Land Rover Discovery: Alte Schule, neu gedacht

Ein Landrover Discovery fährt auf einer Strasse, von vorne aufgenommen
Optisch und technisch überarbeitet: Der Land Rover Discovery ∙ © Jaguar Land Rover Germany/Gudrun Muschalla

Der Land Rover Discovery wurde optisch und technisch überarbeitet – und ist zur Freude der Fans doch ganz der Alte geblieben. Testfahrt mit Daten, Preisen und technischen Details.

  • Zwei kräftige Diesel und Benziner zur Wahl

  • Allrad und Automatik serienmäßig

  • Testfahrt mit dem hybridisierten Sechszylinder-Benziner

Was für ein Trumm! Klar, das war der Land Rover Discovery schon immer. Aber der Anblick ist immer wieder erneut beeindruckend. Ein echter Geländewagen von rund 2,4 Tonnen Lebendgewicht, verpackt in eine kolossale, fünf Meter lange und 1,89 Meter hohe Hülle. Und schon beim Einsteigen fühlt man sich in eine Welt weitab von der Welt der Pkw versetzt.

Seinen Charakter hat der Discovery trotz aller Überarbeitungen beibehalten. Das freut die Fangemeinde – soweit sie noch vorhanden ist. Denn die Zulassungszahlen in Deutschland, die zwischen 2015 und 2018 noch sehr konstant bei rund 1700 Exemplaren lagen, haben sich in den letzten beiden Jahren mehr als halbiert. Land Rover hofft, den Schwund der Käufer in Deutschland durch das Facelift zu bremsen. Betont andererseits aber auch, dass andere Länder viel bedeutender für den Discovery sind als Absatzmarkt. Nicht zuletzt das Stammland England.

Der Land Rover Discovery in Bildern

Neu an der Karosserie des Discovery sind die Front mit den geänderten Lufteinlässen, die LED-Scheinwerfer sowie die LED-Rücklichter und eine schwarzglänzende Zierleiste am Heck. Gravierende Veränderungen fanden zum Modelljahr 2021 hinsichtlich des Innenraums statt.

Als Antrieb werkeln nun wahlweise ein Reihensechszylinder-Turbodiesel mit entweder 183 kW/249 PS oder 221 kW/300 PS Leistung, ein Zweiliter-Vierzylinder-Benziner mit 221 kW/300 PS oder ein Dreiliter-Sechszylinder mit 265 kW/360 PS zur Verfügung.

Bei der Kraftübertragung dagegen gibt es keine Wahl: Allrad und Wandlerautomatik sind gesetzt. Neu an den Motoren ist neben einer verbesserten Eliminierung von Schadstoffen die Elektrifizierung des Turboladers. Ziel und Zweck der elektrischen Unterstützung ist es, einen niedrigeren Kraftstoffverbrauch zu erreichen. Nur der Zweiliter-Benziner kommt ohne ein solches Mildhybrid-System (MHEV) aus.

Reihensechszylinder mit 360 PS und Mildhybrid-System

Ein Landrover Discovery fährt auf einer Strasse, von hinten aufgenommen
Mit 360 PS auf Tour: Dem Land Rover Discovery P360 ∙ © Jaguar Land Rover Germany/Gudrun Muschalla

Zur ersten Testfahrt stand das Topmodell, der Reihensechszylinder mit 265 kW/360 PS und Mildhybridsystem zur Verfügung. Das Triebwerk arbeitet sehr laufruhig und bringt den schweren Geländewagen in allen Fahrsituationen absolut souverän in Schwung. Schon kurz nach dem Anfahren, bei 1750 Umdrehungen des Motors, liegen die vollen 500 Nm Drehmoment an. Unterwegs fängt das Mildhybridsystem die beim Bremsen oder Ausrollen verloren gehende Energie auf, um sie beim anschließenden Beschleunigen unterstützend wiederzuverwenden. Das bringt nicht viel, aber wenigstens etwas Ersparnis beim Kraftstoff.

Bei Bedarf beschleunigt der Discovery in nur 6,5 Sekunden von null auf 100 km/h. Den damit verbundenen Adrenalinkick überlässt man aber lieber anderen Verkehrsteilnehmern. Im "Disco" gleitet man viel lieber dahin. Richtig toll ist: Auf der freien Autobahn lassen sich Geschwindigkeiten auch jenseits der 130 km/h in großer Entspanntheit genießen.

Normverbrauch: 9,5 l/100 km

Die im Prospekt versprochenen 9,5 Liter Kraftstoffverbrauch pro 100 Kilometer kann man auf solchen Touren natürlich vergessen. Denn dann dürften sich Werte zwischen 12 und 15 Liter Super pro 100 Kilometer einstellen. Die riesigen Fahrwiderstände kann nämlich auch ein Mildhybridsystem nicht reduzieren.

Offroad ein Ass: Top Geländewerte

Land Rover Discovery

Offroad-Werte



Böschungswinkel vorn

26 bis 34 Grad



Böschungswinkel hinten

24,8 bis 30 Grad



Rampenwinkel

21,2 bis 27,5 Grad



Wattiefe

900 mm



Bodenfreiheit

283 mm



Maximale Steigfähigkeit

45 Grad



Variable Werte dank Luftfederung

Wer sich in dem Metier einigermaßen auskennt, darf auch sehr entspannt auf einen Offroadparcours fahren. Was der bullige Brite auf unwegsamem Terrain leistet, ist aller Ehren wert. Selbst kleine Flussläufe trockenen Fußes zu durchqueren gelingt, langsam und vorsichtig, bis zu einer Wassertiefe von 90 Zentimetern. Vorab muss man dafür freilich den speziellen Wat-Modus einstellen. Ist man durch und deaktiviert den Wat-Modus, legt der Discovery selbständig die Bremsbacken an. Das trocknet die Bremsscheiben und stellt sofort wieder die volle Bremsleistung sicher.

