Pedelecs: Alles zu Kauf, Bedienung & Akku

Mann fährt auf einem Pedelec durch die Stadt
Pedelecs prägen in vielen Städten das Straßenbild ∙ © imago images/Westend61

Insgesamt bewegen sich über sieben Millionen Elektrofahrräder auf deutschen Straßen. Pedelecs gibt es in allen erdenklichen Modellvarianten – vom Mountainbike über das Urban Bike bis zum Lastenrad. Was Sie über Akkus und Bedienung wissen sollten.

  • Es gibt zwei Arten von Pedelecs: Bis 25 km/h und bis 45 km/h Unterstützung

  • Die Akku-Laufzeit hängt von vielen Faktoren ab

  • Pedelecs können zur Not auch mit reiner Muskelkraft bewegt werden

Pedelecs (Pedal Electric Cycles) sind Fahrräder mit einem elektrischen Zusatzantrieb, der den Fahrer beim Treten unterstützt, während der Elektromotor bei E-Bikes völlig unabhängig vom Treten arbeitet.

Diese Pedelec-Varianten gibt es

Pedelec 25: Bei diesen Modellen endet die elektrische Unterstützung bei 25 km/h. Einige Modelle verfügen über eine zusätzliche Anfahr- und Schiebehilfe bis 6 km/h, die besonders am Berg hilfreich ist.

Pedelec 45: Diese Modelle werden auch schnelles Pedelec oder Speed-Pedelec genannt. Sie unterstützen den Fahrer bis zu 45 km/h und können ohne Treten bis auf 20 km/h beschleunigen. Rechtlich sind sie Kleinkrafträder, für den Betrieb sind eine Fahrerlaubnis und ein Versicherungskennzeichen erforderlich. Es besteht Helmpflicht. Pedelecs 45 dürfen die Radwege nicht benutzen.

Weitere Unterschiede zwischen E-Bikes und Pedelecs

Der Akku: Herzstück des Pedelecs

Eine Frau wechselt den Akku eines Elektro-Fahrrads
Herzstück des Pedelecs: Im Winter sollte der Akku bei Raumtemperatur gelagert werden. ∙ © BOSCH

Pedelecs können mit unterschiedlichen Energiespeichern ausgerüstet sein. Durchgesetzt haben sich Lithium-Ionen-Akkus (Li-Ion), die mit einem geringen Gewicht bzw. einer hohen Energiedichte, einer kurzen Ladezeit und einer Lebensdauer von etwa 1000 Ladezyklen überzeugen. Der Akku ist entweder unterhalb des Gepäckträgers, am Rahmendreieck oder im Rahmen selbst befestigt. Aus Gründen der Diebstahlsicherheit und für einen leichteren Transport sollten Sie darauf achten, dass der Akku leicht zu entnehmen und abzuschließen ist.

Eine pauschale Antwort auf die Frage nach der Reichweite eines Akkus gibt es nicht. Denn diese Faktoren beeinflussen die Reichweite:

  • Kapazität des Akkus

  • Einsatzbedingungen wie Steigung, Treteinsatz, Temperatur, Geschwindigkeit, Gangwahl, Gegenwind, Beladung, Fahrergewicht oder gewählte Unterstützungsstufe

Mit einer Akkuladung können Sie bei gemischter Fahrweise zwischen 50 und 100 Kilometer fahren. Danach muss der Akku an die Steckdose. Sollte der Akku bereits während der Fahrt komplett leer werden, können Sie das Pedelec immer noch mit Muskelkraft bewegen. Beachten Sie aber, dass das höhere Gewicht des Gefährts deutlich mehr Kraftaufwand als ein normales Fahrrad verlangt.

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Der richtige Umgang mit dem Akku: Lagern und Laden

Laden Sie den Akku ausschließlich mit dem dazugehörigen Ladegerät im Trockenen und bei den vom Hersteller bestimmten Temperaturen – meist etwa 20 Grad Celsius. Schützen Sie den Akku beim Abstellen des Pedelecs und insbesondere beim Laden vor direkter Hitze. Bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt sollten Sie den Akku während des Parkens abnehmen und in einem Raum mit Zimmertemperatur lagern, um Schäden zu vermeiden. Trennen Sie den Akku nach dem Laden vom Ladegerät. Übrigens: Eine Fahrt im Regen oder Schnee beeinträchtigt den Akku nicht.


