Umfrage zu E-Antrieb & Co: Was sich Autofahrer wünschen

Frau lädt ihr Elektroauto an einer Ladesäule in München
E-Ladesäulen sind inzwischen ein vertrauter Anblick ∙ © ADAC/Uwe Rattay

Der ADAC hat rund 2600 Personen und über 400 Kommunen zur Infrastruktur für alternative Antriebe befragt: Beide setzen vor allem auf Elektromobilität.

  • Jeder sechste plant den Kauf eines Pkw mit alternativem Antrieb

  • Dichte und Ausstattung des E-Ladenetzes reichen noch nicht aus

  • Erdgas- und Wasserstofftankstellen sind dünn gesät

Ein Autoverkäufer berät eine Frau beim Kauf eines Elektroautos
Verbrenner, E-Auto, etwas anderes? Welcher Antrieb soll´s denn sein? ∙ © Shutterstock/RossHelen

Die Antriebswende weg von Benzin und Diesel hin zu alternativen Technologien mit Strom, Wasserstoff und Gas ist im Gange. Der ADAC hat 2020 in einer Umfrage untersucht, wie stark die Menschen am Elektroantrieb interessiert sind. Gleichzeitig wurde in den Kommunen abgefragt, welche Infrastruktur für alternative Antriebe vorhanden und geplant ist.

Vier von zehn Befragten interessieren sich für E-Antriebe

Aktuell dominieren im Fuhrpark der Interviewten noch die Autos mit reinem Benzin- oder Dieselantrieb. Jeder zweite Befragte will sich innerhalb der nächsten zwei Jahre ein neues Fahrzeug zulegen. Und davon kann sich wiederum ein Drittel vorstellen, ein Auto mit einem alternativen Antrieb zu kaufen. Somit plant jeder Sechste recht zeitnah den Kauf eines neuen Pkw mit reinem Elektro-, Plug-in-Hybrid- oder anderem alternativen Antrieb.

Ein Drittel gibt an, sehr gut oder gut über elektrische Antriebe informiert zu sein. Zusammen mit denjenigen, die schon ein Elektro- oder Hybridfahrzeug haben oder sich ein solches kaufen wollen, sind das rund 40 Prozent der Befragten, die ein Interesse am Elektroantrieb haben.

Eine weitere Erkenntnis aus der Umfrage: Über elektrische Antriebe wissen die Menschen schon relativ viel, über Erdgas und Wasserstoff als Antrieb deutlich niedriger.

Jeder Vierte hat eine Ladesäule in der Nähe

Jeder Zweite parkt sein Auto auf dem eigenen Stellplatz, davon hat jeder neunte einen Ladepunkt. Eine Ladesäule im öffentlichen Raum nahe der Wohnung hat nur jeder Vierte zur Verfügung. Wer schon ein Elektro- bzw. Hybridfahrzeug hat, lädt es überwiegend zuhause auf, seltener an einer öffentlichen Station oder beim Arbeitgeber.

Bund und Länder sollen E-Mobilität fördern

Wer kann am meisten für die Förderung der E-Mobilität tun? Das können sich zwei Drittel der am Elektroantrieb Interessierten bei Bund und Ländern vorstellen. Als kleiner schätzen die Befragten den Einfluss von Städten und Gemeinden oder der EU ein.

Am wichtigsten ist der Ausbau der Ladeinfrastruktur

Wallbox in einer Tiefgarage
Die Förderung von Wallboxen ist der zweithäufigste Wunsch der Befragten ∙ © ADAC/Martin Hangen

Von den Kommunen erwarten die E-Interessierten vor allem mehr Ladesäulen im öffentlichen Straßenraum. Fast die Hälfte von ihnen nennt dies als oberste Priorität. Zwölf Prozent nennen als Erstes die finanzielle Förderung privater Wallboxen, jeder Zehnte die Elektrifizierung des städtischen Fuhrparks (zum Beispiel Müllfahrzeuge).

Die Menschen wünschen sich Ladesäulen im Wohnumfeld

Als wichtigste Standorte von Lademöglichkeiten geben von den E-Interessierten 56 Prozent private Stellplätze in (Tief-)Garagen an, dicht gefolgt von 53 Prozent im öffentlichen Raum. Auch an Parkmöglichkeiten am Arbeitsplatz (43 Prozent), Autobahnen (40 Prozent) und Supermärkten (39 Prozent) sollten mehr Ladesäulen stehen. Tankstellen spielen als gewünschter Standort mit 28 Prozent eine geringere Rolle.

