Menü
Rund ums Fahrzeug
Verkehr
Reise & Freizeit
Versicherungen & Finanzen
Mitgliedschaft
Services
Der ADAC

Mercedes E-Klasse Facelift: Testfahrt in der neuen Business-Class

Mercedes E-Klasse Facelift fahrend von vorne auf einer Strasse
Mit dem Faclift beginnt die zweite Lebenshälfte der E-Klasse ∙ © Mercedes

Nach vier Jahren Bauzeit wurde die Mercedes E-Klasse überarbeitet. Die Veränderung macht sich optisch und technisch bemerkbar. Kurios: Daimlers Business-Klasse hilft jetzt auch beim Einschlafen. Testfahrt, Daten, Motoren

  • Neue E-Klasse optisch nur leicht überarbeitet

  • Breite Motorenpalette mit vielen Hybridversionen

  • Schlauere Assistenzsysteme

  • Basispreis: knapp 48.000 Euro für den Einstiegs-Diesel

„Du hast Dein Ziel erreicht.“ Du - das ist bei Mercedes neu. Mercedes duzt seine Kunden jetzt. Eigentlich keine große Sache, aber wer seit Jahren von seinem Navi gesiezt wird, wundert sich. Seit wann sind wir Kumpels?

Seit jetzt. Mercedes will hipper, cooler, zeitgemäßer werden. So richtig passt das eigentlich nicht zur E-Klasse (ab 47.937 Euro). Denn so gut sich die obere Mittelklasse auch verkauft - 2019 griffen über 350.000 Kunden zur E-Klasse - sie ist eher ein Auto für die gesetzte Kundschaft. Für Fahrer, die es solide statt flippig mögen, aber dennoch auf neueste Technik Wert legen.

Mercedes E-Klasse: Optisch nur dezent renoviert

Daher hat Mercedes dem soliden Blech ein paar Innovationen mitgegeben. Optisch unterscheidet sich die modellgepflegte E-Klasse vom Vorgänger nur kaum: Neu gestaltete LED-Scheinwerfer, optional mit Multibeam-LED genanntem Matrix-Licht (1508 Euro) und die Heckleuchten sind bei der Limousine nun im Querformat angeordnet statt hochkant. Die alte Basisausstattung entfällt, die drei Ausstattungsvarianten Avantgarde, Exclusive und AMG-Line unterscheiden sich optisch nur in Details. Die Ausstattung Exclusive erhält dafür den Mercedes-Stern auf der Haube.

Keine analogen Instrumente mehr

Innen fallen direkt die beiden mindestens 10,25 Zoll breiten volldigitalen Bildschirme auf, optional sind sie 12,3 Zoll groß. Über die Bildschirme lassen sich per Sprache oder Touchpad Radio, Navi und diverse Fahrzeug- sowie Komfortfeatures bedienen. Die bisherigen analogen Rundinstrumente wurden gestrichen. Auch der Sprachassistent wurde überarbeitet und soll seinen Fahrer nun besser verstehen.

Neu ist auch die Menüführung über das umgestaltete Lenkrad: Statt Dreh-Drück-Köpfe gibt es nun Slider. Das Regulieren der Lautstärke erfolgt geschmeidig und schnell, ebenso das Wechseln der Menüs, das Einstellen des Navis oder des Radios. Dabei bedient der rechte Daumen am Lenkrad das rechte Display und der linke Daumen das Display im Cockpit. Nach ein paar Minuten Eingewöhnungszeit klappt das ganz gut. Das war nicht immer so bei Mercedes.

Sicherheit: Verbesserte Assistenzsysteme

Speziell den Plug-in-Hybriden vorbehalten ist eine neue Power-Nap-Funktion, die mithilfe von Licht und Tönen ein Nickerchen während einer Fahrpause erleichtern soll. Im Idealfall hat vorher der Müdigkeitsassistent angeschlagen und den Fahrer zu einer Pause ermahnt. Neu ist auch der Urban Guard. Er registriert, ob das Fahrzeug gestohlen, abgeschleppt oder angerempelt wird, und informiert seinen Besitzer. Auch eine Ortung ist möglich, was der Polizei helfen kann, ein gestohlenes Fahrzeug zu finden.

Manchmal nervt die intelligente Technik

Neue Sensoren reagieren schneller und feinfühliger: Das automatische Einparken etwa erfolgt flüssiger und bei kleineren Hindernissen bremst das Fahrzeug selbsttätig ab. Was auch passiert, wenn der Totwinkelwarner eine Gefahr erkennt. Nachteil: Die E-Klasse verzeiht keine Fehler. Schon beim leichten Touchieren der Mittellinie ohne zu blinken, rappelt das Lenkrad. Beim Überschreiten der vorgeschriebenen Höchstgeschwindigkeit von 1 km/h blinkt es im Head-up-Display (ab 1148 Euro) wild auf.

