Alternativen zum VW-Bus: Es muss nicht das Original sein

Front und Seitenansicht des VW T7 Bulli
Ikonischer Alleskönner, aber teuer: Der VW-Bus© Volkswagen Nutzfahrzeuge

Ein VW-Bus ist der Traum vieler Familien. Doch der "Bulli" T7 ist ein ziemlich teures Vergnügen. Hier kommen sechs Alternativen für alle, die viel Platz brauchen.

  • Familienmodelle von Ford bis Mercedes

  • Große Variantenvielfalt für individuelle Bedürfnisse

  • Zunehmend auch alternative Antriebe zu haben

Wer an den VW-Bus denkt, hat sofort die verschiedensten Bilder im Kopf: ein bunt bemaltes Hippiemobil etwa, ein cooles Surfergefährt mit lässigen Surferboys am Steuer, ein geräumiges Familienfahrzeug für Großfamilien oder ein profanes Handwerkerauto von Elektro Meier.

Die große Vielfalt ist es, die einen VW-Bus zum Schweizer Taschenmesser für Mobilitätswünsche aller Art macht. An Auf- und Einbauten sowie verschiedenen Antrieben herrscht kein Mangel.

Der VW-Bus ist ein teures Vergnügen

Der VW Multivan fahrend
Der "alte" VW-Bus wird als VW T6.1 weitergebaut© www.achim-hartmann.com

Doch wer sich mit dem aktuellen VW-Bus näher beschäftigt, merkt rasch: Er kann zum teuren Vergnügen werden. 60.000 Euro überschreitet schnell, wer sich nicht mit der blanken Basisversion begnügen will. Selbst gebraucht werden Multivan, Caravelle & Co. zu hohen Kursen gehandelt. Auch der Vorgänger ist kein Schnäppchen: Der VW-Bus wird als VW T6.1 noch weitergebaut, günstiger sind dessen Versionen Caravelle und California allerdings keineswegs, was gleichermaßen für den elektrischen VW ID. Buzz (hoher Kultfaktor!) gilt.

Es kann sich also lohnen, nach anderen Modellen zu schauen. Hier sind interessante und oft günstigere Alternativen zum VW-Bus:

Mercedes-V-Klasse: Bus mit Anspruch

Mercedes-Benz V-Klasse fährt auf einer Strasse
Die Mercedes-V-Klasse überzeugt© Daimler

Was die Variantenvielfalt angeht, steht die Mercedes-V-Klasse dem VW-Bus in nichts nach. Es gibt drei verschiedene Längen (kompakt: 4,90 Meter, lang: 5,14 Meter, extralang: 5,37 Meter), vielfältige Sitzkonfigurationen vom edlen Sechssitzer mit Einzelsitzen bis zum Achtsitzer mit Sitzbänken, die Campingversion Marco Polo und vieles mehr.

Was die Qualitätsanmutung angeht, hat der Mercedes sogar die Nase vorn: Innen sieht es so fein und edel aus wie in einem Pkw von Mercedes. Wo der VW also eher schlichteres Nutzfahrzeugflair versprüht, macht der Benz mit poliertem Holz, feinem Alu und Wohnzimmeratmosphäre auf Luxusliner.

Cockpit vom Mercedes-Benz V-Klasse
Edel: Das Interieur der Mercedes-V-Klasse© Daimler

Anfangs war die V-Klasse gar nicht mal so teuer und ab rund 40.000 Euro zu haben. Doch mittlerweile wurde das Einstiegsmodell "Rise" gestrichen, und die Preise haben erheblich angezogen: Die V-Klasse startet mit 163 PS starkem Dieselmotor als V220d bei rund 59.000 Euro (Stand Dezember 2023). Der vom ADAC getestete V300d kommt noch um einiges teurer, hat mit seinem knapp 240 PS starken Motor aber fast schon Fahrleistungen wie ein Sportwagen.

Etwas einfacher gestrickt ist der Vito, der im Grunde das gleiche Auto ist, nur mit einem schlichteren Cockpit und einem etwas robusteren Interieur aufwartet. Schnäppchenjäger halten daher eher nach dem günstigeren Vito Tourer Ausschau.

Ebenfalls interessant: Auf den Namen EQV hört die rein elektrische V-Klasse. Mit ihrer 100-kWh-Batterie verspricht Mercedes 400 Kilometer Reichweite mit einer Akkuladung. Der ADAC Ecotest förderte aber einen happigen Verbrauch von 30,9 kWh pro 100 Kilometer zutage, in der Praxis reicht es deswegen nur für 325 Kilometer. Auch als elektrischen Camper "Marco Polo" kann man den EQV bestellen.

