Automatik fahren – darauf müssen Sie achten

Ein Roter Schalthebel eines Autos mit Automatik-Getriebe
Zu den meisten Fahrzeugen ab der Mittelklasse passt eine Automatik sehr gut ∙ © Shutterstock/BigTunaOnline

Immer mehr Deutsche entscheiden sich beim Fahrzeugkauf für ein Automatikgetriebe. Was sind die Vorteile? Und auf was muss man beim Fahren mit Automatik achten? Die wichtigsten Infos.

Auch wenn die Handschaltung in Deutschland nach wie vor viele Fans hat, zeichnet sich ein Trend zum Automatikgetriebe ab. Das ergab eine Umfrage von mobile.de im Jahr 2019. Je jünger die Fahrer, desto größer die Vorliebe für automatische Schaltung. Als Gründe nannten die Befragten ein komfortables Fahrerlebnis, einfacheres Anfahren und ein oft geringerer Verschleiß. Die Entwicklung weg von der Handschaltung prägen die Automobilhersteller mit. 56 Prozent der 2019 produzierten Pkw waren Automatikfahrzeuge. Anbieter wie Mercedes-Benz verabschieden sich in Zukunft sogar ganz von der manuellen Schaltung. Das sind die Vor- und Nachteile von Schaltung und Automatik.

Automatikschaltung – was bedeutet P, R, N, D und S?

Auf dem bzw. am Automatikhebel finden sich anstelle der Nummerierung der üblichen Gänge – abgesehen von sehr alten Automatikgetrieben – Buchstaben. Diese geben die verschiedenen Wahlmöglichkeiten an. Dafür stehen die Buchstaben:

P = Parken
R = Rückwärts
N = Neutral (Leerlaufstellung)
D = Drive oder Dauerbetrieb
S = Sport

In einigen Modellen finden sich auch die Abkürzungen
B = Brake oder sogar L = Low.

Besonderheiten bei Automatikgetrieben

Es gibt verschiedene Arten von Automatikgetrieben. Am häufigsten sind die Wandlerautomatik und das Doppelkupplungsgetriebe. Seltener findet man eine stufenlose Automatik (CVT) oder ein automatisiertes Schaltgetriebe.

Eine Gemeinsamkeit der genannten Automatikgetriebe ist, dass eine intelligente Steuerung die Übersetzung zwischen Rad und Motor so wählt, dass die Motordrehzahl auf einem idealen Drehzahlniveau liegt. Dieses Drehzahlniveau ist von der Geschwindigkeit und der Lastanforderung abhängig.

Beim Dahinrollen wird eine möglichst niedrige Drehzahl gewählt, um Kraftstoff zu sparen, bei voller Beschleunigung eher eine hohe Drehzahl, um die maximale Motorleistung abzurufen. Moderne Wandlerautomatikgetriebe haben meist zwischen sechs und neun Gänge, Doppelkupplungsgetriebe meist zwischen sechs und acht Gänge. Letztgenannte sind in der Bedienung einer Automatik gleich, arbeiten aber häufig effizienter als ein manuelles Getriebe.

Automatik – auf was muss der Fahrer achten?

Insbesondere für Automatikanfänger ist es wichtig, ausschließlich den rechten Fuß für die Betätigung der beiden Pedale zu verwenden. Damit schließt der Fahrer aus, versehentlich Gas und Bremse gleichzeitig zu drücken. Die ADAC Experten raten, den linken Fuß möglichst bewusst zur Seite zu stellen. Automatikeinsteiger machen immer wieder den Fehler, bei voller Fahrt die Kupplung treten zu wollen und dann mit dem linken Fuß mit Wucht auf das Bremspedal zu steigen. Das kann zu schweren Unfällen führen.

Bergab fahren mit Automatik

Moderne Automatikgetriebe wählen die Gänge in der Regel so, dass die Motorbremse möglichst stark genutzt wird. Bei älteren Automatikgetrieben ist dies nicht immer der Fall. Dann ist es ratsam, manuell per Wählhebel einen niedrigeren Gang zu wählen oder auf die Stufe B oder S zu schalten, damit grundsätzlich eine höhere Drehzahl und damit mehr Motorbremswirkung anliegt. Bei langen Bergabfahrten sollte ein Gang gewählt werden, der das Auto beim Rollen möglichst in der gewünschten Geschwindigkeit hält. Auf diese Art werden die Bremsen des Autos nicht überlastet.

Mit Automatik im Winter fahren

Grundsätzlich gilt für Fahrten im Winter mit Automatik keine andere Empfehlung als mit manueller Schaltung. Moderne Fahrzeugmodelle verfügen über elektronische Assistenzsysteme, die für möglichst gute Traktion in allen Fahrzuständen sorgen. Bei alten Autos mit Automatik (insbesondere bei Hinterradantrieb) kann es bei sehr niedrigen Geschwindigkeiten auf glatter Straße sinnvoll sein, zum gefühlvollen Bremsen auf die Schaltstufe N zu schalten.

Standgas in "D"

Gerade bei älteren Wandlerautomatikgetrieben kann bei eingelegter Fahrstufe D im Stand eine niedrige Standdrehzahl irritieren. Das ist aber nichts Ungewöhnliches. Wenn die Bremse losgelassen wird (beim so genannten "Kriechen"), liegt dann in der Regel eine Drehzahl an, die mit Schaltfahrzeugen vergleichbar ist. Der Grund hierfür liegt im hydraulischen Drehmomentwandler, der über das stehende Auto und eingelegter Fahrstufe den Motor etwas abbremst.

Wartung von Automatikgetrieben

Die Pkw-Hersteller schreiben für Automatikgetriebe häufig keinen regelmäßigen Service vor. Die ADAC Experten empfehlen allerdings, bei einer Wandlerautomatik etwa alle 100.000 Kilometer einen Ölwechsel inklusive Ölspülung durchführen zu lassen. Das kann die Lebensdauer und den Schaltkomfort deutlich erhöhen. Routinierte Taxifahrer beispielsweise verfahren in der Regel so und erreichen mit ein und demselben Getriebe dadurch nicht selten mehrere hunderttausend Kilometer. VW schreibt für seine häufig verkauften Doppelkupplungsgetriebe zum Teil auch ein Wechselintervall von 60.000 Kilometer vor. Bei einem Doppelkupplungsgetriebe ist der Ölwechsel allerdings meist weniger aufwändig als bei einer Wandlerautomatik, weil die komplizierte Ölspülung entfallen kann.

Besonderheit der Automatik bei E-Autos

Die meisten Elektroautos verfügen über individuell verstellbare Rekuperationsoptionen. Der Extremfall ist das One-Pedal Driving bis 0 km/h (z.B. BMW i3). Die Rekuperations-Verstellung funktioniert von Hersteller zu Hersteller unterschiedlich. Sie kann über den Wählhebel, Lenkradpedals oder auch über ein Menü erfolgen. Zum Teil ist sie auch mit ACC (Auto-Funktion) gekoppelt.

Text: Jörg Peter Urbach. Fachliche Beratung: Maximilian Bauer

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