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Der ADAC

C2X im VW Golf 8: Erster ADAC Test

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC/Ralph Wagner

Mit seiner Car-to-Car-Kommunikation soll der neue VW Golf Unfälle komplett verhindern. Der ADAC hat das System schon getestet.

  • Golf warnt im Test andere Verkehrsteilnehmer zuverlässig vor Gefahren

  • Sender und Empfänger brauchen ein spezielles Steuergerät

  • C2X ist ein Technik-Meilenstein, der den Autoverkehr sicherer macht

Unfälle gar nicht erst passieren lassen: Das verspricht die neue Technik C2X (sprich Car-to-X) bzw. C2C (Car-to-Car), die der neue VW Golf 8 als erstes Massenauto serienmäßig an Bord hat. Das Prinzip: Der Golf erkennt dank seiner vielen Sensoren Gefahren – und warnt andere Verkehrsteilnehmer in der Nähe automatisch per Funk.

Die Technik ist für Verkehrssituationen entwickelt worden, in denen der Fahrer ohne einen solchen Warnhinweis nur sehr spät oder überhaupt nicht mehr reagieren kann. Und solche Gefahrensituationen gibt es eine ganze Reihe: Wenn zum Beispiel durch Regen oder Nebel schlechte Sicht herrscht und plötzlich ein am Fahrbahnrand stehendes Auto auftaucht. Oder das Stauende auf der Autobahn hinter einer Kuppe liegt.

Bei insgesamt elf solcher Gefahrensituationen wird vom Golf 8 per WLAN-Funk eine Warnung direkt an andere Autos in bis zu 800 Metern Entfernung gesendet – quasi verzögerungsfrei. Natürlich müssen dann diese Fahrzeuge auch ein Steuer- und Empfangsgerät für C2X an Bord haben, damit sie diese Warnung bekommen.

Das elektronische Steuergerät des VW Golf 8 hat in etwa die Größe einer Tafel Schokolade, lässt sich prinzipiell in alle neuen Modelle integrieren und sendet keine Daten an den Hersteller.

Auch Warnanhänger oder Ampeln können so ein Steuergerät nutzen. Denn bei C2X spricht man sowohl von einer Kommunikation zwischen Fahrzeugen (Car-to-Car) wie vom Informationsaustausch mit Infrastruktur (Car-to-Infrastructure).

In einem ersten Systemtest hat der ADAC anhand von simulierten Verkehrsszenarien untersucht, wie gut die Technik im VW Golf 8 tatsächlich funktioniert.

Test-Szenarien: Stehendes Fahrzeug am Fahrbahnrand

Die Versuche mit einem Golf, der am Straßenrand steht, wurden auf gerader ebener Fahrbahn sowohl ohne als auch mit Verdeckung gefahren. Das Ergebnis der Messungen: Jeweils elf Sekunden vor der potenziellen Kollision warnte der Golf mittels eines akustischen Signals und einer Einblendung im Display den Fahrer des zweiten Golfs vor der Gefahrenstelle. Eine Verdeckung durch ein vorausfahrendes Fahrzeug (im Versuch ein ADAC Pannenhilfe-Fahrzeug) änderte nichts an der Auslösezeit.

Bei 100 km/h Annäherungsgeschwindigkeit bedeuten die elf Sekunden Vorwarnzeit, dass die Warnung den Nachfolgenden etwa 300 Meter vor der Unfall- oder Pannenstelle, bei 120 km/h schon 370 Meter vor diese Stelle erreicht. Das gibt dem Fahrer genug Entscheidungsspielraum, umsichtig zu verzögern oder – falls nötig – rechtzeitig vor der Gefahrenstelle anzuhalten.

Allerdings stellte der ADAC bei den Versuchen fest, dass die Warnung dem Fahrer erst bei Geschwindigkeiten über 90 km/h angezeigt wird. Als Grund hierfür nennt VW, dass die Gefahr vor allem bei höheren Geschwindigkeiten größer wäre, weil es dann für (automatische) Notbremssysteme schwieriger wird, einen Unfall zu vermeiden.

Gefahr durch Baustellen

Für dieses Szenario wurde ein Baustellen-Warnanhänger mit C2X ausgestattet, der damit Warnungen an den heranrollenden Verkehr aussenden kann. Und tatsächlich: Der Anhänger warnt den sich annähernden Golf mehr als zehn Sekunden vor dem eigentlichen Aufprall – der Fahrer kann also noch rechtzeitig bremsen oder ausweichen.

