Es muss nicht immer das Original sein: Fünf Alternativen zum VW Bus

Der VW Multivan fahrend
Alleskönner, aber teuer: Der VW Bus ∙ © www.achim-hartmann.com

Ein VW Bus ist der Traum vieler Familien. Doch der "Bulli" ist ein ziemlich teures Vergnügen. Hier kommen fünf Alternativen für alle, die viel Platz brauchen.

  • Fünf Familienmodelle von Ford bis Mercedes

  • Große Variantenvielfalt für individuelle Bedürfnisse

  • Zunehmend auch alternative Antriebe zu haben

Wer an den VW Bus denkt, hat sofort die verschiedensten Bilder im Kopf: ein bunt bemaltes Hippiemobil etwa, ein cooles Surfergefährt mit genauso coolen Surferboys am Steuer, ein geräumiges Familienfahrzeug für Großfamilien oder ein profanes Handwerkerauto der Firma "Bäderwelt Schmidt".

Die große Vielfalt ist es, die einen VW Bus zum Schweizer Taschenmesser für Mobilitätswünsche aller Art macht. An Auf- und Einbauten sowie verschiedenen Antrieben herrscht kein Mangel. Doch wer sich mit dem VW Bus näher beschäftigt, merkt rasch: Er kann zum teuren Vergnügen werden. 50.000 Euro überschreitet schnell, wer sich nicht mit der blanken Basisversion "Family" begnügen will. Auch gebraucht werden Multivan, Caravelle & Co. zu hohen Kursen gehandelt.

Es kann sich also lohnen, nach anderen Modellen zu schauen. Hier sind fünf günstige Alternativen zum VW Bus:

Mercedes-V-Klasse: Familienbus mit Anspruch

Mercedes-Benz V-Klasse fährt auf einer Strasse
Die Mercedes-V-Klasse überzeugt ∙ © Daimler

Was die Variantenvielfalt angeht, steht der Mercedes dem VW Bus in nichts nach. Es gibt drei verschiedene Längen (kompakt: 4,90 m, lang: 5,14 m, extralang: 5,37 m), vielfältige Sitzkonfigurationen vom edlen Sechssitzer mit Einzelsitzen bis zum Achtsitzer mit Sitzbänken, die Campingversion Marco Polo und vieles mehr. Was die Qualitätsanmutung angeht, hat der Mercedes sogar die Nase vorn: Innen sieht es so fein und edel aus wie in einem Pkw von Mercedes. Wo der VW also eher schlichtes Nutzfahrzeugflair versprüht, macht der Benz mit poliertem Holz, feinem Alu und Wohnzimmeratmosphäre auf Luxusliner.

Cockpit vom Mercedes-Benz V-Klasse
Edel: Das Interieur der Mercedes-V-Klasse ∙ © Daimler

Und ist dabei gar nicht mal so teuer: Die V-Klasse startet als V220d Rise mit 163 PS starkem Dieselmotor bei 38.000 Euro. Der vom ADAC getestete V300d kommt da natürlich nicht hin, hat mit seinem 239 PS starken Motor aber fast schon Fahrleistungen wie ein Sportwagen. Etwas einfacher gestrickt ist der Vito, der im Grunde das gleiche Auto ist, nur mit einem schlichteren Cockpit und einem etwas robusteren Interieur aufwartet.

Ebenfalls interessant: Auf den Namen EQV hört die rein elektrische V-Klasse. Mit ihrer 100-kWh-Batterie verspricht Mercedes 400 Kilometer Reichweite mit einer Akkuladung.
Hier finden Sie den ADAC Test zur Mercedes-V-Klasse und im ADAC Autokatalog alle technischen Daten und Preise zur V-Klasse.

Opel Zafira Life | Citroën Spacetourer | Peugeot Traveller | Toyota Proace Verso

Opel Zafira Life fährt auf einer Strasse
Der Opel Zafira Life ist mit drei weiteren Modellen baugleich ∙ © Opel

Dass verschiedene Hersteller bei Nutzfahrzeugen zusammenarbeiten, ist schon lange üblich. So ist die zweite Alternative zum VW Bus eigentlich nicht nur eine, sondern es handelt sich um vier baugleiche Fahrzeuge: Opel Zafira Life, Citroën Spacetourer, Peugeot Traveller und der Toyota Proace unterscheiden sich im Prinzip nur durch eine markenspezifische Front. Die inneren Werte sind dieselben, die Ausstattung kann aber variieren. Daher lohnt es sich, die Preislisten aller Modelle genau zu studieren.

