Asiatische Tigermücke: Bringt sie Infektionskrankheiten nach Deutschland?

Eine Tigermücke saugt Blut an einem Menschen
Tigermücken erkennt man an ihrem schwarz-weißen Streifenmuster© Shutterstock/NuayLub

Die Tigermücke stammt ursprünglich aus Südostasien. Seit einigen Jahren verbreitet sie sich in Süd- und Mitteleuropa. Inzwischen ist sie auch in Deutschland angekommen.

  • Baden-Württemberg am stärksten betroffen

  • Übertragung von Krankheiten nicht ausgeschlossen

  • Erkennungsmerkmal: Das schwarz-weiße Muster

Die juckenden Stiche von Stechmücken sind unangenehm, aber in der Regel harmlos. Durch eingewanderte Arten wie der Tigermücke könnte sich das ändern: In ihren Ursprungsgebieten überträgt sie gefährliche Erkrankungen.

Das kennzeichnet die asiatische Tigermücke

Die Tigermücke (Aedes albopictus) ist eine kleine Stechmückenart, die im asiatisch-pazifischen Raum heimisch ist. Über den Waren- und Reiseverkehr kam sie in den 1980er-Jahren nach Europa. Besonders wohl fühlt sich der gestreifte Blutsauger in tropischen und subtropischen Gebieten sowie in mediterranen Ländern wie Frankreich, Italien und Griechenland.

Aber auch an gemäßigte Klimabedingungen wie in Deutschland kann sich die Tigermücke anpassen. Dabei hilft ihr einerseits der Klimawandel, andererseits ein Trick beim Überwintern: Im Herbst legen manche Stämme kälteresistente Eier (sogenannte Diapause-Eier), die im Winter eine Ruhephase einlegen. Im Frühling schlüpfen kleine Larven, die sich schließlich verpuppen und zu Tigermücken entwickeln.

Daran erkennen Sie eine Tigermücke

An folgenden Merkmalen lassen sich Tigermücken erkennen und von anderen Stechmücken unterscheiden:

  • Körpergröße: 3,5 bis 8 Millimeter, damit sind sie kleiner als eine 1-Cent-Münze.

  • Muster: Tiefschwarze Farbe mit fünf weißen Streifen an den Hinterbeinen, das letzte Beinglied ist weiß.

  • Kopf und Rücken: Sie sind schwarz mit einem auffälligen weißen Längsstreifen bis zum Flügelansatz.

  • Flügel: Nahezu durchsichtig, ein erkennbares Muster haben sie nicht.

Auf den ersten Blick kann man die Tigermücke mit der einheimischen Ringelschnake (Culiseta annulata) verwechseln. Letztere ist jedoch mit über zehn Millimetern deutlich größer, in Brauntönen geringelt und weist erkennbare Flecken auf den Flügeln auf.

Wo leben Tigermücken in Deutschland?

Während Tigermücken bis 2013 in Deutschland nur vereinzelt auftauchten, leben inzwischen in einigen Gegenden fest etablierte Populationen. Erstmals gemeldet wurde die wärmeliebende Stechmücke in Baden-Württemberg. Bis heute gibt es im Südwesten – insbesondere in der klimatisch milden Oberrhein-Region – die meisten Tigermücken. Einige Populationen finden sich auch in Bayern, Rheinland-Pfalz, Hessen sowie im Stadtgebiet von Jena und Berlin.

Tigermücken verbreiten sich häufig in Städten und Ballungsgebieten. Sie stechen bevorzugt Menschen und andere Säugetiere, gelegentlich auch Vögel und Reptilien. Meist halten sie sich in Bodennähe oder an windgeschützten Orten auf, da sie bei starkem Wind nicht gut fliegen können. Sie sind vor allem tagsüber aktiv und stechen teilweise aggressiv und ausdauernd.

Besonders rasant vermehren sich Tigermücken in Deutschland auf Campingplätzen und in Kleingartenanlagen. Hier finden sie nicht nur reichlich menschliches Blut, sondern auch Brutmöglichkeiten wie Regentonnen, Vogeltränken, Pfützen auf Abdeckplanen oder Wasserreste in Eimern und Blumentöpfen.

