Wallboxen im Test: Welche Ladestation ist die beste für Ihr Elektroauto?

3.12.2018

Was ist beim Kauf einer Heim-Ladestation für das Elektroauto zu beachten? Wir haben zwölf Wallboxen mit Ladeleistungen von 3,7 bis 22 Kilowatt getestet. Und dabei verglichen, wie gut sie laden, wie sie zu handhaben und wie sicher sie sind.

Wallbox Teststand
Hier fließt Strom: Elektroautos am Teststand.
  • Sechs von zwölf getesteten Heim-Ladestationen nicht empfehlenswert
  • ADAC rät zu einer universellen Wallbox mit 11 kW Ladeleistung und fest installiertem Kabel 
  • Die Installation ist nichts für Hobby-Heimwerker – unbedingt Elektrofachkraft beauftragen

 

Wer sich ein Elektroauto zulegt, braucht eine Ladestation für zu Hause – eine sogenannte Wallbox. Wallboxen sind meist beim Händler erhältlich, der das Elektroauto verkauft. Doch inzwischen gibt es auch viele Angebote auf dem freien Markt.

Drei Wallbox-Modelle sind "mangelhaft"

Je nach Ladeleistung und Ausstattung kostet eine Wallbox beim Händler zwischen 500 und 2500 €. Einige Bausätze sind im ­Online-Handel sogar schon um die 300 € erhältlich. Hinzu kommen immer die Kosten für die Installation. Denn der ­Anschluss einer Wallbox ans Hausnetz ist absolut nichts für Hobbybastler und darf nach den gültigen Rechtsvorschriften nur von einer Elektrofachkraft ausgeführt werden. 

Doch kann man den angebotenen Geräten vertrauen? Wir haben es ausprobiert und zwölf Modelle – mit Ladeleistungen von 3,7 kW bis 22 kW – einem Systemvergleich unterzogen. Getestet wurden die Zuverlässigkeit beim Laden, die Einfachheit der Bedienung sowie die Sicherheit. 

Das Testergebnis legt große Unterschiede offen. Zwar erhielten immerhin sechs Boxen die Note "sehr gut" oder "gut" und sind damit uneingeschränkt empfehlenswert. Drei Boxen haben jedoch so große Schwächen, dass sie – gerade noch "ausreichend" – als nicht empfehlenswert eingestuft werden müssen. Und drei Geräte sind für den Benutzer so gefährlich, dass sie mit "mangelhaft" durchfallen. 

Testsieger wurde die 11-kW-Wallbox des deutschen Herstellers ABL, mit 865 € preislich im Mittelfeld (Note 1,0). Ebenfalls ein "sehr gut" (Note 1,4) bekam die 22-kW-Box von Mennekes, die den Akku doppelt so schnell auflädt, aber auch doppelt so teuer ist.

Wallboxen mit 3,7 bis bis 4,6 kW

 

Modell Test-Preis ADAC Urteil
KEBA KeContact P30  762 €  1,3
WALLBE Eco 2.0  499 € 1,7
EV ONESTOP WallPod  386 €  4,5
VESTEL EVC02-AC3  623 € 4,5

Wallboxen mit 11 kW

 

Modell Test-Preis  ADAC Urteil
ABL eMH1  865 €  1,0
INNOGY eBox  707 €  1,6

SCHNEIDER-ELECTRIC EVlink 

965 € 1,8
ANNIES-CARPARTS Simple EVSE  399 €  5,5
FRANZ RÖCKER SIMPLY EVSE Bausatz  303 €  5,5

Wallboxen mit 22 kW

 

Modell Test-Preis  ADAC Urteil
MENNEKES AMTRON Xtra 22 C2  1.903 €  1,4
WALL BOX CHARGERS Commander  1.285 € 4,5
ALFEN ICU Eve Mini  1.378 €  5,0

Empfehlenswert: Universell einsetzbare Ladestationen

Infografik von Wallbox
Infografik: Das sollte eine Ladestation enthalten

Weiterhin empfehlenswert sind die Boxen von Keba (Note 1,3) Innogy (Note 1,6), Wallbe (Note 1,7) und Schneider Electric (Note 1,8). Alle diese Ladestationen sind zuverlässig und lassen sich einfach bedienen. Allerdings haben die Innogy und die Schneider Electric – trotz ihrer recht hohen Preise – keinen Gleichstromfehlerschutz (FI B) verbaut, welcher dann zwingend in der Hausinstallation nachzurüsten ist. Die Kosten, allein für die Hardware, betragen hier zwischen 300 bis 400 €. Und der Arbeitslohn für den Einbau kommt noch obendrauf. Das heißt, das Preis-Leistungs-Verhältnis dieser beiden Boxen  ist längst nicht mehr so gut, wie es im Prospekt klingt. 

