: 2,5
Komfort: 3,1
Motor/Antrieb: 2,7
Fahreigenschaften: 2,6
Sicherheit: 2,2
Umwelt/EcoTest: 2,5

Gesamtnote: 2,6

  • Ausgewogene Federung. Geringe Kosten. Gute Fahrleistungen. Für Kindersitze gut geeignet. Tadellose Verarbeitung. 

 

  • Motor unter 2000 U/min schlapp. Viel Hartplastik.        

 

Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Seat Arona 1.0 Eco TSI Style

 

2. Platz: 
Hyundai Kona 1.0 T-GDI Style

Karosserie/Kofferraum: 3,1
Innenraum: 2,8
Komfort: 3,1
Motor/Antrieb: 2,7
Fahreigenschaften: 2,6
Sicherheit: 2,4
Umwelt/EcoTest: 3,0

Gesamtnote: 2,8

  • Erhöhte Sitzposition. Sicheres Fahrverhalten. Gute Lenkung. Geringe Kosten.

 

  • Hinten wenig Kniefreiheit. Billiges Hartplastik im Innenraum. Kleiner Kofferraum.        

 

Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Hyundai Kona 1.0 T-GDI Style

2. Platz: 
Kia Stonic 1.0 T-GDI Spirit

Karosserie/Kofferraum: 3,2
Innenraum: 2,9
Komfort: 3,1
Motor/Antrieb: 2,6
Fahreigenschaften: 2,7
Sicherheit: 2,4
Umwelt/EcoTest: 2,9

Gesamtnote: 2,8

  • Gute Fahrleistungen. Gut schaltbares Getriebe. Geringe Kosten. Gute Lenkung. Fahrverhalten agil und sicher.

 

  • Triste Materialien. Wenig Kniefreiheit im Fond. Sitzposition niedrig.

 

Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Kia Stonic 1.0 T-GDI Spirit

 

4. Platz: 
Opel Crossland X 1.2 DI T Innovation

Karosserie/Kofferraum: 2,9
Innenraum: 2,6
Komfort: 3,0
Motor/Antrieb: 2,8
Fahreigenschaften: 3,3
Sicherheit: 2,8
Umwelt/EcoTest:3,2

Gesamtnote: 3,0

  • Hohe Sitzposition. Gute Fahrleistungen. Ordentlicher Kofferraum. Gute Bedienung. Geringe Kosten.

 

  • Störende Motorvibrationen. Hakeliges Getriebe. Gefühllose Lenkung. Mäßige Bremsen.        

 

Lesen Sie hier den ausführlichen Testbericht zum Opel Crossland X 1.2 DI T Innovation


 

Text: Wolfgang Rudschies. Fotos: ADAC/Uwe Rattay.

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(acfo)