Audi e-tron Sportback im Test: Teurer Elektro-Spaß

Audi e-tron Sportback: Schrägheck statt Kombi ∙ Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Audi

Den Audi e-tron Sportback ist für viele die schönste Version des Elektro-SUVs. Seit Herbst 2020 gibt es ihn mit noch mehr Power: Fahrbericht der S-Version mit bis zu 370 kW Leistung. Plus: ADAC Test des e-tron Sportback 55 quattro mit 300 kW.

  • Audi e-tron Sportback in drei Versionen zu haben

  • Preise zwischen 71.350 und 96.050 Euro

  • 390 km Reichweite im Test beim Sportback 55 quattro

Die flott gezeichneten SUV-Ableger gehören längst bei allen deutschen Premiumherstellern zum Programm: BMW hat X2, X4 und X6 im Angebot, Porsche das Cayenne Coupé, Mercedes schräge Varianten von GLC und GLE und Audi den Q8. Klar dass Audi diesen Kauftrend sofort auf sein erstes Elektroauto e-tron übertragen hat.

Und so bekam der seit Ende 2018 erhältliche Audi e-tron quattro eine schnittigere Variante namens Sportback zur Seite gestellt. Seit Herbst 2020 setzt Audi beim Antrieb des Sportback noch einen drauf: mit einer leistungsgesteigerten S-Version.

Audi e-tron S: drei Motoren, 973 Nm Drehmoment

Audi e-tron Sportback fahrend auf einer Straße
Noch muskulöser: Audi e-tron Sportback S ∙ © Audi

Als wären 230 kW/313 PS und 540 Newtonmeter Drehmoment wie in der Basisversion e-tron 50 oder die maximal 300 kW/408 PS des getesteten e-tron 55 quattro nicht genug, um den Führerschein loszuwerden, leistet die S-Version des Elektro-SUV 320 kW/435 PS und 664 Nm Drehmoment. Für einige Sekunden stellt der Antrieb sogar die Kraft von 370 kW und 973 Nm zur Verfügung. Wer es partout darauf anlegt, kann mit dem 2,6 Tonnen schweren Wagen sogar atemberaubende Kurvendrifts hinlegen.

Dabei sorgt ein sogenanntes Torque Vectoring-System in Verbindung mit dem obligatorischen ESP-Antischleuder-Schutz dafür, dass das Auto nicht in die Botanik fliegt. Das Torque Vectoring funktioniert deshalb so gut – wie wir uns bei der Testfahrt überzeugen konnten – weil an der Hinterachse gleich zwei Elektromotoren verbaut sind, die ihre Kraft radselektiv entweder überwiegend an das kurveninnere oder kurvenäußere Rad abgeben, je nachdem, wie es die Situation erfordert.

Technisch gesehen und vom gefühlten Erlebnis her ist das natürlich ganz großes Kino. Dem Interessenten stellt sich dennoch die Sinnhaftigkeit der Kombination: Braucht er ein Auto, mit dem er immer und überall einen sicheren Kurvendrift hinbekommt? Oder scheucht er seinen Audi e-tron viermal im Jahr über die Nordschleife des Nürburgrings, um dort zwischen renntauglichen Porsche und Lamborghini um die Wette zu fahren? Wohl eher nicht.

Im ADAC Test: e-tron 55 quattro mit 408 PS

Und schon gar nicht für 23.000 Euro Preisunterschied zum Audi e-tron 50 oder 12.900 Euro zum ausführlich von ADAC getesteten 55er-Version. Der ist schließlich stark genug: Die beiden Elektromotoren an Hinter- und Vorderachse des e-tron 55 entwickeln im Boost-Modus, der in der Fahrstufe S verfügbar ist und bis zu acht Sekunden lang abgerufen werden kann, zusammen eine Leistung von 300 kW/408 PS und 664 Nm Drehmoment. Dann stürmt das mit 2,6 Tonnen das Schwergewicht in nur 5,7 Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Im Normalmodus leisten die beiden Asynchronmotoren 360 PS, für den Standardsprint benötigt der Allradler dann 6,6 Sekunden. Die Höchstgeschwindigkeit wird bei 200 km/h elektronisch abgeregelt.

Im ADAC Test schafft der Audi e-tron Sportback 55 den Zwischensprint von 60 auf 100 km/h in nur 2,9 Sekunden – ein hervorragender Wert. Gleiches gilt für das Anfahrverhalten von 15 auf 30 km/h. Diese Aufgabe erledigt der Stromer in nur 0,9 Sekunden. Die Kraftentfaltung ist ebenfalls mustergültig: Drückt man das Fahrpedal nieder, setzen die beiden Elektromotoren den Beschleunigungswunsch nahezu verzögerungsfrei in Vortrieb um. Die Leistungsentfaltung erfolgt dabei sehr linear.

