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Fahrradanhänger oder Fahrradsitz: Was ist sicherer für Kinder?

Zwei Fahrradfahrer fahren mit Anhänger durch die Landschaft
Generell gilt: Erst testen, dann kaufen. ∙ © Fotolia/Ralf Geithe

Solange Kinder noch nicht selbst Rad fahren können, fahren sie bequem im Fahrradanhänger oder im Fahrradsitz mit. Jedes System hat Vor- und Nachteile. Worauf Sie achten sollten, erfahren Sie hier.

Eltern, die ihre Kleinen mit dem Rad mitnehmen wollen, sollten überlegen, welches System am besten zu den Anforderungen ihres Alltags passt. Im Wesentlichen gibt es vier Systeme: Kindersitze, Fahrradanhänger, sogenannte Nachziehräder und Lastenräder.

Beliebt sind besonders Fahrradanhänger und Kindersitze für das Rad. Das Radfahren mit Anhänger kann auf engen Fahrradwegen, im Fall von Gegenverkehr oder beim Rangieren wegen der Breite des Gespanns schwierig werden. Eltern, die sich für einen Kindersitz entscheiden, müssen sich mehr auf die eigene Balance konzentrieren. Das gilt besonders, wenn hinten ein kleiner Zappelphilipp sitzt. Spurwechsel oder enge Kurven können auch hier wackelig werden, vor allem beim Anfahren und bei langsamer Fahrt.

In jedem Fall aber gilt: Kinder sollten immer einen Fahrradhelm tragen und angegurtet sein. Und gegenseitige Rücksichtnahme im Straßenverkehr ist – egal für welches System man sich entscheidet – ein Muss. Außerdem muss der Fahrer selbst, wenn er Kinder auf dem Rad mitnimmt, mindestens 16 Jahre alt sein.

Fahrradanhänger für Kinder

Die Vorteile

  • Ideal für längere Fahrten

  • Oft passen zwei Kinder in den Anhänger. Zudem können Eltern gut zusätzlich Gepäck, Proviant oder Spielzeug unterbringen

  • Kinder sitzen entspannt, können spielen und auch schlafen

  • Verletzungsrisiko bei Unfällen ist geringer als beim Kindersitz – aufgrund geringerer Fallhöhe

  • Das Kind ist vor Wind und Regen geschützt

Die Nachteile

  • Fahren auf Radwegen ist wegen der Breite nicht optimal, dies gilt besonders innerorts

  • Handhabung beim Bremsen und Rangieren ist gewöhnungsbedürftig

  • Nicht jeder Fahrradanhänger bzw. jede Anhängerkupplung passt an jedes Fahrrad

  • Nicht überall kann ein Rad mit Anhänger abgestellt werden, und es benötigt unterwegs mehr Platz

  • Der Anhänger braucht einen separaten Abstellplatz, wenn er nicht genutzt wird

  • Teurer als der Fahrradsitz

Fahrradsitz für Kinder

Die Vorteile

  • Hinterradsitze werden sicherer eingestuft als Sitze, die vor dem Lenker angebracht werden

  • Verstellbare Gurtsysteme und Fußhalterungen ermöglichen problemlos eine Anpassung je nach Größe des Kindes

  • Schnell und leicht zu montieren

  • Die Montage von zwei Halterungen für den Sitz an zwei Fahrrädern ermöglicht einen problemlosen Wechsel des Sitzes

  • Für den täglichen Gebrauch sehr praktisch – besonders wenn man mit nur einem Kind unterwegs ist

  • Für Kurzstrecken innerorts gut geeignet. Je leichter das Kind, desto sinnvoller der Einsatz eines Fahrradsitzes

  • Der Nachwuchs ist den Eltern näher als im Anhänger

  • Kostengünstiger als der Fahrradanhänger

Die Nachteile

  • Erst wenn das Kind sicher aufrecht sitzen kann, kann es im Kindersitz auf dem Fahrrad mitfahren

  • Für Kinder wird es schnell unbequem, da die Sitzposition nicht verändert werden kann

  • Die Mitnahme von zusätzlichem Gepäck ist schwer möglich. Ein Rucksack auf dem Rücken des Fahrers behindert das Kind eher

  • Für lange Radtouren eher ungeeignet

  • Kein Schutz vor Regen und Wind

  • Höhere Verletzungsgefahr durch höhere Fallhöhe bei Unfall

  • Erhöhte Umsturzgefahr des Rads beim Sichern des Kindes im Fahrradsitz sowie beim Auf- und Absteigen

Was ist sicherer?

