KfW-Wallboxen im Test: Welche ist die beste?

die Testwagen stehen bereit
Wallbox-Carport des ADAC: Hier finden die Funktionstests statt ∙ © ADAC/Ralph Wagner

Für eine private Elektroauto-Wallbox gibt der Staat derzeit 900 Euro Förderung. Der Run auf die Anträge ist enorm. Doch welche Box soll man nehmen? Der ADAC hat es getestet – und gibt Tipps, worauf Elektroauto-Besitzer bei der Auswahl unbedingt achten sollten.

  • Sechs förderfähige Wallboxen im Test

  • Funktion, Ausstattung und Apps sind zeitgemäß

  • Eine Wallbox fällt durch – der Hersteller hat nachgebessert

Der Markt für Elektroautos boomt wie kein anderer. Kein Wunder, werden Elektrofahrzeuge doch mit einer attraktiven Prämie vom Staat bezuschusst. Seit November 2020 kommen unter bestimmten Voraussetzungen auch Wallboxen in den Genuss eines Zuschusses. Die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) bewilligt auf Antrag relativ unkompliziert 900 Euro Förderung ("Zuschuss 440").

Dies hat zu einer enormen Nachfrage geführt: Die Liste der förderfähigen Wallboxen umfasst inzwischen mehr als 300 Produkte. Eine solche Angebotsvielfalt hat selbst Branchenexperten überrascht. Die Auswahl der Testprodukte gestaltete sich also nicht einfach, zudem waren lange Lieferzeiten wegen der hohen Nachfrage hinderlich.

die Wallbox von VW wird überprüft
Projektleiter Michael Peuckert prüft die Funktionen der VW-Wallbox ∙ © ADAC/Ralph Wagner

Nach dem Systemvergleich 2018, dem Test von ungesteuerten Wallboxen 2019 und der Lastmanagementstudie in 2020 stand nun ein Test von KfW-förderfähigen Modellen an. Letztlich erfüllten sechs Wallboxen die Auswahlkriterien und wurden den ausführlichen Prüfungen hinsichtlich ihrer Sicherheit und ihrer Handhabung unterzogen. Die Ergebnisse machen transparent, worauf Elektroauto-Besitzer bei der Auswahl unbedingt achten sollten.

Erstmalig flossen beim ADAC Wallboxtest die Kriterien Ausstattung und Bedienung per App in die Bewertung mit ein. Das Testkriterium Sicherheit wurde in seinen Grundzügen aus den vorangegangenen Wallbox-Tests übernommen, allerdings in punkto Testumfang, Ausführung und Gewichtung angepasst. Durch die neue Testmethodik ist keine direkte Vergleichbarkeit zu den Testergebnissen aus den Jahren 2018 und 2019 mehr gegeben.

Ergebnistabelle: Sechs KfW-Wallboxen im Test

Vier KfW-Wallboxen schneiden gut ab

Zwei Wallboxen an eine Wand montiert
Testsieger Kostad TX 1000 und die Nachfolger-Box von ABB ∙ © ADAC/Ralph Wagner

Mit der Kostad TX-1000 gibt es einen verdienten, aber leider auch etwas kostspieligen Testsieger (Note 1,8). Die Wallbox funktioniert zuverlässig, ist sicher und umfangreich ausgestattet. Letzteres trifft auch auf die App zu, die allerdings bisher lediglich in Englisch erhältlich ist. Dafür lässt sich über die App sogar der Ladestrom in Echtzeit einstellen und es gibt in dieser eine komfortable Energieanzeige.

Die Kostad ist zwar schon nicht mehr erhältlich, aber es gibt ein baugleiches Modell der Firma ABB mit der Bezeichnung Terra AC W22-G5-R-C-0. Die Testergebnisse und Funktionalitäten sind identisch. Der Preis für die ABB Wallbox beträgt 1085 Euro.

