Range Rover Evoque: Trendsetter jetzt auch als Plug-in-Hybrid

Ansprechende Optik: Der Range Rover Evoque
Ansprechende Optik: Der Range Rover Evoque © Land Rover

Die zweite Generation des Range Rover Evoque gibt sich äußerst luxuriös – und soll nun als Plug-in-Hybrid das Sparen lernen. Ob das klappt? Testfahrt im 309 PS starken Kompakt-SUV.

  • Plug-in-Hybrid Evoque P300e mit 55 km Elektro-Reichweite

  • Alle Motoren sind elektrifiziert

  • Der Plug-in-Hybrid kostet mehr als 60.000 Euro

Schon die erste Generation des Range Rover Evoque war eine Stilikone, die den Spagat zwischen sportlichem, aber dennoch eleganten Aussehen mit Bravour hinbekommen hat. Das hat sich bei der aktuellen, zweiten Generation nicht geändert: Auch sie kommt von außen sehr stilsicher daher, hat sich technisch (Hybridmotoren) und in Sachen Wertigkeit (edler Innenraum) enorm weiterentwickelt.

SUV-Coupé mit ausfahrbaren Türgriffen

Markant: Die abfallende Dachlinie mit stark aufwärts strebender Gürtellinie © Land Rover

Das Design-Prinzip mit der stark abfallenden Dachlinie bei gleichzeitig aufwärts strebender Gürtellinie hat sich nicht geändert. Neu sind extrem schmale Matrix-LED-Scheinwerfer vorn und dazu passende Heckleuchten mit dynamischen Blinkern sowie ausfahrbare Türgriffe, die bündig in der Karosserie verschwinden. Ein zentrales optisches Element sind auch die großen Räder mit 20- oder 21-Zoll-Durchmesser, die zwischen 2500 und 3300 € Aufpreis kosten. Aus technischer Sicht ist das ein gewagtes Unterfangen, denn in der Regel leidet der Komfort des Fahrwerks darunter enorm. Doch nicht beim Evoque, der selbst mit 20-Zöllern komfortabel über wellige Straßenbeläge und abgesenkte Kanaldeckel werden zufriedenstellend abrollt.

An neuer Technik bringt der Evoque eine "durchsichtige" Motorhaube mit. Dank eines ausgeklügelten Kamerasystems sieht der Fahrer auf seinem Display den Bereich unter dem Vorderwagen, was bei schwierigen Geländepassagen genauso hilfreich sein soll wie beim Einparken in enge Lücken.

Der SUV bietet eine Bodenfreiheit von 212 Millimetern sowie einen Böschungswinkel von 25 Grad vorn beziehungsweise 30,6 Grad hinten – das macht den kleinen Range Rover in Verbindung mit den zahlreichen Assistenzsystemen fürs Gelände durchaus geländetauglich.

Klar gegliederter Innenraum

Luxuriös: Edel gemachtes Cockpit mit hochwertigen Materialien © Land Rover

Im für die Fahrzeugklasse überraschend hochwertigen Innenraum dimonieren glatte, übersichtliche Flächen und betont minimalistisch gehaltene Linien – das erinnert irgendwie an einen Volvo, der sich nach England verirrt hat. Das digitale 12,3-Zoll-Fahrerdisplay stellt Geschwindigkeit und Drehzahl in Form von gut ablesbaren Rundinstrumenten dar. In der Mittelkonsole befinden sich gleich zwei Bildschirme: Der obere steuert das Navigationssystem, der untere sämtliche andere Funktionen, die klar gegliedert sind und sich einwandfrei bedienen lassen – auch wenn die berührungssensitiven Flächen mitunter eine lange Blickabwendung vom Verkehr erforderlich machen, damit die richtige Taste betätigt wird.

Das optionale Head-up-Display projiziert wichtige Informationen wie Geschwindigkeit, aktuellen Gang sowie Navigationshinweise direkt auf die Frontscheibe in das Sichtfeld des Fahrers. Der Wählhebel der fein schaltenden Automatik (acht oder neun Gänge, je nach Ausführung) ist als Joystick ausgeführt und leicht zu bedienen.

