Gereifter VW Golf 8 im ADAC Test: Endlich perfekt?

Die 8. Generation des VW Golf begann mit einem Fehlstart. Sind die Schwächen im Jahr 2026 endlich weg? VW Golf 1.5 TSI und eHybrid im ADAC Test.
VW Golf: Allrounder mit vielen Qualitäten
Zeit der Reife: Verbesserungen im Detail
Plug-in-Hybrid "eHybrid" mit hoher E-Reichweite
Aufregend? Das war ein VW Golf – mit Ausnahme des Golf GTI und dessen weiteren sportlichen Derivaten – im Grunde nie. Im weitesten Sinne begehrlich war er als Auto für jedermann immer. Nun schon mehr als 50 Jahre lang. Von den erreichten Verkaufszahlen des Golf konnten die anderen Automobilhersteller jahrzehntelang nur träumen. Doch die Konkurrenz ist groß, auch aus dem eigenen Haus mit den beliebten SUV-Modellen T-Cross oder T-Roc. Und der Golf damit nicht mehr automatisch ein Selbstläufer.
Eine Überarbeitung 2024 war aber nicht nur deshalb nötig. Denn der Golf 8 musste gehörig Kritik einstecken. In manchen Punkten war er anfangs nicht perfekt: Besonders die Bedienbarkeit ließ zu wünschen übrig. Zudem reagierte das System bei den ersten Tests sehr träge auf Eingaben. Die Rechenleistung war nicht optimal ausgelegt.
VW Golf 8: Zeit zur Reife
Das hat VW erkannt und das Bediensystem überarbeitet: Ein neuer Bildschirm thront wie ein Tablet freistehend auf der Mittelkonsole wie im Tiguan oder im Passat. Auch die Bedienlogik der Schwestermodelle wurde übernommen und ein System zur Reife gebracht, das trotz seines enormen Funktionsumfangs im Alltag stabil und sinnvoll funktioniert.
Die Menüs sind klar strukturiert und teilweise bebildert, am Kopf des Touchscreens befindet sich eine feste "Knopf"-Leiste für den direkten Zugriff auf Fahrzeugeinstellungen oder das Navigationssystem. Und am Fuß des Bildschirms sind jetzt die Einstellmöglichkeiten für die Klimaanlage zu finden.
Bei den berührungsempfindlichen Touchslidern darunter für die Lautstärke und die Temperatur ist es allerdings geblieben – hier wären Knöpfe oder Drehregler nach wie vor besser zu bedienen. Immerhin sind die Slider nun beleuchtet, auch das war vor dem Facelift nicht der Fall. Jetzt tappt man im Wortsinn nicht mehr im Dunkeln.
Der VW Golf 8 in Bildern

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Bedienung merklich verbessert
Der Kunde hat die Wahl zwischen einem 10,4 Zoll großen Display und einem mit 12,9 Zoll Bildschirmdiagonale, wobei die kleinere Version groß genug ist und völlig ausreicht. Beiden gemein ist, dass Eingaben jetzt so flüssig von der Hand gehen, wie man es sich von Anfang an gewünscht hätte.
Zudem hat VW die berührungsempfindlichen Touchflächen am Multifunktionslenkrad zugunsten "normaler" Tasten gestrichen. Sie sind einfach besser zu handhaben, man weiß genau, wo der Druckpunkt liegt, und löst nicht aus Versehen eine Funktion aus, weil man nur kurz mit dem Finger draufkommt. Insgesamt hat sich die Bedienung also merklich verbessert.
Was jetzt allerdings nervt: Wer nur ein paar Sekunden zu lang am Bildschirm hantiert, etwa die Navikarte zoomt oder verschiebt, wird mit einem kurzzeitig gesperrten Bildschirm bestraft. "Kurze Sicherheitspause" nennt VW das Ganze. Im Grunde ist das zwar sinnvoll, verzögert aber Eingaben noch mehr, wenn man erst nach ein paar Sekunden weitermachen kann.
Und ja, auch die Warnung bei Überschreitung des Tempolimits hat Einzug in den Golf gehalten (EU-weite Pflicht), doch anders als bei anderen Herstellern ist hier zumindest eine kleine Toleranz vorgesehen, sodass das System nicht schon bei 51 km/h bimmelt.
Dadurch dass die Tränensäcke an den Scheinwerfern geglättet wurden, wirkt die Front gefälliger. Je nach persönlichem Geschmack kann das VW-Logo an der Front mit Beleuchtung bestellt werden.