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Den Platz hinter dem Testsieger teilen sich mit der Vestel EVC04-AC11SW-T2P und der Volkswagen ID. Charger Connect die beiden günstigsten Probanden im Test, die ebenfalls sicher und zuverlässig sind. Die Vestel gefällt dabei mit einer sehr guten App, während die VW-Box Wallbox mit einer fehlerfreien Gesamtvorstellung sowie – zusammen mit der Kostad – der besten Sicherheit im Test glänzt. Vorbildlich gelöst wurde bei beiden Boxen das Kabelmanagement: Das Ladekabel lässt sich einfach um die Boxen wickeln und der Ladestecker bei der Vestel sogar in einer Steckergarage parken.

Im Ranking folgt mit der Note 2,2 die hesotec electrify eBox wr30 rechts Base 11 kW. Mit guten Grundtugenden wie Zuverlässigkeit und blitzschnellem Start nach einem Stromausfall sowie einer attraktiven Statusanzeige, die sich vom Verbraucher individualisieren lässt, schwächelt die Design-Wallbox aus Edelstahl bei der Ausstattung und ist zudem recht teuer.

Die Wallbox Pro Connect 11 kW von Stark-in-Strom.de kommt als einziges Modell mit einem modularen und daher reparaturfreundlichen Aufbau daher – die anderen Testkandidaten setzten auf integrierte Platinenlösungen. Allerdings gab es bei diesem Modell Abweichungen zwischen verbauter und bei der Bestellung versprochener Sicherheitstechnik. Bei den Konformitätsmessungen leistet sich die Wallbox zudem einen Fehler und schaltet die Ladung bei der Simulation eines Fahrzeugs mit gasender Batterie nicht ab.

Risiko: Schutzschalter löst nicht aus

die Wallbox Evbox im Detail
Mangelhafte Sicherheit: EVBox Elvi ∙ © ADAC/Ralph Wagner

Als Verlierer aus dem Test geht die EVBox Elvi hervor. Grundsätzlich liegt sie in der Betrachtung der Einzelkategorien mit guter Ausstattung, Funktion und App nahezu auf dem Niveau des Testsiegers, doch in der Sicherheitsprüfung leistet sich die Wallbox einen groben Schnitzer: Die integrierte Gleichstromfehlerüberwachung löst in einer Messreihe nicht aus. Dies kann zu einem „Erblinden“ einer Fehlerstromschutzeinrichtung vom Typ A in der Hausinstallation führen, was neben einer erhöhten elektrischen Gefährdung auch dazu führen kann, dass die Wallbox von der Elektrofachkraft nicht abgenommen wird. Damit erfüllt die Wallbox nicht die Anforderungen der DIN IEC 62955 und erhält das Gesamturteil "mangelhaft" (Note 5,0).

Im Sinne der Verbraucher hat der Hersteller vorbildlich reagiert und im Austausch mit dem ADAC an einer schnellen Lösung gearbeitet. Für Kunden, die bereits eine solche Box gekauft haben, steht seit Anfang Juni 2021 ein Firmware-Update bereit. Der ADAC hat das Update („P0420B0420v1“) überprüft und die Sicherheitsprüfung wurde nun erfolgreich bestanden. Wie die Firmware-Version der Wallbox überprüft und das Update durchgeführt führen kann, ist im EVBox Hilfecenter* beschrieben. Für weitergehende Fragen empfiehlt der ADAC betroffenen Kunden, sich direkt an den Hersteller zu wenden.

App führt zu zusätzlichem Stromverbrauch

Ein Mindestmaß an Vernetzung ist nicht nur die Basis, um in den Genuss der KfW-Förderung zu kommen, sondern wird von Kunden im Jahr 2021 auch erwartet. Im Test zeigte sich dann aber, dass der Mehrwert der Bedienung per App bei den einzelnen Wallboxen sehr unterschiedlich ausfällt. Das ständige "Online"-Sein der Wallbox führte im schlimmsten Fall zu einem Stand-by-Verbrauch von rund 5 Watt. Das sind hochgerechnet ca. 44 kWh oder rund 13 € Stromkosten pro Jahr.

Detailbewertung der KfW-Wallboxen (2021)

Voraussetzungen für die KfW-Förderung

  • Gefördert werden Ladestationen an Stellplätzen und Garagen, die zum Wohngebäude gehören und nur privat zugänglich sind.

  • Für die Ladestation wird Strom aus erneuerbaren Energien verwendet (eigene Photovoltaik-Anlage oder Öko-Strom-Tarif vom Energieversorger).

