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Audi e-tron Sportback: Testfahrt in Audis zweitem Elektro-SUV

Audi e-tron Sportback fährt auf Landstrasse im Winter
Audi e-tron Sportback: Schrägheck statt Kombi ∙ © Audi

Der Audi e-tron bekommt einen Bruder: Ein elektrisches SUV-Coupé mit der Zusatzbezeichnung "Sportback" mit 300 kW Leistung und einer Reichweite von über 400 Kilometern. Erste Testfahrt, Daten, Preise und Bilder.

  • Zusätzliche Karosserievariante zum e-tron

  • Zwei Batterien mit 71 und 95 kWh zur Wahl

  • Technik-Highlights wie digitales Licht

  • Preis: ab 71.350 Euro

Der Trend zum schicken SUV-Coupé macht auch vor Elektroautos nicht halt: Der seit Ende 2018 erhältliche Audi e-tron quattro bekommt nun die schnittigere Variante Sportback zur Seite gestellt.

Die flott gezeichneten SUV-Ableger gehören mittlerweile bei allen deutschen Premiumherstellern zum Programm: BMW hat X2, X4 und X6 im Angebot, Porsche das Cayenne Coupé, Mercedes schräge Varianten von GLC und GLE und Audi den Q8. Audi ist nun der erste Hersteller, der den Trend auf ein Elektroauto überträgt.

Erstaunlich: Obwohl der Sportback zierlicher wirkt, ist er mit 4,90 Metern Länge genauso groß wie der "normale" e-tron quattro – und mit 1935 Millimetern auch exakt so breit. Überhaupt teilen sich die beiden Karosserievarianten mehr Bauteile als man meint: Von vorn bis zur B-Säule und von unten bis zur Gürtellinie sind sie identisch. Der Unterschied zeigt sich, abgesehen von der exklusiven Sportback-Farbe "Plasmablau Metallic", also vor allem am Heck: Das Dach fällt stärker ab und mündet in einem knackigen Bürzel.

Auch der e-tron Sportback hat viel Platz im Fond

Dass sein Dach 13 Millimeter tiefer ist als im Standardmodell, merkt man beim Einsteigen in den Fond, wo man den Kopf etwas mehr einziehen muss. Einmal Platz genommen, können es sich aber auch Sitzriesen bequem auf der Rückbank machen – und zwar in alle Richtungen. Nachteil: Das sexy Heck verkleinert den Kofferraum um 45 Liter. Auch die Sicht nach hinten ist im Coupé ziemlich eingeschränkt – die 360-Grad-Kamera macht sich auf jeden Fall bezahlt.

Der Fahrer-Arbeitsplatz wurde vom normalen e-tron übernommen und wirkt immer noch sehr modern. Das Gros der Funktionen wird über zwei Touchscreens am Mitteltunnel gesteuert. Navigation mit Google Earth ist genauso erhältlich wie der cloudbasierte Amazon-Sprachdienst Alexa.

Virtuelle Spiegel und digitales Licht

Natürlich fehlen auch im Sportback die optionalen, virtuellen Außenspiegel nicht: Kameras an kleinen Ärmchen zeigen ein digitales Bild des rückwärtigen Verkehrs auf OLED-Displays am Übergang zwischen Türen und Armaturenbrett. Das mag modern und aerodynamischer sein, und auch der tote Winkel verschwindet.

Doch wer bei tief stehender Sonne mit Sonnenbrille unterwegs ist, kann in den Bildschirmen nicht mehr viel erkennen. Auch das räumliche Sehen fällt schwerer: Wie schnell ein Auto von hinten ankommt, ist in einem gewöhnlichen Spiegel einfach besser zu erkennen. Die Nachteile überwiegen also.

Ob die nächste Weltneuheit mehr Vorteile bringt? Ab Spätsommer 2020 soll ein neuer Digital-Scheinwerfer bestellbar sein. Das Licht aus den Matrix-LED-Leuchten wird mit Hilfe von gut einer Million Mini-Spiegeln mit einer Kantenlänge von nur einigen Hundertstel Millimetern in winzige Pixel zerlegt und lässt sich hochpräzise steuern – etwa für eine blitzschnelle Ausblendung entgegenkommender Fahrzeuge oder das Ausleuchten der Gegenspur noch bevor man zum Spurwechsel angesetzt hat.

Außerdem kann die Technik Linien auf die Straße projizieren, die die Fahrzeugbreite deutlich machen und so das Manövrieren in engen Gassen erleichtern sollen. Ein ähnliches System verwendet Mercedes bereits im Maybach.

Zwei Elektromotoren haben leichtes Spiel

Beim Antrieb gibt es keinen Unterschied zum normalen e-tron: Im gefahrenen Top-Modell "55" leisten die beiden E-Motoren (einer vorn, einer hinten) zusammen 265 kW und entwickeln maximal 561 Nm Drehmoment; im Boostmodus stehen acht Sekunden lang 300 kW und 664 Newtonmeter bereit, die Dauerleistung liegt bei 100 kW.

