Test BMW 3er: Komfortabler Fahrdynamiker

14.8.2019

Aufgepasst, Audi A4, Mercedes C-Klasse und Peugeot 508: Der BMW-Beststeller setzt auch in der 7. Generation bei der Fahrdynamik den Maßstab in seiner Klasse. ADAC Test, Bilder, Daten, Preise.

  • Noch agileres Handling: Bei der Fahrdynamik hat der BMW 3er zugelegt
  • Die Stufenheck-Limousine wurde länger (4,71 m), bietet aber nur etwas mehr Platz
  • BMW 3er ist auch als Plug-in-Hybrid zu haben

 

In keinem anderen Modell des Münchner Autobauers kommt die "Freude am Fahren" besser zum Ausdruck als im BMW 3er, dem Herz der Marke. Vor allem im Vergleich zur Mercedes C-Klasse, die auf Komfort und Luxus getrimmt ist, oder dem Audi A4, der mit seiner Perfektion fast schon langweilt. Und eines ist nach unseren ersten Testfahrten jetzt schon klar: Auch die siebte Generation der Limousine behauptet den sportlichen Spitzenplatz in der Mittelklasse.

Optisch ist sich der 3er weitgehend treu geblieben: Die Silhouette lehnt sich stark an den Vorgänger an, nur die Front ist sichtlich progressiver gestaltet – schmale, zweigeteilte Scheinwerfer und die breite Niere lassen den neuen 3er dynamischer wirken als bisher. LED-Scheinwerfer sind Serie, Laserlicht fürs Fernlicht gibt es gegen Aufpreis. Am Heck fallen die breiten, abgedunkelten LED-Leuchten auf.

Neuer BMW 3er: Deutlich agileres Handling

Zoom-In
Der neue 3er BMW in Fahrt
Neuer BMW 3er mit auffälligen Leuchten und breiter Niere

Beim ersten ADAC Test mit dem 320d zeigte sich, wie ernst BMW das Thema Sportlichkeit immer noch nimmt. Nicht umsonst hat der Bayer wieder eine elektronische Charakterregelung sowie zum ersten Mal ein elektronisches Sperrdifferential an der Hinterachse. Dazu haben die Ingenieure einen Zentner Gewicht aus dem Wagen geholt.

Vor allem aber haben sie den Wagen auf ein neues, ganz und gar analoges Fahrwerk mit einer drei Zentimeter breiteren Spur, einem einen Zentimeter tieferen Schwerpunkt und neuen Dämpfern gestellt, die einen zusätzlichen Kolben für 50 Prozent mehr Dämpfung haben. Damit können sie mehr Energie abbauen, ohne die Bandscheiben stärker zu belasten.

Der Testwagen war mit dem aufpreispflichtigen M-Fahrwerk (10 Millimeter tiefer) ausgestattet, das in zwei Modi (Comfort und Sport) angepasst werden kann. Trotz der adaptiven Regelung kommt der Komfort aber deutlich zu kurz, ein großer Unterschied zwischen beiden Einstellungen lässt sich kaum feststellen: Der 3er ist damit eigentlich immer zu hart gefedert. Nicht jeder 3er-Fahrer dürfte daran Gefallen finden.

Dank der ausgewogenen 50:50-Achslastverteilung und der direkten variablen Sportlenkung lässt sich die Limousine aber fast spielerisch um jede Ecke zirkeln und glänzt auch im ADAC Ausweichtest mit exzellentem und sehr sicherem Fahrverhalten. Zudem sorgen die guten Bremsen für einen sicheren Stand: 34,5 Meter Bremsweg aus 100 km/h sind ein sehr guter Wert.

Bildergalerie:Klicken oder tippen Sie auf das Bild für eine größere Darstellung und mehr Informationen. 

 

Weil das neue Modell 7,6 Zentimeter länger geworden ist und nun auf 4,71 Meter Länge kommt, verspricht BMW zwar bessere Platzverhältnisse als beim Vorgänger. Doch auch die siebte Generation kann es nicht mit dem großzügigen Innenraum eines VW Passat oder eines Ford Mondeo aufnehmen.