Für 2024 wurde ein Facelift angekündigt. Hier finden Sie den ADAC Test zur Mercedes-V-Klasse und im ADAC Autokatalog alle technischen Daten und Preise zur V-Klasse.

Hyundai Staria: Bus oder Raumschiff?

Front und Seitenansicht des Hyundai Staria
So chic kann ein Bus aussehen: Hyundai Staria© Hyundai

Wenn ein Auto beweist, dass ein Bus kein emotionsfreier Kastenwagen sein muss, dann der Hyundai Staria. Der VW-Bus-Konkurrent aus Südkorea sieht aus, als hätte ihn eine Zeitmaschine aus der Zukunft in die Jetztzeit gebeamt.

Sein unverwechselbares "Gesicht" erhält er unter anderem durch einen markanten LED-Streifen, der sich über die gesamte Wagenbreite zieht. Die Schweinwerfer in Pixelform sitzen eine Etage darunter im gitterartigen Kühlergrill. Die Seitenlinie wird von großen Fensterflächen dominiert, und das Heck wirkt durch die riesige Klappe mit stehenden und hoch aufragenden Leuchten ziemlich massig. Am coolsten wirkt das Hyundai-Raumschiff, wenn es in Schwarz lackiert ist.

Heckansicht eines Hyundai Staria
Auch von hinten ist der Hyundai Staria ein Hingucker© Hyundai

Innen herrscht angenehmes Wohnzimmerflair, und Platz gibt es ohne Ende. Kein Wunder, denn der Staria misst stolze 5,25 Meter in der Länge und damit 28 Zentimeter mehr als ein VW T7. Die Sitze im Fond können längs und auch zur Seite verschoben und in einen Relax-Modus gebracht werden: Wie im Fernsehsessel zu Hause lässt sich eine Beinauflage ausfahren und die Lehne nach hinten neigen – entspannter geht es kaum. In der dritten Reihe gibt es keine Einzelsitze, sondern eine verschiebbare Bank, auf der auch Erwachsene noch gut sitzen können.

Die Variantenvielfalt beim Antrieb hält sich allerdings in Grenzen: Derzeit gibt es nur einen 177 PS starken Dieselmotor. Möglich, dass sich dies wie auch die Optik durch eine angekündigte Modellpflege aber ändert.

Hier finden Sie den ausführlichen ADAC Test, auf dem YouTube-Kanal des ADAC ein Video zum Hyundai Staria und im ADAC Autokatalog alle technischen Daten und Preise zum Hyundai Staria.

Opel Zafira-e Life, Toyota Proace & Co.

Aufnahme eines Peugeot E-Traveller
Neue Front für 2024, die Technik bleibt aber gleich: Der Peugeot e-Traveller© Peugeot

Dass verschiedene Hersteller bei Nutzfahrzeugen zusammenarbeiten, ist schon lange üblich. So ist die zweite Alternative zum VW-Bus eigentlich nicht nur eine, sondern es handelt sich um fünf baugleiche Fahrzeuge: Opel Zafira Life, Citroën Spacetourer, Peugeot Traveller, Toyota Proace und auch der Fiat Ulysse unterscheiden sich im Prinzip nur durch eine markenspezifische Front. Der e-Traveller hat nun ein optisches Update bekommen, die anderen Modelle werden folgen. Die inneren Werte sind gleich geblieben, die Ausstattung kann aber variieren. Daher lohnt es sich, die Preislisten aller Modelle genau zu studieren.

Heck und Seitenansicht des Fiat e-Ulysse
Der Fiat e-Ulysse fährt rein elektrisch© Fiat

An Ausstattung mangelt es den Fünflingen jedenfalls nicht. So bietet der Opel Zafira Life in der Top-Ausstattung beispielsweise Ledersitze, Panoramadach und eine 3-Zonen-Klimaautomatik. Standesgemäß sind die Busse auch äußerst variabel, von fünf bis neun Plätzen in unterschiedlichsten Anordnungen ist alles möglich. Außerdem gibt es zwei Fahrzeuglängen – da kann man einige Zeit im Konfigurator verbringen.

