Reifenkennzeichnung: So lesen Sie einen Reifen

17.07.2019

Autoreifen sind voll mit unterschiedlichen Bezeichnungen und Symbolen. Wir klären auf: Welche Reifenbezeichnungen für den Autofahrer wichtig sind, was sie bedeuten und was aus den Fahrzeugpapieren ablesbar ist. Außerdem: Kennzeichnung von Winterreifen ist beschrieben.

Mann überprüft Reifenkennzeichnung
Foto: Shutterstock/George Rudy

Die Reifengröße in den Fahrzeugpapieren

Reifenkennzeichnung im Fahrzeugschein

Aus der "Zulassungsbescheinigung Teil 1" erfahren Sie, welche Reifengrößen für das Fahrzeug freigegeben sind. Hierzu auf die Zeilen 15.1 und 15.2 achten (siehe Bild) Eingetragen ist hier nur eine Größenkombination. Wenn auf Vorder- und Hinterachse unterschiedliche Reifendimensionen vorgesehen sind, unterscheiden sich die Angaben in den beiden Zeilen. Die eingetragenen Reifengrößen müssen nicht mit der tatsächlich montierten Reifendimension übereinstimmen.

Weitere mögliche Reifengrößen stehen im sogenannten CoC-Dokument ("Certification of Conformity") unter den Ziffern "32. Bereifung der Räder" und/oder "50. Bemerkungen". Das CoC gehört zu den Fahrzeugunterlagen und kann gegebenenfalls beim Markenhändler angefordert werden. Von den Vorgaben in der Zulassungsbescheinigung abweichende Reifendimensionen dürfen Sie nur montieren, wenn Sie die breitere Variante in Ihren CoC-Papieren oder im Serienreifenkatalog des Herstellers finden. Alternativ können auch geprüfte und zertifizierte Umrüstungen vorgenommen werden. Hierzu und zu möglichen Auflagen unbedingt einen Reifenfachmann befragen.

Reifenflanke: Buchstaben, Zahlen und Symbole richtig lesen

Reifenkennzeichnung Autoreifen

Die gesetzlichen Regelungen zur Pkw-Bereifung sind durch §36 StVZO festgelegt. Wir sagen Ihnen, wie Sie die Buchstaben, Zahlen und Symbole richtig lesen.

Reifenbreite

Die Reifenbreite wird grundsätzlich in Millimetern (hier: 225 mm) angegeben. Bei Pkw-Reifen reichen die Querschnittsbreiten von nominell 125 mm bis ca. 335 mm. Die Breiten steigen in 10-mm-Schritten. 

Die tatsächliche Reifenbreite kann von den nominellen Angaben geringfügig abweichen. Außerdem ist sie natürlich abhängig von der Breite der Felge, auf der der Reifen montiert ist.

Die Normung der Reifen erlaubt es, die meisten Reifen auf Felgen verschiedener Breiten zu montieren. Allerdings kann es sein, dass auf bestimmten Fahrzeugen nur Reifen in Kombination mit bestimmten Felgen zulässig sind. Auch der Einsatz von Schneeketten kann an bestimmte Reifen- und Felgenbreiten gebunden sein. Zu beachten sind hierzu die Hinweise in den Fahrzeugpapieren und in der Bedienungsanleitung des Fahrzeugs.

Höhen-Breiten-Verhältnis

Hier geht es um das Verhältnis von Reifenhöhe zu Reifenbreite in Prozent. Ein 70 bedeutet, dass der Reifenquerschnitt eine Höhe von 70 Prozent der Reifenbreite hat. Eine 50 bedeutet, dass die Reifenhöhe halb so groß ist wie die Reifenbreite. Der Fachmann spricht hier auch von Serie 50 oder 50er-Reifen. 

Mit fallendem Verhältnis, beispielsweise 225/45, wird die Reifenflanke immer niedriger – ein typisches Erscheinungsbild sportlicher oder getunter Autos.

Reifenbauart 

R steht für Radial (häufig auch ausgeschrieben). Es handelt sich um die heute übliche Bauart mit radial angeordneten Karkassfäden – das stützende Skelett des Reifens. Die früher üblichen Diagonalreifen, gekennzeichnet durch ein D, dürfen heute nur noch bei Oldtimern verwendet werden.

Sollte dem Buchstaben R ein F folgen, so handelt es sich um einen Run-Flat- oder auch Notlaufreifen. Auf Pkw dürfen grundsätzlich nur Reifen einer Bauart montiert werden. Mischbereifung ist nicht zulässig, unter Umständen sind Ausnahmen erlaubt.

Felgendurchmesser

Die Zahl nach dem Buchstaben steht für den Felgendurchmesser. Der Felgendurchmesser wird gemessen an dem Ring, auf dem der Reifenwulst an der Felge aufliegt, das Maß wird meist in Zoll (2,54 Zentimetern) angegeben. Die gängigsten Maße reichen von 10 bis 20 Zoll.