Das Kofferraumvolumen ist mit 480 Litern laut Werk gleich geblieben, nach ADAC Messung passen 405 Liter Gepäck bzw. sechs Getränkekisten rein. Immerhin ist eine im Verhältnis 40:20:40 umklappbare Rückbank jetzt serienmäßig an Bord. Für mehr Platzbedarf gibt es schließlich noch den neuen 3er Touring.

Cockpit mit Digitaldisplay und Touchscreen

Zoom-In
BMW 3er Interieur
Modernes Cockpit mit hoher Mittelkonsole. Digital-Instrumente kosten extra

BMW hat den neuen 3er gut gedämmt, hier ist ein deutlicher Fortschritt zum Vorgänger hör- und messbar. Im Testwagen waren zudem die optionalen vorderen Seitenscheiben in Doppelverglasung verbaut – dieses Extra (Akustikverglasung) ist mit 200 Euro noch akzeptabel eingepreist.

Bei 130 km/h ergibt sich im Innenraum eine Lautstärke von 66,4 dB(A) – ein gutes Ergebnis. Der Motor bleibt dabei dezent im Hintergrund, unter Last und beim Ausdrehen ist er zwar zu vernehmen, wird jedoch nie störend laut.

Natürlich prangt hinter dem Lenkrad jetzt gegen Aufpreis ein großes Digitaldisplay, der Navibildschirm reagiert auf einen Fingerzeig und Gestensteuerung und auf dem Mitteltunnel gibt es auch weiterhin den i-Drive-Controller mit integriertem Touchpad.

Neu bei BMW: Ein "Intelligent Personal Assistant", der – im Prinzip wie Amazon Alexa – mit der Sprachsteuerung gekoppelt ist und auf den Befehl "Hey BMW" reagiert. Doch was im Heimbereich inzwischen leidlich gut funktioniert, ist im Auto noch nicht ganz so weit und es gibt immer noch Missverständnisse.

Toll funktioniert dagegen der neue Parkassistent mit Rückfahrassistent. Fährt man in eine Engstelle, wo es nicht weitergeht, lenkt der 3er auf Knopfdruck die letzten 50 Meter selbstständig im Schritttempo zurück – der Fahrer muss nur noch bei Bedarf bremsen. 

Testverbrauch beim 320d: 5,1 l Diesel/100 km

Zoom-In
BMW 330e Plug In Hybrid
BMW 330e: Der Plug-in-Hybrid kommt gut 50 km rein elektrisch

Unter der Haube hat sich recht wenig getan. Es bleibt bei den bekannten Vier- und Sechszylindern, die alle ein bisschen sparsamer werden und trotzdem etwas mehr Bums haben. Eine gute Wahl bleibt der getestete 320d. 190 PS stark, macht er dem 3er in jeder Fahrsituation Beine und verhilft ihm zu souveränen Fahrleistungen.

BMW verspricht 6,8 Sekunden von null auf 100 km/h und eine Endgeschwindigkeit von 240 km/h. Gemessene 4,3 Sekunden für den Sprint von 60 auf 100 km/h sind ein sehr guter Wert, so können beispielsweise Überholmanöver auf der Landstraße zügig und sicher umgesetzt werden. Der 320d bietet mit seinem gut ansprechenden Motor und der nachhaltigen Kraftentfaltung eine Menge Fahrspaß.

Das Beste: Beim Verbrauch hält sich der Motor sehr zurück und kam im ADAC Ecotest gerade einmal auf 5,1 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Auch bei den Schadstoffmessungen präsentierte sich der Selbstzünder als Saubermann, alle Grenzwerte wurden weit unterschritten. Die Stickoxid-Emissionen lagen nicht mal bei einem Viertel des Grenzwerts. Dank effektivem Partikelfilter waren Partikelemissionen kaum noch messbar, deren Anzahl bewegt sich im Bereich von einem Tausendstel des Grenzwerts.