Wie schlau der Land Rover Discovery ist, zeigt sich auch am adaptiven Fahrwerk. Hier detektieren Sensoren die Fahrzeugbewegungen bis zu 500 Mal pro Sekunde, um die Feder-Dämpfer-Reaktionen voreinzustellen. Der Fahrer am Steuer wie alle Insassen bemerken davon nichts, als dass die Karosserie sich auch bei schlechtesten Straßen nur minimal bewegt.

Mit dem gegen Aufpreis erhältlichen "ClearSight Ground View"-Kamerasystem wird die Motorhaube praktisch durchsichtig. Und das funktioniert so: Kameras nehmen Bilder vom Untergrund unmittelbar vor und zwischen den Vorderrädern auf und übertragen sie auf den zentralen Bildschirm im Innenraum. Bei Fahrten im Gelände kann der Fahrer daher immer genau sehen, wie groß die Felsbrocken sind, die ihm im Weg liegen. Oder wo ein Loch ist, in das ein Rad gleich eintauchen würde. In der Stadt hilft das System aber auch bei der Erkennung von Bordsteinkanten, von Kinderspielzeug oder anderen kleineren Hindernissen, die sonst mit hoher Wahrscheinlichkeit übersehen werden würden angesichts der unübersichtlichen Fahrzeugfront.

Der "Disco" als 7-sitziges Großraumfahrzeug

Ein Landrover Discovery fährt auf einer Strasse, von der Seite aufgenommen
Neuer "Disco": Der bullige Brite ist onroad wie offroad top ∙ © Jaguar Land Rover Germany/Gudrun Muschalla

Wer Wert darauf legt, möglichst viel Personen im Discovery transportieren zu können, der bestellt die aufklappbare dritte Sitzreihe mit. Dann wird der Geländewagen zum siebensitzigen Großraumfahrzeug. Ins Gepäckfach passen laut Land Rover siebensitzig immerhin 258 Liter. Wer sperrige Gegenstände einladen möchte und alles umklappt, darf auf ein maximales Volumen von 2391 Liter vertrauen, so die Herstellermessung.

Bedient wird der Land Rover Discovery mittels eines neuen, leicht gebogenen 11,4 Zoll großen Touchscreens. Der ist deutlich besser in der Handhabung als das bisherige Display. Zum Leidwesen vieler ist der wie von Geisterhand herausfahrende Automatik-Wählknopf auf der Mittelkonsole durch einen konventionellen Wahlhebel ersetzt worden. Die Wahrheit ist: Das magische Teil war zwar schön anzuschauen, dafür aber recht unpraktisch. Darüber hinaus gibt es jetzt ein Head-up-Display für Informationen, die sich im direkten Blickfeld des Fahrers in der Windschutzscheibe spiegeln.

Auch in Sachen Konnektivität wurde der Discovery aufgerüstet. Durch gleich zwei eingebaute LTE-Modems kann das Streamen von Audiodateien parallel zu Software-Updates over the air stattfinden. Außerdem gibt es einen 4G-WiFi-Hotspot, mit dem sich bis zu acht Geräte im Auto verbinden lassen. So viel Technik hat natürlich auch ihren Preis: Unter 61.000 Euro ist der Land Rover Discovery nicht zu haben. Das gefahrene Topmodell kostet im Grundpreis 67.000 Euro – mögliche Extras nicht mitgerechnet.

Land Rover Discovery: Technische Daten, Preise

Herstellerangaben

D250

D300

P300

P400

Motor/Antrieb

6-Zylinder-Turbodiesel-MHEV, 2996 cm³, 183 kW/249 PS, 570 Nm bei 1250 U/min

6-Zylinder-Turbodiesel-MHEV, 2996 cm³, 221 kW/300 PS, 650 Nm bei 1500 U/min

6-Zylinder-Turbobenziner, 1997 cm³, 221 kW/300 PS, 400 Nm bei 1500 U/min

6-Zylinder-Turbobenziner-MHEV, 2995 cm³, 265 kW/360 PS, 500 Nm bei 1750 U/min

Fahrleistungen

8,1 s auf 100 km/h, 194 km/h Spitze

6,8 s auf 100 km/h, 209 km/h Spitze

7,3 s auf 100 km/h, 201 km/h Spitze

6,5 s auf 100 km/h, 209 km/h Spitze

Verbrauch (WLTP)

7,4 l Diesel/100 km, 196 g CO₂/km

7,4 l Diesel/100 km, 196 g CO₂/km

9,1 l Super/100 km, 211 g CO₂/km

9,5 l Super/100 km, 216 g CO₂/km

Maße

L 4,96 / B 2,00 / H 1,89 m

L 4,96 / B 2,00 / H 1,89 m

L 4,96 / B 2,00 / H 1,89 m

L 4,96 / B 2,00 / H 1,89 m

Kofferraum

258 (7-sitzig) – 2391 l

258 (7-sitzig) – 2391 l

258 (7-sitzig) – 2391 l

258 (7-sitzig) – 2391 l

Leergewicht

2386 kg

2386 kg

2232 kg

2366 kg

Anhängelast (ungebremst / gebremst)

750 / 3000 kg

750 / 3500 kg

750 / 3500 kg

750 / 3500 kg

Preis

62.045 €

67.022 €

61.045 €

67.052 €

Im ADAC Autokatalog finden Sie die technischen Daten zu allen Varianten des Land Rover Discovery und hier finden Sie noch mehr Neuvorstellungen, Fahrberichte und Autotests.