Mehr Radstand für mehr Platz

Kein Riese, aber die Kniefreiheit hinten ist für diese Fahrzeugklasse akzeptabel © Land Rover

Im Vergleich zum Vorgänger wurde der Evoque nicht länger. Weil er aber auf der neuen Stahl-Plattform von Jaguar Land Rover aufbaut, verlängerte sich der Radstand, was vor allem den Fondpassagieren zugute kommt: 20 Millimeter mehr Knieraum klingen nach nicht viel, sind aber deutlich spürbar. Der Einstieg nach hinten bleibt durch die abfallende Dachlinie und den schmalen Türausschnitt im Fußbereich beschwerlich. Zudem liegen die Schweller hoch und sind somit etwas umständlich zu überwinden.

Die coupé-hafte Karosserieform mit ihrer hohen Ladekante ist auch schuld daran, dass der Evoque kein wirklicher Lademeister wird: Unter der Kofferraumabdeckung fasst der Gepäckraum des Evoque lediglich vom ADAC gemessene 315 Liter (Werksangabe 472). Immerhin fasst das Heck 1200 Liter, wenn die im Verhältnis 40:20:20 geteilte Rückbank umgeklappt wird.

Vorn genießen Fahrer und Beifahrer auf gut geformten Sitzen ein sehr großzügiges Raumgefühl. Gegen Aufpreis (im Fahrassistent-Paket 1300 €) mit einer absoluten Neuerung in dieser Klasse: Dem "ClearSight Smart-View"-Innenrückspiegel, der sich auf Knopfdruck in einen hochauflösenden Bildschirm verwandelt. Er zeigt das Bild einer auf dem Dach montierten, nach hinten gerichteten Kamera mit einem großen 50-Grad-Sichtfeld. Prinzipiell prima – allerdings spiegelt sich je nach Sonnenstand der Kopf des Fahrers manchmal zusätzlich. 

Range Rover Evoque: Motoren und Preise

Nur die Basismotoren haben Front- alle anderen Allradantrieb © Land Rover

Die Motorenpalette des Evoque umfasst zwei Diesel mit 163 und 204 PS, zwei Benziner (200 und 269 PS) und einen Plug-in-Hybrid (309 PS Systemleistung). Alle Motorvarianten mit Ausnahme des frontgetriebenen Einstiegs-Diesel und des Plug-In sind Mild-Hybride. Sie haben also eine zusätzliche 48-Volt-Batterie an Bord, die ihre Energie über einen Riemen-Starter-Generator in das Antriebssystem einbringt. Der Verbrenner wird so beim Beschleunigen unterstützt und spart Sprit. Die beim Bremsen oder Verzögern entstehende Energie leitet der Startergenerator wieder in die 48-V-Batterie zurück.

Die Konsequenz, fast alle Motoren als Mildhybrid auszulegen, ist zwar lobenswert. Überschätzen sollte man die Technik allerdings nicht, selbst wenn sich die Verbrauchswerte auf dem Papier gut lesen. Wer einen der Optik entsprechenden dynamischen Antrieb wünscht, sollte sich eher für einen stärkeren Motor als den kleinsten Diesel mit 163 PS für rund 40.000 Euro Grundpreis entscheiden – schließlich bringt der kompakte Evoque schon in der Basisausführung rund 1,8 Tonnen auf die Waage.

Der Plug-in-Hybrid leistet stolze 309 PS

Seltenheit: Der Plug-in-Hybrid ist auch für Schnellladesäulen (CCS) ausgelegt © Land Rover

Am interessantesten in der Motorenpalette ist sicherlich der Plug-in-Hybrid als jüngste Version namens P300e. Wie auch beim Einstiegsbenziner sorgt bei ihm ein 1,5-Liter-Dreizylinder-Turbo für Vortrieb, der alleine bereits stolze 200 PS leistet und auf die Vorderachse wirkt. Kombiniert mit einem 80 kW/109 PS starken Elektromotor bringt es das Antriebduo auf eine Systemleistung von 309 PS. In einem Kompakt-SUV ist das eine Hausnummer. Im Hybridmodus geht es dann auch entsprechend rasant voran, wenn der Fahrer aufs Gas drückt: 6,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h und eine Spitze von 242 km/h sprechen eine deutliche Sprache, auch wenn der Elan bei flottem Autobahntempo erstaunlich schnell nachlässt.

