Genesis G70 im Test: So fährt der 3er-BMW aus Korea

Genesis G70 mit markantem Kühlergrill und geteilten Scheinwerfern
Genesis G70 mit markantem Kühlergrill und geteilten Scheinwerfern© Genesis/Matthew Howell

Ein BMW 3er oder ein Audi A4 ist nicht exklusiv genug? Dann wäre der Genesis G70 wohl eine Alternative: Die sportive Limousine und die Shooting Brake-Version von Hyundais Nobelmarke stehen garantiert nicht an jeder Ecke. ADAC Test, Daten, Bilder

  • Sportlicher Genesis G70 tritt gegen BMW 3er, Audi A4 und Jaguar XE an

  • Zwei Benziner mit 197 und 245 PS und ein 200-PS-Diesel sind zu haben

  • Genesis setzt auf individuellen Service statt auf Händler

Versonnen aus dem Fenster schauen und verschlafen, wenn sich der Vordermann an der Ampel wieder in Bewegung setzt? Das hat der Genesis G70 gar nicht gern. "Das Fahrzeug vor Ihnen fährt los." Der unmissverständliche Hinweis im Display zwischen Tacho und Drehzahlmesser, begleitet von einem dezenten "Bling", ist nicht die einzige Überraschung, die die Stufenhecklimousine und der als Lifestyle-Laster gedachte Shooting Brake im Mittelklasseformat zu bieten haben. Die in Deutschland neue Marke von Hyundai will ohnehin so einiges anders machen als die etablierte Konkurrenz.

Ein Händlernetz gibt es bei Genesis nicht

Ein Griff am Kofferraumdeckel fehlt – die Luke öffnet elektrisch © Genesis/Matthew Howell

Das fängt schon beim Vertriebskonzept an, das mit dem klassischen Autohandel wenig zu tun hat. Händler gibt es keine, nur ein einziges "Studio" in Deutschland – in der Fußgängerzone (!) in München und dort in direkter Umgebung von noblen Boutiquen. Wer nicht in München wohnt, kann, beziehungsweise muss, sich seinen Genesis online bestellen. Ein "Personal Assistent" stellt den Wagen dann vor die Haustür, holt und bringt ihn auch wieder, wenn der Kundendienst ansteht. Ob die Kunden diesen Weg mitgehen werden?

Neben der Luxuslimousine G80 und dem SUV GV80 sollen in Deutschland vor allem der edle Elektro-SUV GV60, der SUV namens GV70 und der hier in beiden Versionen als Limousine und Kombi getestete G70 punkten. Mit 4,67 und 4,69 Metern Länge tummelt sich der G70 im Segment von BMW 3er, Audi A4, Mercedes C-Klasse, Volvo S60 und Jaguar XE, präsentieren sich ansehnlich und elegant, aber nicht aufdringlich.

Die Federung ist eher sportlich ausgelegt

Zumindest den gefahrenen Sport-Varianten sieht man mit 19-Zoll-Niederquerschnittsreifen, roten Brembo-Bremssätteln, roten Gurten im Innenraum und roten Ziernähten am hochwertig wirkenden Armaturenbrett an, dass sich die Koreaner an einem 3er-BMW auch in Sachen Sportlichkeit messen möchten. Und betonen, dass der G70 für europäische Straßen entwickelt worden sei.

Das merkt man bereits auf den ersten Metern. Wer einen fliegenden Teppich sucht, bei dem die Welt außen vor bleibt wie in großen Luxuslimousinen, hat zumindest in der Sport-Version nichts verloren. Das Fahrwerk hinterlässt trotz serienmäßiger adaptiver Dämpfer einen recht straffen Eindruck, und die großen 19-Zoll-Räder tun ihr Übriges, dass sich der G70 nicht wie eine Sänfte anfühlt, sondern Fahrbahnunebenheiten besonders bei gemächlicher Fahrt von den Insassen gut wahrzunehmen sind. Auch auf der Autobahn kommt der Aufbau nicht wirklich zur Ruhe – tiefe Bodenwellen führen zu kräftigen Vertikalbewegungen, auf welliger Fahrbahn wirkt die Federung des G70 ebenfalls wenig souverän.

Bei der Fahrdynamik sieht das allerdings anders aus. Das Ergebnis kann vollauf überzeugen, hier reichen dem G70 nur wenige Konkurrenten das Wasser. Nicht nur auf öffentlichen Straßen, auch im ADAC Ausweichtest auf dem abgesperrten Testgelände überzeugt der G70 mit hoher Fahrstabilität und hoher Fahrdynamik, Limousine und Shooting Brake bereiten sportlichen Fahrnaturen großen Fahrspaß. Die Abstimmung der Lenkung passt zur sportlichen Ausrichtung des G70. Leider ist die Mittellage nicht sauber definiert, was sich besonders bei Autobahnfahrten durch ständige Lenkkorrekturen negativ bemerkbar macht.

