Der vollelektrische BYD Atto 2 lässt im ADAC Test reichlich Federn. Nun gibt es ihn auch als Plug-in-Hybrid. Das macht die Wahl aber nicht leichter. Kompaktes SUV mit fünf Sitzplätzen Im Test: Elektro-Antrieb mit 130 kW und 45-kWh-Akku Plug-in-Hybrid als Alternative Seit 2023 ist der chinesische Autohersteller BYD auf dem deutschen Markt aktiv. Anfangs wurden die Modelle Han und Tang verkauft, inzwischen sind es schon neun Pkw-Modellreihen – acht davon mit vollelektrischem Antrieb. Am bekanntesten sind die Mittelklasse-Limousine Seal, das SUV-Pendant Seal U (auch als Plug-in-Hybrid). Große Schritte nach vorn macht zurzeit der kleine Dolphin Surf. Und auch der Atto 2 soll die Chinesen nach vorn bringen. Dabei handelt es sich um ein kleines SUV in der Größe der Mercedes B-Klasse. Man sitzt ähnlich, das Platzangebot ist ebenfalls vergleichbar. Den Atto gibt es als reines E-Auto und neuerdings auch als Plug-in-Hybrid. Die elektrische Version konnte der ADAC ausführlich testen, den Plug-in kurz probefahren. Das Elektro-SUV aus China im Detail Reichweite nur 250 Kilometer Zunächst zur getesteten vollelektrischen Version. Die Antriebsleistung des Atto 2 Boost beträgt 130 kW/177 PS, der Akku enthält 45 kWh Energie, die elektrische Reichweite betragt 312 Kilometer. Während sich niemand über die gebotenen Fahrleistungen beschweren kann, ist die WLTP-Reichweite von 312 Kilometern als eher dürftig zu bezeichnen. Der Verbrauch im ADAC Messzyklus beträgt 20,4 kwWh pro 100 Kilometer, bei der Reichweite kam der Testwagen auf gerade mal auf 250 Kilometer unter idealen äußeren Bedingungen. Was davon übrig bleibt, wenn mit höheren Tempi und bei geringen Außentemperaturen gefahren wird, zeigt der Reichweitenrechner. Auch beim Stopp an der Schnellladesäule macht der Atto 2 wenig Freude. Mit maximal 65 kW Ladeleistung liegt die Wettbewerbsfähigkeit deutlich hinter der Konkurrenz zurück. Einzig die Tatsache, dass der Ladepeak über einen langen Zeitraum gehalten wird (bis etwa 65 Prozent Akkufüllstand), tröstet ein wenig über die rückständige Technik hinweg. Im Ranking der Langstreckentauglichkeit von Elektroautos bleibt der BYD Atto 2 sogar hinter dem Stadtauto Fiat 500e zurück. Dadurch, dass der vom ADAC ermittelte Durchschnittsverbrauch hohe 20,4 kWh pro 100 Kilometer beträgt, werden dem Atto 2 nur vier Sterne im ADAC Ecotest verliehen. Dabei ist die Höchstwertung von 5 Sternen bei Elektroautos gang und gäbe. Im alltäglichen Gebrauch gefallen neben den spritzigen Fahrleistungen die komfortable Federung und die leichtgängige Lenkung – wobei Letztere sich ein wenig synthetisch anfühlt und es an Rückmeldung über den Zustand der Straße vermissen lässt. Auch der Bremsweg von 34,2 Metern sowie der Wendekreis von 10,9 Metern gehen mehr als in Ordnung. Platz in Innen- und Kofferraum Die Platzverhältnisse im Innenraum können sich für einen Wagen der Kompaktklasse sehen lassen. Man sitzt sowohl vorne wie hinten recht großzügig. Allerdings fällt der Kofferraum mit vom ADAC gemessenen 260 Litern ziemlich dürftig aus. Und es gibt keinen Frunk unter der vorderen Haube, wo man das mitgeführte Ladekabel verschwinden lassen könnte. Eindeutiger Pluspunkt des BYD Atto 2 ist die Material- und Verarbeitungsqualität. Unangemessene Geräusche wie Klappern oder Knarzen treten nicht auf. Schlecht entgratete Kanten findet man nur an Stellen, die man nicht alltäglich berührt. Rund um die Person am Steuer sind die oberen Bereiche von Türverkleidung und Instrumententafel weich, auch an der Mittelkonsole gibt es gepolsterte Bereiche. Darüber hinaus hat der Atto 2 eine umfangreiche Ausstattung zu bieten. Stets sind das Panoramadach, eine Wärmepumpe, elektrisch verstellbare Vordersitze, eine individuell konfigurierbare Bedienung per (drehbarem) Touchdisplay serienmäßig. Dazu gibt es eine Reihe von integrierten Infotainment-Apps, kabellose Smartphone-Anbindung, eine induktive Ladeschale, Soundsystem, USB-Anschlüsse für die Rückbank, verschiedene NFC-basierte Schlüsselfunktionen (Handy-App, Uhr, Karte), ferngesteuerte Heizfunktionen und – wer's unbedingt braucht – auch eine Karaoke-Funktion: Falls man sich beim Aufladen an der Stromsäule mal langweilen sollte. Bedienbarkeit zwiespältig Hinsichtlich der Bedienbarkeit hinterlässt der BYD Atto 2 einen zwiespältigen Eindruck. Gut ist: Das Cockpit wirkt schön aufgeräumt. Der große zentrale Bildschirm kann in eine horizontale oder vertikale Ansicht gedreht werden. Für Hauptfunktionen wie Navigation, Medien, Telefon und Einstellungen befindet sich am unteren Bildschirmrand eine Leiste mit Symbolen, die konfiguriert werden kann. Der