Besonderheit: Bis auf den Toyota werden alle anderen Busse nur noch als Elektroauto angeboten. Zwei Batteriegrößen stehen dabei zur Wahl, wobei die 50-kWh-Batterie eher Shuttlediensten mit überschaubaren Wegstrecken wirklich zu empfehlen ist. Familien sollten stattdessen die 75-kWh-Batterie nehmen, die im ADAC Ecotest eine Reichweite von zumindest 255 Kilometern ermöglicht hat. Die Testergebnisse des Citroën ë-Spacetourer lassen sich eins zu eins auf alle anderen Modelle übertragen.

Wer Verbrennungsmotoren bevorzugt, muss zur Toyota-Version Proace Verso greifen. Hier tut sich der angenehme Diesel hervor (Testverbrauch 150-PS-Diesel: 7,7 Liter), der noch dazu eine sehr gute Abgasreinigung hat. Auch das Fahrwerk passt bei allen Bussen: Es ist zwar klar ein Busfahrwerk, macht seine Arbeit aber erstaunlich gut – im Gegensatz zur gefühllosen Lenkung.

Übrigens: Auch die Kombiversionen der etwas rustikaleren Peugeot e-Expert, Citroën ë-Jumpy und Fiat E-Scudo sind einen Blick wert und oft deutlich günstiger zu haben als ihre nobleren Kollegen.

Im ADAC Autokatalog finden Sie alle technischen Daten und Preise zu Opel Zafira, Citroën Spacetourer, Peugeot Traveller, Toyota Proace Verso und Fiat Ulysse.

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Ein Auto, fünf Modelle

Ford Tourneo Custom: Auch als Plug-in

Aufnahme des Ford Tourneo
Kölner Wabe: Der aktuelle Ford Tourneo Custom protzt mit neuer Front© Ford

Ford hat den schickeren Bruder des Transit ganz neu aufgelegt. Aus den Querstäben am Kühler ist eine Wabenstruktur geworden und die Seite etwas markanter. Doch der Variantenreichtum ist geblieben: Man kann zwischen zwei Karosserielängen wählen, die den Bus entweder auf etwas über 5 Meter oder auf knapp 5,50 Meter bringen. Doch egal wie lang: Der Tourneo Custom bietet immer drei Sitzreihen und Platz für neun Personen.

Auch beim Antrieb hat man die Qual der Wahl, drei Dieselmotoren (100 kW, 110 kW oder 125 kW) können entweder mit einem Sechsgang-Schaltgetriebe oder der neuen Achtgang-Automatik kombiniert werden. Mildhybride gibt es keine mehr, dafür ist man mit der Plug-in-Version, die ab Anfang 2024 verfügbar ist, ganze 52 km (laut WLTP) rein elektrisch unterwegs. Dann springt der Vierzylinder-Diesel an. Gerade für den alltäglichen Stadtverkehr kann das durchaus nützlich sein, für die lange Urlaubsreise ist die Technik aber eher verschenkt.

Detailaufnahme der Rückbänke des Ford Tourneo
Ein neues Schienensystem macht das Umgestalten des Innenraums noch flexibler© Ford

Für 2024 hat Ford zudem eine rein elektrische Version mit 64-kWh-Batterie versprochen, die 325 Kilometer weit kommen soll. Durchaus mehr als etwa viele Hochdachkombis und damit alltagstauglich, allerdings zeigt der VW ID. Buzz mit seinen 423 km Reichweite, dass auch in dieser Fahrzeugklasse deutlich mehr geht. Preislich bewegt man sich mit dem Ford allerdings in ähnlichen Regionen wie beim Bulli.

Im ADAC Autokatalog finden Sie alle technischen Daten und Preise zum Tourneo Custom. Zudem gibt es noch einen Fahrbericht zum Ford Tourneo Plug-in-Hybrid der letzten Generation, die auf dem Gebrauchtwagenmarkt noch eine Option sein kann.

Renault Trafic Combi und Nissan Primastar

Der Renault Trafic stehend
Der Renault Trafic mit wuchtiger Front © Renault

Aus der Renault-Nissan-Kooperation bei Kleinbussen und Transportern sind die baugleichen Ableger Renault Trafic Combi und Nissan Primastar entstanden. Das Duo war anfangs sogar noch als Trio angelegt, denn auch Fiat hat den Bus als Talento verkauft. Letzteren gibt es seit der Fusion von Fiat mit dem PSA-Konzern (u.a. Opel, Peugeot, Citroën, Jeep) zum Stellantis-Konzern allerdings nicht mehr. Der Nachfolger des Talento ist daher der Fiat Ulysse (siehe oben).

