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Mercedes GLE im Test: Wie gut ist der Oberklasse-SUV?

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC

Mit dem neuen Mercedes GLE will Daimler Maßstäbe setzen – bei Fahrkomfort, Antrieb und Fahrwerk. Was der GLE 350d kann, klärt der ADAC Test. Plus: Crashtest-Ergebnis, technische Daten, Verbrauch, Preis.

  • Der neue GLE hat bis zu sieben Sitzplätze und elektrisch verstellbare Fondsitze

  • Mit seinem aktivem Fahrwerk legt sich der Oberklasse-SUV in die Kurve

  • 48-Volt-Technik sorgt für Hybridisierung

  • Direkte Konkurrenten sind BMW X5, Audi Q7 und Range Rover Discovery

Auf Knopfdruck erwärmt sich die Lehne in der Tür, selbst die Mittelarmlehne wird innerhalb weniger Sekunden mollig warm: Schalten Fahrer oder Beifahrer die Sitzheizung (ab 428 Euro) an, wärmt der neue Mercedes GLE nicht nur die Sitzfläche. Es sind diese kleinen Details, die den Mercedes GLE besonders machen.

Mercedes packt in sein SUV alles, was gut und teuer ist – aber achtet auf Kleinigkeiten wie die Heizung und die tief in den Türtaschen untergebrachten Warnwesten. Zum reinen Autofahren benötigt man solchen Luxus natürlich nicht – aber genau das ist es doch, was ein Luxusauto von einem reinen Fortbewegungsmittel unterscheidet.

Neu: Das elektronische aktive Fahrwerk

SUV-Chef-Entwickler Andreas Zygan ist stolz auf das neue Allradsystem und die drei unterschiedlichen Fahrwerke. Als Basis dient eine Stahlfederung, optional bietet Mercedes das Luftfahrwerk Airmatic an (2035 Euro). Das hat der ADAC getestet. Es ist auf größtmöglichen Komfort ausgelegt, leidet aber unter der optionalen, 21 Zoll großen Mischbereifung mit kräftiger Breite: 275er Gummis vorn und 315er hinten machen optisch zwar was her, sind aber auch richtig schwer.

So bekommt die an sich sensibel ansprechende Federung die hohen ungefederten Massen nicht immer in den Griff und lässt den GLE auf kurzen Wellen oder Querfugen unbeholfen abrollen. Vor allem Kanaldeckel sind uns unangenehm aufgefallen: Hier versetzt die Hinterachse deutlich und macht einen spürbaren "Sidestep". So vergeudet der große Benz sein unbestritten riesiges Komforttalent, denn abgesehen von diesen Fahrzuständen ist man im GLE geradezu wie in Watte gepackt unterwegs.

Erstmals bei Mercedes erhält der GLE aber auch ein elektronisch aktives Fahrwerk, eine Kombination aus 48-Volt-Technik und Hydropneumatik. Dabei unterstützen vier hydraulische Pumpen bei Federungsspitzen die Luftfederung, minimieren Wank- und Nickbewegungen.

"Der GLE ist der erste Mercedes, der auf diese Art von Federkomfort setzt. Es ist ein vollaktives Fahrwerk und bei einem SUV sinnvoll, da es hier höhere Federwege von bis zu 200 Millimeter erreicht", sagt Andreas Zygan. Mit 7735 Euro kostet es allerdings auch sehr viel Geld. 

Beim Fahren lassen sich die Modi wechseln, je nach Ausführung auch in den Modus Curve. Dann minimiert das System das Wanken in Kurven oder Bremsennicken, was sich aber auf den ersten Kilometern eher unangenehm anfühlt.

Eine Frontkamera überwacht permanent die Fahrbahn, schickt die Daten ans Steuergerät, das die hydraulischen Pumpen schnell ansteuert – und für den Belag richtig einstellt. Bodenwellen und Spurrillen frühstückt der GLE einfach weg. Insassen spüren schlechten Straßenbelag kaum.

Das Platzangebot ist immens

Mit 4,94 Meter Länge (Plus 8 cm mehr Radstand zum Vorgänger) liegt der Mercedes in etwa auf dem Niveau seiner Konkurrenten BMW X5Audi Q7, Rage Rover Discovery, Porsche Cayenne und VW Touareg.

Je nach Position der zweiten Sitzreihe fast der Kofferraum nach ADAC Messungen zwischen 470 und 1865 Liter, die Rückbank lässt sich optional sechsfach elektrisch verstellen (1428 Euro). Zwei zusätzliche Sitze gibt es ebenso optional (1082 Euro). Dort sitzen nicht nur Kinder bequem, sondern auch Erwachsene bis 1,80 Meter Körpergröße.

