Run-Flat-Reifen bieten bei Reifenpannen Sicherheit

19.11.2019

Mit Notlauf-Reifen kann man mit einem luftleeren Reifen sicher in die Werkstatt zum Reifenwechsel weiterfahren. Alles, was Sie über die Runflat-Technik wissen müssen.
 
RUF runflat Platter Reifen mit Nagel
Wenn jetzt die Luft raus geht, fahren Run-Flats weiter
  • Verstärkte Seitenwand stabilisiert bei Druckverlust
  • Komfort inzwischen auf gutem Niveau
  • Übersicht der unterschiedlichen Modelle

Der Schrecken jedes Autofahrers: Bei voller Fahrt auf der Autobahn platzt plötzlich ein Reifen, das Fahrzeug kommt ins Schlingern und kann nur mit viel Geschick und Glück sicher auf den Standstreifen gelenkt werden. 

Pech gehabt? Auf alle Fälle – aber eben keine Run-Flat- oder Notlaufreifen. Mit ihnen hätte sich das Fahrzeug nur leicht gesenkt und wäre in der Spur geblieben. Doch wie schaffen die das?

Notlauf-Reifen fahren auch ohne Luft

Zoom-In
RUF runflat Vergleich Reinforced Sidewall
Links: Standard-Reifen, rechts: Run-Flat – luftleer sind beide 

Das Prinzip Run-Flat hat sich Bridgestone ausgedacht, doch heute bieten alle großen Reifenfirmen ähnliches an. Der "Läuft platt"-Reifen hat etwa doppelt so dicke Flanken wie ein Standardreifen. Wenn die Luft entweicht, tragen die starken Gummiwände das Gewicht des Autos. Durch das Fahren ohne Luft walkt der Reifenmantel stark. Auf die dabei entstehende Hitze sind die speziellen Gummimischungen des Run-Flat abgestimmt.

Damit der Fahrer die Panne überhaupt bemerkt, schlagen Reifen-Sensoren bei Druckverlust im Cockpit Alarm. Je nach Bauweise sitzt entweder ein Sensor direkt im Reifen und misst dort den Druck und Temperatur oder die Sensorsignale des ABS werden ausgewertet.

Das Auto kann jetzt weiterfahren, allerdings mit Einschränkungen. In der Regel garantieren die Fahrzeughersteller mit platten Run-Flat-Reifen eine Reichweite von noch 80 Kilometern bei einer Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h. Genauere Regelungen dazu findet man im Betriebshandbuch.

Das Run-Flat-Angebot und die Modelle

Als erster Autohersteller stattete BMW im Jahr 2000 den Sportwagen Z8 mit Run-Flat-Reifen aus. Heute bekommt man bei BMW und auch bei Mercedes alle Modelle mit Run-Flat – oft aber nur, wenn man größere Felgen bestellt. Der Hintergrund: Bei größeren Rädern haben die niedrigeren Reifenseitenwände ohnehin eine höhere Steifigkeit, wodurch beim entwickeln der Notlaufeigenschaft Material und Gewicht gespart werden kann. Runflat-Reifen gibt es deswegen vorrangig bei Breitreifen mit niedrigen Flanken. Auch bei Toyota, VW und den meisten Konkurrenten weltweit gilt: Wer Run-Flat will, muss mehr zahlen.

Notlaufreifen, die auch als "Reifen mit Notlaufeigenschaften" bzw. "selbsttragende Reifen mit Notlaufeigenschaften"  bezeichnet werden, tragen je nach Hersteller auf der Reifenflanke unterschiedliche Aufschriften:
  • Bridgestone: RFT (Run-Flat-Tyre)
  • Continental: SST (Self Supporting Tyre)
  • Dunlop: DSST (Dunlop Self Supporting Technology) oder ROF (RunOnFlat)
  • Goodyear: ROF (RunOnFlat)
  • Hankook: HRS (Hankook Runflat System)
  • Michelin: ZP (Zero Pressure) oder SST (Self Supporting Tyre)
  • Pirelli: Run Flat, bei einigen Modellen Eufori@

Hatte früher der dicke Run-Flat immer noch den Ruf, etwas unkomfortabler zu sein als seine schlanken Kollegen, stimmt das heute nicht mehr. ADAC-Tests mit Notlaufreifen der neueren Generation beweisen, dass heute von diesem Nachteil beim Fahren kaum noch etwas zu spüren ist.

Ähnlich gut sieht es beim Rollwiderstand aus: Runf-Flat-Reifen der neuesten Generation erhöhen den Kraftstoffverbrauch in der Regel nicht.

Dass sie trotz optimierten Profils in der Praxis nicht vergleichbar gut wie die konventionellen Reifen abschneiden können, liegt insbesondere am Mehrgewicht der Run-Flats – sie sind etwa 0,3 kg schwerer als die Standardausführungen. So wird für jeden Beschleunigungsvorgang etwas mehr Energie benötigt, um in Schwung zu kommen. (Massenträgheitsmoment)

Das müssen Sie bei Notlaufreifen beachten

Es könnte sein, dass im Laufe der nächsten Jahre in den Zulassungsbescheinigungen von einzelnen Pkw, die serienmäßig oder optional mit Run-Flat-Reifen ausgerüstet sind, Reifendimensionen mit einer RF-Kennzeichnung eingetragen werden. Beispiel: 205/55 RF 16 (statt 205/55 R 16) in der "Zulassungsbescheinigung Teil I" bzw. in der "EG-Übereinstimmungserklärung". 

Reifen mit dieser Kennzeichnung sind Reifen eigener Bauart. Deswegen dürfen in diesem Fall nur noch Run-Flat-Reifen entsprechender Spezifikation gefahren werden. Ein Ersatz dieser Run-Flat-Reifen durch Reifen gleicher Dimension ohne F ist nicht zulässig. Ausnahmen müssen durch "Unbedenklichkeitserklärungen" der Hersteller geregelt werden. 

Grundsätzlich empfehlen die Fahrzeughersteller und der ADAC schon jetzt auf Fahrzeugen, die für Run-Flat-Reifen ausgelegt sind, nur Run-Flat- Reifen zu montieren – auch wenn in den Zulassungsbescheinigungen Standarddimensionen eingetragen sind und damit die Verwendung von Standardreifen erlaubt ist.

Und: Die Montage und Demontage der Run-Flat-Reifen, deren Reifenflanken aus geometrischen oder konstruktiven Gründen weniger elastisch sind, erfordert von dem Monteur besondere Vorsicht und Vorgehensweise. Auch die Montage- und Demontagemaschinen müssen besondere Voraussetzungen erfüllen, damit der Reifen während dieser Arbeiten unbeschädigt bleibt.
 

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Text: Thomas Kroher. Fotos: Bridgestone.
Kontakt zur Redaktion: redaktion@adac.de

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