Sportliche Fahrleistungen mit 245-PS-Turbobenziner

Dazu passt die Auslegung des Motors, im Fall des ersten Testwagens ein 2,0-Liter-Turbobenziner, der mit 245 PS über reichlich Leistung verfügt. Ein spontaner Tritt aufs Gas genügt und der Vierzylinder legt sich ganz ohne turbotypische Verzögerung ins Zeug, lässt die Limousine in nur 6,1 Sekunden nach vorn preschen und auf bis zu 240 km/h beschleunigen. Für den Zwischenspurt von 60 auf 100 km/h benötigt der Koreaner 3,8 Sekunden, von 80 auf 120 km/h geht es in 4,7 Sekunden. Der Vierzylinder läuft angenehm kultiviert, Vibrationen sind im Innenraum kaum zu spüren. Auch akustisch fällt er nicht negativ auf und verkneift sich selbst bei sehr niedrigen Drehzahlen störendes Brummen.

Erkauft wird der Spaß allerdings durch eine gewisse Hektik im Antriebsstrang. So schaltet zwar das Automatikgetriebe superspontan und flott, um dem Fahrer oder der Fahrerin ein Maximum an Fahrdynamik zu servieren. Doch nicht jeder dürfte den Übereifer zu schätzen wissen. Ruhiger wird’s, wenn man den Fahrdynamikschalter auf Eco dreht. Dann bleibt die Drehzahl meist niedrig. Und siehe da: Auch bei niedrigen Touren hat der Motor noch genügend Drehmoment, um flott voranzukommen. Dem Verbrauch sollte das zuträglich sein.

Benziner: Hoher Verbrauch im ADAC Ecotest

Wirklich sparsam ist der Otto-Antrieb nämlich nicht. Im ADAC Ecotest kommt er auf 9,4 Liter je 100 Kilometer und eine CO₂-Bilanz von 246 g/km. Innerorts liegt der Verbrauch bei 10,1, außerorts bei 7,9 und auf der Autobahn bei hohen 11,3 l/100 km. Auf eine Hybridisierung verzichtet Genesis und outet sich damit als ziemlich altmodisch. Bei der billigeren Schwesternmarke Hyundai rollen mittlerweile fast alle Modelle zumindest leicht hybridisiert vom Band. Als motorische Alternativen stehen noch eine Version mit 197 PS und ein Diesel mit 200 PS zur Wahl, ebenfalls ohne Elektrounterstützung.

Auch der Diesel schluckt zu viel

Der Selbstzünder arbeitete im zweiten Testkandidaten. Der mit einem maximalen Drehmoment von 440 Nm gesegnete Turbodiesel motorisiert den G70 Shooting Brake souverän, der Wunsch nach mehr Leistung kommt kaum auf. Von 60 auf 100 km/h geht es bei Bedarf in 4,7, von 80 auf 120 km/h in 6,2 Sekunden. Genesis gibt den Wert für den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h mit 7,7 Sekunden an, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 225 km/h. Der Vierzylinder läuft allerdings recht rau. Gerade bei niedrigeren Drehzahlen dringen deutliche Vibrationen bis in den Innenraum, sie sind hauptsächlich am Lenkrad zu spüren. Der 2,2-Liter-Diesel verkneift sich störendes Brummen, beim Ausdrehen wird das Aggregat lauter, aber nicht störend.

Und das Umwelt-Kapitel? Da sieht es deutlich weniger gut aus. Im ADAC Ecotest kommt der G70 Shooting Brake 2.2 D auf einen Durchschnittsverbrauch von 7,1 Liter Diesel pro 100 Kilometer – das ist für einen modernen Diesel der 200-PS-Klasse sehr viel. Damit verbunden ist eine CO₂-Bilanz von 221 g/km. Der Selbstzünder verfügt über einen SCR-Katalysator samt Partikelfilter zur Reduzierung der Stickstoffoxide (NOx) im Abgas. Im Autobahnzyklus mit hohem Volllastanteil liegen die Stickstoffoxide allerdings oberhalb des anspruchsvollen Grenzwerts des ADAC Ecotest.

G70 und G70 Shooting Brake: Im Fond eher eng

Der G70 Shooting Brake: Schicke Form, eher wenig Platz © Genesis

Beim Platzangebot liegt der Genesis auf gutem Mittelklasse-Niveau, es sitzt sich bequem, die Beinfreiheit vorne reicht für 1,95 Meter große Menschen, die Kopffreiheit allein würde für knapp zwei Meter große Personen genügen. Im Fond beider G70-Versionen geht es ziemlich beengt zu, hier rangiert der Genesis deutlich unter dem Klassendurchschnitt. Verantwortlich dafür ist die eingeschränkte Kopffreiheit, die lediglich für bis zu 1,80 (Limousine) und 1,85 Meter (Shooting Brake) große Insassen ausreicht.

Der Kofferraum der Limousine fällt vergleichsweise klein aus. Das Standardvolumen beträgt 325 Liter oder alternativ sechs Getränkekisten. Klappt man die Rücksitzlehne um und belädt den G70 bis zur Fensterunterkante, beträgt das Kofferraumvolumen 780 Liter. Ein ähnliches Bild bietet sich beim Shooting Brake. Dessen Gepäckraum fasst unter der Laderaum-Abdeckung für einen Mittelklasse-Kombi bescheidene 300 Liter.