Vorn finden selbst zwei Meter große Personen problemlos Platz, die Kopffreiheit würde auch noch für deutlich größere Menschen reichen. Das gilt genauso für die Fondpassagiere, die reichlich Platz vorfinden.

Der Mercedes GLE überzeugt auch offroad

Es ist aber nicht nur das Raumangebot, das den GLE zur E-Klasse unter den SUV macht, sondern auch Materialauswahl und Verarbeitungsqualität. Auf Wunsch lässt sich der Innenraum inklusive Cockpit mit feinem Nappaleder (1785 Euro) ausschlagen. Weiches Leder umhüllt die bequemen Sitze, die Doppelnähte ziehen sich gerade an den Kanten entlang und edles Alu umrandet Lüftungsdüsen und einige Schalter. Das sieht nicht nur edel aus, sondern fühlt sich auch hochwertig an. 

Dabei kann der GLE nicht nur schick, sondern auch zum Arbeitstier mutieren: Mit dem Offroad-Paket (2261 Euro für GLE 450) zieht der SUV bis zu 3,5 Tonnen Anhängelast (Anhängevorrichtung 1142 Euro) aus dem Dreck, ein Assistent hilft dann beim Rangieren (416 Euro).

Mit dem vollvariablen Allrad und Untersetzungsgetriebe für die Sechs- und Achtzylindermotoren kraxelt der GLE selbst schwierige Passagen hinauf. Ein Freifahrmodus schaufelt Schnee oder Sand durch Ändern des Fahrzeugniveaus unters Auto, dass die Räder wieder Traktion erreichen – und sich wieder frei buddeln können. Nur die wenigsten Besitzer werden wahrscheinlich in eine solche Situation kommen – aber es ist dann gut zu wissen, dass man wieder hinaus fände.

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48-Volt-Technik sorgt für weniger Verbrauch

Die Preisliste startet mit dem Vierzylinder-Diesel GLE 300d 4Matic ab 65.807 Euro mit 180 kW/245 PS. Darüber rangieren zwei weitere Diesel mit Sechszylinder mit 272 PS (GLE 350d) und 330 PS (GLE 400d). Der GLE 450 4 Matic stellt den einzigen Benziner. Der 72.650 Euro teure Sechszylinder wird von einem elektrischen Zusatzbooster unterstützt. Der integrierte Startergenerator arbeitet mit 48-Volt-Unterstützung, klingt aber bei Volllast kernig, laut und etwas angestrengt.

Dem ausführlichen ADAC Test musste sich der mittlere Diesel, der 350d unterziehen. Untermotorisiert ist der wahrlich nicht: Seine 272 PS katapultieren das Dickschiff in 6,6 Sekunden auf Tempo 100, die Spitze liegt bei 230 km/h. Schon ab 1200 Umdrehungen liegt das volle Drehmoment von 600 Nm an – beim Druck aufs Gas werden die Insassen spürbar in die Sitze gepresst.

Noch mehr beeindruckt die bemerkenswerte Laufruhe des Dieselmotors. Der Reihen-Sechszylinder ist einem V-Motor konzeptionell überlegen, was Vibrationen und Schwingungen angeht. Der Diesel läuft derart geschmeidig, dass man ihn nur als sympathisch grummelnden Begleiter irgendwo vorn im Motorraum wahrnimmt.

Der Haken: Hohes Gewicht und hohe Leistung führen zu hohem Verbrauch. Die einfache Regel gilt auch für den 350d. Im ADAC Ecotest kam der Mercedes auf einen Durchschnittsverbrauch von 8,4 Litern Diesel – das ist nicht wenig, zumal sich der Motor auf der Autobahn gemessene zehn Liter gönnt. Damit verbunden ist eine CO₂-Bilanz von 265 g/km, wofür der Schwabe keinen einzigen von 60 möglichen Punkten im Ecotest erhält.

Punkten kann er bei den Schadstoffen. Die Emissionswerte liegen auf durchgehend niedrigem Niveau. Auch die Stickoxidemissionen hat Mercedes sehr gut im Griff.

