Test Renault Austral: So gut ist das Kompakt-SUV

Video: Der Renault Austral im ADAC Test ∙ Bild/Video: © ADAC e.V.

Renault Austral heißt der Nachfolger des Kadjar. Der 4,51 Meter lange Fünftürer orientiert sich optisch am Elektromodell Mégane E-Tech, setzt technisch auf Mild- und Vollhybrid-Motoren. ADAC Tests von Mild- und Vollhybrid mit allen Daten, Infos, Preisen

  • Der Renault Austral hat den Kadjar ersetzt

  • Preise von 31.450 bis 44.950 Euro

  • Motoren: Zwei Benziner mit 140 und 160 PS, ein Vollhybrid mit 200 PS

R4, R5, R16: Was waren das für innovative Fahrzeugkonzepte, mit denen Renault Automobilgeschichte schrieb. Und heute? Avantime, Vel Satis, Safrane, Latitude oder Fluence das sind nur einige Renault-Modellnamen aus jüngerer Vergangenheit, die schon weitgehend in Vergessenheit geraten sind. Ein Schicksal, das auch das SUV-Modell Kadjar ereilte: Da es ihm nicht gelang, am Bestseller VW Tiguan anzuknüpfen, ist der Name ins Firmenarchiv gewandert – und hat Platz gemacht für den Austral.

Der Renault Austral sieht sportlich aus

Fahraufnhame von der Seite des Renault Austral
Renault Austral mit eleganter Seitenlinie© Renault

Nein, aus Australien kommt der neue Elektro-SUV nicht. "Austral" ist ein heute kaum noch genutztes Wort für "südlich" – und das soll laut Renault "bei den Kunden die Bilder grenzenloser Weite des Südens erwecken und deren endlose Möglichkeiten symbolisieren". Na ja, gefallen soll er den Käufern halt. Und da macht es einem der Austral mit seiner ansprechenden Linienführung mit einem sanft nach hinten abfallenden Dach, kurzen Überhängen und der hohen Fensterlinie leicht.

Die Frontpartie wirkt wuchtig und ähnelt der des elektrischen Mégane E-Tech, trägt aber als Benziner einen markanten Kühlergrill ober- und unterhalb des Stoßfängers. Typisch für den Austral ist die C-förmige Signatur des LED-Tagfahrlichts, deren Leiste über den Scheinwerfern beginnt und dann schwungvoll gen Zentrum der Front abbiegt. Hinten verläuft über nahezu die gesamte Fahrzeugbreite ein LED-Rückleuchtenband.

Austral: Innenraum wie im Elektro-Mégane

Fahraufnahme des Renault Austral seitlich von hinten
Das Rückleuchtenband wird nur vom Renault-Logo unterbrochen© Renault

Größer sind die Ähnlichkeiten zwischen Austral und Elektro-Mégane im Innenraum. Die beiden 12-Zoll-Monitore vor dem Fahrer und im Zentrum des Armaturenbretts (ab Ausstattung Techno) verschmelzen zu einem großen Ganzen. Inklusive des Head-up-Displays (als Bestandteil des Advanced Driving Assist-Pakets für 900 Euro beim Iconic und für 700 Euro beim Iconic Esprit Alpine) kommt da eine Menge Anzeigefläche zusammen. Bedient werden die Funktionen bevorzugt über den Touchscreen, für die wichtigsten Befehle stehen aber noch Schalter zur Verfügung – gut so.

Doch noch besser ist die Sprachbedienung über Google-Assist, die dank Online-Anbindung voll auf Höhe der Zeit ist. Immer mit dem Internet verbunden, kann er diverse Google-Apps nutzen, Updates empfangen und einige Einstellungen mit Sprachbefehl steuern. "Funktioniert tadellos", sagen die ADAC Ingenieure.

Etwas irritierend ist zunächst der große Hebel auf der Mittelkonsole, der an einen Schubhebel im Flugzeug erinnert. Er dient nämlich nicht zur Bedienung der 15-stufigen Multi-Mode-Automatik, sondern lediglich als Handauflage über der Becher- und Handyablage. Hier lässt sich auch der Fahrzeugschlüssel verstecken, während das Fahrtprogramm am kleinen Lenkstockhebel rechts gewählt wird.

