VW Multivan T7: So clever fährt der neue Bulli

Front und Seitenansicht eines fahrenden VW T7
VW T7: Der neue VW Bus wirkt deutlich moderner als sein Vorgänger ∙ © Volkswagen Nutzfahrzeuge

VW präsentiert den neuen Bulli: Der VW T7 knüpft auf neuer Plattform als Multivan in seiner Vielseitigkeit an den Vorgänger an. Die erste Testfahrt mit allen Infos, Bildern, Daten, Preisen.

  • Marktstart mit zwei Benzinern und einem Plug-in-Hybrid

  • Auch als Langversion mit bis zu 4053-Liter-Kofferraum

  • Vorgänger T6.1 bleibt weiter im Programm

  • Preis: Ab 44.839 Euro, Diesel erst ab März 2022

Wer sich die Premiere des neuen VW Multivan als klassischen Baureihenwechsel vorgestellt hat, liegt völlig daneben. Denn VW Nutzfahrzeuge löst den Vorgänger T6 nicht komplett durch den T7 ab, sondern erweitert das Angebot an nutzwertigen Fahrzeugen einfach um ein zusätzliches Modell.

Wobei der neue T7 die Rolle des eher smarten, schicken und coolen Lifestylers übernimmt, der T6.1 bleibt als Spezialist für den gewerblichen Einsatz und die Basis der Reisemobil-Ikone California weiterhin im Programm.

Neuer VW Bus: Das Bulli-Feeling bleibt!

Seitenansicht eines fahrenden VW T7
Typisch: Die horizontale Bulli-Seitenlinie ∙ © Volkswagen Nutzfahrzeuge

Beim ersten Blick auf den Neuen wird klar: Die Nutzfahrzeugsparte hat es geschafft, den ikonischen Ansatz des seit 1949 gebauten Bulli in die Jetztzeit zu transferieren, ganz ohne nervige Nostalgie. Die typische Bulli-Seitenlinie des T3 mit der dominanten horizontalen Seitenlinie blieb erhalten, wird jetzt durch eine Chromleiste noch mehr betont.
Der neue Multivan zitiert aber auch die zweite Generation des T4 mit der unterhalb der Windschutzscheibe prägnant nach vorn gezogenen Motorhaube – die wurde notwendig, weil der Motor vom Heck des T3 nach vorne wanderte.

Und genau hier erklärt sich ein Geheimnis des Bulli-Erfolgs. Durch den Heckmotor des T3 und dem daraus resultierenden kurzen vorderen Überhang hatte der T3-Fahrer stets das Gefühl, auf der Vorderachse, also truckermäßig "auf dem Bock" zu sitzen. Dieses typische Sitzgefühl konnten die VW-Ingenieure auch in den folgenden Generationen erhalten. Und so ist es auch beim Neuen: Weit oben – und gefühlt weit vorn.

Geändert haben sich dagegen die Proportionen des neuen Multivan. Gegenüber dem T6.1 wurde er mit 1,94 Metern um 4 Zentimeter breiter und mit 4,97 Metern um 7 Zentimeter länger. Auch der Radstand hat sich mit 3,12 Metern leicht vergrößert. Doch im Alltag wesentlich wichtiger ist, dass der T7 bei nahezu identischer Innenhöhe um 7 Zentimeter auf 1,90 Meter in der Höhe geschrumpft ist – das macht ihn jetzt komplett parkhaustauglich!

VW Bulli: Bis zu 4005 Liter Kofferraum

Sitze mit Tisch im VW T7
Eine hohe Variabilität kennzeichnet auch den neuen T7 ∙ © Volkswagen Nutzfahrzeuge

Platz bietet der T7 im Überfluss. In Zahlen: 469 Liter Kofferraumvolumen bei voller Bestuhlung (bis zu sieben Einzelsitze), 1844 Liter bis hinter die zweite Sitzreihe und 3672 Liter bei dachhoher Nutzung hinter der ersten Sitzreihe. Wem das noch nicht genügt, kann sich gegen 1862 Euro Aufpreis (2118 beim 100-kW-Benziner) – bei gleichem Radstand – für die Langversion des Multivan entscheiden: 5,18 Meter Fahrzeuglänge bieten dann maximal Platz für bis zu 4005 Liter.