  • Die Wallbox muss auf der KfW-Liste der geförderten Ladestationen stehen.

  • Die Wallbox darf eine Ladeleistung von 11 kW nicht überschreiten. Bei 22-kW-Modellen muss der Elektroinstallateur den Ladepunkt auf 11 kW einstellen und eine Bescheinigung darüber ausstellen.

  • Die Wallbox muss über eine intelligente Steuerung verfügen, um mit anderen Komponenten des Stromnetzes zu kommunizieren. Damit kann der Netzbetreiber bei Bedarf die Ladeleistung begrenzen oder zeitlich verschieben.

  • Die Gesamtkosten (Ladestation, Energiemanagementsystem, elektrischer Anschluss und Installationsarbeiten) müssen sich auf mindestens 900 € belaufen.

  • Die Errichtung und Inbetriebnahme der Ladestation muss durch ein Installationsunternehmen vorgenommen werden.

ADAC Wallboxen-Test 2019 (teilw. KfW-förderfähig)

ADAC Wallboxen-Test 2018 (teilw. KfW-förderfähig)

ADAC Tipps für den Verbraucher

  • Die Installation einer Wallbox darf nur von einer qualifizierten Elektrofachkraft durchgeführt werden.

  • Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge sind beim Netzbetreiber grundsätzlich anzumelden und bei mehr als 11 kW genehmigungspflichtig.

  • Ein durchdachtes Kabelmanagement (Aufwicklung) und Steckergarage erleichtern im Alltag den Umgang mit dem Ladekabel.

  • Eine in der Wallbox integrierte DC-Fehlerstromerkennung reduziert die Kosten bei der Hausinstallation. Diese muss aber auch normgerecht funktionieren.

  • Vor dem Kauf die Ausstattungswünsche an die Wallbox genau definieren. Diese sind stark abhängig vom häuslichen Umfeld (etwa Einbindung in Photovoltaik-Anlage, Steuermöglichkeiten, Energiezähler etc.).

ADAC Empfehlungen an die Hersteller

  • Ein von außen sichtbares und vollständiges Typenschild sollte dauerhaltbar an der Wallbox angebracht sein.

  • Bedienungs- und Montageanleitungen sowie Konformitätserklärung sollten der Wallbox vollständig und gut lesbar beiliegen. Zudem sollten diese auch auf der Homepage des Herstellers und im Idealfall per QR-Code an der Box abrufbar sein.

So hat der ADAC getestet

Auswahl der Testprodukte

Die Auswahl gestaltete sich in Anbetracht der Vielfalt in der KfW-Liste förderfähiger Wallboxen herausfordernd. Die relevanten Kriterien waren:

  • aufgeführt in der KfW-Liste förderfähiger Wallboxen

  • max. Ladeleistung 11 kW (400 V, 16 A, 3-phasig) gemäß Typschild und Datenblatt/COC oder einer entsprechenden Hersteller-Bescheinigung über die Drosselung der Wallbox

  • festes Typ 2-Ladekabel

  • integrierter DC-Fehlerstromschutz

  • Zugriff auf Wallboxfunktionen und/oder Wallboxinformationen per Smartphone-App

  • Preis bis 1200 €

  • Verfüg- und Lieferbarkeit zum Testzeitpunkt

Lieferumfang & Montage

Hinsichtlich der Lieferung wurden Verpackung, beiliegende Zubehörteile, Montagehilfen, Werkzeuge, Prüfzertifikate, Warnhinweise, Installationsanleitungen und Betriebsanleitungen betrachtet. Bei der Montage wurde bewertet, wie einfach die Wallbox zusammengesetzt und montiert werden kann. Zudem wurde festgestellt, wie sich die Zuleitungseinführung in die Wallbox gestaltet.