Je nach Ausstattung und Aufpreis glänzt der Austral mit ansehnlichen Materialien in Holz- oder Karbonoptik, gesteppten Sitzbezügen und manchem mehr, was in dieser Klasse nicht überall zu finden ist. Wie inzwischen üblich, orientiert sich die Materialauswahl an der Sicht- und Griffachse der Insassen: Oben wertig und geschäumt, doch je weiter man nach unten geht, umso härter wird das Plastik. In den Ablagen der Türen reicht's dann nicht mal mehr für eine lärmmindernde Filzschicht.

Austral: Ordentliches Platzangebot

Innenansicht des Renault Austral auf der Beifahrerseite
Im Sichtbereich sind alle Materialien hochwertig© Renault

Der Austral baut mit 4,51 Meter Länge, 1,62 Meter Höhe und 1,83 Meter Breite auf der jüngsten Generation der Renault-Nissan-Mitsubishi-Plattform CMF-CD auf. Mit ihr geht das Platzangebot für Fahrer, Passagiere und Gepäck für die Kompaktklasse in Ordnung. Die Beinfreiheit in Reihe eins reicht für rund 1,90 Meter große Menschen, die Kopffreiheit würde selbst deutlich über zwei Meter großen Personen genügen.

Im Fond geht es nur einen Tick enger zu. Sind die Vordersitze für 1,85 Meter große Personen eingestellt, reicht die Beinfreiheit dahinter dennoch für gut 1,90 Meter große Leute. Über dem Scheitel ist dann sogar noch etwas Luft, hier könnte man annähernd zwei Meter groß sein. Weit öffnende Türen erleichtern zusätzlich den Einstieg.

Ab der Version Techno ist der Austral mit einer im Verhältnis 1:2 geteilten Rückbank ausgestattet, deren Segmente sich unabhängig voneinander um jeweils 16 Zentimeter längs verschieben lassen. Je nachdem, ob maximale Beinfreiheit oder größtmögliche Ladekapazität benötigt werden, stehen dann laut Renault zwischen 500 und 575 Liter Kofferraumvolumen zur Verfügung (beim Hybrid: 430 bis 550 Liter). Wird die Sitzbank umgeklappt, steigt die Kofferraumgröße sogar auf bis zu 1525 Liter (Hybrid: 1455 Liter). Nach der ADAC Messmethode liegen die Werte beim Hybrid zwischen 395 und 1450 Liter, zusätzlich lassen sich im Ablagefach unterhalb des Kofferraumbodens weitere 80 Liter verstauen.

Motoren: Weder Diesel noch Plug-in-Hybrid

Fahraufnahme von vorne des Renault Austral Hybrid
Direkt vorn vorne wirkt der Austral fast wuchtig© Renault

Wesentliche Neuerungen im Vergleich zum Kadjar finden sich im Motorraum. Ein Diesel, der in dieser Fahrzeugklasse lange die erste Wahl war, wird nicht angeboten. Beim Antrieb setzt Renault im Austral konsequent auf Hybridisierung. Für das SUV-Modell steht die neu entwickelte und vom ADAC getestete Vollhybridversion E-Tech Full Hybrid 200 (146 kW) zur Wahl. Dazu die Turbobenzinvarianten Mild Hybrid 140 (103 kW) und 160 Automatik (116 kW). Auch Letztere absolvierte den ausführlichen ADAC Test. Einen Plug-in-Hybrid gibt es nicht.

Die technische Basis für die Mildhybrid-Antriebsvarianten ist ein Vierzylinder-Turbobenzinmotor mit 1,3 Liter Hubraum, der durch einen Riemenstarter-Generator und einen unterhalb des Beifahrersitzes angeordneten 12-Volt-Lithium-Ionen-Akku beim Starten und Beschleunigen unterstützt wird und beim Verzögern rekuperiert. Das soll Sprit sparen. Laut WLTP-Norm verbraucht der 140er 6,2 l/100 km, der 160er 6,3 l/100 km.