Zwischen Front und Heck ist Variabilität angesagt. Die Rückbank in der dritten Reihe wurde abgeschafft, es gibt jetzt im Fond nur noch Einzelsitze, die sich ein- und ausbauen und zum leichteren Einsteigen hochklappen lassen. Sie können im Fond einzeln, zu zweit oder zu dritt nebeneinander platziert werden und ermöglichen den Transport von vier Passagieren plus zwei oder drei Fahrrädern.

Doch auch wenn die neuen Sitze um 25 Prozent leichter wurden, wiegen sie mit bis zu 29 Kilo doch noch einen Menge. Weil das neue Schienensystem (auch mit verschiebbarem Trolley-Tisch) mit Strom versorgt wird, können sich sogar die hinten Sitzenden über beheizbare Sitze freuen.

Immer online: Technisch ist der VW Bus up to date

Cockpit des VW T7
Modern und edel: Das Armaturenbrett des VW T7 ∙ © Volkswagen Nutzfahrzeuge

Wie das Exterieur entstand auch das komplette Interieur neu. Sieht alles gut und modern aus, fühlt sich auch gut an – sieht man von den etwas lieblosen Seitenverkleidungen der Türen ab. Weil die Shift-by-wire-Schaltung für das immer serienmäßige DSG-Getriebe und die elektrische Parkbremse in das Armaturenbrett wanderten, konnte auf die Mittelkonsole komplett verzichtet werden – der praktische Durchstieg zwischen Fahrer- und Beifahrersitz funktioniert also.

Nicht zu vergleichen ist dagegen das moderne Bediensystem, wie man es aus dem VW Golf oder ID.3 und ID.4 kennt: Unpraktische und unbeleuchtete Touch-Slider, serienmäßig ein Digital-Cockpit mit einem bis zu 10 Zoll großen Mitten-Display sowie insgesamt 29 Assistenzsysteme – viele davon natürlich optional. Und weil der T7 immer online ist, bietet er die aktuellsten Konnektivitäts-Möglichkeiten.

Serienmäßig kommt der Multivan jetzt immer mit zwei praktischen Schiebetüren, dem Doppelkupplungsgetriebe DSG, Schaltwippen, Keyless-Go sowie Front-/Lane-Assist und Center-Airbag, der sich bei Bedarf zwischen den Vordersitzen aufbläst. Feines Matrixlicht (1368 Euro), Head-up-Display (1243 Euro) und sonstige Zutaten belegen die Aussage von VW Nutzfahrzeuge, mit dem neuen Multivan ein Gefährt mit Premium-Anspruch auf die bis zu 18 Zoll großen Räder gestellt zu haben. 14 bestellbare Außenfarben und drei auffällige Bicolor-Varianten sorgen für den stilvollen Auftritt.

Den VW T7 gibt es auch als Plug-in-Hybrid

Display des VW T7
Antriebsinfo im eHybrid ∙ © Volkswagen Nutzfahrzeuge

Überraschend ist die Motorenstrategie von VW Nutzfahrzeuge zur Markteinführung: Fährt der T6.1 ausschließlich mit Dieselmotoren, hat der neue T7 dagegen gar keinen – zumindest bis Anfang 2022, wenn ein 150-PS-Selbstzünder für 48.748 Euro nachgeschoben wird. Aktuell gibt es den frontgetriebenen Multivan mit zwei Vierzylinder-Turbobenzinern mit 100 und 150 kW (44.839 und 49.932 Euro) sowie einem Plug-in-Hybrid mit 160 kW Systemleistung. Wir konnten alle drei Motoren schon fahren.

Etwas enttäuscht hat der Multivan eHybrid, der mit seiner Batterie (10,4 kWh Nettobilanz) elektrisch bis zu 50 Kilometer weit kommt. Er startet rein elektrisch und hält diesen Zustand, bis der Akku leer ist. Das funktioniert gut. Übernimmt dann aber der 1,4 TSI mit seinen 110 kW/150 PS den Antrieb, verliert der eHybrid seine gelassene Geschmeidigkeit: Das Aggregat hat sichtlich und hörbar Mühe mit dem über zwei Tonnen schweren Van und auch das extra konstruierte 6-Gang-DSG wirkt mit leicht hektischen Schaltvorgängen etwas überfordert. Es lohnt sich also, immer mit voller Batterie zu starten: An der Steckdose dauert der Ladevorgang 5 Stunden, an der Wallbox 3,4 Stunden.

Benziner im VW Multivan? Passt!