Plug-in-Hybrid: Der 330e ist sportlich und sparsam

Auch ein Plug-in-Hybrid ist als 330e bereits zu haben. Gemessen im veralteten NEFZ-Fahrzyklus soll er laut BMW 66 Kilometer rein elektrisch fahren können. Das klappt in der Praxis zwar nicht ganz, wie wir auf einer ersten Testrunde feststellen konnten, aber rund 55 Kilometer sind für den Plug-in realistisch.

Auffällig: Das Zusammenspiel zwischen Benziner und Elektromotor klappt so hervorragend, dass man die Übergänge zwischen den Betriebsarten gar nicht spürt. Meist realisiert man gar nicht, ob sich der Benziner eingeklinkt hat oder ob man gerade rein elektrisch durch die Lande stromert.

Mit 252 PS Systemleistung (Benziner: 184 PS, E-Motor: 113 PS) ist das Duo so potent, dass er es auch mit Sportwagen aufnehmen könnte. Lediglich 5,9 Sekunden vergehen beim Sprint auf Tempo 100. Für maximal 10 Sekunden gibt es sogar einen Extra-Boost (beim Kickdown), so dass kurzzeitig bis zu 292 PS mobilisiert werden. Als Verbrauch gibt BMW zwischen 1,6 und 1,9 Liter Super/100 km an plus 14,8 bis 15,4 kWh Strom, was nur funktioniert, wenn man immer brav auflädt und den Benziner so gut wie nie nutzt. Preis: ab 51.550 Euro.

Irgendwann wird es den BMW 3er auch rein elektrisch geben, hört man aus München. Die Preise liegen auf dem Niveau des Vorgängers und starten bei 37.850 Euro für den 318d, den kleinsten Diesel.

Hier lesen Sie den ausführlichen Testbericht zum BMW 320d (PDF).

Technische Daten (Herstellerangaben) BMW 320d M Sport Steptronic               
Motor  Vierzylinder-Turbodiesel, 1995 cm3, 140 kW/190 PS, 400 Nm bei 1750 U/min
Fahrleistungen
6,8 s auf 100 km/h, 240 km/h Spitze
Verbrauch (nach WLTP) 5,4 l Diesel/100 km, 141 g CO2/km
Maße  L 4,71 / B 1,83 / H 1,44 m
Kofferraum  480 l 
Leergewicht 1530 kg
Preis 48.700 €

ADAC Messwerte (Auszug)
Überholvorgang 60-100 km/h 4,3 s 
Bremsweg aus 100 km/h 34,5 m 
Wendekreis 11,4 m                    
Verbrauch / CO2-Ausstoß ADAC Ecotest 5,1 l Diesel/100 km , 161 g CO2/km (well-to-wheel) 
Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne) **** 
Reichweite 780 km
Innengeräusch bei 130 km/h    66,4 dB (A)                    
Leergewicht / Zuladung 1625 / 460 kg
Kofferraumvolumen normal / geklappt   405 / 725  l

 

ADAC Testergebnis Gesamtnote: 2,0
Karosserie/Kofferraum 2,7
Innenraum 2,2
Komfort 2,3
Motor/Antrieb 1,4
Fahreigenschaften 2,1
Sicherheit  1,7
Umwelt/Ecotest 2,0

 

  • Das hat uns gefallen: Perfektes Automatikgetriebe. Flotte Fahrleistungen. Angemessener Verbrauch. Sehr geringer Schadstoffausstoß. Viele Assistenz- und Sicherheitssysteme lieferbar.
  • Das hat uns nicht gefallen: Hoher Kaufpreis. Teure Extras. Angesichts der Fahrzeuggröße mäßiges Platzangebot, zu unkomfortable Federung (adaptives M Fahrwerk).

Text: Thomas Kroher, Thomas Geiger, Jochen Wieler. Fotos: BMW AG.

Hier finden Sie viele weitere Fahrberichte und Autotests.

Kontakt zur Redaktion:  redaktion@adac.de