Im Elektrozyklus des ADAC Ecotest wurde ein durchschnittlicher Stromverbrauch von 24,4 kWh pro 100 Kilometer ermittelt, inklusive der Ladeverluste bei 3-phasiger Ladung mit 16 Ampere. Um die 95 kWh große Batterie einmal komplett von leer auf voll zu laden (nutzbar sind 86,5), werden 96,0 kWh benötigt. Das führt dazu, dass der e-tron 55 quattro nur drei Sterne im ADAC Ecotest schafft: Die Emissionen bei der Stromerzeugung in den deutschen Kraftwerken verhindern ein besseres Ergebnis.

Der e-tron Sportback hat viel Platz im Fond

Audi e-tron Sportback Rücksitzbank
Viel Platz auf der Rückbank des e-tron Sportback ∙ © AUDI

Wenden wir den Blick daher auf die nüchternen Vor- und Nachteile des E-tron Sportback: Obwohl er zierlicher wirkt als der "normale" e-tron quattro, ist er mit 4,90 Metern Länge genauso lang – und mit 1935 Millimetern auch exakt so breit. Dass sein Dach 13 Millimeter tiefer ist als im Standardmodell, merkt man beim Einsteigen in den Fond, wo man den Kopf etwas mehr einziehen muss. Einmal Platz genommen, können es sich aber auch Sitzriesen auf der Rückbank bequem machen – und zwar in allen Richtungen.

Kleiner Nachteil: Das sexy Heck verkleinert den Kofferraum. Nach ADAC Messmethode passen 400 statt 415 Liter rein. Größer ist der Unterschied zum Steilheck bei umgeklappten Rücksitzlehen mit 1285 statt 1640 Litern. Auch die Sicht nach hinten ist im Coupé ziemlich eingeschränkt – die 360-Grad-Kamera macht sich auf jeden Fall bezahlt.

Der Fahrer-Arbeitsplatz wurde vom normalen e-tron übernommen und wirkt immer noch sehr modern. Das Gros der Funktionen wird über zwei Touchscreens am Mitteltunnel gesteuert. Den praktischen Dreh-Drück-Steller, der bis vor kurzem noch bei Audi-Modellen vorzufinden war, sucht man auch beim e-tron Sportback vergebens. Stattdessen erfolgt die Befehlseingabe der meisten Funktionen über den großen Touchscreen, der leider etwas zu tief platziert ist.

Virtuelle Spiegel und digitales Licht

Display des elektronischen Aussenspiegels des Audi e-tron Sportback
Können nicht überzeugen: Kameras statt Außenspiegel ∙ © Audi

Eindeutig über das Ziel hinausgeschossen ist Audi bei den virtuellen Außenspiegeln. Den Aufpreis für diese Option kann man sich getrost sparen, weil sie gegenüber den konventionellen Spiegeln mehr Nach- als Vorteile haben. Der Effekt auf die Reichweite dürfte in der Praxis keine entscheidende Rolle spielen.
Als neues Extra sind inzwischen Digital-Scheinwerfer bestellbar. Das Licht aus den Matrix-LED-Leuchten wird mit Hilfe von gut einer Million Mini-Spiegeln mit einer Kantenlänge von nur einigen Hundertstel Millimetern in winzige Pixel zerlegt und lässt sich hochpräzise steuern – etwa für eine blitzschnelle Ausblendung entgegenkommender Fahrzeuge oder das Ausleuchten der Gegenspur noch bevor man zum Spurwechsel angesetzt hat.

Außerdem kann die Technik Linien auf die Straße projizieren, die die Fahrzeugbreite deutlich machen und so das Manövrieren in engen Gassen erleichtern sollen. Ein ähnliches System verwendet Mercedes bereits im Maybach.

Zwei Elektromotoren genügen vollkommen

Audi e-tron Sportback fährt auf Landstrasse im Winter
Von vorn gleicht der Sportback seinem Bruder e-tron quattro ∙ © Audi

Auch wer das Potential der "billigeren" beziehungsweise "leistungsschwächeren" Versionen ausnutzt und das Fahrpedal kräftig durchtritt, wähnt sich eher in einem Sportwagen denn in einem 2,6-Tonnen-SUV. Die Leichtigkeit, mit der sich der Koloss in Gang setzt und die Passagiere in die bequemen Sitze presst, ist beeindruckend. Und eigentlich macht es auch nicht wirklich einen Unterschied, ob man theoretisch in 6,8, in 6,6 oder in 5,8 Sekunden von null auf 100 km/h beschleunigen könnte. Tatsächlich kann man die Leistung im öffentlichen Straßenverkehr ja ohnehin nicht ausreizen. Das wäre auch ziemlich absurd. Zumal heftige Beschleunigungen wie hohe Tempi den Akku in Windeseile leeren.

Der Sportback erzielt etwas höhere Reichweiten

Der 95-kWh-Akku lässt sich an Schnellladesäulen mit bis zu 150 kW aufladen, der kleinere mit 71 kWh lädt maximal mit 120 kW. Unter idealen Bedingungen sollen beide nach rund 30 Minuten wieder zu 80 Prozent gefüllt sein.