Das Aufladen kann unabhängig vom Ladezustand erfolgen. Teilladungen schaden modernen Li-Ion-Akkus zwar nicht, verringern aber deren Lebensdauer. Der ideale Ladezustand des Akkus beträgt je nach Hersteller zwischen 50 und 100 Prozent und ist der Bedienungsanleitung zu entnehmen. 

Falls der Akku einmal herunterfällt, sollte ein Fachhändler kontrollieren, ob er ausgetauscht werden muss. Der gebrauchte Akku muss zum Tauschen oder zur Entsorgung immer zum Fachhändler gebracht werden. Ein neuer Akku kostet zwischen 300 und 800 Euro.

Das sollten Sie beim Akku im Winter beachten

Eine Frau fährt mit ihrem Elektro-Fahrrad durch eine Winterlandschaft
Wer im Winter sein Pedelec benutzt, sollte den Akku mit einem Neoprenüberzug vor der Kälte schützen. ∙ © Shutterstock/Umomos

Lagern Sie den Akku getrennt vom Ladegerät und bei Temperaturen von 5 bis 20 Grad Celsius. Die Hersteller sind sich nicht einig darüber, mit wie viel Prozent Aufladung der Akku überwintern sollte. Vielfach wird empfohlen, den Akku zu 100 Prozent aufzuladen. Andere Hersteller wie z.B. Bosch empfehlen vor der Einlagerung eine Beladung von 30 bis 60 Prozent und warnen vor einer Schädigung des Akkus bei Lagerung im vollständig geladenen Zustand. Wichtig ist es deshalb, sich an die Vorgaben des Herstellers zu halten.

Moderne Li-Ion-Akkus von Pedelecs und E-Bikes haben zwar eine vergleichsweise geringe Selbstentladung, dennoch kann es bei einer längeren Ruhephase ohne Aufladung zu einer sogenannten Tiefenentladung der Batterie kommen. Diese schädigt den Akku und kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass er sich nicht mehr aufladen lässt. Deshalb empfehlen die meisten Hersteller eine regelmäßige (jeden Monat bis alle drei Monate), zumindest kurzzeitige (circa eine Stunde) "Auffrischungsladung" für den ungenutzten Akku.

Einzelne Akkus können nach Angaben der Hersteller für längere Zeit in einen sogenannten "Schlafmodus" versetzt werden. Wenn das der Fall ist, kann der Akku bis zu sechs Monate eingelagert bleiben, ohne dass er zwischendurch noch einmal aufgeladen werden muss. Dieser Schlafmodus kann eingestellt werden oder er wird automatisch erreicht, wenn der Akku längere Zeit nicht benutzt oder geladen wird. Auch hier lohnt sich in jedem Fall der Blick in die Betriebsanleitung.

Unabhängig vom Hersteller gilt aber für alle Akkus: nicht dauerhaft an ein Ladegerät angeschlossen lassen. Wenn der Akku vollständig aufgeladen ist, sollte das Ladegerät möglich schnell entfernt werden.

So erhöhen Sie die Reichweite des Akkus

Display eines Pedelecs
Das Display zeigt u.a. Geschwindigkeit und Akkuleistung an ∙ © iStock.com/123ducu
  • Fahren Sie bevorzugt in kleineren Gängen.

  • Passen Sie die Unterstützung des E-Antriebs den Gegebenheiten an – eine flache Strecke können Sie mit der kleinen Stufe bewältigen.

  • Schützen Sie den Akku auf Fahrten mit einem Neoprenüberzug vor Kälte und Nässe, damit er die optimale Betriebstemperatur hält.

Technisch wichtige Komponenten beim Pedelec

Der Antrieb

Beim Antrieb eines Pedelecs gibt es drei Varianten: den Vorderrad-Nabenmotor, den zentralen Tretlagermotor und den Hinterrad-Nabenmotor.

Durchgesetzt hat sich trotz des höheren Preises der zentrale Tretlagermotor, weil er ein stabiles und wendiges Fahren ermöglicht. Durch die günstige Schwerpunktlage in der Mitte fährt sich das Pedelec bei diesem Antriebskonzept ähnlich wie ein herkömmliches Fahrrad. Auch ein Reifenwechsel ist wie gewohnt möglich. Nachteil des Mittelmotors: Die Rekuperation, also die Energierückgewinnung im Schiebebetrieb, ist wegen des Freilaufs am Hinterrad nicht möglich.

Der Hinterrad-Nabenmotor eignet sich wegen der guten Traktion vor allem für sportliche Pedelecs, erschwert allerdings das Heben über Treppen oder in den Zug.

