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Der neue Honda e: Eine tolle Elektrokiste!

Das kleine Elektroauto von Honda heisst Honda-e, hier auf der Teststrecke
Sieht knuffig aus: Das erste Elektroauto von Honda ∙ © Honda

Mit dem Honda e präsentieren die Japaner einen elektrischen Kleinwagen, der einen perfekten Zweitwagen darstellen könnte. Testfahrt, Daten, Bilder, Preise.

  • Zweitwagen mit Fahrspaßgarantie

  • Kameras statt Außenspiegel, große Displays im Cockpit

  • Topmodell Advance mit Plus an Leistung und Ausstattung

Kein Autohersteller kann sich auf die Dauer dem Thema Elektroauto verweigern. Auch diejenigen nicht, die bisher eher auf den Hybrid- und Wasserstoff-Brennstoffzellenantrieb gesetzt haben. Nun hat auch Honda ein batterie-elektrisches Auto im Modellprogramm. Und das bietet vor allem eines: ein begeisterndes Fahrerlebnis.

Viertürer: Kurz und knuddelig

Sah man als erste Studie noch einen Zweitürer mit mittig angeschlagenen und recht breiten Zugängen, hat sich Honda dann doch zu einem knuddeligen Viertürer von 3,92 Metern Länge entschlossen. Die Silhouette des Honda e ist eckiger geworden, wohl auch wegen der Kopffreiheit für die Fond-Insassen. Geblieben ist das freundlich-kecke Gesicht mit den kreisrunden Scheinwerfern in LED-Technik.

Auffällig ist die große, unter einer Klappe auf der Fronthaube versteckte Öffnung für den Ladestecker. Das bei Dunkelheit beleuchtete Honda-Logo im Grill hat es nicht in die Serienproduktion geschafft: Hier bremsen deutsche Regularien den japanischen Ideenreichtum noch aus, denn ein mittiges weißes Licht ist bei uns derzeit nicht zugelassen.

Erlaubt ist neuerdings der Verzicht auf klassische Seitenspiegel. An deren Stelle ragen kleine Zapfen aus dem Blech, die eine Kamera in sich tragen. Die Honda-Lösung ist deutlich dezenter als etwa die des Audi e-tron, dessen Kameragehäuse ähnlich weit aus der Karosse reicht wie ein normaler Spiegel.

Beim kleinen Japaner ist der sogenannte virtuelle Rückblick serienmäßig, beim 80.000-Euro-Audi kostet er 1540 Euro extra. Vorteil: Der Luftwiderstand soll um 90 Prozent sinken und der tote Winkel 50 Prozent kleiner sein als bei einem konventionellen Spiegel.

Die Farbmonitore an den beiden Ecken des wagenbreiten Armaturenbretts zeigen ein gestochen scharfes Bild der Außenwelt, die Kopfbewegung des Fahrers fällt dadurch einige Grad knapper aus als jahrelang gewohnt.

Als Extra gibt es auch einen digitalen Innenspiegel mit Kamerabild, das von einer Heckkamera gespeist wird und ein extrem breites Bild des Verkehrs hinter dem Auto zeigt. Der Spiegel kann per Knopfdruck von analogem auf ein digitales Bild umgestellt werden.

Die Armaturen beherbergen mehrere Bildschirme, die in Summe zu einer extrem breiten Einheit verschmelzen. Die einzelnen Anzeigen können je nach Geschmack und Laune des Fahrers programmiert werden. Sie tragen zum Beispiel Tacho, Navigation, Entertainment und vor allem Infos über den elektrischen Antrieb.

Die untere Begrenzung der Monitore bildet eine sanfte Stufe in Holz-Deko, in der vier klassische Knöpfe und ein Drehschalter untergebracht sind. Die Bedieneinheit der Klimaanlage funktioniert zum Glück auch analog.

Honda e: Batterie 35 kWh, Reichweite 222 km

Mit seinen Abmessungen steht der Honda e klar in Konkurrenz zum E-Mini von BMW. Die Batteriekapazität beider Fahrzeuge ist in etwa identisch: Der Honda wartet mit einer 35,5-kWh-Batterie auf, der Elektro-Mini mit 32,6 kWh Kapazität. Als Reichweite gibt Honda 222 Kilometer nach WLTP-Norm an. Das ist deutlich weniger als beim Opel Corsa-e oder dem Peugeot e-208 mit größerem Akku. Woran man erkennt, dass der Honda e als reiner Zweitwagen für die Kurzstrecke konzipiert wurde.