Opel Zafira Life fahrend auf einer Strasse
Opel Zafira Life mit flottem Dieselmotor ∙ © Opel

Preislich wird der Volkswagen von allen Modellen locker unterboten, an Ausstattung mangelt es ebenfalls nicht. So bietet der Opel Zafira Life (den "normalen" Van Zafira gibt es nicht mehr) in der Topausstattung beispielsweise Ledersitze, Panoramadach und eine 3-Zonen-Klimaautomatik. Standesgemäß sind die Vierlinge auch äußerst variabel, von fünf bis neun Plätzen in unterschiedlichsten Anordnungen ist alles möglich. Außerdem gibt es zwei Radstände und drei Fahrzeuglängen – da kann man einige Zeit im Konfigurator verbringen.

Geht es ums Fahren, tut sich vor allem der angenehme Diesel hervor (Testverbrauch 150-PS-Diesel: 7,7 Liter), der noch dazu eine sehr gute Abgasreinigung hat. Auch das Fahrwerk passt: Es ist zwar klar ein Busfahrwerk, macht seine Arbeit aber erstaunlich gut – im Gegensatz zur gefühllosen Lenkung. Von den Modellen gibt es mittlerweile auch Elektroableger.

Hier finden Sie den ADAC Test zum Opel Zafira Life, der sich grundsätzlich auf die baugleichen Brüder übertragen lässt, und im ADAC Autokatalog alle technischen Daten und Preise zu Opel Zafira, Citroën Spacetourer, Peugeot Traveller und Toyota Proace Verso.

Ein Auto, vier Modelle

Ford Tourneo Custom: Kleinbus auch als Plug-in-Hybrid

Der Ford Tourneo Custom stehend
Der Ford Tourneo ist der schickere Transit ∙ © Ford

Der Ford Tourneo ist der schickere Bruder des Ford Transit. Und nicht zu verwechseln mit dem kleineren Ford Tourneo Connect. Wie bei Bussen üblich, fällt die Variantenvielfalt unüberschaubar groß aus. Das fängt bei den Sitzkonfigurationen an und hört bei der Wahl der Karosserielänge (L1 mit kurzem Radstand und L2 mit langem) noch lange nicht auf: Den Ford gibt es mit Dieselmotoren mit Leistungen zwischen 105 und 185 PS und – bislang konkurrenzlos in der Welt der Busse – auch als Plug-in-Hybrid. Der Kleinbus kann also extern aufgeladen werden und soll im realitätsnahen WLTP-Zyklus 43 Kilometer rein elektrisch fahren können.

Gegenüberliegende Sitze im Ford Tourneo Custom
Einzelsitze in Vis-à-vis-Stellung sind auch beim Ford Tourneo möglich ∙ © Ford

Ist die Energie der 13,6-kWh-Batterie aufgebraucht, springt der Dreizylinder-Benziner mit 1,0 Liter Hubraum an, den Ford unter anderem in Fiesta, Focus und Puma verbaut. Ungewöhnlich ist jedoch, dass er im Custom nur als Range-Extender dient und ausschließlich Strom herstellt. Gefahren wird also immer elektrisch. Der Elektromotor selbst ist mit 93 kW/126 PS relativ schwach, tritt aber dank seiner 355 Newtonmeter bei Stadttempo erstaunlich kräftig an. Danach geht ihm allerdings die Puste aus, und die Beschleunigung wirkt eher gemächlich. Bei 120 km/h ist ohnehin Schluss – für flotte Autobahnfahrten ist der Plug-in-Hybrid also nicht gedacht.

Den Bruder Transit gibt es mit diesem Antrieb nicht, dafür als Mildhybrid mit leichter E-Unterstützung. 2022 sollen Tourneo und Transit als reine Elektroautos auf den Markt kommen.

Hier finden Sie einen Fahrbericht zum Ford Tourneo Plug-in-Hybrid und im ADAC Autokatalog alle technischen Daten und Preise zum Tourneo.

