Renault Clio 2019: Testfahrt im Polo-Konkurrenten

19.7.2019

Die fünfte Generation des Renault Clio steht ab 21. September 2019 beim Händler – mit sparsamen Benzinern und ab 2020 auch als Hybrid. Preis: Ab 12.990 Euro. Testfahrt, Bilder, Daten, Crashtest-Video.

Renault Clio fahrend
Neuer Renault Clio: Optisch nah am Vorgängermodell
  • Mit 4,05 Metern Länge etwas kürzer als bisher
  • Großer Kofferraum, Touchscreen, hochwertige Materialien
  • Hybridversion ab 2020 soll 40 Prozent weniger verbrauchen

 

Kaum zu glauben: Den Renault Clio gibt es nun schon seit knapp 30 Jahren. Rund 15 Millionen Stück konnte Renault in dieser Zeit an den Mann und oft auch an die Frau bringen. Mit der nunmehr fünften Generation dürfte sich der Erfolg fortsetzen. Warum? Weil der Kleinwagen nicht nur optisch punktet, sondern ein richtig gutes Auto geworden ist.

Äußerlich bleibt der fünfte Clio dem Stil des Vorgängers von 2012 treu, wirkt aber deutlich präsenter und sportlicher als die vierte Generation: Die Karosserie liegt nun drei Zentimeter tiefer. Bei den kompakten Außenmaßen bleibt es aber. Clio Nummer fünf kommt nun auf eine Länge von 4,05 Metern. Auch beim neuen Modell verstecken sich die hinteren Türgriffe auf Höhe des Fensters in der C-Säule, – so wird der Fünftürer optisch zum schnittigen Dreitürer. Besonders praktisch sind die Fond-Türgriffe aber immer noch nicht.

Neuer Clio: mehr Platz, großer Kofferraum 

Zoom-In
Heck des Renault Clio fahrend
Neben diesem "Valencia orange" gibt es zehn weitere Farben

Obwohl der Clio 1,2 Zentimeter kürzer ist als der Vorgänger, hat Renault durch schlankere Vordersitze immerhin 2,6 Zentimeter mehr Knieraum für die Fondpassagiere herausgeholt, die bequem über eigene Türen (Serie) einsteigen können. Insgesamt bleibt das Platzangebot aber immer noch auf gutem Kleinwagenniveau.

Der Kofferraum hat von 300 auf 340 Liter merklich zugelegt und kommt mit herausnehmbarem doppelten Boden – das schafft mehr Ladetiefe. Nachteil: Die Ladekante wurde etwas höher. Dazu kommen Staufächer im Innenraum, die noch einmal 26 Liter aufnehmen können.

Unter dem Blechkleid des Fünftürers ist alles neu: Das wirtschaftlich wichtigste Modell der Marke steht auf einer neuen Kleinwagenplattform, die künftig auch die Konzerngeschwister Nissan Juke und Dacia Sandero tragen wird.

Ein komplett neuer Stil zieht im Innenraum ein: Mit Ausnahme des Basismodells findet sich an der Mittelkonsole ein großer Bildschirm mit 7 bzw. 9,3 Zoll im Hochformat, der sich wie ein Tablet bedienen lässt. Hier werden die meisten Infotainment-Funktionen gesteuert.

Gut: Auf allzu verschachtelte Menüs hat Renault verzichtet und das meiste erklärt sich von selbst. Auch die Materialqualität hat deutlich zugelegt: Zwischen dem Vorgänger mit hartem Plastik und dem neuen Modell mit angenehm soften Oberflächen liegen Welten. Smartphones können in der Mittelkonsole induktiv geladen werden.

Bildergalerie: Klicken oder tippen Sie auf das Bild für eine größere Darstellung und mehr Informationen. 

 

Dreizylinder-Benziner als Basis, der Hybrid folgt

Beim Fahren wirkt der Clio wie ein Großer, ist gut gerauschgedämmt und federt prima ohne es an Fahrdynamik missen zu lassen. Auch auf schlechten Straßen klappert nichts – das fühlt sich schon fast nach Premium an.

Zum Marktstart wird es vier Benziner geben mit einer Leistung von 65 bis 130 PS. Gut zum Clio passt der neu entwickelte Dreizylinder-Benziner TCe 100 mit 100 PS, der uns bei ersten Testfahrten zur Verfügung stand. Der 1,0-Liter-Turbo entpuppt sich als akustisch zurückhaltend und auffällig elastisch: Selbst aus niedrigen Drehzahlen um die 1000 Touren beschleunigt er ohne zu murren – so lässt es sich sehr schaltfaul und spritsparend fahren. Das empfiehlt sich ohnehin, denn zu den schnellen Sprintern gehört der TCe 100 mit nur durchschnittlichen 11,8 Sekunden auf 100 km/h nicht gerade.