Der Vorderrad-Nabenmotor ist besonders bei preisgünstigen Pedelecs verbreitet, kann aber vor allem auf rutschigem Untergrund oder in Kurven zu einem Durchdrehen oder Wegrutschen führen.

Aufgepasst: Fahren mit Pedelecs und Lastenrädern will geübt sein!

Wenn Sie wenig Erfahrung haben mit Fahrrädern oder Pedelecs üben Sie regelmäßig wichtige Fahrmanöver auf nicht öffentlichem Gelände oder bei Fahrtrainings.

Gerade Lastenräder verhalten sich aufgrund der speziellen Bauart oftmals anders, als man es als Radfahrer gewohnt ist. Besonders wichtig sind Bremsen und Kurvenfahren. Mit geschulter Blickführungen können zudem Gefahren und Risiken schneller erkannt und gebannt werden.

Die Sensorik

Die Motoren von Pedelecs werden über Sensoren gesteuert. Hier gibt es zwei Typen: den Trittfrequenzsensor und den Drehmomentsensor.

Der Trittfrequenzsensor findet sich vorwiegend bei günstigeren Modellen und erkennt lediglich die Pedalbewegung. Die Intensität, mit der man in die Pedale tritt, erfasst dieser Sensor nicht. Folglich kann die Motorleistung stärker oder schwächer ausfallen als gewünscht.

Der Drehmomentsensor, der in hochwertigeren Pedelecs eingebaut ist, misst dagegen die Kraft des Pedaltritts. Dementsprechend wird, in Verbindung mit der gewählten Stufe, die Motorunterstützung gesteuert: viel Leistung bei kräftigem Treten, geringe Trethilfe bei schwachem Pedaldruck.

Die Bremsen

Durch höhere Geschwindigkeiten und das größere Gewicht im Vergleich zum normalen Fahrrad ist beim Pedelec eine gute Bremsleistung außerordentlich wichtig. Daher sind insbesondere bei hohem Körpergewicht oder häufigem Gepäcktransport hydraulische Felgen- oder Scheibenbremsen empfehlenswert, da sie den herkömmlichen mechanischen Felgenbremsen überlegen sind, vor allem wenn diese aus einfachen Bauteilen bestehen. Bei Pedelecs mit Frontantrieb ist auch der Einbau einer Rücktrittbremse möglich. 

Kauftipps für Pedelecs

  • Überlegen Sie sich, welche Ausstattung und Eigenschaften das Pedelec haben soll. Reichweite, Gewicht und Akkuladezeit sind die zentralen Kriterien für die Wahl eines Pedelecs. Achten Sie auch auf fahrstabile Rahmen, besonders bei Tiefeinsteigern.

  • Lassen Sie sich auf jeden Fall im Fachhandel beraten. Das Pedelec kann dort entsprechend Ihren Bedürfnissen und Ihrer Körpergröße konfiguriert werden. Nehmen Sie sich Zeit und lassen Sie sich umfassend in die Technik einweisen.

  • Testen Sie verschiedene Modelle, auch bei ausgeschaltetem Antrieb und an Steigungen. So finden Sie heraus, welches Antriebs- und Bremssystem am besten zu Ihnen passt. Zu beachten ist auch, ob sich die Gänge am Berg leicht schalten lassen. Generell sollte das Rad beim Fahren stabil und komfortabel sein.

  • Prüfen Sie die Möglichkeiten zum Parken und Laden. Müssen Sie das Pedelec zum Parken über Treppen tragen, sollten Sie vor dem Kauf auch das Heben testen. Bei einem Gewicht von etwa 25 Kilo und mehr kann dies sehr umständlich sein. An Rampen kann eine integrierte Schiebehilfe von Vorteil sein. Ein herausnehmbarer Akku ist in Bezug auf das Laden flexibler als ein fest eingebauter Stromspeicher.

  • Prüfen Sie, ob der Akku leicht herausnehmbar ist. Wenn er in der Wohnung oder im Büro geladen werden soll, sollte er einfach abnehmbar sein und ein akzeptables Gewicht haben. Fragen Sie außerdem nach der Garantie für den Akku.

  • Halten Sie sich an die Hinweise des Herstellers zu dem Umgang mit dem Akku. Vielfach ist vorgeschrieben, den Akku nicht unbeaufsichtigt zu laden. Überlegen Sie sich, ob Sie diese Auflage erfüllen können.

  • Machen Sie sich mit dem Display vertraut. Es sollte leicht verständlich, bei jedem Wetter gut lesbar und einfach zu bedienen sein.

Regina Ammel
Redakteurin
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