Tragfähigkeitskennziffer oder Lastindex

Auch Tragfähigkeitsindex oder Loadindex genannt, Abkürzung LI. Der Lastindex gibt die Belastbarkeit des Reifens an. Jedem LI-Wert wird eine bestimmte Belastbarkeit des Reifens bei einem vorgegebenen Luftdruck von 2,5 bar zugeordnet. Jede Reifendruckreduzierung verringert die Tragfähigkeit des Reifens. 

Neben dem Geschwindigkeitsindex ist der Lastindex eine wichtige Angabe, die die maximale Belastbarkeit der Reifen anzeigt. Dieser Index selbst ist eine Kennziffer, die mittels einer Tabelle einer Radlast in Kilogramm zugeordnet wird. Eine ausführliche Lastindex-Tabelle finden Sie unter Punkt 2e im ausführlichen PDF., 1,29 MB

Die montierten Reifen müssen mindestens dem in den Fahrzeugpapieren angegebenen LI entsprechen, höhere Werte sind zulässig. Zu Ausnahmen von dieser Vorschrift, siehe Punkt 3 im ausführlichen PDF. , 1,29 MB

Die Luft im Reifen trägt die Last. Zu wenig Reifendruck kann deswegen gefährlich werden, im schlimmsten Fall platzt der Reifen wegen Überhitzung und mechanischer Überlastung.. Wenn der Luftdruck korrekt ist, sind Sie nicht nur sicherer unterwegs, sondern sparen auch noch Sprit.

Reifenkennzeichnung Autoreifen

Geschwindigkeitsindex oder Speed-Index

Auch Geschwindigkeitssymbol genannt, Abkürzung GSY. Der letzte Buchstabe in dieser Reihe gibt die maximale Geschwindigkeit an, mit der die Reifen gefahren werden dürfen. Den Kennbuchstaben sind nachfolgende Höchstgeschwindigkeiten zugeordnet. Das T in unserem Beispiel steht für 190 km/h.

Bei Reifen, die für Geschwindigkeiten von mehr als 210 km/h (Speed-Index H) zugelassen sind, sinkt die Reifentragfähigkeit mit dem Maß der gefahrenen Geschwindigkeit oberhalb 210 km/h

Eine ausführliche Speedindex-Tabelle finden Sie unter Punkt f im ausführlichen PDF., 1,29 MB

Laufrichtungsbindung 

Überwiegend an Reifen mit besonderer Profilgestaltung. An der Reifenflanke finden sich dann Bezeichnungen wie Rotation, Drehrichtung, Direction, in Kombination mit einem Laufrichtungspfeil. Bei der Reifenmontage ist diese vorgegebene Dreh- oder Laufrichtung zu beachten.

Einzelne Reifentypen sind auf der Flanke mit der Aufschrift "Außenseite" oder "Out-Side" gekennzeichnet. Die Profile dieser Reifen sind dabei so gestaltet, dass die Reifen im montierten Zustand ein "ungleiches" Profilbild für die rechte und linke Seite ergeben. Dies ist von den Herstellern so vorgesehen und hat keine negativen Auswirkungen auf die Reifeneigenschaften.

Tubeless / schlauchlos

Pkw-Reifen sind üblicherweise "Schlauchlos"-Typen. Das Einziehen eines Schlauches ist nicht nur überflüssig, es ist – von wenigen Ausnahmen abgesehen – nicht zulässig. Bei einer Reifenpanne mit Luftverlust darf das Einlegen eines Schlauches nur ein kurzfristiger Notbehelf sein. Meistens ist dies gar nicht möglich.

Winterreifen / Ganzjahresreifen

Wer Winterreifen kauft, sollte nicht nur auf Qualität, individuelle Fahreigenschaften und den Preis achten, sondern auch auf das sogenannte „Alpine“-Symbol. Das dreigezackte Bergpiktogramm mit der Schneeflocke in der Mitte ist Pflicht für alle Winterreifen, die seit 1. Januar 2018 hergestellt werden.

Das bisherige M+S-Zeichen reicht dann für neu produzierte Winterreifen nicht mehr aus. Übergangsweise (bis 30. September 2024) erfüllen jedoch bereits hergestellte Reifen mit M+S-Kennzeichnung noch die Winterreifenpflicht. Verbraucher müssen ihre bereits vorhandenen Winterreifen also nicht sofort ersetzen.

Für Winter- und Ganzjahresreifen, die mit M+S und/oder dem Alpine-Piktogramm-Symbol versehen sind, gilt als Besonderheit, dass ihr Speed-Index (siehe oben) unter der bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit (bbH) des Fahrzeugs liegen kann. Bedingung: Der Fahrer wird durch einen Aufkleber im Sichtfeld über die reduzierte Höchstgeschwindigkeit informiert. Alternativ können auch entsprechende Einstellungen in dem Bordcomputer vorgenommen werden, z.B. Tempolimiter in Kombination mit Infohinweisen im Display.

Verschleißanzeiger

Auch Treadwear Indicator oder TWI genannt. An sechs Stellen des Reifenumfangs sind beidseitig am Rand der Lauffläche klein die Buchstaben "TWI" (oder ein Firmenlogo) eingeprägt. Auf Höhe der TWI-Kennzeichnungen sind im Grund der Hauptprofilrillen Erhebungen (Stege) angebracht. Neben den einzelnen TWI- Stegen sollte die Profiltiefe regelmäßig gemessen werden. 