Größte Hürde ist die Angst vor zu geringer Reichweite

Für 36 Prozent der E-Interessierten ist die zu geringe Reichweite das größte Handicap beim E-Auto-Neukauf. Jeder Fünfte nennt zu hohe Anschaffungskosten, jeder Neunte die fehlende Lademöglichkeit am privaten Stellplatz, jeder Zwölfte die unzureichende öffentliche
Ladeinfrastruktur. Ökologische und soziale Aspekte bei der Herstellung, wie zum Beispiel die Rohstoffgewinnung in Entwicklungsländern, spielen als Hürden beim Kauf eines E-Autos keine große Rolle.

Laden an öffentlichen Stationen sollte schneller gehen

Ladesäulen für Elektroautos an einer Autobahn
Laden an der Autobahn – das sollte wesentlich zügiger gehen ∙ © imago images/Arnulf Hettrich

Ein Ladevorgang an der Autobahn sollte maximal eine halbe Stunde dauern, wünschen sich 38 Prozent der E-Interessierten. Sogar nur eine Viertelstunde sagen 30 Prozent. Im öffentlichen Raum nahe der Wohnung geben 23 Prozent eine Ladedauer von 30 Minuten und 13 Prozent eine von 15 Minuten an. Am privaten Ladepunkt werden längere Zeiten akzeptiert.

Anzeige von Preis und Menge – das ist wichtig beim Laden

Beim Stromtanken wollen die Kunden umfassend informiert werden: Preis und Menge des Stroms sowie die Ladedauer sollten angezeigt werden, sagen zwei Drittel. Es folgen die Möglichkeit, beim spontanen Laden mit Karte zu bezahlen (60 Prozent) und die Option Schnellladen mit 55 Prozent.

Tipps für Elektroautofahrer

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Laden von Elektroautos sind hier
zusammengestellt. Lesen Sie außerdem, wie Sie von der Förderung für Elektroautos und für private Ladestationen profitieren können.

Eine App sollte als erstes freie Ladestationen anzeigen

Mann nutzt eine App, um sein Elektroauto zu laden
Frei oder belegt? Diese Infos zu Ladesäulen werden von einer App erwartet ∙ © imago images/Shotshop

Was ist das wichtigste Merkmal einer App für öffentliche Ladestationen? Dazu nennen von den E-Interessierten 70 Prozent die Anzeige des Status, also ob die Säule aktuell frei, belegt oder defekt ist. 64 Prozent sind Informationen wie Preis, Bezahlmöglichkeiten und Dauer des Ladens sehr wichtig, 56 die Anzeige der Station auf einer Karte.

Die Kommunen setzen vor allem auf elektrische Antriebe

Wie es um die Infrastruktur für alternative Antriebe bestellt ist, wollte der ADAC auch von den Kommunen wissen. Knapp zwei Drittel geben an, dass öffentliche Ladestationen bereits in Betrieb bzw. in den nächsten 12 Monaten fest geplant sind. Doch nur in jeder dritten Kommune gibt es öffentliche Tankstellen mit Erdgas und nur in jeder Zwanzigsten mindestens eine öffentliche mit Wasserstoff.

ADAC Redakteur Jochen Wieler betankt ein Auto mit Erdgas
Eine oder mehrere Erdgastankstellen gibt es in 33 Prozent der Kommunen ∙ © ADAC/Uwe Rattay

In den nächsten fünf Jahren wollen 28 Prozent der Städte und Gemeinden Infrastruktur für E-Mobilität aufbauen. 61 Prozent wollen vorhandene Einrichtungen ausbauen. 22 Prozent wollen Wasserstoff fördern, nur zwei Prozent Erdgas. Jede elfte Kommune will sogar das Infrastrukturangebot für Benzin und Diesel reduzieren.

Kommunen sehen bei E-Mobilität zu wenig Nachfrage

Städte und Gemeinden nennen mehrere Gründe, warum der Auf- und Ausbau der Ladeinfrastruktur für Elektromobilität nur langsam vorankommt. Je 39 Prozent geben mangelnde Nachfrage und Finanzmittel an, 34 Prozent, dass sie die Infrastruktur nicht wirtschaftlich betreiben könnten. Beim Auf- und Ausbau der Infrastruktur für Wasserstoff oder Erdgas werden ähnliche Gründe angenommen.

Wasserstofftankstelle
Wasserstofftankstellen sind ein rarer Anblick in Städten und Gemeinden ∙ © imago images/Arnulf Hettrich

So wurde untersucht

Im Auftrag des ADAC e.V. hat die Harris Interactive AG im September 2020 in Deutschland 2638 Personen ab einem Alter von 16 Jahren befragt. Darunter waren 1035 so genannte Elektroantriebs-Interessierte. An einer Onlinebefragung von Städten und Gemeinden ab 5000 Einwohnern durch den ADAC e.V. im Herbst 2020 nahmen 428 Kommunen teil.

Ob zu Hause oder unterwegs: Alle Antworten zu den wichtigsten Fragen rund ums Laden von Elektroautos lesen Sie hier.