Innen- und Kofferraum: Viel Platz, hoher Komfort

Nichts geändert hat sich an den guten Platzverhältnissen. So fühlen sich vorn auch bis zu zwei Meter große Personen wohl. Im Fond reicht die Kniefreiheit nach ADAC Messungen für 1,95 Meter große Personen, wenn sich vorn ein 1,85-Meter-Mensch befindet. Zumindest gilt das für den "normalen" TSI. Beim eHybrid berühren schon ab 1,85 Meter Körpergröße die Knie die Vordersitze.
Die Sitze sind bequem und gut konturiert. Der Kofferraum des TSI, der nach ADAC Messmethode zwischen 305 (normal) und 1160 Litern (dachhoch) aufnimmt, ist vom Volumen her zumindest okay. Auch hier muss man beim eHybrid Abstriche machen. Weil die Antriebskomponenten ja irgendwo unterkommen müssen, bleiben nur noch 255 bis 1110 Liter Ladevolumen übrig. Das ist dann sehr überschaubar.
Zu den Paradedisziplinen beim VW Golf gehört der Fahrkomfort. Tatsächlich ist schon das Standardfahrwerk ein guter Kompromiss für den Alltag. Es spricht ausreichend willig und fein auf Unebenheiten an, ohne dabei schaukelig zu wirken. Das für einige Modellversionen erhältliche manuelle Sechsgang-Getriebe flutscht nur so durch die Gassen, wie übrigens auch beim getesteten Modell. Erfreulich entwickelt hat sich zudem das DSG-Automatikgetriebe, das nun auch beim Anfahren ruckfrei funktioniert – das war bei VW nicht immer so.
Die aktuellen Motoren
Das Motorenprogramm hält aktuell 13 verschiedene Antriebe parat. Nach wie vor ist die Basis der getestete 1.5 TSI mit 116 PS, der im Prinzip völlig ausreicht. Mehr Geld müsste man also nicht ausgeben beim Golf, doch natürlich locken auch erheblich leistungsstärkere Aggregate mit bis zu 333 PS und Allrad (Golf R).
| Die Motoren des VW Golf 2025 | ||
|---|---|---|
TSI Turbobenziner | 1.5 TSI | 1.5 TSI |
85 kW / 116 PS | 110 kW / 150 PS | |
eTSI Mildhybride | 1.5 eTSI | 1.5 eTSI |
85 kW / 116 PS | 110 kW / 150 PS | |
Allradversionen | 2.0 TSI 4Motion | |
150 kW / 204 PS | ||
Plug-in-Hybride | eHybrid | GTE |
150 kW / 204 PS Systemleistung | 200 kW / 272 PS Systemleistung | |
TDI Turbodiesel | 2.0 TDI | 2.0 TDI |
85 kW / 116 PS | 110 kW / 150 PS | |
GTI | GTI (2.0 TSI) | GTI Clubsport (2.0 TSI) |
195 kW / 265 PS | 221 kW / 300 PS | |
GTI Edition 50 (2.0 TSI) | ||
239 kW / 325 PS | ||
Golf R mit Allrad | Golf R 4Motion | |
245 kW / 333 PS |
Die ausführlichen technischen Daten aller Golf-Modelle finden Sie im ADAC Autokatalog.
Im ADAC Test: Golf 1.5 TSI mit 116 PS
Mit dem neuen, 116 PS starken Turbovierzylinder ist der Golf völlig ausreichend motorisiert, seine 220 Nm Drehmoment liegen zwischen 1500 und 3000 U/min an. Damit lässt sich der Kompakte sehr schaltfaul fahren, schon ab 60 km/h kann man im 6. Gang unterwegs sein. Bei niedrigen Drehzahlen zeigt der Motor ein etwas verzögertes Ansprechen, ansonsten reagiert er recht spontan auf Gasbefehle.
Die Elastizitätsmessungen in den Gängen 4 bis 6 bestätigen die gute Durchzugskraft des Turbobenziners. Insgesamt kann man durchaus mit Fahrspaß unterwegs sein. Die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h gelingt laut Hersteller in 9,9 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 203 km/h. Für den Zwischenspurt von 60 auf 100 km/h im 2. Gang wurden gute 6,1 Sekunden gemessen.
Wer eifrig hochschaltet und stets niedrige Drehzahlen wählt, kann günstige Verbrauchswerte erzielen. Im ADAC Ecotest erreicht der Kandidat einen Durchschnittsverbrauch von 5,6 Litern Super pro 100 Kilometer.