Faszinierend: Wer sich dem hingibt und das Fahrpedal durchtritt, wähnt sich eher in einem Sportwagen denn in einem 2,5-Tonnen-SUV. Dann geht es in rasanten 5,7 Sekunden auf 100 km/h! Die Leichtigkeit, mit der sich der Koloss in Gang setzt und die Passagiere in die bequemen Sitze presst, ist atemberaubend. Der schnelle Ritt endet erst bei 200 km/h.

Bessere Reichweite als der e-tron: 446 km

Dass solche Geschwindigkeiten den Akku in Windeseile leeren, ist bekannt. Den Verbrauch gibt Audi nach WLTP-Norm mit 21,9 bis 26,0 kWh/100 km an. Der 95-kWh-Akku lässt sich an Schnellladesäulen mit bis zu 150 kW aufladen, dann soll er nach 30 Minuten wieder zu 80 Prozent gefüllt sein.

Praktisch: Der e-tron hat jeweils links und rechts vorne am Kotflügel einen Ladeanschluss, lästiges Rangieren an der Stromtankstelle entfällt. Als Reichweite nennt Audi 446 Kilometer, was in der Praxis nicht ganz gelingen dürfte. Der ADAC hat beim normalen e-tron 365 Kilometer Reichweite gemessen.

Der Sportback soll aber im Idealfall 37 Kilometer weiter kommen als sein Bruder, seiner windschlüpfigeren Karosserie und Optimierungen an Fahrwerk, Leistungselektronik und einer größeren nutzbaren Batteriekapazität wegen. Davon soll auch der normale e-tron bald profitieren. Eine serienmäßige Wärmepumpe schont die Reichweite im Winter. Zudem erzeugt der Audi beim Bremsen ungewöhnlich viel Energie: Bei einem Stopp aus 100 km/h soll das Fahrzeug mit bis zu 220 kW rekuperieren und so im Fahrbetrieb 30 Prozent Reichweite zurückgewinnen.

Fahrspaß mit Allradantrieb und Sportfahrwerk

Zum Start gibt es auch eine zweite Motorisierung: Der e-tron Sportback 50 quattro kommt auf eine Peak-Leistung von 230 kW und auf ein Drehmoment von 540 Newtonmeter, die Dauer-Leistung liegt auch hier bei 100 kW. Der Akku fasst 71 kWh, das soll für bis zu 347 Kilometer Reichweite ausreichen. Egal mit welchem Antrieb: Der Sportback bietet in jedem Fall mehr Fahrspaß als der normale e-tron. Sein Fahrwerk ist eine Spur straffer abgestimmt, und im gefahrenen S-Line-Modell kommt zudem serienmäßig ein Sport-Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern und die super direkte Progressiv-Lenkung zum Einsatz. Zumindest in dieser Kombination lässt sich das schwere Coupé noch behänder ums Eck bewegen als der bekannte e-tron. Und das ohne lautes Motorgebrüll wie bei Sportmodellen mit Verbrenner.

Technische Daten

(Herstellerangaben)Audi e-tron Sportback 55 quattroAudi e-tron Sportback 50 quattro

Motor/Antrieb

Drehstrom-Asynchronmaschinen mit 265 kW/360 PS (Boost-Leistung), 561 Nm, Allradantrieb

Drehstrom-Asynchronmaschinen mit 230 kW/313 PS (Peak-Leistung), 540 Nm, Allradantrieb

Fahrleistungen

5,7 s auf 100 km/h, 200 km/h Spitze

6,8 s auf 100 km/h, 190 km/h Spitze

Verbrauch (nach WLTP)

21,9 – 26,0 kWh/100 km, 0 g CO₂/km

21,6 – 26,3 kWh/100 km, 0 g CO₂/km

Batteriekapazität / Reichweite nach WLTP

95 kWh brutto (86,5 netto) / 446 km

71 kWh brutto (64,7 netto) / 347 km

Ladeleistung

AC-Laden mit 11, optional mit 22 kW, DC-Laden mit bis zu 150 kW

AC-Laden mit 11, optional mit 22 kW, DC-Laden mit bis zu 120 kW

Maße

L 4,90 / B 1,94 / H 1,62 m

L 4,90 / B 1,94 / H 1,62 m

Kofferraum

615 – 1655 l

615 – 1655 l

Leergewicht / Zuladung

2480 / 670 kg

2370 / 670 kg


Anhängelast (ungebremst / gebremst)

750 / 1800 kg

750 / 1800 kg

Garantie auf den Akku

8 Jahre bzw. 160.000 km

8 Jahre bzw. 160.000 km

Preis

ab 84.600 €

ab 71.350 €

Text: Michael Gebhardt