Für die meisten Einsätze ist der Fahrradanhänger die sicherere Transportvariante. Der Fahrradsitz für Kinder eignet sich besonders für Alltagsfahrten aufgrund seiner einfachen Handhabung – in puncto Sicherheit kommt er aber nicht an den Fahrradanhänger heran. Weiterhin spielt das Können des Radfahrers und der Radfahrerin eine wichtige Rolleebenso wie die korrekte Bedienung, der Einsatzort sowie der technische Zustand des Fahrrads.

Erst testen, dann kaufen

Beim Radfahren mit Fahrradanhänger oder Kindersitz sollten Sie zunächst die veränderten Fahreigenschaften ohne Kinder (mit unempfindlicher Beladung) testen, bevor Sie sich für ein System entscheiden.

Vor dem Kauf eines Fahrradanhängers unbedingt auch prüfen, wie viel zulässiges Gesamtgewicht laut Herstellerangaben das Fahrrad ziehen darf. Sonst kann es bei zu viel Gewicht zu einem Rahmenbruch am Fahrrad kommen, wie ein ADAC Test gezeigt hat. Denn nicht jedes Fahrrad ist für einen Fahrradanhänger geeignet. Zudem kann auch nicht jede Anhängerkupplung an jedes Fahrrad montiert werden. Eine Beratung im Fachhandel ist damit unverzichtbar.

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Das fordert der Gesetzgeber

Kinder dürfen bis zum vollendeten siebten Lebensjahr mit Kindersitzen auf dem Fahrrad befördert werden.

Bis zu zwei Kinder dürfen bis zum vollendeten siebten Lebensjahr in einem Anhänger mit geeigneten Sitzen und Rückhaltesystemen mitfahren. Für das Gesamtgewicht des Anhängers gelten die Vorgaben des Herstellers in der Bedienungsanleitung. Fehlen Herstellerangaben, sollte der ungebremste Anhänger ein Gesamtgewicht von 40 Kilogramm nicht überschreiten. 

Fahrradrahmen und Bremsanlage müssen so solide beschaffen sein, dass sie den erhöhten Anforderungen standhalten.

Wie Fahrradanhänger beleuchtet sein müssen, ist in der Straßenverkehrszulassungsordnung festgelegt. Wie bei Fahrrädern muss auch beim Anhänger eine bauartgenehmigte Beleuchtung angebracht sein. Diese darf nicht verdeckt sein.

Nach vorne müssen die Fahrradanhänger folgende Beleuchtungen haben:

  • bei einer Anhänger-Breite von mehr als 60 Zentimetern einen paarweise angebauten weißen Rückstrahler mit maximalem Abstand von 20 Zentimetern zur Außenkante

  • bei einer Breite des Anhängers von mehr als einem Meter zusätzlich eine Leuchte für weißes Licht auf der linken Seite

Nach hinten müssen die Anhänger so ausgestattet sein:

  • mit einer Schlussleuchte für rotes Licht auf der linken Seite, wenn mehr als 50 Prozent der leuchtenden Fläche der Schlussleuchte des Fahrrads durch den Anhänger verdeckt wird

  • mit zwei roten Rückstrahlern der Kategorie „Z“ mit einem maximalen Abstand von 20 Zentimetern zur Außenkante

Nach beiden Seiten:

  • retroreflektierende weiße Streifen an Reifen, Felgen bzw. Rädern oder an den Speichen an jedem Rad. Alternative: zwei gelbe Speichenrückstrahler an jedem Rad um 180 Grad versetzt anbringen

Selbst wenn diese Vorgaben nur für Fahrradanhänger gelten, die seit Anfang 2018 in den Verkehr gebracht wurden, sollten ältere Fahrradanhänger entsprechend nachgerüstet werden.

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