Praktisch, dass der aktive Spurhalteassistent auch in engen Autobahnstücken wie Baustellen aktiv bleibt – die Sensoren und Kameras erkennen nun auch schmale Fahrstreifen. Im Stop-and-Go im Stau kann die E-Klasse nun auch selbstständig wieder anfahren. Und falls es zum Stillstand auf der Autobahn kommt, hilft der Rettungsgassen-Assistent: Er lenkt die E-Klasse automatisch zum ganz rechten oder linken Rand – je nachdem, auf welcher Fahrspur sich das Auto aufhält.

Mild-Hybrid für die meisten Verbrenner

Die Motorenpalette bleibt groß. Neu ist, dass Mercedes die meisten Antriebe elektrifiziert. Als Mildhybride können sie nie rein elektrisch fahren, doch ein Riemenstartergenerator (ISG) unterstützt die Verbrenner beim Beschleunigen mit bis zu 22 PS. Die Bandbreite reicht bei den Benzinern vom E 200 mit 197 + 14 PS bis zum mächtigen E 63 AMG mit 4,0-Liter-V8 und wuchtigen 612 PS Leistung.

Auch bei den Dieselmotoren hat Mercedes nachgelegt: Die Basis bildet der E 200 d (160 PS) und auch hier ergänzt ein Mildhybrid in Form des E 300 d mit 265 + 20 PS die Modellpalette. Interessant auch die beiden Plug-in-Hybride E 300 e mit 211 PS (Benziner) samt 122 PS starkem Elektromotor und der E 300 de, dessen Antrieb sich aus einem Vierzylinder-Diesel mit 194 PS und einer E-Maschine mit 122 PS zusammensetzt.

Die Motoren im Überblick

ModellMotorLeistung

E 200

Vierzylinder-Mildhybrid-Benziner

197 + 14 PS

E 300

Vierzylinder-Mildhybrid-Benziner

258 + 14 PS

E 350*

Vierzylinder-Mildhybrid-Benziner

272 + 20 PS

E 450

Sechszylinder-Mildhybrid-Benziner

367 + 22 PS

E 53 AMG

Sechszylinder-Mildhybrid-Benziner

435 + 22 PS

E 63 S AMG

Achtzylinder-Benziner

612 PS

E 200 d

Vierzylinder-Diesel

160 PS

E 220 d

Vierzylinder-Diesel

194 PS

E 300 d*

Vierzylinder-Mildhybrid-Diesel

265 + 20 PS

E 400 d

Sechszylinder-Diesel

330 PS

E 300 e

Vierzylinder-Plug-in-Hybrid-Benziner

211 + 122 PS (Systemleistung 320 PS)

E 300 de

Vierzylinder-Plug-in-Hybrid-Diesel

194 + 122 PS (Systemleistung 306 PS)

* Motor noch nicht erhältlich, die Markteinführung erfolgt zu einem späteren Zeitpunkt

Plug-in-Diesel-Hybrid mit niedrigem Verbrauch

Eine gute Kombination stellt der E 300 de in der T-Modell genannten Kombi-Version dar (ab 60.285 Euro). Der 194-PS-Diesel harmoniert mit dem 122-PS-Elektromotor, treibt den großen Kombi leichtfüßig an. Selbst bei flotter Fahrt fließt mehr Strom als Sprit. Nur bei starker Beschleunigung oder hohem Autobahntempo schaltet der Diesel zu. Von 0 auf 100 km/h benötigt der Plug-in nur 6 Sekunden, fährt bis zu 250 km/h schnell. Das geschieht zurückhaltend und flüssig, der Fahrer bekommt davon fast nichts mit.

Mit der großen Batterie sind elektrische Fahrten von bis zu 50 Kilometer nach WLTP möglich, der Verbrauch liegt dann bei 1,6 Liter Diesel auf 100 Kilometer. Plus Strom. Nachteil: Die Antriebsbatterie verursacht eine hohe Kante im Kofferraum, was das Beladen erschwert.

Preise ab rund 48.000 Euro

Die neue E-Klasse kostet als E 200 d mindestens 47.937 Euro (mit 16 Prozent MwSt), bisher waren es 46.112 Euro (mit 19 Prozent MwSt), der in Europa meistverkaufte E 220 d beginnt bei 49.856 Euro. Für das T-Modell sind 3.600 Euro zusätzlich fällig. Viel Geld. Zumindest das „Du“ des Sprachassistenten gibt es kostenlos.

Technische Daten (Herstellerangaben) Mercedes E 300 de 4Matic T-Modell

Motor/Antrieb

Vierzylinder-Turbodiesel, 1950 cm³, 143 kW/194 PS + 90 kW/122 PS (E-Motor), 225 kW/306 PS Systemleistung, 700 Nm Systemdrehmoment

Fahrleistungen

6,0 s auf 100 km/h, 230 km/h Spitze

Verbrauch (WLTP)

1,7 l Diesel/100 km, 44 g CO₂/km (Strom nicht eingerechnet)

Maße

L 4,94 / B 1,85 / H 1,47 m

Kofferraum

480 – 1660 l

Leergewicht / Zuladung

2215 kg / 635 kg

Preis

ab 62.953 €,

Basispreis E 200d T-Modell ab 50.750 €

Text: Fabian Hoberg