Volvo C40 Recharge: SUV-Kraftpaket in schicker Coupé-Form

Ein blauer Volvo C40 von der Seite zu sehen
Der Volvo C40 Recharge bei der ersten Testfahrt ∙ © ADAC/Wolfgang Rudschies

Viele Menschen finden ein SUV mit Coupé-Dach schick. Sollen sie haben, meint Volvo – auch wenn die Kunden damit nicht nur Vorteile haben. Testfahrt mit dem Volvo C40 Recharge.

  • SUV-Coupé auf Basis des Volvo XC40

  • Reichweite bis zu 444 Kilometer nach WLTP

  • Preis: ab 62.050 Euro

Dass der Zug für die Automobilhersteller in Richtung Elektromobilität abfährt, steht fest – das belegen auch die aktuellen Strategien zum Antrieb der Zukunft. Und dass die Kunden schon seit geraumer Zeit der klassischen Karosserieform einer Limousine den Rücken kehren und lieber SUVs kaufen, ist ebenso unstrittig. Besonders beliebt sind derzeit SUVs mit nach hinten abfallendem Dach: SUV-Coupés.

Das neue elektrische SUV-Coupé aus Schweden, der Volvo C40 Recharge, fügt sich deshalb in eine ganze Riege mit Audi e-tron Sportback, Q4 Sportback, Ford Mustang Mach-e, Jaguar i-Pace, Tesla Model Y und Model X sowie dem kommenden VW ID.5 ein. Alle sehr schick, sehr dynamisch und auch eher kostenintensiv. Doch wie also schlägt sich der Volvo C40 Recharge in dieser Liga? Kann er mithalten?

Volvo C40 Recharge in Bildern

Elektroantrieb: Ein Punch wie ein Preisboxer

In Sachen Kraftentfaltung braucht sich der Volvo C40 Recharge hinter der Konkurrenz auf keinen Fall zu verstecken. Seine an Vorder- und Hinterachse verbauten Elektromotoren leisten zusammen nämlich 300 kW (408 PS), das unmittelbar abrufbare Drehmoment beträgt enorme 660 Newtonmeter.

Dieser spontane Antritt erinnert ein wenig an die Zeiten, als der Diesel durch Turbodirekteinspritzung seinen Siegeszug einleitete. Da waren Autofahrer in Scharen hellauf begeistert vom kraftvollen Durchzug bei niedrigen Drehzahlen. Abgesehen davon, dass sie natürlich auch begeistert waren vom niedrigen Verbrauch des Dieselmotors.

Dem setzt der C40 nun noch eins drauf: Der schwedische Newcomer hat einen Punch wie ein Preisboxer. Natürlich nimmt er sich dafür auch einen ordentlichen Schluck aus der Energy-Drink-Pulle. Weshalb man sich nicht wundern sollte, wenn die erwarteten 444 WLTP-Kilometer auch mal auf eine Reichweite von unter 300 zusammenschmelzen.

Der Technik-Bruder XC40 genehmigte sich im ADAC Ecotest-Zyklus nicht weniger als 28,8 kWh pro 100 Kilometer, inklusive Ladeverluste. Die Konkurrenten, selbst das viel größere Tesla Model X, begnügen sich mit weniger. Der Polestar 2, der den gleichen Antriebstrang wie der Volvo C40 verwendet, kam im ADAC Test sogar auf einen Wert von 29,2 kWh pro 100 Kilometer.

Allerdings hat Volvo bei seinem jüngsten Elektro-SUV die Software-Steuerung weiter entwickelt. Das Ergebnis ist nicht nur eine um 26 Kilometer höhere WLTP-Reichweite im Vergleich zum elektrischen XC40, sondern auch eine um 300 Kilogramm höhere Anhängelast (1800 Kilo). Es könnte also sein, dass sich die Software-Änderung auch positiv beim Verbrauch auswirkt.

Die Energie liefert eine 78-kWh-Batterie, die sich an Schnellladestationen in weniger als 40 Minuten zu 80 Prozent aufladen lassen soll. Die maximale Ladeleistung an der DC-Säule beträgt 150 Kilowatt. Der dreiphasig angelegte Onboard-Lader für AC-Laden schafft 11 Kilowatt.

