Stechmücken: 10 Fakten über die Blutsauger

Ein Mückenschwarm tummelt sich auf einer Wasserstelle
Stechmücken brauchen Wasser, um sich entwickeln zu können© Shutterstock/Vera Larina

Viel Regen, hohe Temperaturen: Für Stechmücken herrschen derzeit optimale Bedingungen, um sich stark zu vermehren. Vielerorts spricht man von einer Mückenplage. Zeit, sich näher mit ihnen zu beschäftigen.

  • Nicht alle Mücken saugen Blut

  • Gießkannen und Pfützen sind ideale Brutstätten

  • Bei Stich nicht kratzen, um Infektion zu vermeiden

Einige Stechmückenarten zählen zu den sogenannten Überschwemmungsmücken. Sie bevorzugen feuchte Böden an Fluss- und Seeufern, um dort ihre Eier abzulegen. Die Brut schlüpft bei warmen Temperaturen und wenn der Untergrund mit Wasser überspült wird. Nach einem Hochwasser können sich die Blutsauger in Massen entwickeln. Ein kulinarisches Fest für Fische und Vögel, zu deren Nahrungsgrundlage die Moskitos zählen. Für den Menschen sind sie vor allem eines: lästig. Zehn Fakten über Stechmücken.

Nicht alle Mücken stechen

In Deutschland sind rund 50 Stechmückenarten bekannt, darunter die Gemeine Stechmücke, die Kriebelmücke und die Bartmücke (Gnitze). Daneben gibt es aber hunderte weitere Arten, wie etwa Schnaken oder Zuckmücken, die für den Menschen völlig ungefährlich sind. Unter den Stechmücken machen lediglich die Weibchen Jagd auf Blut, da sie die darin enthaltenen Proteine für die Produktion ihrer Eier benötigen. Männliche Stechmücken ernähren sich von Pflanzensäften.

Seit einigen Jahren etablieren sich in gemäßigten Breiten auch tropische Stechmückenarten, wie etwa die Asiatische Tigermücke. Sie können Infektionskrankheiten übertragen und stehen daher unter besonderer Beobachtung. Wer einen Beitrag zur Erforschung invasiver wie heimischer Stechmücken leisten möchte, kann gut erhaltene Moskitos an die Initiative Mückenatlas Deutschland senden.

Mückeneier können überwintern

Herrschen nach einem sommerlichen Hochwasser ideale Bedingungen, tun Überschwemmungsmücken alles, um sich möglichst zahlreich fortzupflanzen. Sie gelten deshalb als radikale Blutjäger. Ihre Eier und Larven können mehrere Jahre im Boden überleben. Weibliche Stechmücken können viele Wochen alt werden und bei niedrigen Temperaturen in eine Winterstarre fallen.

Jeder kann Brutplätze reduzieren

Stechmücken benötigen Wasser, um sich entwickeln zu können. Die Eier werden auf der Wasseroberfläche abgelegt. Die daraus schlüpfenden Larven hängen an der Wasseroberfläche. Sie ernähren sich unter anderem von Algen. Das darauffolgende Puppenstadium findet unter der Wasseroberfläche statt. Sind die Voraussetzungen gut, dauert die Transformation vom Ei bis zur Stechmücke nur rund zehn bis 14 Tage.

Stehende Gewässer sind dafür ideal. Stechmücken können sogar in Gießkannen, Pfützen oder Regentonnen heranwachsen. Auf dem Balkon und im Garten sollten Sie deshalb Wasserreservate möglichst vermeiden oder abdecken. Also: Gießkannen leeren, Eimer umdrehen, Regentonnen zudecken.

Lockt Licht Stechmücken?

Nein. Stechmücken werden nicht vom Licht angezogen. Je nachdem, um welche Art es sich handelt, können sie tag-, dämmerungs- oder nachtaktiv sein. In Deutschland sind dämmerungs- und nachtaktive Moskitos besonders verbreitet. Abends und nachts sollte man deshalb die Fenster geschlossen halten. Zur Mückenabwehr eignen sich Fliegengitter an Fenstern und Balkontüren. Wer sich abends im Freien aufhält, kann sich mit langer, lockerer Kleidung vor Stechmücken schützen. Helle Farben sind besser geeignet, da Moskitos vor allem dunkle Farben mögen.

Geruchssinn steuert Mücken

Auf der Jagd nach Blut orientieren sich weibliche Stechmücken an dunklen beweglichen Objekten sowie Gerüchen. Mit ihren Fühlern können sie Körperdüfte und Atemluft identifizieren. Die Mär vom "süßen Blut" ist mittlerweile widerlegt. Schweiß scheint hingegen besonders anziehend auf Moskitos zu wirken. "Körperhygiene ohne viele Duftstoffe kann helfen, Stiche zu vermeiden", sagt ADAC Reisemediziner Dr. Klaus Schäfer.

Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte zu gängigen Mückenschutzmitteln greifen, die Körpergerüche übertünchen und somit unbedeckte Körperstellen vor Stichen schützen. Diese sollten aber lediglich auf gesunde Haut, also nicht auf Wunden oder einen Sonnenbrand, aufgetragen werden. "Von natürlichen Mitteln wie Citronella ist ein insektenabwehrender Effekt durchaus bekannt", so Schäfer. "Er hält allerdings bei weitem nicht so lange, wie die vergleichbaren chemischen Repellentien."

Stiche nicht kratzen

Ein Kind wird von einem Schwarm Stechmücken gestochen
Stechmücken können im Sommer zur Plage werden© Shutterstock/foto_shabrova

Weibliche Stechmücken geben während ihrer ein- bis dreiminütigen Blutmahlzeit Speichel in die Haut ab. Dieser verursacht eine Immunreaktion mit Juckreiz und einer rötlichen Schwellung an der Einstichstelle. In den allermeisten Fällen ist so ein Mückenstich völlig unbedenklich. "So lange Rötung und Schwellung nur die unmittelbare Stichstelle betreffen, besteht kein Grund einen Arzt aufzusuchen", erklärt Dr. Klaus Schäfer. "Das ändert sich, wenn eine solche Rötung sich immer weiter ausdehnt, wie etwa bei einer Wanderröte. Oder wenn einer gestochenen Person plötzlich schlecht wird, wenn sie Schweißausbrüche hat oder gar zusammenzubrechen droht", so der ADAC Reisemediziner. In diesen Fällen sollte man in die Arztpraxis oder den Notruf (112) wählen.

Auch wenn es schwerfällt: An der Stichstelle sollte man auf keinen Fall kratzen. "Man bringt damit leicht Keime in die Haut, die sich von einer kleinen Wundinfektion im schlimmsten Fall sogar zu einer Phlegmone (eitrige Entzündung) mit Sepsis ausweiten können."

Kälte und Hitze gegen Juckreiz

Für akute Linderung bei Mückenstichen sorgen simple Methoden. "Kühlen hilft", so der ADAC Reisemediziner. Feuchte Umschläge oder Kühlpacks können Schwellungen und Juckreiz reduzieren. Antiallergische Präparate aus der Apotheke werden meist in Form von Gels auf die Haut aufgetragen, wirken ebenfalls kühlend und können den Juckreiz mindern.

Elektronische Stichheiler scheinen bei den meisten Betroffenen ebenfalls gut zu funktionieren. "Diese Geräte erhitzen die Einstichstelle und somit die Eiweiße, die die Mücken mit ihrem eigenen Speichel injizieren", so Schäfer.

Mücken übertragen Krankheiten

Während des Saugvorgangs können Krankheitserreger in den menschlichen Organismus gelangen. Bei heimischen Mückenarten ist dieses Risiko sehr gering. In seltenen Fällen kann es beispielsweise zu einer Übertragung von Borreliose kommen. Seit einigen Jahren werden aber auch in Deutschland tropische Stechmückenarten wie die Asiatische Tigermücke nachgewiesen, die Infektionskrankheiten wie etwa das Denguefieber oder das Zika-Virus übertragen können. Die Gefahr, sich mit diesen Krankheiten in Europa zu infizieren, wird derzeit als gering eingeschätzt. Infektionen mit HIV oder Corona durch einen Mückenstich sind nicht bekannt.

Stechmücken sind nicht nutzlos

Für den Menschen mögen Stechmücken lästige Plagegeister sein, für den natürlichen Lebensraum an Gewässern spielen sie durchaus eine wichtige Rolle. Sie bestäuben Pflanzen und sind Nahrungsgrundlage für Vögel, Fledermäuse, Frösche und Spinnen. Mückenlarven schmecken Fischen und anderen Insekten wie Libellen.

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Mückenplage: Grund für Reiserücktritt?

Eine Mückenplage am Urlaubsort als Grund für einen Rücktritt oder eine Reisepreisminderung? Derlei Ansprüche werden Reisende im Normalfall nicht durchsetzen können, so die Einschätzung der ADAC Juristin Ellen Stamer. Grundsätzlich hafte zwar der Reiseveranstalter dafür, wenn Reiseleistungen nicht vertragsgemäß erbracht werden können. Aber analog zu schlechtem Wetter könne eine Mückenplage nicht als Reisemangel geltend gemacht werden. In einem Fall hat das Landgericht Frankfurt einen Anspruch unter anderem mit dem Argument verneint, dass Wetterbedingungen nicht zu den gebuchten Leistungen einer Pauschalreise gehören.