Crashtest: Luft nach oben bei schrägem Aufprall

Der Škoda Citigo und die Crashbarriere stoßen im spitzen Winkel aufeinander und überdecken sich nur wenig ∙ Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC/Uwe Rattay

Kollisionen mit schrägem Aufprall und geringer Überdeckung der Fahrzeuge werden derzeit nicht von Labor-Crashtests abgedeckt. Besonders auf Landstraßen ist diese Unfallart aber sehr häufig.

  • Frontalunfälle mit schrägem Aufprall auf ein Hindernis passieren häufig

  • Ursachen sind meistens Übermüdung, Ablenkung und riskante Überholmanöver

  • Die Gefahr von schwersten Verletzungen ist bei diesen Unfällen besonders groß

Da künftig mehr Kleinstwagen und kleine Elektrofahrzeuge im Straßenverkehr zu erwarten sind, haben die ADAC Experten exemplarisch einen Škoda Citigo, einen Renault Twingo und einen Toyota Aygo in einem derartigen Szenario getestet und die Fahrzeuge mit einer Crashbarriere kollidieren lassen.

Auswertungen der ADAC Unfallforschung haben ergeben, dass Kollisionen mit geringer Überdeckung 18 Prozent aller Frontalunfälle ausmachen. Ablenkung, Übermüdung oder risikoreiches Überholen sind häufige Ursachen. Das Risiko, bei diesen Unfällen schwerste Verletzungen davonzutragen, ist rund zehn Prozent höher als bei allen anderen Pkw-Frontalunfällen.

Das Prüfszenario: Ein Crash mit 40 km/h

Die Tester simulierten einen Unfall zweier Fahrzeuge mit jeweils ca. 40 Kilometern pro Stunde. Untersucht wurde vor allem die Insassensicherheit anhand von Dummys. Ergebnis: Škoda schneidet insgesamt „gut“ ab, Renault und Toyota jeweils „befriedigend“ – mit reichlich Verbesserungspotenzial bei der Airbag- und Gurtauslegung.

Prüfkriterien beim Test waren neben der Insassenbelastung die Qualität der Rückhaltesysteme und die Verformung der Fahrzeugstruktur. Während die Rückhaltung durch Airbag und Gurtstraffer bei Škoda noch gut funktioniert, rutscht der Kopf des Fahrer-Dummys bei Renault und Toyota vom Airbag ab und gleitet beim Aygo sogar nur knapp an der Türbrüstung vorbei. Auch der Brustbereich der Fahrer ist in allen drei Pkw nicht ausreichend geschützt, im Toyota drohen sogar schwere Verletzungen. Darüber hinaus bleibt die Fahrgastzelle, der Überlebensraum für den Insassen, bei keinem der drei Pkw unbeschädigt. Der Škoda zieht sich dabei am besten aus der Affäre, weil es die A-Säule gerade noch schafft, die Last des Aufpralls abzufangen bzw. Energie aufzunehmen. Bei Renault und Toyota hingegen zeigen sich, trotz der geringen Unfallschwere, zum Teil deutliche Deformationen an A-Säule und Türschweller.

Die detaillierten Ergebnisse, Empfehlungen und das genaue Testverfahren finden Sie hier

Die getesteten Fahrzeuge zeigen, dass moderne Stadtfahrzeuge den Belastungen im Crashtest standhalten können, allerdings müssen die Hersteller bei der Front- und Seitenabsicherung noch nachbessern. Angepasste Airbagsysteme und bessere Sicherheitsgurt-Rückhaltesysteme als serienmäßige Ausstattung könnten hier wirksam helfen.

Dr. Reinhard Kolke, Leiter ADAC Technikzentrum

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