Typisch Volvo: Safety first

Neben den Kriterien Design und Kraftentfaltung spielt bei Volvo das Thema Sicherheit eine extrem wichtige Rolle. Selbstverständlich wurden dem C40 daher die neuesten und umfangreichsten Sicherheitssysteme spendiert. So soll das Auto Kollisionen mit entgegenkommenden Fahrzeugen verhindern oder zumindest deren schwerste Folgen durch maximale Geschwindigkeitsreduzierung minimieren können. Es gibt ein automatisches Notbremssystem mit Fußgänger-, Fahrradfahrer- und Motorradfahrer-Erkennung sowie viele solche Features mehr. Darüber hinaus sollen Fahrer und Fahrerinnen eines C40 cloudbasiert rechtzeitig vor Glatteis und anderen Gefahrenstellen gewarnt werden.

Abstriche beim Kofferraumvolumen

Ein blauer Volvo C40 von hinten zu sehen
Schicker als der XC40, aber natürlich etwas weniger Kofferraum ∙ © ADAC/Wolfgang Rudschies

Von den Platzverhältnissen her ist der Volvo C40 gegenüber dem XC40 allerdings kein Gewinn. Denn das schräge Dach schränkt zum einen die Kopffreiheit hinten etwas ein. Zum anderen schrumpft durch die Konstruktion das Kofferraumvolumen bei dachhoher Beladung von 1290 auf 1205 Liter (beides Hersteller-Angaben).
Dafür gibt es im C40 ebenso viel Beinfreiheit und umklappbare Kopfstützen im Fond. Letzteres soll die miserable Sicht nach hinten raus verbessern, wenn auf der Rückbank niemand sitzt – das bringt tatsächlich aber eher wenig. Eine Empfehlung ist das Panoramadach, das ohne Rollo auskommt und trotzdem bei prallem Sonnenschein nicht nervt.

Stolz ist Volvo, dass sie aus Nachhaltigkeitsgründen auf dem Weg sind, 25 Prozent recyceltes Material im Innenraum zu verwirklichen. Ob das unschöne Hartplastik am Armaturenbrett (Mittelkonsole) und an den Türen dazugehört, war nicht in Erfahrung zu bringen.

Volvo blickt optimistisch in die Elektro-Zukunft

"Wir haben früher wenig über Elektromobilität gesprochen", sagt Volvo-Chef Hakan Samuelsson. Doch dies ändere sich nun komplett. "Um erfolgreich zu bleiben, brauchen wir profitables Wachstum. Anstatt in ein schrumpfendes Geschäft zu investieren, investieren wir lieber in die Zukunft". Und Henrik Green, Cheftechniker des schwedischen Fahrzeugherstellers, hebt die Modernität des gemeinsam mit Google entwickelten Infotainment-Systems hervor.

Das Google-System funktioniert tatsächlich ziemlich klasse, wie es die ADAC Ingenieure dem schon getesteten Basismodell attestiert haben. Dass die Volvo-Entwickler auf ein Head-up-Display verzichtet haben, ist dagegen bedauerlich. Denn mit den Fahrinformationen in der Windschutzscheibe wäre der Fahrer nicht mehr gezwungen, immer mal wieder etwas am Mitteldisplay abzulesen – und damit den Blick vom Verkehrsgeschehen abzuwenden.

Zum Beispiel die Angabe, wie viel Restladung in Prozent am Fahrtziel noch zur Verfügung steht. Dieser Wert wird dankenswerterweise errechnet und in einem kleinen Fenster in der Navigationskarte angezeigt.

Mit der zunehmenden Elektrifizierung verlagert Volvo den Direktvertrieb der Personenwagen ins Internet: Im Zuge der Modelloffensive will der schwedische Hersteller E-Autos nur noch über Online-Kanäle anbieten. Volvo-Autohäuser werden aber weiterhin für den weiteren Service sorgen.

Technische Daten (Herstellerangaben)

Volvo C40 Recharge Pure Electric Twin

Motorart

Elektro

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

300

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

408

Drehmoment (Systemleistung)

660 Nm

Antriebsart

Allrad

Beschleunigung 0-100km/h

4,7 s

Höchstgeschwindigkeit

180 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

444 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

0 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

20,7 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

78,0

Batteriekapazität (Netto) in kWh

75,0

Ladeleistung (kW)

AC:2,3-11,0 DC:50,0-150,0

Kofferraumvolumen normal

413 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.205 l

Leergewicht (EU)

2.207 kg

Zuladung

413 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.800 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre

Grundpreis

62.050 Euro

Länge x Breite x Höhe

4.440 mm x 1.873 mm x 1.591 mm

Text: Wolfgang Rudschies, Lars Wallerang/mid

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