Airline insolvent, Flug annulliert - Schadenersatz für Pauschalreisende

21.11.19

Ein Reisender einer Pauschalreise kann vom Reiseveranstalter Schadenersatz wegen vertaner Urlaubszeit verlangen, wenn sein Flug wegen Insolvenz der Airline annulliert wird.

Junge Frau blickt auf Anzeigetafel am Flughafen
Flugannullierung wegen Insolvenz der Airline stellt einen Mangel der Pauschalreise dar (Foto: iStock.com/Elizaveta Tomashevska)

Airline insolvent, Flug annulliert – Schadenersatz für Pauschalreisende

Kündigt ein Reisender seine Pauschalreise, weil sein Flug wegen Insolvenz der Airline annulliert wurde, kann er vom Reiseveranstalter Schadenersatz wegen vertaner Urlaubszeit verlangen. Die Höhe des Schadensersatzes ist mit der Hälfte des Reisepreises anzusetzen. Das hat das Landgericht Köln entschieden.

Ein Mann hatte für sich und seine Lebensgefährtin eine Pauschalreise in die Dominikanische Republik gebucht. Teil der Reise war ein Flug in der Business-Class von Düsseldorf nach Punta Cana und zurück. Wegen der Insolvenz der Airline wurde der Flug annulliert. Der Reiseveranstalter bot dem Reisenden ersatzweise Flüge in der Economy Class von Frankfurt nach Amsterdam und von dort über Paris nach Punta Cana an. Dabei war eine Zwischenübernachtung in Amsterdam notwendig. Der Reisende lehnte die Ersatzbeförderung ab. Er kündigte den Reisevertrag. Er verklagte den Reiseveranstalter auf Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit und begründete seine Klage mit der Vereitelung der Reise.

Anspruch auf Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit

Das Landgericht Köln gab dem Reisenden Recht. Wird der Hinflug wegen der Insolvenz der Airline annulliert, liegt eine Vereitelung der Reise vor, die für den Reisenden zu Schadensersatz wegen vertaner Urlaubszeit führt, so die Richter. Das Gericht sah einen Schadenersatz in Höhe der Hälfte des Reisepreises (4.630 Euro) als gerechtfertigt an.

Flugannullierung ist ein Reisemangel

In der Annullierung der Flüge ist ein Mangel der Pauschalreise zu sehen. Den Reiseveranstalter trifft zwar selbst kein Verschulden für den Mangel, nach Ansicht der Richter trägt der Reiseveranstalter aber die Verantwortung dafür, dass er Reiseleistung mit zahlungsfähigen Erfüllungs- und Leistungsgehilfen erbringt.

Reisender muss nur gleichwertige Ersatzbeförderung akzeptieren

Die Richter führten weiter aus, dass der Reiseveranstalter ein gleichwertiges Ersatzangebot machen muss. Die angebotene Ersatzbeförderung hätte zwei Tage gedauert – mit Sitzplätzen in der Economy-Class und kostenpflichtiger Zwischenübernachtung. Dieses Ersatzangebot sahen die Richter nicht als gleichwertig an mit dem gebuchten Direktflug in der Business-Class. Der Reisende durfte das Ersatzangebot daher berechtigterweise ablehnen.

Schadensersatz in Höhe der Hälfte des Reisepreises

Nach Ansicht der Richter war der Schadensersatz wegen der Vereitelung der Reise mit der Hälfte des Reisepreises anzusetzen. Die Annullierung des Fluges wurde dem Reisenden erst kurzfristig mitgeteilt. Außerdem hat der Reiseveranstalter dem Reisenden kein gleichwertiges Ersatzangebot gemacht.

LG Köln, Urteil vom 19.6.2018, Az.: 30 O 107/18

Hinweis der ADAC Juristen:

Pauschalreisende sind bei der Insolvenz einer Airline durch den Sicherungsschein abgesichert. Flugpassagiere, die ihr Ticket direkt bei der Airline oder im Internet gebucht haben, haben es schwer, den Ticketpreis zurückzubekommen. Alle Infos zu Ihren Rechten bei der Insolvenz von Airline oder Reiseveranstalter finden Sie hier.

Text: Juristische Zentrale