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– Elektroauto im Dauerlauf - ADAC Test 01/2016 –

Die ersten 30.000 km im BMW i3 mit Rangeextender

Hätte der i3 nicht einige typische Designmerkmale von BMW, würde man ihn der bayerischen Traditionsmarke sicher nicht zuordnen. Der „Kleinwagen“ kommt mit einer Van-artigen Erscheinung daher, bietet aber ganz traditionell nur vier Sitzplätze und einen überschaubaren Kofferraum. Vielmehr wird der doppelte Boden im i3 für die neue Technik benötigt: ein Elektromotor und ein Batteriepack. Und im Falle unseres Dauertestwagens zusätzlich ein Benzinmotor und ein kleiner Tank. Da die Technik schon viel Gewicht mitbringt, geht BMW bei der Karosserie andere Wege und verbaut Carbon und Aluminium in bisher ganz neuem Umfang. So hält sich das Fahrzeuggewicht trotz der zwei Antriebsquellen in Grenzen. Welche Vor- und Nachteile sich durch die neue Technik, die neuen Materialien und neue Konzepte wie die gegenläufig öffnenden Türen ergeben, muss der i3 im Dauertest zeigen.

Bisherige Fahrstrecke Dauerlauf30.494 km
Gefahren mit Rangeextender4.337 km (14 %)
Reichweite elektrisch80 bis 110 km
Reichweite mit Benzin80 bis 120 km
Gesamtverbrauch Strom5.249 kWh
Gesamtverbrauch Benzin336 Liter
Durchschnittsverbrauch Strom20,1 kWh/100 km (reiner Strombetrieb)
Durchschnittsverbrauch Benzin7,5 l/100 km (reiner REX-Betrieb)


BMW bietet den i3 sowohl als reines Elektroauto mit einer etwa 22 kWh fassenden Batterie als auch als Elektroauto mit Rangeextender (REX) an; dann sorgt ein kleiner Zweizylinder-Benzinmotor für die Stromproduktion, wenn der Akku leer ist. Dabei gibt es keine mechanische Verbindung zwischen dem Verbrenner und der Antriebsachse, der Benziner dient ausschließlich der Stromproduktion per Generator. Damit ist der Aufbau des Antriebs weniger aufwendig, es ergibt sich aber im REX-Betrieb ein schlechterer Wirkungsgrad. Im Dauertest funktionierte die Technik bisher einwandfrei, der i3 war immer einsatzbereit. Auch längere Strecken, für die die Batteriekapazität alleine nicht ausreichen würde, sind dank Benzinmotor unter dem Kofferraumboden kein Hindernis.

BMW verspricht eine Reichweite von bis zu 150 km rein elektrisch, zusammen mit dem REX sollen bis zu 300 km ohne Nachtanken möglich sein. Realistisch ist je nach Jahreszeit, Klimatisierungseinstellung und Fahrstil eine Strecke von 80 bis 110 km elektrisch. Sparsame Fahrer kommen auch deutlich weiter, die weiteste rein elektrisch gefahren Strecke lag bei 156 km. Wie immer zeigt sich, dass die Reichweite erheblich von den Rahmenbedingungen und dem Fahrstil abhängt.

Übers Jahr betrachtet liegt der Energieverbrauch bei reiner elektrischer Fahrt bei 20,1 kWh/100 km. Abhängig von der Jahreszeit, der Witterung und der Nutzung der Klimatisierung schwankt der Monatsmittelwert zwischen 16,8 bis 24,4 kWh/100 km. Springt der REX bei leerer Traktionsbatterie an, so wurden im Schnitt 7,5 Liter Benzin auf 100 km benötigt. Im Mischbetrieb verbrauchte der BMW i3 17,2 kWh/100 km und 1,1 Liter Benzin auf 100 km.


Positiv

  • Problemloser Betrieb, keine Störungen die ersten 30.000 km.
  • Vielseitige Lademöglichkeiten: 12 A, 2,7 kW am Schukostecker, 3,6 kW mit Typ 2 Stecker. Optional wird eine 4,6 kW Ladung per Typ 2 Stecker und eine Schnellladung nach Combo2/CCS an DC Schnellladestationen angeboten (20 bis 50 kW, 60 bis 30 min für 80 % Ladung).
  • Standheizungsfunktion: das Klimatisieren des Innenraums (per Timer oder Smartphone-App) während des Ladevorgangs schont beim Ladevorgang die Batteriekapazität und ermöglicht eine höhere Reichweite.
  • BMW i Remote erlaubt per Smartphone-App den Ladezustand zu kontrollieren und die Klimatisierung zu steuern. Zudem werden neben Fahrzeugstandort und Fahrzeuginfo auch Statistiken über den Energieverbrauch und den Fahrstil angeben.
  • Dank 250 Nm Drehmoment und 170 PS sehr gute Fahrleistungen, gleichmäßige Beschleunigung.
  • Hohe Rekuperation: Vorausschauende Fahrer können einen hohen Anteil der Bewegungsenergie wieder in die Batterie zurückspeichern, das erhöht die Reichweite.
  • Die Reichweitenanzeige ist sehr genau.
Negativ

  • Türkonzept unpraktisch: besonders in Garagen und Parkhäusern erweisen sich die gegenläufig zu öffnenden Türen als nachteilig. Zudem besteht die Gefahr, sich an den Fangbolzen der Fondtüren den Kopf anzuschlagen. Die Seitenscheiben der Fondtüren können nicht geöffnet werden.
  • Heizung wird beim Systemstart immer mit eingeschaltet und muss, wenn nicht benötigt, manuell deaktiviert werden.
  • Neben dem satten Aufpreis von 4.500 Euro für den Rangeextender gibt es weitere Nachteile: eine Wärmepumpe, die mehr Reichweite durch effizientere Wärmegewinnung ermöglicht, ist nicht lieferbar. Die Motorabwärme im REX-Betrieb wird nicht für die Innenraumheizung genutzt.
  • REX Betrieb: Der 25 kW starke REX-Motor geht nicht besonders sparsam mit Benzin um. Die Stromerzeugung mittels Verbrennungsmotor benötigt in etwa 7,5 Liter auf 100 km.
  • Hoher Reifenverschleiß: Wer nicht gefühlvoll beschleunigt, braucht bereits nach weniger als 30.000 km neue Hinterreifen.
  • Der i3 ist sehr windempfindlich.
  • BMW untypisch: Die Lenkung des i3 wirkt sehr nervös und übermotiviert. Bei Autobahngeschwindigkeit ist der Fahrer immer am Korrigieren.
  • Beim Deaktivieren der Geschwindigkeitsanlage (mit Abstandsregelung) wird das Fahrzeug stark verzögert. Um dies zu verhindern sollte, der Fahrer schon vor Deaktivierung das Gaspedal betätigen. Auch nervig: bei niedrigem Sonnenstand und schlechtem Wetter (Regen, Schnee und Nebel,) steigt die Geschwindigkeitsregelanlage gerne aus und das Fahrzeug bremst abrupt ab.
  • Lange Ladezeiten mit 12 A Schukostecker (bis zu 8 Stunden bei komplett leerer Batterie).
  • Nicht jede BMW-Werkstatt kann den i3 warten oder reparieren, sie muss auch auf Elektroautos spezialisiert sein.

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