Praktisch: Der e-tron hat jeweils links und rechts vorne am Kotflügel einen Ladeanschluss, lästiges Rangieren an der Stromtankstelle entfällt. Als Reichweite nennt Audi je nach Version zwischen 347 und 446 Kilometer. Das dürfte in der Praxis äußerst selten gelingen. Der ADAC hat beim normalen e-tron 55 quattro ohne Schrägheck 365 Kilometer Reichweite (statt 446) gemessen. Der schnittigere Sportback kommt immerhin 25 Kilometer weiter als sein Bruder, seiner windschlüpfigeren Karosserie und Optimierungen an Fahrwerk, Leistungselektronik und einer größeren nutzbaren Batteriekapazität wegen.

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Grundsätzlich gilt: Eine serienmäßige Wärmepumpe schont die Reichweite im Winter. Zudem erzeugt der Audi beim Bremsen ungewöhnlich viel Energie: Bei einem Stopp aus 100 km/h soll das Fahrzeug mit bis zu 220 kW rekuperieren und so im Fahrbetrieb 30 Prozent Reichweite zurückgewinnen. Im Vergleich mit einem Tesla Model Y zum Beispiel sind die Reichweiten trotz Audis ausgeklügeltem Energiemanagement eher bescheiden. Und inzwischen haben auch halb so teure E-Mobile eine ähnliche Reichweite – der Markenclaim „Vorsprung durch Technik" verkommt angesichts dieser Tatsache und angesichts der heftigen Preise (Grundpreis für e-tron Sportback 55 quattro S line: 83.750 Euro) zur leeren Worthülse.

Fahrspaß mit Allradantrieb und Sportfahrwerk

Cockpit des Audi e-tron Sportback
Innen sieht es im e-tron mit mehreren Bildschirmen sehr modern aus ∙ © AUDI

Egal mit welchem der angebotenen Antriebe und mit welchen Unterschieden in der Reichweite: Der Audi e-tron Sportback bietet grundsätzlich eine Menge Komfort, Luxus, Sicherheit und Fahrspaß. Letzteres dazu noch ohne lautes Motorengebrüll wie bei Sportmodellen mit Verbrennungsmotor. Die S-Version aber braucht kein vernünftig denkender Mensch. Selbst dann nicht, wenn er oder sie gern auch mal etwas sportlicher unterwegs ist.

Technische Daten Audi e-tron Sportback

(Herstellerangaben)

Audi e-tron S Sportback

Audi e-tron Sportback 55 quattro S line (getestetes Modell)

Audi e-tron Sportback 50 quattro

Motor/Antrieb

Asynchronmaschinen mit 320 kW/435 PS, 808 Nm, Allradantrieb

Asynchronmaschinen mit 300 kW/408 PS, 664 Nm, Allradantrieb

Asynchronmaschinen mit 230 kW/313 PS, 540 Nm, Allradantrieb

Fahrleistungen

4,5 s auf 100 km/h, 210 km/h Spitze

5,7 s auf 100 km/h, 200 km/h Spitze

6,8 s auf 100 km/h, 190 km/h Spitze

Verbrauch (nach WLTP)

noch keine Angabe

23,7 kWh/100 km, 0 g CO₂/km

21,6 – 26,3 kWh/100 km, 0 g CO₂/km

Batteriekapazität

95 kWh brutto (86,5 netto)

95 kWh brutto (86,5 netto)

71 kWh brutto (64,7 netto)

Reichweite nach WLTP

365 km

446 km

347 km

Ladeleistung

AC-Laden mit 11, optional mit 22 kW, DC-Laden mit bis zu 150 kW

AC-Laden mit 11, optional mit 22 kW, DC-Laden mit bis zu 150 kW

AC-Laden mit 11, optional mit 22 kW, DC-Laden mit bis zu 120 kW

Maße

L 4,90 / B 1,94 / H 1,62 m

L 4,90 / B 1,94 / H 1,62 m

L 4,90 / B 1,94 / H 1,62 m

Kofferraum

615 – 1655 l

615 – 1655 l

615 – 1655 l

Leergewicht / Zuladung

n. b.

2555 / 595 kg

2445 / 595 kg


Anhängelast (ungebremst / gebremst)

750 / 1800 kg

750 / 1800 kg

750 / 1800 kg

Garantie auf den Akku

8 Jahre bzw. 160.000 km

8 Jahre bzw. 160.000 km

8 Jahre bzw. 160.000 km

Preis (19 % MWSt.)

ab 96.050 €

ab 86.700 €

ab 71.350 €

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Audi e-tron Sportback 55 quattro S line

Überholvorgang 60-100 km/h

2,9 s

Bremsweg aus 100 km/h

33,5 m

Wendekreis

12,3 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

24,4 kWh/100km, 134 g/km (well to wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

***

Reichweite

390 km

Innengeräusch bei 130 km/h

64,0 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

2562 / 608 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

400 / 780 / 1285 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Audi e-tron Sportback 55 quattro S line

Karosserie/Kofferraum

2,3

Innenraum

2,0

Komfort

1,7

Motor/Antrieb

1,0

Fahreigenschaften

2,3

Sicherheit

1,4

Umwelt/Ecotest

2,7

Gesamtnote

1,9

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppel gewertet