Bei den Boxen von Keba und Wallbe muss lediglich der Wechselstromfehlerschutz (FI A) ergänzt werden. Das ist zumindest auf der Hardware-Seite deutlich günstiger, denn ein FI A-Schalter kostet nur zwischen 20 und 40 €, zuzüglich Installationsaufwand. 

Warnen muss man vor den beiden im Internet erhältlichen Billiggeräten von Annies-Carparts und Franz ­Röcker. Andreas Habermehl, Experte beim Zentralverband der Deutschen Elektro- und Informationstechnischen Handwerke (ZVEH), der die Tests des ADAC fachlich begleitete, erklärt, warum: "Diese Ladeboxen schalten bei einer Fehlermeldung des Autos überhaupt nicht ab. Das ist extrem gefährlich, weil es zum Brand oder zu Personenschäden führen kann." 

Weil das erste Elektroauto ja nicht un­bedingt das letzte sein muss, empfehlen wir grundsätzlich den Kauf einer Wallbox, die universell einsetzbar ist. Am ­besten eignet sich dafür eine 3-phasige 11-kW-Wallbox wie die vom Testsieger ABL. Mit ihr kann 1-phasig mit 3,7 kW (z. B. Nissan Leaf), 2-phasig mit 7,4 kW (z. B. VW e-Golf) oder auch 3-phasig mit 11 kW (z. B. Renault Zoe) geladen werden. Sie lädt selbst bei nur 3,7 kW Ladeleistung über Nacht rund 30 kWh in die Batterie. Das reicht für über 150 Kilometer – und das ist in den meisten Fällen mehr als die Strecke zur Arbeit.

Elektroauto-Ladestationen für zu Hause: Hier finden Sie die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema Wallbox

Tipp Icon

Das Prinzip einer Wallbox

Eine "Wallbox" verbindet ein Elektroauto mit dem Stromnetz. Dazu braucht sie:

  • eine standardisierte Steckverbindung
  • eine standardisierte Kommunikation mit dem Elektroauto
  • einen elektrischen Schalter

Für den sicheren Betrieb sind elektrische Schutzeinrichtungen zwingend erforderlich und auch ausdrücklich vorgeschrieben! 

Sind diese nicht in der Wallbox verbaut, müssen sie in der Hausinstallation, also außerhalb der Wallbox, vorgesehen werden. Das ist zulässig, verursacht aber zusätzliche Kosten.

Einfacher ist es, wenn die Schutzeinrichtungen gegen Gleich- und Wechselstromfehler bereits in der Wallbox verbaut sind (siehe Abbildung oben).

Vor- und Nachteile der getesteten Wallboxen

Klicken oder tippen Sie auf das Bild für eine größere Ansicht und weitere Informationen
Abl Wallbox

ABL eMH1

Nennspannung: 230/400 V
Nennstrom: 16 A
Energiezähler: nein
Vernetzung: nein
Ladekabel: ca. 5 m

Plus:

  • sicher
  • zuverlässig
  • sehr einfache Bedienung
  • fest angebrachtes Ladekabel
  • keine Zusatzkosten

Minus:

  • Stecker nicht optimal in der Aufnahme fixiert 
Mennekes Wallbox

MENNEKES AMTRON Xtra 22 C2

Nennspannung: 230/400 V
Nennstrom: 32 A
Energiezähler: ja
Vernetzung: App Steuerung
Ladekabel: ca. 7,5 m

Plus:

  • sicher
  • zuverlässig
  • relativ einfache Bedienung
  • fest angebrachtes Ladekabel
  • App-Steuerung möglich
  • Ladeleistung über App einstellbar 
  • keine Zusatzkosten

Minus:

  • Montage und Installation recht aufwändig
  • integrierter Energiezähler schlecht ablesbar 
Innogy Wallbox

INNOGY eBox

Nennspannung: 230/400 V
Nennstrom: 16 A
Energiezähler: nein
Vernetzung: nein
Ladekabel: keins

Plus:

  • zuverlässig
  • einfache Bedienung

Minus:

  • kein integrierter Fehlerstromschutz (hohe Zusatzkosten FI Typ B: 300-400 €)

 

EvlinkWallbox

SCHNEIDER-ELECTRIC EVlink

Nennspannung: 230/400 V
Nennstrom: 16 A
Energiezähler: nein
Vernetzung: nein
Ladekabel: keins

Plus:

  • zuverlässig
  • einfache Bedienung

Minus:

  • kein integrierter Fehlerstromschutz (hohe Zusatzkosten FI Typ B: 300-400 €)
  • Ladekabel nicht einhändig steck- und lösbar

 

Keba Wallbox

KEBA KeContact P30

Nennspannung: 230 V
Nennstrom: 20 A
Energiezähler: nein
Vernetzung: nein
Ladekabel: keins

Plus:

  • zuverlässig
  • sehr einfache Bedienung

Minus:

  • Zusatzkosten durch FI Typ A: 20-40 €

 

Wallbe Wallbox

WALLBE Eco 2.0

Nennspannung: 230 V
Nennstrom: 16 A
Energiezähler: nein
Vernetzung: nein
Ladekabel: keins

Plus:

  • zuverlässig
  • sehr einfache Bedienung 

Minus:

  • Zusatzkosten durch FI Typ A: 20-40 €

 

Rolec Wallbox

EV ONESTOP WallPod

Nennspannung: 230 V
Nennstrom: 32 A
Energiezähler: nein
Vernetzung: nein
Ladekabel: keins

Plus:

  • zuverlässig
  • sehr einfache Bedienung

Minus:

  • missverständliche Angabe im Datenblatt, wonach ein gleichstromsensitiver Fehlerstromschutz verbaut sei. Das ist allerdings nicht der Fall: Es ist nur ein FIA.
  • vorgeschriebene Steckerverriegelung nicht verbaut
  • Stecken des Ladekabels schwergängig 
Vestel Wallbox

VESTEL EVC02-AC3

Nennspannung: 230 V
Nennstrom: 16 A
Energiezähler: nein
Vernetzung: nein
Ladekabel: keins

Plus:

  • zuverlässig
  • sehr einfache Bedienung 

Minus:

  • sehr schlecht zu montieren und anzuschließen
  • Gleichstromfehlerschutz ohne Funktion, obwohl laut Hersteller nur vorgelagerter Wechselstromfehlerschutz erforderlich (hohe Zusatzkosten FI Typ B: 300-400 €)
  • fehlerhaftes Einschalten der Spannung möglich
  • keine Steckerfreigabe bei Stromausfall

 

Phoenix Contact Wallbox

WALL BOX CHARGERS Commander

Nennspannung: 230/400 V
Nennstrom: 32 A
Energiezähler: ja
Vernetzung: Portal, App Steuerung
Ladekabel: keins

Plus:

  • Touch-Display
  • umfangreiche Einstellmöglichkeiten, einschließlich Ladeleistung und Timer 
  • Vernetzung möglich
  • fest angebrachtes Ladekabel 

Minus:

  • Hinweis auf erforderlichen Fehlerstromschutz fehlt in der beiliegenden Installationsanleitung
  • Störung bei Renault ZOE der ersten Generation: Isolationsfehler angezeigt
  • Defekt: Spannung auf Ladekupplung
  • nach fehlgeschlagenem Softwareupdate ohne Funktion 
  • hohe Zusatzkosten durch FI Typ B: 300-400 €

 

Alfen Wallbox

ALFEN ICU Eve Mini

Nennspannung: 230/400 V
Nennstrom: 32 A
Energiezähler: ja
Vernetzung: Portal
Ladekabel: keins

Plus:

  • zuverlässig
  • Vernetzung möglich
  • hilfreiches Info-Display
  • RFID-Chiperkennung für Nutzung durch mehrere Parteien

Minus:

  • integrierter Gleichstromfehlerschutz löst nicht innerhalb 1.000 ms aus
  • Ladungsfreischaltung mittels RFID für privaten Einzelstellplatz nicht empfehlenswert (vom Hersteller für Einzelnutzung konfigurierbar)
  • lädt nach Stromausfall nicht weiter (vom Hersteller konfigurierbar)
  • Zusatzkosten durch FI Typ A: 20-40 €

 

ADAC Wallboxen Test Annies

ANNIES-CARPARTS Simple EVSE

Nennspannung: 230/400 V
Nennstrom: 16 A
Energiezähler: nein
Vernetzung: nein
Ladekabel: ca. 5 m

Plus:

  • zuverlässig
  • sehr einfache Bedienung
  • fest angebrachtes Ladekabel

Minus:

  • CEE-Steckverbindung verboten, da in Deutschland eine Wallbox fest an die Hausinstallation anzuschließen ist
  • kein integrierter Fehlerstromschutz (hohe Zusatzkosten FI Typ B: 300-400 €)
  • gefährliche Fehlfunktion, weil bei einem Fahrzeugfehler (Status E) die Spannung nicht abgeschaltet bzw. sogar eingeschaltet wird

 

Duosida Wallbox

FRANZ RÖCKER SIMPLY EVSE

Nennspannung: 230/400 V
Nennstrom: 16 A
Energiezähler: nein
Vernetzung: nein
Ladekabel: ca. 5 m

Plus:

  • zuverlässig
  • sehr einfache Bedienung
  • fest angebrachtes Ladekabel 

Minus:

  • kein integrierter Fehlerstromschutz (hohe Zusatzkosten FI Typ B: 300-400 €)
  • gefährliche Fehlfunktion, weil bei einem Fahrzeugfehler (Status E) die Spannung nicht abgeschaltet bzw. sogar eingeschaltet wird
  • kein Hinweis auf zusätzlich erforderliche Schutzeinrichtungen

 

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5 Tipps für den Kauf und die Installation

  • Die Installation ist nichts für Hobby-Elektriker, sondern die Aufgabe einer Elektrofachkraft
  • Wenn kein Gleichstromfehlerschutz verbaut ist, wird's teuer
  • Ein fest angebrachtes Ladekabel erhöht den Komfort
  • Bei einer Störung sollte ein kompetenter Kundendienst verfügbar sein
  • Optimal ist eine 3-phasige 11-kW-Wallbox, mit der alle Elektroautos aufladbar sind 

So haben wir getestet

Merkmale, Lieferumfang, Montage und Betrieb

Betrachtet wurden Verpackung, beiliegende Zubehörteile, Montagehilfen, Werkzeuge, Prüfzertifikate, Warnhinweise, Installationsanleitungen und Betriebsanleitungen.

Bei der Montage wurde bewertet, wie einfach die Wallbox montiert werden konnte.

Die Bedienungsprüfung der Wallboxen umfasste:

  • Zugangsberechtigung (falls vorhanden)
  • Ladekabel "Stecken"
  • Ladung "Starten"
  • Anzeigen und Statusmeldungen
  • Ladungen "Stoppen" und "Kabel entnehmen".


Zudem wurden folgende Auswirkungen auf den Ladevorgang untersucht:

  • Stromausfall
  • Fehlbedienung
  • Betätigungen an Fahrzeug und Wallbox

Weiterhin wurde der jeweils der Ruhestrom im Standby gemessen und bewertet.

Sicherheitsprüfungen

Schwerpunkte der Sicherheitsprüfungen waren folgende Fragestellungen:

  • Ladekommunikation mit dem Fahrzeug
  • Ordnungsgemäße Funktion integrierter Schutzeinrichtungen
  • Korrekte Vorgabe erforderlicher externer Schutzeinrichtungen


Diese Prüfungen wurden in Anlehnung an DIN VDE 0100 wie folgt durchgeführt:

  • Inbetriebsetzung der Ladeinfrastruktur nach Herstellervorgaben
  • Test der Ladeinfrastruktur mittels Fahrzeug-Simulatorbox einschließlich Fehlersimulation durch Fahrzeugstatusvorgabe A, B, C, D und E
  • Test Fehlerstromschutzeinrichtung, falls integriert


Zu unterscheiden sind die Testmuster hierbei nach der Herstellervorgabe, welche Schutzfunktionen in der elektrischen Hausinstallation vorzusehen sind:

  • Kein Wechselstromfehlerschutz und kein Gleichstromfehlerschutz vorgegeben: Hier müssen beide Schutzfunktionen in der Wallbox integriert sein und vorschriftsmäßig funktionieren. Es wurden Auslösezeiten und Auslösewerte sowohl für AC-, als auch für DC-Fehler ermittelt und bewertet 
  • Nur Wechselstromfehlerschutz vorgegeben: Hier muss ein Gleichstromfehler- schutz in der Wallbox integriert sein und vorschriftsmäßig funktionieren. Es wurden Auslösezeiten und Auslösewerte nur für DC-Fehler ermittelt und bewertet
  • Gleich- und Wechselstromfehlerschutz vorgegeben: Hier ist keinerlei Fehlerstromschutz in der Wallbox integriert und entsprechend erfolgte auch keine Überprüfung

Zuverlässigkeitstest

Bei der Zuverlässigkeitsprüfung wurde getestet, ob jede Wallboxen neun verschiedene Elektrofahrzeuge problemlos lädt. Dazu wurde mit jedem Fahrzeug an jeder Wallbox sechsmal ein Ladevorgang gestartet und getestet, ob dieser erfolgreich beginnt und binnen fünf Minuten nicht unterbrochen wird.

Dieser Test erfolgte mit folgenden Elektroautos:

  • Hyundai IONIQ (Bj. 2018)
  • Nissan Leaf I (2012)
  • Nissan Leaf II (2018)
  • Renault ZOE II (2018)
  • VW e-Golf (2018)
  • BMW i3 (2014)
  • Opel Ampera-e (2017)
  • Renault ZOE I (2015)
  • TESLA Model S 75 (2014)

Ladekabel, Prüf- und Messtechnik

Für die Sicherheitsprüfungen wurden folgende Testgeräte verwendet:

  • MENNEKES Fahrzeug-Simulatorbox (320011)
  • GOSSEN METRAWATT MXTRA

Für die Ruhestrommessung wurde folgendes Messgerät verwendet:

  • CHRIST CLM 1000 Professional +
 

Fotos: ADAC/Uwe Rattay. 

(acfo)