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Der ADAC

Die besten Notbremssysteme 2019

ADAC Test Notbremsassistent Bremsassistent Bremsweg vor Fahrrad Fahrradfahrer
Notbremsassistenten können Leben retten – der ADAC testet sie ∙ © ADAC/Uwe Rattay

Notbremssysteme können Unfälle vermeiden und damit Leben retten. Grund genug, genau hinzuschauen, welche Systeme gut oder schlecht funktionieren. Die ADAC Auswertung aller Euro NCAP-Tests 2019.

  • Zwei Kleinwagen an der Spitze der Bestenliste

  • Porsche Taycan und VW Golf 8 enttäuschend

  • ADAC Forderung: Sicherheit darf keine Frage der Kosten sein

Die beste Option, die Anzahl von Getöteten und Schwerverletzten im Straßenverkehr zu verringern, ist die Unfallvermeidung. Dabei spielt die Funktion des Notbremsassistenten AEBS (Autonomous Emergency Braking System) eine zentrale Rolle. Und deshalb werden die im Fahrzeug serienmäßig vorhanden AEBS vom ADAC, den europäischen Automobilclubs und weiteren Partnern für Euro NCAP umfangreich getestet.

Sollte das AEBS nicht zur Grundaustattung des Fahrzeuges gehören, fällt das Modell bei diesen Tests automatisch durch. Mit diesem K.-o.-Kriterium sollen die Hersteller motiviert werden, den Notbremsassistenten serienmäßig zu verbauen. Der Verbraucherschutz-Test zeigt damit einmal mehr seine Wirkung, denn beim Thema Sicherheit dürfen keine Kompromisse gemacht werden.

Der ADAC bewertet in dieser Sonderauswertung vier Funktionalitäten, mit einer Gewichtung, die sich am Potenzial zur Reduzierung der Zahl der Getöteten und Schwerverletzten im Verkehr orientiert:

City-Notbremsassistent: 20 %
Notbremsassistent für Fußgänger: 25 %
Notbremsassistent für Radfahrer: 25 %
Notbremsassistent außerorts: 30 %

Bestenliste: 48 Modelle im Notbrems-Test

Die Rangliste in der Tabelle richtet sich nach dem Grad der Erfüllung der Euro-NCAP-Anforderungen für Notbremsassistenten – unabhängig von der Fahrzeugklasse. Über die Reiter im Infogramm gelangen Sie zu den Einzelbewertungen der Testkapitel. Per Eingabe des Namens in das Suchfeld können Sie auch einzelne Modelle herausfiltern.

Etliche Kleinwagen in der Spitzengruppe

Beim Blick auf das Gesamtergebnis fällt auf, dass es sehr große Differenzen zwischen den einzelnen Fahrzeugmodellen gibt. Aber auch bei ein und demselben Auto gibt es zum Teil erhebliche Unterschiede bei der Notbremsung. So erkennt ein Auto zum Beispiel Fußgänger sehr gut und bremst rechtzeitig vor ihnen. Doch das gleiche System versagt beim Bremsen, wenn es sich bei dem Objekt auf der Straße um einen Fahrradfahrer handelt.

Erfreulich am Gesamtergebnis: 19 der 48 im Jahr 2019 getesteten Fahrzeuge haben ein Notbremssystem, das die Sicherheitsanforderungen von Euro NCAP zu mehr als 90 Prozent erfüllt. Immerhin fünf Modelle in dieser Spitzengruppe gehören der Klasse der preisgünstigen Kleinwagen an. Das absolut beste System (Erfüllungsgrad 95,3%) hat der VW T-Cross, dicht dahinter der Nissan Juke (95,1%), ebenfalls ein Kleinwagen. Das beweist eindrucksvoll: Gute Sicherheitsassistenten sind keine Domäne der hochpreisigen Fahrzeuge.

Weitere elf Modelle arbeiten mit einem Erfüllungsgrad zwischen 80 und 90% – auch das sind insgesamt erfreuliche Ergebnisse. Die Modelle auf den Plätzen 31 bis 37 erfüllen die Anforderungen schon weniger gut, nämlich nur noch mit einem Erfüllungsgrad zwischen 70 und 80%.