Ein Filter kümmert sich erfolgreich um die Partikelemissionen. Diese sind ausgesprochen niedrig, sowohl bei der Anzahl als auch der Masse. Selbst im anspruchsvollen Autobahnzyklus sind die CO-Emissionen vorbildlich niedrig, das gibt verdient volle Punktzahl für den Bereich Schadstoffe und letztlich locker vier von fünf möglichen Sternen in der Ecotest-Umweltwertung des ADAC.
Die ADAC Autotest-Ergebnisse beruhen auf akribischen Messungen: Mehr als 300 Prüfpunkte untersuchen die Testingenieure des ADAC Technikzentrums in Landsberg am Lech. Vom Platzangebot über die Sicherheit bis hin zum Schadstoff- und CO₂-Ausstoß reicht die Bandbreite.
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Haben Sie dazu Fragen? Die technische Expertenhotline des ADAC ist unter der Telefonnummer 089 558 95 90 90 exklusiv für alle ADAC Mitglieder erreichbar.
Test Golf eHybrid: Plug-in-Hybrid mit großer Reichweite

Besonders interessant ist auch noch eine weitere Antriebsart: der Plug-in-Hybrid. Seit dem Facelift kommt ein größerer Akku zum Einsatz. Mit 19,7 kWh Kapazität (brutto 25,7 kWh) soll er laut VW für bis zu 143 Kilometer rein elektrische Reichweite garantieren, bis der Benziner übernehmen muss. Das ist erheblich mehr als bisher und wohl unter städtischen Fahrbedingungen erreichbar.
Beim ADAC Ecotest, der eine gemischte Fahrweise in der Stadt, über Land und auch auf der Autobahn simuliert, kam der Golf eHybrid auf eine Testreichweite von immerhin 119 Kilometern. Auch das ist überaus respektabel und für den Alltag mehr als genug.
So ist der Golf 8 eHybrid eigentlich ein halbes Elektroauto – sollte sich die enorme Reichweite auch in der Praxis herausfahren lassen, dürften Pendler den Benziner nur noch selten benutzen müssen. Top auch, dass sich der Akku nun schnell laden lässt und man zudem CCS-Säulen nutzen kann. Bis zu 50 kW kann der Golf dort ziehen, sodass sich auch bei einem kurzen Stopp auf einer Reise das Zwischenladen lohnt.
Im Test waren 80 Prozent der Batterie an einer Schnellladesäule in 20 Minuten gefüllt, 100 Prozent nach 40 Minuten. Lädt man an einer langsameren AC-Säule mit nur 11 kW, ist die Batterie in knapp zweieinhalb Stunden wieder voll.
Und wie sieht es mit dem Verbrauch aus? Startet man mit dem Golf eHybrid mit voller Batterie, schaltet sich der Verbrenner erst nach 119 Kilometern Fahrt zu. Der reine Stromverbrauch liegt im E-Modus bei 19,1 kWh/100 km (inkl. Ladeverluste) – für einen Plug-in-Hybrid ist das einwandfrei. Hier zeigt sich die hohe Effizienz des neuen Plug-in-Antriebsstrangs von VW.
Fährt man im Hybrid-Modus (Batterie leer), ergibt sich ein Verbrauch von durchschnittlich 6,0 Litern Super auf 100 Kilometer, wobei dieser Wert bei etwas vorausschauender Fahrweise unterboten werden kann.
Noch etwas zeichnet den eHybrid aus: Er macht richtig Laune! Wie ein kleiner GTI zieht der Plug-in-Hybrid davon, sprintet mit 204 PS Systemleistung in 7,2 Sekunden auf Tempo 100, als 272 PS starker GTE sogar in nur 6,6 Sekunden. So kommen also auch sportliche Fahrerinnen und Fahrer mit dem halben E-Golf auf ihre Kosten. Zwischenspurts beim Überholen sind ebenfalls schnell erledigt.
Beim rein elektrischen Betrieb ist die Höchstgeschwindigkeit auf 140 km/h begrenzt. Fährt man schneller, kommt der Benziner dazu und beschleunigt den Golf auf bis zu 220 km/h.
Car2X-Vorreiter: Dialog mit anderen Autos

Manche Extras lassen sich nachträglich über den Bordbildschirm kaufen bzw. freischalten. Wer zum Beispiel kein Navi geordert hat, dann aber doch eines fest an Bord haben möchte, rüstet den Golf online nach. Das klappt auch mit dem Abstandsradar ACC (dessen Hardware immer verbaut ist) oder der Ambientebeleuchtung.
