Geschwindigkeitsindex: Wie schnell darf mein Reifen fahren?

5.7.2019

Was Sie zum Speed-Index eines Reifens wissen müssen: Die Vorschriften, die erlaubten Höchstgeschwindigkeiten mit Übersichtstabelle und wichtige Ausnahmen.

Nahaufnahme fahrender Reifen
Autoreifen müssen auch hohes Tempo aushalten
  • Verschlüsselt: Angaben im Kfz-Schein und auf dem Reifen
  • Mit praktischer Geschwindigkeitsindex-Tabelle
  • Speed-Index-Prüfung auch Teil des ADAC Reifentests

Der Reifen-Geschwindigkeitsindex oder Speed-Index gibt an, für welche Höchstgeschwindigkeit ein Reifen zugelassen ist. Bis zu diesem Wert garantiert der Hersteller bei korrektem Reifendruck einen einwandfreien Dauerbetrieb. Bei einem höheren Tempo besteht die Gefahr, dass sich der Reifen zu sehr erhitzt, und durch die Zentrifugalkraft die Lauffläche von der Karkasse löst.

Der Geschwindigkeitsindex wird im Testlabor überprüft. Dies geschieht auf einem Rollprüfstand, wo die Laufgeschwindigkeit des Reifens im Abstand von 10 min. um 10 km/h gesteigert wird, bis der angegebene Höchstwert erreicht ist. Um den Test zu bestehen, muss der Reifen bei verschiedenen simulierten Beladungszuständen eine bestimmte Geschwindigkeit halten können. 

Ein ähnlicher Schnelllauftest ist auch fester Bestandteil der ADAC Reifentests. Sollte hier ein Reifen Auffälligkeiten zeigen, finden Sie das in der Ergebnistabelle und ADAC-Testurteil vermerkt.

Wo finde ich den Speed-Index?

Zoom-In
Geschwindigkeitsindex Reifen
Geschwindigkeitsindex: Der Buchstabe "H" verrät das erlaubte Tempo

Die zulässige Reifen-Höchstgeschwindigkeit, mit der ein Autoreifen gefahren werden darf, finden Sie in der offiziellen Reifenbezeichnung auf der Reifenflanke und in den Fahrzeugpapieren. Der letzte Buchstabe, den wir in der Tabelle weiter unten der entsprechenden Geschwindigkeit zugeordnet haben, verrät das erlaubte Tempo.

In unserem Beispiel steht "225/45 R 17 H" auf der Reifenflanke. "H" ist der Geschwindigkeitsindex. Das bedeutet: Dieser Reifen ist für eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h erlaubt.

Welche Reifen mit welchem Speed-Index Sie für Ihr Auto benötigen, geht aus den Eintragungen in den Zeilen 15.1 und 15.2 der "Zulassungsbescheinigung Teil 1" (Fahrzeugschein) hervor. Eingetragen ist hier nur eine Größe bzw. eine Größenkombination, wenn auf Vorder- und Hinterachse unterschiedliche Reifendimensionen vorgesehen sind. 

Die hier eingetragenen Reifengrößen und der Geschwindigkeitsindex müssen nicht mit der tatsächlich montierten Reifendimension übereinstimmen. Weitere mögliche Reifengrößen stehen im sogenannten CoC-Dokument ("Certification of Conformity", deutsch: "EG Übereinstimmungserklärung") unter den Ziffern "32. Bereifung der Räder" und/oder "50. Bemerkungen".

Das bedeuten die Speed-Index-Buchstaben

Den zulässigen Höchstgeschwindigkeiten sind feste Kennbuchstaben zugeordnet, die wir für die gängigsten Tempi in der Tabelle zusammengefasst haben. 

Wichtig: Wenn ein Reifen für höhere Geschwindigkeiten freigegeben ist, als laut Fahrzeugschein nötig wäre, ist das natürlich erlaubt. Man darf also z.B. einen "schnelleren" W-Reifen (270 km/h) fahren, wenn im Schein "nur" ein V-Reifen (240 km/h) eingetragen ist. 