Glasdach des VW T7
Es ist Licht: Das große Panoramadach kostet 1139 Euro ∙ © Volkswagen Nutzfahrzeuge

Der kleinere 1,5-Liter-Benziner ist mit 100 kW/136 PS offiziell leistungsschwächer als das Hybrid-Hilfsaggregat, passt aber besser zum neuen VW-Bulli: Mit ihm und dem stets passenden 7-Gang-DSG lässt es sich prima cruisen. Das maximale Drehmoment von 220 Nm klingt nicht nach viel, reicht aber wohl in fast allen Fahrsituationen aus. Wer mehr Leistung braucht, weil er zum Beispiel hohe Anhängelasten zieht (im T7 bis zu 2000 Kilo), kann sich guten Gewissens für den 2.0 TSI mit 150 kW/204 PS und einem Drehmoment von 320 Nm entscheiden. Auch er überzeugt durch Laufruhe, wird aber sicherlich etwas mehr verbrauchen.

Wie viel die Benziner im T7 verbrauchen, bleibt im Dunkeln: VW gibt mit 6,7 (100 kW) und 7,7 Litern Super (150 kW) in seinen Prospekten lediglich veraltete NEFZ- statt realitätsnähere WLTP-Werte an. Hier muss der erste ADAC Test bald für Klarheit sorgen. Dass die Federungs- und Lenkungsabstimmung des Multivans gut gelungen ist, werden wohl auch die ADAC Testingenieure bestätigen.

Anfang 2022 wird ein Diesel mit 110 kW/150 PS kommen, der bis zu einen Liter weniger verbrauchen soll als im T6.1, was unter anderem auf das um bis zu 200 Kilo niedrigere Gewicht und eine ausgefeilte Aerodynamik zurückzuführen ist.

VW T7 Preis: Ab 44.839 Euro

Heckansicht eines fahrenden VW T7
Schick, aber nicht günstig: Der VW T7 ∙ © Volkswagen Nutzfahrzeuge

Günstig ist der T7 mit einem Basis-Preis von 44.839 nicht – und nach oben ist die Grenze je nach Individualisierungswunsch ohnehin offen. Zum Vergleich: Wer mit dem Basis-T6.1 in die Bulli-Klasse einsteigen will, zahlt fast 3000 Euro weniger. Die Ausstattungs-Staffelung wurde neu zusammengestellt: Los geht es beim einfachen Multivan, dann folgen der Life und der Style. Wie gewohnt gibt es ein bestens ausgestattetes Sondermodell namens Energetic, später sollen diverse Editionsmodelle folgen.

Neben dem verbleibenden T6.1 als Transporter und dem neuen Multivan folgen 2022 der dritte und vierte im Bunde der T-Modelle: Der vollelektrische Lifestyle-Van ID. Buzz und der urbane Transporter ID. Buzz Cargo. Dann ist die Bulli-Familie komplett.

Technische Daten VW T7 Multivan

Technische Daten (Herstellerangaben)

VW Nutzfahrzeuge T7 Multivan 1.5 TSI OPF

VW Nutzfahrzeuge T7 Multivan 2.0 TSI OPF

VW Nutzfahrzeuge T7 Multivan 1.4 eHybrid OPF

Motorart

Otto

Otto

PlugIn-Hybrid

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

100

150

160

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

136

204

218

Drehmoment (Systemleistung)

220 Nm

320 Nm

350 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

5.000 U/min

5.000 U/min

5.000 U/min

Antriebsart

Front

Front

Front

Beschleunigung 0-100km/h

13,5 s

9,4 s

11,6 s

Höchstgeschwindigkeit

182 km/h

200 km/h

190 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

-

-

50 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

177 g/km

199 g/km

39 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

7,8 l/100 km

8,8 l/100 km

1,7 l/100 km

Verbrauch Gesamt (NEFZ)

6,6 l/100 km

7,6 l/100 km

1,5 l/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

-

-

13,0

Batteriekapazität (Netto) in kWh

-

-

10,4

Ladeleistung (kW)

-

-

AC:2,3-3,6

Kofferraumvolumen normal

469 l

469 l

469 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

3.672 l

3.672 l

3.672 l

Leergewicht (EU)

1.941 kg

2.002 kg

2.120 kg

Zuladung

659 kg

848 kg

630 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

750 kg

750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.600 kg

2.000 kg

1.600 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre

2 Jahre

2 Jahre

Grundpreis

44.839 Euro

49.932 Euro

57.174 Euro

Länge x Breite x Höhe

4.973 mm x 1.941 mm x 1.907 mm

4.973 mm x 1.941 mm x 1.907 mm

4.973 mm x 1.941 mm x 1.907 mm


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