Auffahrunfall beim Skifahren - wer von hinten kommt, ist schuld

20.12.2019

Fährt ein von hinten kommender Skifahrer auf einen vorausfahrenden Skifahrer auf, spricht der Anscheinsbeweis für ein Verschulden des von hinten kommende Skifahrers. Nach der FIS-Regel Nr. 3* muss dieser seine Fahrspur so wählen, dass er vorausfahrende Skifahrer nicht gefährdet. Das hat das Landgericht Köln entschieden.

Zwei Skifahrer fahrer hintereinander auf einer leeren Piste im Gegenlicht
Skifahren mit Verantwortung - Rücksicht auf andere ist oberstes Gebot (Foto: iStock.com/simonkr)

Von hinten kommende Skifahrer dürfen Vorausfahrende nicht gefährden (FIS-Regel Nr. 3)

Bei einem Skiunfall im Skigebiet Steinplatte-Waidring in Österreich fuhr ein von hinten kommender Skifahrer auf einen vorausfahrenden Skifahrer auf. Dieser erlitt einen offenen Bruch des Schien- und Wadenbeins am linken Unterschenkel. Die Verletzung wird Dauer- und Spätfolgen (Schmerzen, mögliche Arthrose und Rückenbeschwerden) für das Unfallopfer nach sich ziehen. Außerdem war der verletzte Skifahrer infolge des Unfalls zu 20% erwerbsgemindert. Er klagte gegen den von hinten kommenden Skifahrer auf Zahlung von Schadensersatz und Schmerzensgeld.

Anspruch auf Schadensersatz und Schmerzensgeld

Das LG Köln sprach dem Kläger Schadensersatz und Schmerzensgeld zu. Als Schmerzensgeld sah das Gericht einen Betrag von 12.000 Euro als angemessen an.

Verschulden des von hinten kommenden Skifahrers

Die Richter begründeten das Urteil damit, dass schon der Beweis des ersten Anscheins dafür spricht, dass der von hinten kommende Skifahrer fahrlässig gegen FIS-Regel Nr. 3 verstoßen hat. Nach dieser Regel muss ein von hinten kommender Skifahrer seine Fahrspur so wählen, dass er vor ihm fahrende Skifahrer nicht gefährdet. Der Vorausfahrende hat uneingeschränkten Vorrang. Der nachfolgende Skifahrer muss einen ausreichend großen Abstand halten, der dem Vorausfahrenden genug Raum für alle seine Bewegungen lässt, so die Richter. Dabei muss der von oben kommende Skifahrer vorausschauend fahren. Er muss jederzeit mit weiten Schwüngen, Schrägfahrten, Bögen mit großen Radien und einem plötzlichen Richtungswechsel des vorausfahrenden Skifahrers rechnen und sein Fahrverhalten darauf einstellen.

Vorausfahrender Skifahrer muss nicht ständig nach hinten schauen

Die Richter sahen bei dem vorausfahrenden Skifahrer kein Mitverschulden. Der vorausfahrende Skifahrer muss nach der FIS-Regel Nr. 2 auf Sicht fahren. Er muss seine Geschwindigkeit und seine Fahrweise seinem Können, den (Gelände-, Schnee- und Witterungs-) Verhältnissen und dem Verkehr auf der Piste anpassen. Er hat aber keine Pflicht, sich während der Fahrt nach hinten zu vergewissern.

LG Köln, Urteil vom 15.8.2017, Az.: 30 O 53/17

 

*FIS-Regeln kurz erklärt

Die FIS-Regeln* sind allgemeine Verhaltensregeln für Skifahrer und Snowboarder. Sie wurden vom Internationalen Ski-Verband FIS aufgestellt und gelten weltweit. Die Regeln sollen – vergleichbar mit der Straßenverkehrsordnung – Unfälle und gegenseitiges Gefährden vermeiden. Der oberste Grundsatz in den FIS-Regeln lautet „Rücksichtnahme auf andere“. 

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Text: Juristische Zentrale