Sicherheit

Schwerpunkte der Sicherheitsprüfungen waren folgende Fragestellungen:

  • Ladekommunikation mit dem Fahrzeug

  • Ordnungsgemäße Funktion integrierter Schutzeinrichtungen

  • Korrekte Vorgabe erforderlicher externer Schutzeinrichtungen

Diese Prüfungen wurden in Anlehnung an DIN VDE 0100 wie folgt durchgeführt:

  • Inbetriebsetzung der Ladeinfrastruktur nach Herstellervorgaben

  • Test der Ladeinfrastruktur mittels Fahrzeug-Simulatorbox einschließlich Fehlersimulation durch Fahrzeugstatusvorgabe A, B, C, D und E

  • Test Fehlerstromschutzeinrichtung, falls integriert

Zu unterscheiden sind die Testmuster hierbei nach der Herstellervorgabe, welche Schutzfunktionen in der elektrischen Hausinstallation vorzusehen sind:

  • Kein Wechselstromfehlerschutz und kein Gleichstromfehlerschutz vorgegeben: Hier müssen beide Schutzfunktionen in der Wallbox integriert sein und vorschriftsmäßig funktionieren. Es wurden Auslösezeiten und Auslösewerte sowohl für AC-, als auch für DC-Fehler ermittelt und bewertet

  • Nur Wechselstromfehlerschutz vorgegeben: Hier muss ein Gleichstromfehlerschutz in der Wallbox integriert sein und vorschriftsmäßig funktionieren. Es wurden Auslösezeiten und Auslösewerte nur für DC-Fehler ermittelt und bewertet.


Für die Sicherheitsprüfungen wurden folgende Testgeräte verwendet:

  • MENNEKES Fahrzeug-Simulatorbox (320011)

  • GOSSEN METRAWATT MXTRA

Für die Ruhestrommessung wurde folgendes Messgerät verwendet:

  • CHRIST CLM 1000 Professional +

Funktion

Bei der Zuverlässigkeitsprüfung wurde getestet, ob jede Wallbox verschiedene Elektrofahrzeuge problemlos lädt. Dazu wurde mit jedem Fahrzeug an jeder Wallbox sechsmal ein Ladevorgang gestartet und getestet, ob dieser erfolgreich beginnt und binnen Minimum fünf Minuten nicht unterbrochen wird. Dazu mussten für jede Wallbox bis zu 10 Langzeitladevorgänge von Minimum 60 Minuten durchgeführt werden.

Dieser Test erfolgte mit folgenden Elektroautos:

  • Nissan Leaf II (2018)

  • Opel Ampera-e (2017)

  • Renault ZOE 50 (2019)

  • VW e-up! (2020)

  • VW ID. 3 (2020)

Bei der Funktionsprüfung wurden folgende Merkmale geprüft:

  • Authentifizierung (falls vorhanden)

  • Ladekabel "Stecken"

  • Ladung "Starten"

  • Anzeigen und Statusmeldungen

  • Ladungen "Stoppen" und "Kabel entnehmen"

Zudem wurde untersucht, wie sich folgende Einflüsse während des Ladevorgangs auswirken:

  • Verhalten und Startzeit nach Stromausfall (Authentifizierung aktiviert/deaktiviert)

  • Fehlbedienung

  • Betätigungen an Fahrzeug und Wallbox

Außerdem wurde der Stand-by-Stromverbrauch der Wallbox ermittelt.

Ausstattung

Bezüglich der Ausstattung wurden folgende Merkmale ermittelt und bewertet:

  • Kabellose und kabelgebundene Schnittstellen

  • Authentifizierung

  • Energiezähler und Anzeige

  • Einstellen des Ladestroms

  • Kommunikation und Vernetzung

  • Ladekabel und Ladebuchse

App

Das Testen der zur Wallbox gehörigen Smartphone-App gehört ebenfalls zum Prüfumfang. Es wurden in erster Linie folgende Punkte dokumentiert und bewertet:

  • Funktionsumfang, wie etwa Installation und Konfiguration, Start/Stopp der
    Ladevorgänge, Authentifizierung, Timer, Ladestromeinstellungen und Vorgabe der
    Lademenge

  • Informationsinhalt, wie Ladevorgänge, Ladeleistung und Historie

  • Verfügbarkeit für Apple iOS und Google Android

Anmerkung: Bei allen Apps können sich innerhalb kürzester Zeit die Funktionalität und/oder der Informationsinhalt durch Updates ändern. (Teststand: Februar 2021)

Fachliche Beratung: Michael Peuckert, Matthias Vogt, ADAC Technik Zentrum

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