Ist der Geschwindigkeitsindex aber niedriger als eingetragen, dann darf der Reifen nicht gefahren werden. Hiervon gibt es auch bei der Standard-Sommerbereifung vereinzelt Ausnahmen, nämlich dann, wenn der Fahrzeughersteller bezüglich der Höchstgeschwindigkeit deutlich "überdimensionierte" Reifen für die Serienbereifung eingetragen hat. Über Details kann eine Reifenfachwerkstatt Auskunft geben.

Der Geschwindigkeitsindex im Überblick

Geschwindigkeitssymbol (GSY) Zul. Höchstgeschwindigkeit
P 150 km/h
Q 160 km/h
R 170 km/h
S 180 km/h
T 190 km/h
H 210 km/h
V 240 km/h
VR über 210 km/h
W 270 km/h
Y 300 km/h
ZR über 240 km/h

 

Zwei Dinge sind beim Lesen der Tabelle noch zu beachten:

Reifen mit dem Speed-Index VR (Höchstgeschwindigkeit über 210 km/h) und ZR (über 240 km/h) in den Fahrzeugpapieren waren früher für schnelle, ältere Fahrzeuge vorgeschrieben, sind aber nicht genormt und werden deshalb vielfach nicht mehr angeboten. Wenden Sie sich deshalb an Ihren Reifenhändler: Er weiß, welchen Reifen Sie mit den aktuellen Index-Symbolen ersatzweise fahren dürfen.

Der Fachhändler berät auch dann, wenn Reifen für Geschwindigkeiten von mehr als 210 km/h (Speed-Index H = Hochgeschwindigkeit) zugelassen sind. Denn deren Tragfähigkeit sinkt mit dem Maß der gefahrenen Geschwindigkeit oberhalb 210 km/h. Er hat Tabellen, in denen er zum Beispiel nachlesen kann: Die Tragfähigkeit eines V-Reifens sinkt bei der möglichen Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h auf 91 Prozent seiner ausgewiesenen Tragfähigkeit.

Die Tragfähigkeit, die sich auf die zulässige Achslast eines Fahrzeugs bezieht, wird durch die Zahl definiert, die direkt vor dem Speed-Index-Buchstaben steht.

Ausnahme: Winterreifen

Für Winter- und Ganzjahresreifen, die mit M+S-Symbol, das noch bis 2024 gilt, und/oder dem neuen Alpine-Piktogramm-Symbol versehen sind, gilt: Ihr Speed-Index darf unter der bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs liegen. Allerdings muss dann der Fahrer mittels Aufkleber im Sichtfeld oder Displayanzeige über die reduzierte Höchstgeschwindigkeit der Reifen informiert werden. Und er muss diese Höchstgeschwindigkeit natürlich auch einhalten.

Eine Sonderregelung, die mit dem Speed-Index zu tun hat, gilt auch für die Verwendung von M+S-Reifen im italienischen Sommer: In den Sommermonaten (vom 16. Mai bis 14. Oktober) darf nach einer Verordnung des italienischen Transportministeriums mit Winter- oder Ganzjahresreifen (Reifen mit M+S-Kennzeichnung) nur dann gefahren werden, wenn diese einen Geschwindigkeitsindex aufweisen, der mindestens dem in der Zulassungsbescheinigung Teil I festgesetzten Geschwindigkeitsindex der Standardbereifung (Sommerreifen) entspricht.

Ausdrücklich nicht vom Verbot betroffen sind dagegen Winter- oder Ganzjahresreifen mit Geschwindigkeitsindex "Q" oder darunter, die häufig bei Wohnmobilen oder geländegängigen Fahrzeugen verwendet werden, solange der in den Zulassungspapieren geforderte Geschwindigkeitsindex erreicht oder überschritten wird.

In der Zeit zwischen dem 15. Oktober und 15. Mai des Folgejahres (Winterhalbjahr) gilt wieder die übliche Regelung: In diesem Zeitraum dürfen wegen der Winterreifenpflicht auch solche Reifen verwendet werden, die einen niedrigeren Geschwindigkeitsindex aufweisen, als in den Fahrzeugpapieren vorgesehen ist – natürlich mit dem entsprechendem Geschwindigkeitsaufkleber im Sichtfeld des Fahrers.

 

Weitere Tipps zum Reifenkauf

Text: Thomas Kroher. Foto: iStock.com/supergenijalac. Grafik: ADAC Motorwelt

Kontakt zur Redaktion:  redaktion@adac.de