In manchen Ausstattungsversionen ist der Golf mit der Außenwelt ("Car2X") vernetzt. Im Umkreis von 800 Metern tauscht er sich mit anderen Fahrzeugen in Millisekunden via WLAN aus und warnt vor Unfällen, Pannen, einem Stauende oder einem sich nähernden Krankenwagen.
Fazit: Durch das Facelift ist der Golf weiter gereift und merklich besser geworden. Die hohen Preise sind allerdings geblieben.
VW Golf 1.5 TSI und eHybrid: Technische Daten, Preis
Technische Daten (Herstellerangaben) | VW Golf 1.5 TSI Life (ab 07/24) | VW Golf 1.5 eHybrid Style DSG (ab 10/25) |
|---|---|---|
Motorart | Otto | PlugIn-Hybrid |
Hubraum (Verbrennungsmotor) | 1.498 ccm | 1.498 ccm |
Leistung maximal in kW (Systemleistung) | 85 | 150 |
Leistung maximal in PS (Systemleistung) | 116 | 204 |
Drehmoment (Systemleistung) | 220 Nm | 350 Nm |
Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor) | 5.000 U/min | 5.000 U/min |
Antriebsart | Vorderrad | Vorderrad |
Beschleunigung 0-100km/h | 9,9 s | 7,2 s |
Höchstgeschwindigkeit | 203 km/h | 220 km/h |
Reichweite WLTP (elektrisch) | - | 142 km |
CO2-Wert kombiniert (WLTP) | 121 g/km | 26 g/km |
Verbrauch kombiniert (WLTP) | 5,3 l/100 km | 1,1 l/100 km |
Stromverbrauch kombiniert (WLTP) | - | 12,1 kWh/100 km |
Batteriekapazität (Brutto) in kWh | - | 25,7 |
Batteriekapazität (Netto) in kWh | - | 19,7 |
Ladeleistung (kW) | - | AC:2,3-11,0 DC:40,0 |
Kofferraumvolumen normal | 381 l | 273 l |
Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank | 1.237 l | 1.129 l |
Leergewicht (EU) | 1.307 kg | 1.642 kg |
Zuladung | 493 kg | 438 kg |
Anhängelast ungebremst | 650 kg | 750 kg |
Anhängelast gebremst 12% | 1.300 kg | 1.700 kg |
Garantie (Fahrzeug) | 2 Jahre | 2 Jahre |
Länge x Breite x Höhe | 4.282 mm x 1.789 mm x 1.483 mm | 4.282 mm x 1.789 mm x 1.483 mm |
Grundpreis | 31.640 Euro | 45.955 Euro |
ADAC Messwerte
| ADAC Messwerte (Auszug) | VW Golf 1.5 TSI Life | VW Golf 1.5 eHybrid Style DSG |
|---|---|---|
Überholvorgang 60–100 km/h | 6,1 s | 4,0 s |
Bremsweg aus 100 km/h | 36,7 m | 33,9 m |
Wendekreis | 11,1 m | 11,1 m |
Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest | 5,9 l/100 km, 148 g CO₂/km (well-to-Wheel) | 0,4 l Super + 18,5 kWh/100 km, 102 g CO₂/km (well-to-Wheel) |
Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne) | **** | **** |
Reichweite | 800 km | 790 km |
Innengeräusch bei 130 km/h | 68,2 dB(A) | 68,3 dB(A) |
Leergewicht / Zuladung | 1296 / 504 kg | 1614 / 466 kg |
Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch | 305 / 680 / 1160 l | 255 / 630 / 1110 l |
ADAC Testergebnis
ADAC Testergebnis | VW Golf 1.5 TSI Life (ab 07/24) | VW Golf 1.5 eHybrid Style DSG (ab 10/25) |
|---|---|---|
Karosserie/Kofferraum | 2,7 | 2,7 |
Innenraum | 2,3 | 2,4 |
Komfort | 2,6 | 2,0 |
Motor/Antrieb | 2,1 | 1,7 |
Fahreigenschaften | 2,4 | 2,0 |
Sicherheit | 1,5 | 1,5 |
Umwelt/EcoTest | 1,8 | 1,9 |
Gesamtnote | 2,1 | 2,0 |
sehr gut
0,6 - 1,5
gut
1,6 - 2,5
befriedigend
2,6 - 3,5
ausreichend
3,6 - 4,5
mangelhaft
4,6 - 5,5
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