Welche Krankheiten übertragen Tigermücken?

Die asiatische Tigermücke ist ein möglicher Überträger für mehr als 20 verschiedene Viren. Die für den Menschen wichtigsten sind:

Diese Erkrankungen sind überwiegend in den Tropen und Subtropen verbreitet. Sticht die Tigermücke eine infizierte Person, kann sie das Virus mit ihrem Speichelsekret auf ihre nächsten Opfer weitergeben. Einige davon, wie etwa das West-Nil-Virus, können Tigermücken auch zwischen verschiedenen Spezies übertragen – zum Beispiel von Vögeln auf Menschen, Pferde oder Hunde.

Daneben sind Tigermücken auch Überträger von Dirofilarien. Diese winzigen Wurmlarven sind vor allem für Tierhalter relevant: Bei infizierten Hunden entwickeln sie sich weiter zu Fadenwürmern, welche die Lunge und das Herz befallen können (Dirofilariose). Gelegentlich sind auch Katzen und Frettchen betroffen, Menschen nur in seltenen Ausnahmefällen.

Sind Stiche von Tigermücken gefährlich?

Tigermücken können Dengue-Fieber und andere Virusinfektionen nur dann übertragen, wenn sie zuvor eine infizierte Person gestochen haben. Da diese Tropenkrankheiten in Mitteleuropa nur vereinzelt vorkommen, ist die Gefahr einer Infektion aktuell noch gering.

Gelegentlich bringen jedoch Reiserückkehrer eine der Erkrankungen mit, etwa aus Asien, Mittel- oder Südamerika. Breiten sich eingewanderte Tigermücken in Europa aus, steigt auch die Gefahr einer Virusinfektion. So sind in Frankreich, Italien, Spanien und Kroatien bereits einige Fälle von Dengue- sowie Chikungunya-Fieber bekannt, die durch Tigermücken übertragen wurden.

Dengue- und Chikungunya-Fieber in Europa

Das European Centre for Disease Control (ECDC) veröffentlicht jeden Monat eine Übersicht zur aktuellen Lage von Dengue- und Chikungunya-Fieber in Europa und weltweit:

Was kann man gegen Tigermücken tun?

Wenn Sie sich vor Tigermücken schützen wollen, sind folgende Maßnahmen hilfreich:

  • Ein physikalischer Mückenschutz hält auch Tigermücken weitgehend fern: körperbedeckende, am besten imprägnierte Kleidung (inklusive Socken und fester Schuhe) im Freien, Mückennetze und Fliegengitter in Innenräumen.

  • Schützen Sie unbedeckte Hautstellen mit einem geeigneten Spray oder Gel, zum Beispiel mit Wirkstoffen wie Icaridin und Diethyltoluamid (DEET). Diese sind gegen eine Vielzahl von Insekten wirksam, inklusive Tigermücken.

  • Vermeiden Sie stehende Wasseransammlungen im Garten und auf dem Balkon – dies sind beliebte Brutstätten für Tigermücken. Dazu gehören etwa Blumentöpfe, Vogeltränken und Regenrinnen. Wenn Sie eine Regentonne haben, decken Sie diese sorgfältig ab.

  • Entdecken Sie eine Tigermücke, ist es sinnvoll, dies den jeweils zuständigen Behörden zu melden. Die richtige Stelle vermittelt zum Beispiel die Plattform Tiger.

  • Möchten Sie Mückenjägerin oder -jäger im Sinne der Wissenschaft werden, können Sie sich am Projekt Mückenatlas des Friedrich-Loeffler-Instituts beteiligen: Hier können Sie Mücken einfangen und einsenden. Im Gegenzug erhalten Sie genaue Informationen zu Ihrem Fang.

Hinweis: Diese Informationen wurden sorgfältig recherchiert, ersetzen jedoch nicht die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Alle Angaben ohne Gewähr.