Porsche Taycan patzt bei niedrigen Geschwindigkeiten

Aus der Reihe fällt das AEBS vom Porsche Taycan. Beim Notbremsen im niedrigen Geschwindigkeitsbereich bis 20 km/h funktioniert das System im Test nicht gut - die Zuverlässigkeit ist nicht ausreichend. Negativ fällt ebenfalls auf, dass bei einem Aufprall ein nicht unerhebliches Risiko für Halswirbelverletzungen der Insassen auf beiden Sitzreihen besteht. Offensichtlich sind die Sitze ungünstig konstruiert.

Letztendlich enttäuscht auch der VW Golf 8. Ein Gesamterfüllungsgrad von nur 77,1% ist kein Ruhmesblatt für das Notbremssystem des brandneuen Bestsellers.

Ausgesprochen negativ fallen der VW Sharan und der Kia Ceed auf: Der schon etwas betagte Sharan (Modell ab 2015) versagt bei der Fußgängererkennung, der Kia Ceed (Modell ab 2019) scheint Fußgänger und Radfahrer regelrecht zu ignorieren. Da wirkt es wenig tröstlich, dass der Ceed – im Gegensatz zum VW – Auffahrunfälle recht zuverlässig verhindert.

Das Schlusslicht bilden Fahrzeuge, die keinen Notbremsassistenten serienmäßig an Bord haben: der DS 3 Crossback, der Jeep Renegade sowie das elektrische Trio Seat Mii, VW up und Skoda Citigo. Das ist nicht mehr zeitgemäß.

Fazit: Sicherheit darf nicht teuer sein

Etliche Kleinwagen in der Spitzengruppe des Rankings zeigen, dass Sicherheit keine Domäne der hochpreisigen Fahrzeuge ist. Gute aktive Sicherheit muss nicht teuer sein! Der ADAC und seine Partner bei Euro NCAP fordern seit Langem von den Autoherstellern, leistungsfähige Notbremsassistenten serienmäßig zu verbauen. Widersprüchlich muten jedoch die unterschiedlichen Ergebnisse im VW-Konzern an: Während der Notbremsassistent des VW T-Cross das beste Ergebnis einfährt, machen die Systeme des sündhaft teuren Elektro-Sportwagens Porsche Taycan und des Bestsellers Golf 8 keine gute Figur. Sollte ein Kostenkalkül der Hersteller dahinter stecken, wäre das höchst bedenklich.

Die Euro NCAP-Testkriterien

City-Notbremssystem

Die Notbremsassistenten für die Stadt werden bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten und mit seitlichem Versatz zum Dummy- oder Zielfahrzeug getestet. Ist ein Fahrer abgelenkt und bemerkt daher nicht, dass das Fahrzeug vor ihm gestoppt hat, versuchen die Systeme, den Aufprall durch eine automatische Notbremsung zu verhindern.

Das Testfahrzeug wird in drei Szenarien mit einer Geschwindigkeit zwischen 10 und 50 km/h gegen das Heck eines "Dummy"-Fahrzeugs gefahren. Dabei müssen die Sensoren des Testfahrzeugs die Seite des Ziels "sehen" können.

Beim Test des autonomen City-Notbremsassistenten ist das Zielobjekt, ein überfahrbares, wiederverwendbares 3D-Modell eines gegnerischen Fahrzeugs, stationär auf einer Plattform installiert. Der Fahrer unterlässt absichtlich Bremsversuche, damit die Verringerung der Aufprallgeschwindigkeit durch das System gemessen und bewertet werden kann.

Um die effektivsten Lösungen auszuzeichnen, wird die maximale Punktzahl nur verliehen, wenn das System eine Kollision vermeidet. Allerdings werden auch Punkte vergeben, wenn die Aufprallgeschwindigkeit und damit das Verletzungsrisiko deutlich reduziert wird.

Notbremssystem für Fußgänger

Zur Fußgängererkennung verwendet Euro NCAP Versuchsszenarien, bei denen Fußgänger den Weg des Fahrzeugs kreuzen oder sich in Fahrtrichtung des Fahrzeugs bewegen: Ein Erwachsener, der schnell gehend von der Fahrerseite her das Fahrzeug kreuzt, ein Erwachsener, der von der Beifahrerseite kommt, und ein Kind, das von der Beifahrerseite her zwischen parkenden Fahrzeugen auf die Straße rennt.

Im Längsrichtungsszenario werden zwei Tests durchgeführt: Bei einem befindet sich der Fußgänger auf der Mittellinie des Fahrzeugs, beim anderen am Straßenrand. Hier reicht eine rechtzeitige Warnung.