Was umso mehr für die schwächsten Benziner mit 65 und 73 PS gilt, die eher für den Stadtverkehr gedacht sind. Das Basismodell dient ohnehin nur als Blickfang für die Preisliste: 12.990 Euro günstig, kommt es aber nur mit Magerausstattung (Stahlfelgen, kein Radio, kein Touchscreen). Am anderen Ende der Leistungsskala steht ein 130 PS starker Vierzylinder-Benziner mit serienmäßigem Automatikgetriebe, der schon fast sportlich klingt und naturgemäß noch souveräner wirkt als der schwächere Dreizylinder.

Weitere Preise: Der 75-PS-Motor ist ab 15.240 Euro zu haben, die 100-PS-Variante gibt es ab 18.190 Euro.

Renault Captur von schräg vorne

Renault Captur: Neuauflage des Mini-SUV

Die zweite Generation des Renault Captur geht im Herbst an den Start. Der Mini-SUV auf Clio-Basis ist um elf Zentimeter gewachsen und sieht deutlich bulliger aus. 

Renault Captur

   

Diesel werden für den Clio in Deutschland nicht mehr angeboten, und der Kombi Grandtour wird zwar noch in der alten Form bis 2020 weitergebaut, doch danach ist Schluss.

Clio Hybrid: Sparsam mit zwei Elektromotoren

Interessant könnte der ab Anfang 2020 angebotene Hybrid werden. Ein 1,6-Liter-Benziner macht den Clio im Verbund mit zwei Elektromotoren und einer 1,2 kWh-Batterie zum Vollhybrid, der 40 Prozent weniger verbrauchen soll als ein reiner Benziner. Laut Renault sollen so 80 Prozent der Wege in der Stadt rein elektrisch zu bewältigen sein. Preise nennt Renault für das Sparmodell wie auch für alle anderen Versionen noch nicht.

Vorbildlich: Alle Clio-Versionen haben einen Notbrems- und Spurhalteassistenten sowie eine Verkehrszeichenerkennung an Bord. Letzterer funktionierte bei unseren Testfahrten mit Vorserienfahrzeugen noch nicht zu 100 Prozent zuverlässig, doch bis zum Marktstart sollte das Problem behoben sein.

Nichts ändern wird sich hingegen an der sehr breiten C-Säule, die den Schulterblick beim Rechtsabbiegen erschwert und Fahrradfahrer unsichtbar macht – gerade für einen Kleinwagen, der häufig in der Stadt genutzt wird, ist das unbefriedigend.

Doch viel mehr gibt es am neuen Clio nicht auszusetzen – Ford FiestaOpel Corsa, Peugeot 208 und VW Polo erwächst dadurch ein harter Konkurrent.

Crashtest: 5 Sterne für den neuen Clio

Der Renault Clio erreicht volle 5 Sterne und übertrifft die dafür nötigen Punktwerte deutlich. Das Fahrzeug ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffer, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern in der ersten und zweiten Sitzreihe ausgestattet. Für die vorderen Plätze sind zusätzlich Seitenairbags verbaut.

Der Insassenschutz ist sehr gut, das Verletzungsrisiko ist für Erwachsene und Kinder durchgehend gering bis sehr gering. Es sind ISOFIX-Halter an den äußeren hinteren Sitzplätzen montiert mit i-Size-Kennzeichnung, auch für den Beifahrersitz sind sie serienmäßig verbaut. Der mittlere Sitz hinten ist für gegurtete Kindersitze geeignet, die gegurtete Montage auf dem Beifahrersitz unkritisch, der Beifahrerairbag deaktivierbar. Der Clio ist mit automatischem Notbremsassistenten und aktivem Spurhaltesystem serienmäßig ausgestattet.

Hier finden Sie die ausführlichen Crashtest-Ergebnisse zum Renault Clio.

 
Technische Daten (Herstellerangaben) Renault Clio TCe 100                  
Motor  Dreizylinder-Turbobenziner, 999 cm3, 74 kW/100 PS, 160 Nm bei 2750 U/min
Fahrleistungen
11,8 s auf 100 km/h, 187 km/h Spitze
Verbrauch (nach WLTP) 5,1 – 5,3 l Super/100 km, 117 – 120 g CO2/km
Maße  L 4,05 / B 1,80 / H 1,44 m
Kofferraum  340 – 1069 l 
Leergewicht 1178 kg
Preis ab 18.190 €, Modellreihe ab 12.990 €

 

Text: Jochen Wieler mit Material von SP/X. Fotos: Renault (6), ADAC/Jochen Wieler (1).

Hier finden Sie viele Fahrberichte und Autotests der ADAC Motorwelt.

Kritik, Lob, Anregungen? Schreiben Sie uns:  redaktion@adac.de