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Frankfurt am Main | 10.09.2019

VW ID.3: So kommt das neue Volks-Elektroauto

Das neue VW Elektroauto ID3
VW ID.3: Projektleiter Gordon Köcher (l.) im Gespräch mit Redakteur Jochen Wieler

VW startet in eine neue Ära: Der vollelektrische ID.3 soll den Weg in eine nachhaltige Mobilität ebnen. Erste Sitzprobe, Infos zu Batterie, Reichweite, offizielle Bilder.

  • Drei Batteriegrößen für 330 bis 550 km Reichweite
  • Produktionsstart: November 2019, Auslieferung: Frühjahr 2020
  • Basispreis: unter 30.000 Euro
  • VW verspricht "bilanziell" CO2-neutrale Herstellung

Wie hoch das neue Elektroauto ID.3 bei VW aufgehängt ist, zeigt alleine dieser Halbsatz aus der Pressemitteilung: "Neue Ära nach Käfer und Golf: …". Beide Fahrzeuge haben die Massen motorisiert – und so stellt sich das Volkswagen auch beim elektrischen ID.3 vor.

Elektromobilität als Massenphänomen? Noch ist es nicht ganz so weit. Zwar hat VW jetzt endlich auf der IAA 2019 die Hüllen fallen lassen und den Nachfolger des e-Golf der Öffentlichkeit präsentiert. Die ersten 30.000 Bestellungen für die 1st Edition (rund 40.000 Euro) sind eingegangen. Doch bis die ersten Autos auf der Straße zu sehen sind, dauert es noch: Mit der Serienproduktion startet das Werk in Zwickau erst im November 2019. Ausgeliefert werden die ersten Exemplare im Frühjahr 2020, kündigte Volkswagen auf der IAA in Frankfurt an.

VW ID.3: Viel Platz im Innenraum

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Unser Redakteur testet die Beinfreiheit hinten beim neue VW Elektroauto ID3
VW ID.3: Deutlich mehr Beinfreiheit als im Golf

Bei unserem ersten Date mit dem ID.3 fallen sofort die im Vergleich zu einem klassischen Kompaktwagen völlig veränderten Proportionen auf. Die Räder wirken mit den aerodynamisch geformten Felgen noch riesiger als sie sind: 18, 19 und 20 Zoll werden angeboten. Die Front ist extrem kurz, der Radstand mit 2,77 Metern (wie beim Passat) für ein nur 4,26 Meter langes Auto immens – genauso lang wie der Golf VII.

Das schafft Platz im Innenraum: Besonders im Fond fühlen wir uns bei unserer ersten Sitzprobe wesentlich luftiger untergebracht als im Golf. Ein Mitteltunnel fehlt, für die Beine gibt es reichlich Platz. Auch vorn entsteht ein Raumgefühl fast wie in einem kleinen Van: Die Scheibe wurde weit nach vorn gerückt und zwischen Fahrer und Beifahrer stören weder Schalthebel (der sitzt wie bei BMW i3 hinter dem Lenkrad) noch eine überdimensionierte Mittelkonsole.

Stattdessen gibt es bequeme Armlehnen und ein niedrig bauendes Ablagefach mit Becherhalter, Ablagen und ein taschenartiges Fach fürs drahtlose Smartphone-Laden. "Open Space" nennt VW das Innenraum-Konzept. Der Kofferraum schluckt 385 Liter und damit genau so viel wie beim Golf.

Die Bedienung ist unkompliziert

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Das Cockpit des neuen VW Elektroauto ID3
Einfache Bedienung: Klare Cockpitstruktur mit zwei Displays  

Auch das Armaturenbrett drängt sich nicht auf: Der Touchscreen ist von überschaubarer Größe, hat klare Menüstrukturen und an seinem Fuß noch eine Hand voll feste Soft-Tasten, z.B. für die Klimaanlage und den Warnblinker. Das ist schon mal besser, als alle Bedienfunktionen in Bildschirmmenüs zu verstecken.

Ganz neu: Wie bei BMW und Mercedes lässt sich der ID.3 auf Zuruf bedienen. Die intelligente Sprachsteuerung lässt sich über den Befehl "Hallo ID" aktivieren und versteht auch normale Sätze. Etwa: "Bring mich nach Frankfurt in die Bahnhofstraße". Über das sogenannte "ID Light" – eine Art leuchtendes Band unterhalb der Windschutzscheibe – zeigt der VW unter anderem an, wenn er gesprächsbereit ist.

Hinter dem Lenkrad sitzt noch ein kleines, übersichtliches Display für Tacho, Reichweite und Akkustand. Auch das hat sich VW beim BMW i3 abgeguckt. Insgesamt scheint die Bedienung des ID.3 recht simpel zu sein und dürfte keinen überfordern, so unser erster Eindruck.

Reichweite: Zwischen 330 und 550 km 

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Das neue VW Elektroauto ID3 an der Ladesäule
In jeder Variante ist der ID.3 für Schnellladesäulen (100 KW) geeignet

Die Antriebsbatterie sitzt im Unterboden und ist in drei Ausbaustufen erhältlich: Mit 45, 58 und 77 kWh für Reichweiten von 330, 420 und 550 Kilometer nach dem realitätsnahen WLTP-Zyklus. Hört sich gut an, doch wie weit der Elektro-VW tatsächlich kommt, muss er erst noch beweisen. Ein Wärmetauscher (Serie) und eine Wärmepumpe (Aufpreis) sollen im Winter Energie sparen.