Die Bedienung lenkt ab

Zu den neuen Assistenzsystemen zählen unter anderem ein 45 x 15 Zentimeter großes, vollfarbiges Head-up-Display mit vielen Infos (1178 Euro), Multibeam-LED-Scheinwerfer (1457 Euro) und ein aktiver Stauassistent (im Paket für 2296 Euro). Das aus der A-Klasse bekannte Multimediasystem MBUX erweiterte Mercedes auf 12,3 Zoll und 40 neuen Funktionen. Es lässt sich per Touchscreen, Geste oder Sprache bedienen. Navigations- und Verkehrshinweise werden mit Live-Bildern ergänzt (297 Euro).

Die Bedienstruktur des neuen Infotainmentsystems erschließt sich einem recht schnell, hier ist Mercedes ein großer Fortschritt gelungen. Die Handhabung mit den beiden Touchpads ist allerdings mühsam, da man nicht so zielgenau und schnell durch die Menüs navigieren kann wie mit dem Dreh-Drück-Steller aus dem Vorgängermodell. Dies hat zur Folge, dass man sich während der Bedienung sehr konzentrieren muss, was zu langen Ablenkungszeiten führt. Gleiches gilt für den Bordcomputer bzw. die Funktionen des digitalen Kombiinstruments, das sich über die linke Touchfläche des mit Schaltern überfrachteten Lenkrads bedienen lässt.

Um bei langen Fahrten Stress zu reduzieren und den Fahrkomfort zu erhöhen, gibt es das Energizing-Paket (ab 827 Euro), als Plus-Paket mit sechs verschiedenen Programmen für 4075 Euro. Es vitalisiert den Fahrer über spezielle Sitze auf längeren Strecken durch Massage, Anleitungen zu kleinen Übungen, Musik und Ionisierung der Luft – passend zu den beheizten Armlehnen. Mehr Luxus geht derzeit nicht bei SUV.

Hier lesen Sie den ausführlichen Testbericht zum Mercedes GLE 350d 4Matic:

Testbericht zum Mercedes GLE 350d 4Matic
PDF, 862 KB
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Technische Daten (Herstellerangaben)Mercedes-Benz GLE 350d 4Matic

Motor

Sechszylinder-Reihen-Turbodiesel, 2925 cm³, 200 kW/272 PS, 600 Nm bei 1200 U/min

Fahrleistungen

6,6 s auf 100 km/h, Spitze 230 km/h

Verbrauch (nach WLTP)

7,9 l Diesel/100 km, 189 g CO₂/km

Maße

L 4,92 / B 1,95 / H 1,77 m

Kofferraum

690 – 2010 l

Leergewicht

2235 kg

Preis

69.496 Euro,Baureihe (300d) ab 65.807 Euro

ADAC Messwerte (Auszug)

Überholvorgang 60-100 km/h

4,3 s

Bremsweg aus 100 km/h

33,0 m

Wendekreis

12,2 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

8,4 l Diesel/100 km , 265 g CO₂/km (well-to-wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

***

Reichweite

770 km

Innengeräusch bei 130 km/h

64,2 dB (A)

Leergewicht / Zuladung

2315 / 785 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

470 / 1070 / 1865 l

ADAC TestergebnisMercedes GLE 350d 4Matic

Karosserie/Kofferraum

2,1

Innenraum

1,8

Komfort

1,6

Motor/Antrieb

1,3

Fahreigenschaften

2,1

Sicherheit

1,3

Umwelt/Ecotest

3,3

Gesamtnote

2,0

Das hat uns gefallen: Umfangreiche Sicherheitsausstattung. Guter Fahrkomfort. Sehr gute Abgasreinigung. Kraftvoller und kultivierter Diesel.

Das hat uns nicht gefallen: Bediensystem mit großem Ablenkungspotenzial. Anschaffung und Unterhalt sehr teuer. Teils kleinliche Aufpreispolitik.

Bestnote im Crashtest

Der Mercedes-Benz GLE erreicht volle 5 Sterne. Das Fahrzeug ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern in der ersten und zweiten Sitzreihe ausgestattet. Für die vorderen Plätze sind zusätzlich Seitenairbags verbaut (für die zweite Sitzreihe optional), der Fahrer wird zusätzlich mit einem Knieairbag geschützt.

Der Insassenschutz ist gut, das Verletzungsrisiko ist für Erwachsene und Kinder weitgehend gering bis sehr gering. Es sind ISOFIX-Halter an den äußeren hinteren Sitzplätzen montiert mit i-Size-Kennzeichnung. Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar.

Der GLE ist mit einem umfassenden Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten, aktivem Spurhaltesystem und systemintegriertem Speedlimiter serienmäßig ausgestattet.

Ausführlicher Crashtest-Bericht

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Mehr Infos zur Baureihe gibt es in der ADAC Autodatenbank

Text: Fabian Hoberg