Schnellladefähig ist der Japaner dennoch und kommt ab Werk mit CCS-Steckdose für die Gleichstromsäulen an der Autobahn. Dort kann der Honda bis zu 50 kW ziehen. Laut Hersteller soll eine annähernd leere Batterie in einer halben Stunde wieder auf 80 Prozent ihrer Leistung aufgeladen werden können. Wieviel Strom der Honda e an einer AC-Wechselstromsäule aufnimmt, verrät Honda bislang nicht.

Honda e mit sportlichem Handling

Und wie fährt er sich? Um es kurz zu machen: Enorm beeindruckend – weil er sich mit seinem Antriebskonzept so ganz anders anfühlt als die meisten anderen E-Autos, die auf dem Markt sind. Und alle, die unken, dass sich Elektrofahrzeuge mit ihren baugleichen E-Motoren in Zukunft nur noch durch die Reichweite und Smartphone-Anbindung unterscheiden, belehrt der Honda e damit eines Besseren.

Der Hinterradantrieb ist das Zauberwort, das den kleinen Honda so besonders macht. Schon beim ersten spurtstarken Beschleunigen mit bis zu 300 Nm Drehmoment werden dessen Vorzüge spürbar: Keine durchdrehenden Räder und kein Zerren in der Lenkung. 

Weil die Batterie komplett unter dem Fahrzeugboden verbaut ist, liegt der Schwerpunkt nur knapp 50 Zentimeter vom Boden entfernt. Und mit der optimalen 50:50 Gewichtsverteilung sowie der kompakten Größe lässt sich der Honda e spielerisch und sicher um Pylonen steuern. Schieben statt ziehen – mit Hinterachsantrieb kann man jede Kurve beim rechtzeitigen Rausbeschleunigen noch einen Tick schneller nehmen.  

Selbst Wendemanöver sind mit dem Honda e ein Erlebnis. Wegen des Antriebs hinten können die antriebswellenfreien Vorderräder weiter eingeschlagen werden: Der Wendekreis beträgt deutlich unter 10 Meter! Sehr praktisch in der Stadt ist die per Knopfdruck aktivierbare "Single Pedal Control", mit der sich der Honda im Ergebnis durch das Gaspedal beschleunigen und verlangsamen lässt. Technisch gesehen wird einfach die Kraft der Rekuperation erhöht.

Der Preis des Honda e ist selbstbewusst

Der Preis für die Honda e Basisversion wird selbstbewusst mit 32.997 Euro beziffert. Der Honda e Advance mit etwas höherer Motorleistung (113 kW/154 PS) ist aktuell für 35.921 Euro bestellbar, abzüglich der aktuell gültigen E-Auto-Förderung. Dafür erhält der Käufer aber immerhin eine Reihe von Ausstattungsdetails, die anderswo extra kosten. So zum Beispiel die kamerabasierten Außenspiegel, eine Rückfahrkamera, ein ACC, die Verkehrszeichenerkennung, LED-Scheinwerfer, Lederlenkrad, Panoramadach, Fernlichtassistent sowie ein Konnektivitäts-Paket.

Fazit

Der Honda e ist ein wendiger Elektro-Kleinwagen, dessen sympathisch-knuffiges Design gute Laune macht und der vor allem Fahrspaß bietet.

Technische Daten, Preis

Honda e

Motor/Antrieb

Elektromotor, Leistung 110 kW/150 PS, Drehmoment 315 Nm, Heckantrieb

Batteriekapazität / Reichweite

35 kWh / 222 km (WLTP)

Ladeleistung / Verbrauch

bis 50 KW (DC) / 18–20 kWh/100 km

Fahrleistungen

9,0 s auf 100 km/h, 145 km/h Spitze

Leergewicht / Zuladung

1514 kg / 341 kg

Maße

L 3,90 / B 1,75 / H 1,51 m

Kofferraum

171 - 861 Liter

Garantie auf Akku

8 Jahre / 160.000 km

Preis

ab 32.997 Euro, Advance-Version ab 35.921 Euro

Hier finden Sie viele weitere Fahrberichte und Autotests.

Text: Thomas Kroher, Jochen Wieler, Peter Maahn/SP-X