Renault Trafic | Nissan NV300 | Fiat Talento

Der Renault Trafic stehend
Der Renault Trafic mit wuchtiger Front ∙ © Renault

An der Renault-Nissan-Kooperation bei Kleinbussen und Transportern hat sich auch Fiat beteiligt und bietet den Talento als baugleichen Ableger zum Renault Trafic und Nissan NV300 an. Das dürfte sich zur nächsten Modellgeneration erledigt haben, denn Fiat gehört ja mittlerweile mit Peugeot, Citroën und Opel zum Stellantis-Konzern. Der Nachfolger des Talento wird dann also eher mit dem Opel-Zafira-Quartett (siehe oben) verwandt sein.

Das Cockpit vom Renault Trafic
Mit dem Facelift 2021 wohnlicher geworden: Cockpit des Renault Trafic ∙ © Renault

Wie stets bei baugleichen Modellen, ist es eine Frage der persönlichen Präferenz, eines guten Angebots oder eines Händlers in der Nähe, ob man sich für den Renault Trafic, den Nissan NV300 oder den Fiat Talento entscheidet. Es gibt nur optische oder ausstattungsbedingte Unterschiede, sodass auch hier ein genaues Studium der Preislisten zu empfehlen ist. Innen sieht alles sehr nach Renault aus und ist deutlich wohnlicher als etwa in einem Ford Tourneo, der mehr Nutzfahrzeugflair verbreitet. Zum aktuellen Facelift wurde das Interieur noch einmal aufgewertet.

Es gibt zwei Radstände, neue kräftige Dieselmotoren (110 bis 170 PS), acht Sitzplätze und einen sehr großen Kofferraum, aber auch einen großen Wendekreis von 14 Metern (Messwert).

Im ADAC Autokatalog finden Sie alle technischen Daten und Preise zum Renault Trafic, Nissan NV300 und Fiat Talento.

Drei baugleiche Modelle

Nissan e-NV200 Evalia: Der Elektrische

Der Nissan e-NV200 fährt auf einer Strasse
Rein elektrisch: Der Nissan e-NV200 Evalia ∙ © Nissan

Der Nissan e-NV200 fällt etwas aus dem Rahmen. Nicht nur, weil er kleiner ist als die Konkurrenz und auch schon etwas betagt (seit 2009 auf dem Markt), sondern auch, weil es ihn ausschließlich als Elektroauto gibt. Anfangs wurde der NV200 (Evalia) auch mit Verbrennern gehandelt, doch die sind nun Geschichte. Weil sich von den gut 43.000 Euro Grundpreis noch die aktuelle Elektroautofördersumme von über 9000 Euro abziehen lässt, wird der Nissan zum Schnäppchen unter den Bussen.

Der Nissan e-NV200 fährt auf einer Strasse
Der Nissan e-NV200 ist etwas kleiner als ein VW Bus ∙ © Nissan

Mit ein paar Einschränkungen muss man allerdings leben. Weil seine Batterie mit 40 kWh nicht besonders viel Energie speichert, sollte man mit deutlich weniger als 200 Kilometern Reichweite kalkulieren. Hier zeigt sich, dass der e-NV200 eher als Handwerkerauto konzipiert worden ist, wo große Radien im innerstädtischen Verkehr keine Rolle spielen. Bei einer maximalen Ladeleistung von 50 kW ist der Japaner zumindest an Schnellladesäulen (leider mit dem nicht so verbreiteten Chademo-Standard) fix wieder einsatzbereit.

Der e-NV200 lässt sich als Fünf- und Siebensitzer bestellen, schicke Einzelsitze gibt es aber nicht. Serienmäßig lässt sich im Fond jedoch die Lehnenneigung einstellen und die gesamte Rückbank nach vorn klappen. Dann hat der Nissan einen sehr üppigen Stauraum zu bieten und nimmt nach ADAC Messungen bis zu 2975 Liter auf – oder übersetzt: 37 handelsübliche Getränkekisten. Wer ein entsprechendes Fahrprofil hat – also eher überschaubare Strecken fährt –, kann mit dem e-NV200 durchaus glücklich werden.

Im ADAC Autokatalog finden Sie alle technischen Daten und Preise zum Nissan e-NV200 Evalia und hier weitere elektrische Transporter in der Übersicht.

Kauf, Finanzierung oder Leasing?