Im ADAC Test lag er mit nicht gerade berauschenden 6,7 Liter je 100 Kilometer nur leicht darüber. Weil er mit sehr geringen Schadstoffemissionen aufwartet, gibt es trotzdem vier von fünf möglichen Ecotest-Sternen. Der Antritt in niedrigen Geschwindigkeitsbereichen ist durchaus zügig, so geht es in 1,4 Sekunden von 15 auf 30 km/h. Den Zwischenspurt von 60 auf 100 km/h absolviert der Franzose in 5,7 Sekunden. Renault gibt den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h mit 9,7 Sekunden an, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 174 km/h.

Bei der Vollhybridvariante E-Tech Full Hybrid 200 sind neben dem 1,2-Liter-Turbobenziner mit drei Zylindern (96 kW/131 PS) zwei Elektromotoren an Bord (zusammen 50 kW/68 PS), die sich aus einer 1,7-kWh-Batterie bedienen und sich am Antrieb beteiligen. Gemeinsam kommt das Duo auf 146 kW/200 PS. Den Zwischenspurt von 60 auf 100 km/h absolviert der Franzose in 4,1 Sekunden, von 80 auf 120 km/h braucht er mit 4,8 Sekunden kaum länger. Renault gibt den Sprint aus dem Stand auf 100 km/h mit 8,4 Sekunden an, die Spitze beträgt ebenfalls 174 km/h.

360-Grad-Blick in den Innenraum

Renault Austral: Der Vollhybrid fährt mühelos

Wie bei einem Vollhybrid üblich, wird die Batterie über den Verbrenner und via Rekuperation beim Bremsen nachgeladen. Laut Renault reichen drei starke Bremsungen aus, um den Akku wieder zu 80 Prozent zu füllen. Im Stadtverkehr soll der Austral zu gut 80 Prozent elektrisch unterwegs und so 40 Prozent sparsamer sein als ein klassischer Verbrenner. Im Gegensatz zu einem Plug-in-Hybrid hat er keinen Stecker und wird nicht extern geladen, kann aber auch höchstens zwei Kilometer ohne den Verbrennungsmotor auskommen.

Je nach Energiebedarf, Leistungsabgabe, Ladestand des Akkus und aktiviertem Fahrprogramm ermöglicht das Renault-System den Betrieb im vollelektrischen Modus sowie im seriellen Hybridmodus (Motor treibt nur Generator zur Batterieladung an) oder parallelen Modus (Motor unterstützt auch Antriebsstrang). Unabhängig vom Fahrprogramm startet der Austral-Hybrid immer im Elektromodus.

In der Stadt ist er tatsächlich ziemlich sparsam. 4,5 Liter pro 100 Kilometer weist der ADAC Ecotest hier aus. Außerorts liegt der Kraftstoffkonsum bei 5,5 Litern und auf der Autobahn bei 7,6 Litern Super pro 100 Kilometer. Ergibt im Ecotest-Schnitt eher durchschnittliche 5,9 Liter. Weil die Abgase sehr sauber sind, schafft auch der Vollhybrid-Austral vier von fünf möglichen Ecotest-Sternen.

Die komplexe Antriebssteuerung funktioniert in der Praxis gut, man hat passend zu seinem Gaspedalbefehl spontan Leistung zur Verfügung – außer man geht vom gemütlichen Bummeln spontan in den Kickdown, dann braucht es etwas, bis es vorwärts geht. Hohe Drehzahlen führen zu einem merklichen Dröhnen, ansonsten ist der Benziner akustisch meist im Hintergrund.

Das SUV gibt es auch mit Allradlenkung

Fahraufnahme Renault Austral
Renault Austral: Das Gesamtpaket ist stimmig© Renault

Das Fahrwerk des Austral ist ausgesprochen komfortabel abgestimmt und schlägt auch bei fiesen Querfugen nicht unangenehm durch. Bei engen und schnell gefahrenen Kurven kommt dagegen das ESP schnell in den Regelbereich, zieht den 200 PS also etwas die Zähne. Doch der Drehmomentverlauf ist insgesamt sehr stimmig, und wer im Fahrzeugmenü den "Lenkaufwand" dauerhaft auf "hoch" einstellt, wird auch mit der zu leichtgängigen und gefühllosen Lenkung versöhnt. Auch die Bremse fühlt sich etwas künstlich an, bietet trotzdem einen spürbaren Druckpunkt. Den ADAC Ausweichtest absolviert der Austral zwar sicher, besonders dynamisch lässt er sich aber nicht um die Pylonen zirkeln.