Touchscreen reagiert auf Befehlseingaben zuverlässig. Und rund um den Gangwahlhebel auf der Mittelkonsole befinden sich haptische Tasten für wichtige Fahrzeugfunktionen wie die Frontscheibenbelüftung, die Rekuperation, die Autohold-Funktion oder die Lautstärke. Schlecht ist: Die Temperaturregelung erfolgt ausschließlich über das Zentraldisplay, sofern man nicht die Sprachbedienung nutzt. Klimafunktionen wie Heckscheibenheizung oder Sitzheizung befinden sich ebenfalls nicht auf der ersten Bedienebene und erfordern mehrere Bedienschritte. Außerdem fallen die Bedienflächen recht klein aus, was eine lange Blickabwendungszeit nach sich zieht. All das macht die Bedienung im Alltag mitunter recht umständlich und führt zu Ablenkung vom Verkehrsgeschehen. Inakzeptabel ist die Klimaautomatik. Sie kühlt den Innenraum selbst bei hoch eingestellten Temperaturen und kippt anschließend in übermäßiges Aufheizen. Die passende Wohlfühltemperatur kann nur selten und mit Mühe erreicht werden. Hier müsste BYD, wie andere chinesische Hersteller auch, dringend nachbessern. E-SUV: Technischer Vorsprung Fehlanzeige Der BYD Atto 2 Boost bekommt vom ADAC die Technik-Note 2,4. Das ist per se keine schlechte Bewertung für ein Fahrzeug. Für ein Elektroauto aus China, das die versammelte westliche Konkurrenz angreifen will, ist das jedoch zu wenig. Der Fakt, dass BYD über großes Know-how auf dem Gebiet des Elektroantriebs verfügt, verschafft dem Kunden keinen technischen Vorsprung. Die Konkurrenz ist in vielen Belangen besser. Und auch der Preis von 32.000 Euro (Modell Active) oder 35.000 Euro (Boost) ist kein wirklich schlagkräftiges Argument. Eine Chance auf einen guten Preis für den Atto 2 bietet ein Sonderrabatt in Höhe von 10.000 Euro, mit dem BYD derzeit sein Glück versucht. Unter der Voraussetzung, dass man die volle Förderung vom Staat (maximal 6000 Euro) bekommt, kann man die Basisversion dann für 18.990 Euro ergattern. Darüber hinaus gibt es seit November 2025 eine Version mit 65-kWh-Akku, 150 kW/204 PS Motorleistung und alltagstauglicheren 430 Kilometer WLTP-Reichweite. Und einer ordentlichen Ladeleistung: Bis zu 155 kW kann der Atto mit dem größeren Akku an Schnellladesäulen ziehen. Das ist schon erheblich alltagstauglicher. Diese Version wird inklusive maximal möglicher staatlicher Förderung derzeit für 25.340 Euro angepriesen (regulärer Listenpreis 41.990 Euro). BYD Atto 2 Plug-in-Hybrid als Alternative Anfang 2026 hat BYD mit dem Atto 2 DM-i eine motorische Alternative nachgeschoben. Die Plug-in-Version ist erheblich alltagstauglicher. Der DM-i ist laut Liste ab 35.990 Euro zu haben und damit ebenfalls kein Schnäppchen. Und dafür bekommt man auch "nur" die Version "Active", die es auf gerade mal 40 Kilometer E-Reichweite schafft. Interessanter ist die Boost-Variante mit der größeren Batterie: Sie ist dank der elektrischen Reichweite von 90 Kilometern nach dem gestaffelten Programm der Regierung förderfähig und profitiert zum Marktstart zusätzlich von einem BYD-eigenen Bonus, der den Einstiegspreis für berechtigte Kunden auf unter 23.000 Euro drücken kann. Aber solche Rabattierungen sind sehr volatil, die Preise können sich jederzeit grundlegend wieder ändern. Unter der Haube arbeitet ein 1,5-Liter-Vierzylinder mit einem Dual-Motor-Layout, bei dem ein E-Motor als Generator primär Strom erzeugt, während der zweite direkt die Vorderachse antreibt. In Kombination mit einer 18 kWh großen Batterie und einem 45-Liter-Tank ergibt sich auf dem Papier eine Reichweite von bis zu 1000 Kilometern, die sich angesichts einer Systemleistung von 156 kW/212 PS nicht verstecken muss. Die Variante Active mit kleinerer Batterie kommt auf 122 kW/166 PS und entsprechend moderatere Beschleunigungswerte. Beim Fahren zeigt sich: Der Übergang zwischen E-Antrieb und Hybridmodus klappt geschmeidig und nahezu unmerklich. Mit einer Taste lässt sich sehr einfach vom reinen EV-Modus, bei dem zuerst die Antriebsbatterie geleert wird, und dem Hybridmodus wechseln. Selbst bergige Strecken erledigt die gefahrene Version des Atto 2 mit stärkerem Antrieb souverän und zügig. Wie der elektrische Atto 2 ist auch der Plug-in-Hybrid kein Ladekönig. Die Onboard-Technik erlaubt lediglich eine AC-Ladeleistung von bis zu 6,6 kW, Schnellladen ist nicht vorgesehen. Dennoch scheint der Atto 2 als Plug-in-Hybrid die etwas bessere Alternative zur getesteten, elektrischen Basisversion zu sein. Ein ausführlicher ADAC Test steht aber noch aus. BYD Atto 2: Technische Daten & Preise ADAC Messwerte ADAC Testergebnis Text mit Material von SP-X Hier finden Sie viele weitere Neuvorstellungen und Fahrberichte.