Bis zur Profiltiefe von 1,6 mm sollte der Reifen möglichst nicht abgefahren werden: Die Haftung einiger Reifenmodelle nimmt bereits unterhalb einer Profiltiefe von 3 bis 4 Millimetern auf Nässe und Schnee deutlich ab.

DOT Nummer auf einem Reifen
Foto: ADAC/Eva Fleischmann

Produktionsdatum, "DOT-Nummer" und „E“-Prüfzeichen

Wann ein Reifen hergestellt wurde, erkennen Sie auf der Reifenflanke: Das Alter ist meist als vierstellige Ziffernfolge in der DOT-Nummer eingeprägt. Die vollständige DOT-Nummer besteht aus drei Blöcken mit jeweils vier Zeichen. Für das Herstellungsdatum relevant ist der dritte Ziffernblock. Er steht meist etwas abgesetzt in einem Oval. Die ersten zwei Ziffern stehen für die Produktionswoche, die letzten zwei für das Herstellungsjahr.

Im Bild bedeutet die Ziffernfolge 0408: 4. Produktionswoche im Jahr 2008.

Tatsache ist: Frischer Gummi greift am besten. Unsere Untersuchungen mit ungenutzten Neureifen haben gezeigt, dass sich die technischen Eigenschaften über die Jahre negativ verändern können. Älter als zwei Jahre sollte kein Neureifen sein – darauf können Sie schon bei der Auftragsvergabe hinweisen.

Hier lesen: Wie alt darf ein neuer Reifen sein? 

Notlauf- oder Run-Flat-Reifen

Diese Reifen verfügen mehrheitlich über verstärkte Reifenflanken, die das Fahrzeug auch bei geringen Fülldrücken tragen können. Dabei müssen Geschwindigkeit und Fahrweise an die Notfallsituation angepasst werden.

Die Fahrzeugbedienungsanleitung gibt Auskunft über die Betriebsvorschriften.
Bislang werden Notlauf- oder Run-Flat-Reifen (RFT) auf der Flanke überwiegend in gleicher Weise gekennzeichnet wie Standardreifen mit herkömmlichen Seitenwänden. Es wird erwartet, dass im Laufe der nächsten Jahre in den Zulassungsbescheinigungen von einzelnen Pkw, die serienmäßig oder optional mit Run-Flat-Reifen ausgerüstet sind, Reifendimensionen mit einer RF-Kennzeichnung eingetragen werden.

Grundsätzlich empfehlen die Fahrzeughersteller und der ADAC schon jetzt auf Fahrzeugen, die für Run-Flat-Reifen ausgelegt sind, nur Run-Flat- Reifen zu montieren, selbst wenn in den Zulassungsbescheinigungen Standarddimensionen eingetragen sind und damit die Verwendung von Standardreifen erlaubt ist.

Weitere Informationen dazu im ausführlichen PDF, 1,29 MB

Reifen für Noträder

Einige Fahrzeuge sind nicht mit vollwertigen Ersatzrädern, sondern mit sogenannten Noträdern ausgerüstet. Diese dürfen im Fall einer Reifenpanne an Stelle des defekten Rades als Notbehelf montiert werden, um z.B. eine langsame Weiterfahrt (üblicherweise maximal 80 km/h) bis zur nächsten Werkstatt zu ermöglichen.

Die Noträder und ihre Dimensionen sind überwiegend nicht in den Fahrzeugpapieren eingetragen. Sie dürfen deswegen auch nicht regulär und dauerhaft genutzt werden. Die Reifen dieser Noträder tragen ähnliche Dimensionsangaben wie Standardreifen, z.B. T 155/70 R 17. Der entscheidende Unterschied ist der Großbuchstabe „T“, der vor der Breitenangabe des Reifens steht. Der Buchstabe T steht für Temporary use only, also nur für den kurzzeitigen Gebrauch.

Die Reifen müssen, wenn nicht anderes vom Fahrzeughersteller vorgeschrieben ist, mit einem Luftdruck von 4,2 bar befüllt sein, um die oben angegebene Tragfähigkeit aufzuweisen. Deswegen sollte der Luftdruck des Notrades regelmäßig geprüft und eingestellt werden.

Runderneuerte Reifen

Sie tragen als Kennzeichnung R, runderneuert, retread oder retreaded. Das Datum der Runderneuerung wird in gleicher Weise wie das Herstellungsdatum von vollständig neu produzierten Reifen angegeben. Seit 2006 dürfen nur runderneuerte Reifen verkauft werden, die wie vollständig neu gefertigte Reifen mit einem E-Prüfzeichen versehen sind. Es ist empfehlenswert, nur Reifen mit dieser E-Kennzeichnung zu erwerben.

Welche Abweichungen zwischen Fahrzeugschein und Reifen sind erlaubt? Siehe dazu Punkt 3 im ausführlichen PDF., 1,29 MB

Hier lesen: Informationen zu Motorradreifen