Und ein Extra sollte man sich trotz 1500 Euro Aufpreis unbedingt leisten: Die dynamische Allradlenkung 4Control advanced. Bei Fahrgeschwindigkeiten über 50 km/h steuern die Hinterräder mit bis zu einem Grad in dieselbe Richtung wie die Vorderräder – das wirkt der Fliehkraft entgegen.

Doch der Clou ist das Fahren mit niedrigen Geschwindigkeiten im Stadtverkehr. Dann schlagen die Hinterräder mit maximal fünf Grad in entgegengesetzter Richtung zur Vorderachse ein. Damit ist der Austral äußerst agil unterwegs: Sein Wendekreis innen beträgt lediglich 10,1 Meter und liegt damit auf dem Niveau des Kleinwagens Renault Clio. Ohne Allradlenkung, wie im ADAC Testwagen, kommen links 11,8 und rechts 11,7 Meter zusammen.

Preis ab rund 31.500 Euro

Der Renault Austral startet mit dem Mildhybrid 140 ab 31.450 Euro, dann allerdings in der etwas kärglich ausgestatteten Evolution-Ausstattung ohne Fahrprogramme, nicht verschieb- und klappbarer Rückbank (die Lehnen sind aber umklappbar) und nur einem kleinen 9-Zoll-Mittendisplay. Für den Mildhybrid 160 mit obligatorischem CVT-Getriebe werden schon mindestens 35.950 Euro fällig, für den Vollhybrid 40.950 Euro, in der getesteten Version Iconic Esprit Alpine sind es mindestens 44.950 Euro.

Renault Austral: Technische Daten und Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

Renault Austral E-Tech Full Hybrid 200 Iconic Esprit Alpine Multi-Mode-Automatik (ab 09/22)

Renault Austral Mild Hybrid 160 Techno Esprit Alpine Automatik (ab 09/22)

Motorart

Voll-Hybrid
Otto (Mild-Hybrid)

Hubraum (Verbrennungsmotor)

1.199 ccm
1.332 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

146
116

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

199
158

Drehmoment (Systemleistung)

n.b.
270 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

4.500 U/min
5.250 U/min

Antriebsart

Vorderrad
Vorderrad

Beschleunigung 0-100km/h

8,4 s
9,7 s

Höchstgeschwindigkeit

174 km/h
174 km/h

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

105 g/km
141 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

4,7 l/100 km
6,2 l/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

1,7
-

Kofferraumvolumen normal

430 l
500 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.455 l
1.525 l

Leergewicht (EU)

1.592 kg
1.539 kg

Zuladung

509 kg
464 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg
750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.500 kg
1.800 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre
2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.510 mm x 1.825 mm x 1.618 mm
4.510 mm x 1.825 mm x 1.618 mm

Grundpreis

44.950 Euro
37.250 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Renault Austral E-Tech Full Hybrid 200 Iconic Esprit Alpine Automatik

Renault Austral Mild Hybrid 160 Techno Esprit Alpine Automatik

Überholvorgang 60 – 100 km/h

4,1 s

5,7 s

Bremsweg aus 100 km/h

35,6 m

35,6 m

Wendekreis

11,8 m

11,8 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

5,9 l Super/100 km, 155 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

6,7 l Super/100 km, 184 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

****

****

Reichweite

930 km

820 km

Innengeräusch bei 130 km/h

68,5 dB(A)

68,0 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

1615 / 486 kg

1514 / 489 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

395 / 830 / 1450 l

395 / 830 / 1450 l

ADAC Testurteil

ADAC Testergebnis

Renault Austral E-Tech Full Hybrid 200 Iconic Esprit Alpine Multi-Mode-Automatik (ab 09/22)

Renault Austral Mild Hybrid 160 Techno Esprit Alpine Automatik (ab 09/22)

Karosserie/Kofferraum

2,6
2,6

Innenraum

2,3
2,4

Komfort

2,5
2,6

Motor/Antrieb

1,9
2,2

Fahreigenschaften

2,6
2,6

Sicherheit

1,7
1,6

Umwelt/EcoTest

1,9
2,4

Gesamtnote

2,1
2,3
Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

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