Das Längsrichtungsszenario und eines der Szenarien mit kreuzendem Fußgänger werden bei Nacht wiederholt, denn viele Unfälle mit Fußgängern ereignen sich unter diesen Bedingungen – bei Dämmerung oder Dunkelheit.

Auch wenn das autonome Fußgänger-Notbremssystem den Zusammenstoß nicht vollständig vermeiden kann: Euro NCAP honoriert, wenn die Fußgänger-Kollisionstests zeigen, dass das Fahrzeug mit einem geeigneten Frontdesign das Verletzungsausmaß reduziert.

Bei höheren Geschwindigkeiten kann die volle Punktzahl auch durch Geschwindigkeitsabbau erreicht werden.

Notbremssystem für Radfahrer

Für die Erkennung von Radfahrern verwendet Euro NCAP zwei Testszenarien: In einem kreuzt der Radfahrer den Weg des Fahrzeugs, im anderen bewegt sich der Radfahrer in dieselbe Richtung wie das Fahrzeug. Beide Szenarien sind typische Situationen, die zu Unfällen mit Todesfolge führen.

Für diese Tests ist ein Fahrrad mit drehenden Rädern auf einer beweglichen Plattform montiert. Die Erkennung eines Radfahrers ist im Vergleich zur Fußgängererkennung eine technische Herausforderung, da er mit höheren Geschwindigkeiten unterwegs ist. Damit das System korrekt über Notbremsungen entscheiden kann, benötigt es Sensoren, die ein breiteres Sichtfeld abdecken und kürzere Verarbeitungszeiten haben.

Euro NCAP vergibt Bestnoten, wenn eine Kollision vollständig vermieden wird. Wenn das AEB- oder Notbremssystem das Fahrzeug jedoch nicht rechtzeitig per Notbremsung zum Stehen bringt, kann es trotzdem einige Punkte geben: Denn jede Reduzierung der Geschwindigkeit senkt das Verletzungsrisiko.

Notbremssystem für höhere Geschwindigkeiten (außerorts)

Die interurbanen AEB- oder Notbremssysteme arbeiten bei höheren Geschwindigkeiten und helfen dem Fahrer bei der Vermeidung von Auffahrunfällen: Entweder durch rechtzeitige Warnungen oder durch das Erhöhen der Bremsleistung, im Notfall durch das eigenständige Abbremsen des Fahrzeugs.

Euro NCAP bewertet die automatische Bremsfunktion sowie die Frontalaufprall-Warnfunktion in drei verschiedenen Fahrsituationen: Bei der Annäherung an ein stehendes Fahrzeug (mit Tempo 30 bis 80 km/h), bei der Annäherung an ein langsamer vorausfahrendes Fahrzeug (Tempo 30 bis 80 km/h) sowie beim Folgen eines vorausfahrenden Fahrzeugs, das bei Tempo 50 plötzlich sanft bzw. scharf bremst (50 km/h, Bremsen).

Generell gilt es zu bedenken, dass das AEB oder der Notbremsassistent nur ein unterstützendes System darstellt, auf das sich der Fahrer nicht komplett verlassen sollte. Denn in kritischeren Situationen kann der AEB-Eingriff unzureichend sein oder zu spät erfolgen, um einen Aufprall gänzlich zu vermeiden. Die volle Punktzahl gibt es hier nur, wenn ein Unfall vermieden wird bzw. die Anprallgeschwindigkeit kleiner als 5 km/h ist.

Verschärfte Kriterien ab 2020

Von Zeit zu Zeit verschärft Euro NCAP die Prüfkriterien. Ab 2020 wird dem Notbrems-assistenten im Euro NCAP Test noch mehr abgefordert. Er muss nun auch auf Radfahrer reagieren, die zwischen zwei Fahrzeugen herausschnellen. Der querende Radfahrer ist zudem schneller unterwegs. Darüber hinaus muss der Notbremsassistent von 2020 an die Kollisionsgefahr mit dem Gegenverkehr beim Linksabbiegen absichern können.

Des Weiteren wird ab 2020 getestet, ob im Fahrzeug Systeme verbaut sind, die hinter dem Fahrzeug stehende Personen oder solche, die sich von der Seite dem Fahrzeugheck nähern, erkennen und das Fahrzeug automatisch stoppen. Der Notbremsassistent muss zudem bis 130 km/h aktiv bleiben, bisher wurden nur die Fähigkeiten bis 80 km/h abgeprüft.