Und was kann der ID.3 besser als Konkurrenten wie etwa Hyundai Kona und Kia e-Niro? "Abgesehen vom Innenraumkonzept sind wir unter anderem bei der Ladeleistung besser", sagt der technische Projektleiter Gordon Köcher. An Schnellladesäulen kann der ID.3 bei jeder Version 100 kW aufnehmen, später sollen auch 125 KW möglich sein. Und bei "normalen" Ladesäulen mit Wechselstrom sind 11 kW Standard – mit Ausnahme der Version mit der kleinsten Batterie. Sie kann nur dürftige 7,4 kW zapfen. 

Zudem sei der ID.3 "vollgasfest", wie Köcher betont. Wo bei mehreren Volllastbeschleunigungen auf der Autobahn andere E-Autos ihre Leistung herunterregeln müssten, soll der ID.3 kein Problem bekommen. Einen Anhänger darf der ID.3 wie die meisten der Konkurrenten aber nicht ziehen, doch zumindest eine Vorrichtung zur Montage von Fahrradträgern sei angedacht.

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Der Haken: Je größer die Batterie, desto schwerer ist sie. Rund 500 Kilogramm soll der größte Akku wiegen – mit Auswirkungen auf die Zuladung. So könnte die Topversion nur als Viersitzer zugelassen sein, wie Köcher andeutet.

Der ID.3 soll ohne CO2-Rucksack kommen

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Das Heck des neuen VW Elektroauto ID3
Wie beim Nissan Leaf: Die dunkle, heruntergezogene Heckklappe

Und wie umweltfreundlich ist der ID.3? VW verspricht, den Kompaktwagen "bilanziell" CO2-neutral zu produzieren. Das heißt: Die Fabrik in Zwickau und auch der Zellhersteller in Polen arbeiten mit Grünstrom und alle Teile-Lieferanten sollen dazu verpflichtet werden, möglichst viel CO2 einzusparen. Ganz ohne CO2-Ausstoß geht das aber nicht – das ist auch VW bewusst.

So will das Unternehmen als Ausgleich Klimaprojekte unterstützen und zum Beispiel Wälder aufforsten. Den großen CO2-Rucksack, den viele E-Autos bereits mitbringen, hätte der ID.3 dann auf dem Papier schon mal nicht.

Zum Preis: In Deutschland soll der ID.3 in der Basisversion für knapp 30.000 Euro angeboten werden. Abzüglich der E-Auto-Prämie käme der Stromer auf rund 26.000 Euro. Klingt günstig, doch bei diesem Preis dürfte es in den wenigsten Fällen bleiben. Mit guter Ausstattung und mittlerem Akku sind rund 10.000 Euro mehr zu veranschlagen. Offizielle Preise gibt es aber noch nicht.

VW ID.3: Technische Daten und Preise

Technische Daten 45 kWh 58 kWh 77 kWh
Motor/Antrieb Elektromotor mit 110 kW/150 PS, 310 Nm, Heckantrieb
Elektromotor mit 110 kW/150 PS, 310 Nm, Heckantrieb
Elektromotor mit 150 kW/204 PS, 310 Nm Heckantrieb
Fahrleistungen
ca. 8,0 s auf 100 km/h, 160 km/h Spitze ca. 8,5 s auf 100 km/h, 160 km/h Spitze
ca. 7,5 s auf 100 km/h, 160 km/h Spitze
Reichweite           330 km 420 km
550 km
Ladetechnik AC-Laden mit 7,4 kW (Basisversion), sonst 11 kW, DC-Laden mit CCS-Stecker mit bis zu 50 kW (Serie) und bis zu 100 kW (Aufpreis) AC-Laden mit 11 kW, DC-Laden mit CCS-Stecker mit bis zu 100 kW AC-Laden mit 11 kW, DC-Laden mit CCS-Stecker mit bis zu 125 kW
Maße L 4,26 / B 1,81 / H 1,55 m
L 4,26 / B 1,81 / H 1,55 m
L 4,26 / B 1,81 / H 1,55 m
Kofferraum 385 l  385 l  385 l
Garantie auf die Batterie 8 Jahre bis 160.000 km 8 Jahre bis 160.000 km 8 Jahre bis 160.000 km
Leergewicht (m. Fahrer) ca. 1720 kg ca. 1800 kg ca. 1900 kg
Preis 29.900 € ca. 37.000 € ca. 45.000 €

 

Video VW-Design: Ein Blick hinter die Kulissen

Der ID.3 ist das erste Auto, das auf dem neuen "Modularen Elektrobaukastens" (MEB) basiert. Weitere wie der ID. Crozz (wird später ID.6 heißen), ID. Buzz, ID. Roomzz oder auch der Seat El-Born werden folgen. 27 Modelle sollen aus der Plattform bis 2022 für die verschiedenen Konzernmarken entstehen. Allein vom ID.3 sind 2020 bereits 100.000 Exemplare geplant – zumindest ein erster Schritt in Richtung Käfer der Neuzeit.

 

Text: Jochen Wieler. Fotos: Volkswagen AG/Martin Meiners.

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