Benziner und Elektromotor wirken gut aufeinander abgestimmt, der Wechsel und das Zusammenspiel der Antriebsarten klappt hervorragend. Schön auch, dass Land Rover dem Dreizylinder mit einer Ausgleichswelle und fünf Gegengewichten so guten Manieren beigebracht hat, dass ihm jegliche dreizylindertypischen Vibrationen fehlen und man ihm selbst angesichts des vollen Motorklangs einen vierten Zylinder unterstellen könnte.

55 km rein elektrische Reichweite

Im reinen Elektromodus (anwählbar über das untere Display) hat der Benziner Pause – zumindest bis die extern aufladbare 15-kWh-Batterie aufgegeben hat. Und hier offenbart der Evoque einen ganz anderen, deutlich sanfteren Charakter. Grund: Die 80 kW des Elektromotors haben mit den fast zwei Tonnen schweren Plug-in-Hybriden ziemlich zu kämpfen. Die Beschleunigung ist daher zwar sehr sanft und gleichmäßig, aber mitnichten so stürmisch wie im Hybridmodus. An sich ist das nicht schlimm und passt auch zum Öko-Anstrich, wenn der Range zum leisen, zurückhaltenden Gleiter wird. Doch an Steigungen oder beim Überholen auf der Landstraße wird das Beschleunigen zur zähen Angelegenheit. Erst beim Kickdown schaltet sich der Benziner zu und es geht wieder flotter voran.

Auch Offroad zeigt der Range Rover Evoque seine Qualitäten © Land Rover

Auch aus energetischer Sicht empfiehlt sich der Elektroantrieb eher für die Stadt und zum gleichmäßigen Gleiten auf der Landstraße, will man tatsächlich die 55 versprochenen Normkilometer (WLTP) rein elektrisch zurücklegen. 45 Kilometer sind dem P300e aber auch bei nervöserem Gasfuß zuzutrauen, was manchem Pendler durchaus reichen dürfte. Zwar gibt der Hersteller einen Verbrauch von 2,0 Litern Super und 15,9 kWh auf 100 Kilometer an, doch in der Praxis dürfte das nicht zu schaffen sein. Wie das Verhältnis von Strom- und Benzinverbrauch tatsächlich ausfällt, hängt wie bei jedem Plug-in stark von Nutzung und Fahrprofil ab.

Auch DC-Laden ist möglich

Besonderheit: Im Gegensatz zu den meisten anderen Plug-in-Hybriden lässt sich der Evoque auch an Schnellladesäulen mit Gleichstrom (DC) via CCS-Stecker laden. Die maximale Ladeleistung beträgt dort immerhin 32 kW, so dass in 30 Minuten 80 Prozent der Batterie gefüllt sein sollten. Das AC-Laden an normalen Ladesäulen oder Wallboxen ist technisch gesehen zwar auf 7 kW (einphasig) möglich - aber in Deutschland sind einphasig maximal 4,6 kW (20 A) erlaubt. Damit dauert eine Komplettladung des Evoque etwa dreieinhalb Stunden.

Preis für den Plug-in-Hybrid: Rund 61.000 Euro

So viel Technik muss einem aber auch einiges wert sein. Konkret rund 61.000 Euro in der Basisversion für den Plug-in-Hybrid. Und das ist eine ganze Menge für einen Kompakt-SUV - wenn auch für einen sehr edel gemachten.

Range Rover Evoque P300e: Technische Daten

Range Rover Evoque Crashtest-Ergebnis: 5 Sterne

Der Range Rover Evoque erreicht volle 5 Sterne. Das Fahrzeug ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern in der ersten und zweiten Sitzreihe ausgestattet. Für die vorderen Plätze sind zusätzlich Seitenairbags verbaut.

Der Evoque ist mit einem umfassenden Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten und aktivem Spurhaltesystem serienmäßig ausgestattet. 

Hier finden Sie den ausführlichen Crashtest-Bericht des Range Rover Evoque.

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