Nutzt man den Stauraum bis zum Dach, erweitert sich das Volumen wegen der schräg verlaufenden Heckklappe nur auf 370 Liter. Dann kann man im Kofferraum bis zu sieben Getränkekisten unterbringen, das ist wahrlich nicht viel. Klappt man die Rücksitze um und beschränkt sich auf den Raum bis zur Fensterunterkante, lassen sich bis zu 650 Liter verstauen. Unter Ausnutzung des kompletten Stauraums hinter den Vordersitzen sind bis zu 1040 Liter verfügbar.

Der G70 lässt sich einwandfrei bedienen

Bei der Bedienung gibt sich der G70 konventioneller als vermutet und greift auf die bewährte Hyundai-Technik mit durchdachten Touchscreen-Menüs zurück. Wichtige Funktionen wie die Klimatisierung lassen sich nach wie vor über praktische Drehknöpfe justieren. Das mag altmodischer sein als etwa bei einer C-Klasse, wo fast alle Funktionen über einen riesigen Touchscreen geregelt werden, aber bedienungsfreundlicher ist es allemal.

Die großen Schnelleinstiegs-Tasten unter dem Touchscreen haben ebenfalls ihre Vorteile, die lästige Suche in Menüs und Untermenüs bleibt somit aus. Ein Head-up-Display spiegelt wichtige Infos in die Scheibe und selbstredend sind Handy-Anbindung, eine induktive Ladefunktion und Assistenzsysteme aller Art up to date.

Als optisches Highlight dienen im Innenraum die digitalen Instrumente hinter dem Lenkrad. Sie sind ausnehmend schön gestaltet, individuell konfigurierbar, gut abzulesen und machen mit einem leichten 3D-Effekt ordentlich was her. Und beim Abstellen des Fahrzeugs mahnen sie dazu, noch einmal auf den Rücksitz zu gucken. Nicht, dass man Kind, Hund oder die Schwiegermutter im Fond vergisst . . .

Genesis G70: Preis unter 40.000 Euro

Bleibt der Blick auf die Preisliste. Die Basisversion mit 197 PS starkem Turbobenziner ist für 39.100 Euro zu haben und damit knapp 5000 Euro günstiger als ein BMW 320i, hat diesem aber noch das ein oder andere Ausstattungsdetail voraus. Die getestete Version "Sport" mit 245 PS ist preislich in etwa mit einem gleich starken Jaguar XE vergleichbar und ab 47.610 Euro zu haben. Der getestete Shooting Brake mit Diesel und Sport-Ausstattung wird ab 46.910 Euro angeboten. Nicht wenig, aber Exklusivität hat eben ihren Preis.

Lesen Sie hier des ausführlichen Test des Genesis G70 2.0T Plus Sport als PDF
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Genesis G70 & Shooting Brake: Technische Daten, Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

Genesis G70 2.0T Plus Sport Automatik (ab 11/21)

Genesis G70 Shooting Brake 2.2D Sport Automatik (ab 11/21)

Motorart

Otto
Diesel

Hubraum (Verbrennungsmotor)

1.998 ccm
2.199 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

180
147

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

245
200

Drehmoment (Systemleistung)

353 Nm
440 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

6.200 U/min
3.800 U/min

Antriebsart

Heck
Heck

Beschleunigung 0-100km/h

6,1 s
7,7 s

Höchstgeschwindigkeit

240 km/h
225 km/h

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

181 g/km
177 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

8,0 l/100 km
6,8 l/100 km

Kofferraumvolumen normal

330 l
465 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

-
1.535 l

Leergewicht (EU)

1.675 kg
1.810 kg

Zuladung

465 kg
465 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg
750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.500 kg
1.500 kg

Garantie (Fahrzeug)

5 Jahre
5 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.685 mm x 1.850 mm x 1.400 mm
4.685 mm x 1.850 mm x 1.400 mm

Grundpreis

47.610 Euro
46.910 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Genesis G70 2.0T Plus Sport

Genesis G70 Shooting Brake 2.2D Sport

Überholvorgang 60 – 100 km/h

3,8 s

4,7 s

Bremsweg aus 100 km/h

36,4 m

33,4 m

Wendekreis

11,9 m

11,0 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

9,4 l Super/100 km, 246 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

7,1 l Diesel/100 km, 221 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

**

***

Reichweite

635 km

845 km

Innengeräusch bei 130 km/h

68,3 dB(A)

68,9 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1670 / 470 kg

1802 / 473 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

325 / 780 / - l

300 / 6500 / 1040 l

ADAC Testurteil

ADAC Testergebnis

Genesis G70 2.0T Plus Sport Automatik (ab 11/21)

Genesis G70 Shooting Brake 2.2D Sport Automatik (ab 11/21)

Karosserie/Kofferraum

2,8
2,7

Innenraum

2,5
2,4

Komfort

2,5
2,5

Motor/Antrieb

1,6
1,8

Fahreigenschaften

2,5
2,0

Sicherheit

1,3
1,4

Umwelt/EcoTest

4,1
3,5

Gesamtnote

2,5
2,4
Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet; Notengrenzen:

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

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