Notbremsung eines vorausfahrenden Fahrzeuges

Auf Autobahnen kommt es häufig durch starke Bremsmanöver des Vordermanns zu kritischen Situationen für die folgenden Autos. Bei zu geringem Sicherheitsabstand kann zwar ein automatisches Notbremssystem einen Unfall verhindern oder zumindest die Aufprallenergie minimieren. Doch bei größeren Abständen zum Vordermann ist es sinnvoll, eine Warnung schon weiter im Vorfeld zu senden, die zu einer Entschärfung der Situation führt. Der vom ADAC getestete Golf 8 sendet deshalb direkt eine Warnung an den nachfolgenden Verkehr aus, sobald eine Vollverzögerung eingeleitet wird.

Einsatzfahrzeuge im Längs- und Querverkehr

Hier wurden Situationen mit Rettungs- und Einsatzfahrzeugen untersucht, die eine freie Fahrspur benötigen, um möglichst schnell zum Einsatzort zu gelangen. Voraussetzung ist dann natürlich, das sich im Einsatzfahrzeug ein entsprechendes C2X-Steuergerät befindet. Ein Problem: Der Fahrer, der im Stau steht, erkennt das sich nähernde Rettungs- oder Einsatzfahrzeug erst spät – trotz Martinshorn meist etwa vier Autolängen vorher.

Eine frühzeitige Information soll ermöglichen, die Rettungsgasse frei zu halten. Oder: Bei Unfällen, die sich im Bereich von Kreuzungen und Einmündungen ereignen, wird die Vorfahrt oder Ampelschaltung oft außer Kraft gesetzt. Hier könnte eine rechtzeitige Warnung ausgegeben werden, um vorfahrtberechtigte Fahrzeuge zu warnen.

Im Test gab sich das verdeckt herannahende Rettungsfahrzeug schon im Vorfeld als solches zu erkennen und teilt diese Information dem Verkehrsumfeld mit. Diese Information wird nach allen Seiten ausgesendet und kann somit vom kreuzenden, nachfolgenden und entgegenkommenden Verkehr aufgenommen werden. Je nach Art der baulichen Umgebung sind hier Distanzen von über 300 Metern Übertragungsweite möglich.

Unfallfahrzeug hinter einer Kurve

Eine kurvenreiche schmale Landstraße führt durch ein Waldstück und verdeckt somit den Blick hinter die nächste Kurve, wo ein Unfallfahrzeug steht. Dieses Szenario wurde außerhalb des Testgeländes auf einer öffentlichen Straße durchgeführt. Auch in dieser Situation kam die Warnung an den nachfolgenden Verkehr rechtzeitig. Eine mögliche Sendeeinschränkung durch den Wald konnte nicht festgestellt werden.

Fazit

Es ist gut, dass der VW Golf 8, der in großen Stückzahlen gebaut wird, schon zum Produktionsbeginn serienmäßig mit C2X ausgestattet wird. Und dass auch bei der Nutzung von C2X keine Folgekosten entstehen. Denn das garantiert eine schnellstmögliche Verbreitung.

Die Funksignale sind herstellerübergreifend vereinheitlicht, sodass alle damit ausgerüsteten Verkehrsteilnehmer davon profitieren können. Am gleichen Übertragungssystem arbeiten unter anderem auch Renault und Toyota, während BMW zum Beispiel an einer Lösung arbeitet, die auf 5G-Mobilfunk setzt.

Das vom ADAC getestete C2X ist eine seit über 15 Jahren durchentwickelte Technologie, die schon jetzt als neuer Meilenstein für die Verkehrssicherheit gelten kann. Die österreichische Asfinag hat bereits ihre Baustellen-Anhänger mit C2X ausgestattet, die auf Autobahnen frühzeitig vor gesperrten Spuren und Baustellen warnen. Es wäre zukünftig auch denkbar, dass damit ADAC Straßenwacht-Fahrzeuge noch besser auf Pannenautos hinweisen könnten, Fußgänger und Radfahrer mit einem C2X-Modul besser geschützt wären und Ampeln dem Fahrer Hinweise für die grüne Welle in Echtzeit übermitteln.