Das Cockpit vom Renault Trafic
Mit dem Facelift 2021 wohnlicher geworden: Cockpit des Renault Trafic© Renault

Wie stets bei baugleichen Modellen, ist es eine Frage der persönlichen Präferenz, eines guten Angebots oder eines Händlers in der Nähe, ob man sich für den Renault Trafic oder den Nissan Primastar entscheidet. Es gibt nur optische oder ausstattungsbedingte Unterschiede, sodass auch hier ein genaues Studium der Preislisten zu empfehlen ist. Innen sieht alles sehr nach Renault aus und ist deutlich wohnlicher als etwa in einem Ford Tourneo, der mehr Nutzfahrzeugflair verbreitet. Zum letzten Facelift wurde das Interieur noch einmal aufgewertet.

Es gibt zwei Radstände, neue kräftige Dieselmotoren (110 bis 170 PS), acht Sitzplätze und einen sehr großen Kofferraum, aber auch einen großen Wendekreis von 14 Metern (Messwert). Und zumindest mit den Einstiegsvarianten kann man bei beiden Herstellern im Vergleich zum VW Bus viel Geld sparen: Knapp 10.000 Euro günstiger kommt man hier weg, muss dafür aber mit der schwächeren Motorisierung vorlieb nehmen.

Aufnahme eines Nissan Vans
Nissan buhlt auch um Camper: Mit dem Seaside bekommt man ein voll ausgestattetes Urlaubsgefährt© Nissan

Als "Seaside" hat Nissan seinen Primastar sogar zum voll ausgestatteten Camper umgemodelt. Mit integriertem Dachbett können dann bis zu vier Personen einen Schlafplatz in dem Bus finden. Eine kleine Küchenzeile mit Gaskocher, Kühlbox und speziellen Schränken wie Schubfächern soll für ein Mini-Zuhause für unterwegs sorgen.

Im ADAC Autokatalog finden Sie alle technischen Daten und Preise zum Renault Trafic und Nissan Primastar.

Nissan Primastar und Renault Trafic sind baugleich

Kia EV9: Ein Elektro-SUV als Bus-Ersatz?

Frontansicht eines fahrenden Kia EV9
Kein Bus, aber definitiv familientauglich: Kias EV9 ist auf dem Markt als Siebensitzer noch eine Rarität© Kia

Auch wenn E-Autos im Neuwagenangebot eine immer größere Rolle spielen: Für all jene, die CO₂ einsparen, aber nicht auf das Platzangebot eines Busses verzichten wollen, ist ein Stromer meistens noch keine Option. Zu gering sind noch die Reichweiten für die große Reise, die e-Ulysse, e-Traveller & Co. anbieten. Und da es auch an der Schnellladetechnik noch hapert, rückt der Urlaub in Südfrankreich oft buchstäblich in weite Ferne.

Vielleicht hilft da ein Blick über den Kühlerrand in Richtung SUV. Der Kia EV9 steht als vollelektrischer Siebensitzer in den Startlöchern, dessen Sitze sich um 180 Grad drehen lassen. So kann zumindest etwas Bulli-Gefühl aufkommen. Ist die dritte Reihe umgeklappt, stehen 807 Liter Stauvolumen zur Verfügung.

Die drehbaren Sitze des Kia EV9
Drehfunktion und vollwertige Sitze in der dritten Reihe sind für ein E-SUV normalerweise nicht an der Tagesordnung© Kia

Mit den Platzverhältnissen der Bus-Langversionen kann das 5-Meter-SUV natürlich dennoch nicht ganz mithalten. Bei der Batterietechnik ist der Koreaner etwa dem Citroën ë-Spacetourer allerdings weit überlegen: 563 Kilometer verspricht er und damit 250 Kilometer mehr als der Franzose. Auch der ID. Buzz kann da nicht mithalten.

Dieser technische Vorsprung hat natürlich seinen Preis: Die Einstiegsversion beginnt bei 72.490 Euro. Gegenüber dem ähnlich teuren ID. Buzz hat der Kia EV9 allerdings durch seine 800-Volt-Ladetechnik ein starkes Argument auf seiner Seite.

Welche Busse sind aktuell verfügbar? Alle Modelle, technischen Daten und Preise finden Sie im ADAC Neuwagenberater.

Kauf, Finanzierung oder Leasing?

Hier finden Sie Informationen zur Entscheidung zwischen Autokauf, -finanzierung und -leasing und worauf beim Leasing zu achten ist.