Porsche Cayenne E-Hybrid im ADAC Test: Was leistet der Plug-in-SUV?

Als Plug-in-Hybrid bekommt der Cayenne ein E-Kennzeichen
Als Plug-in-Hybrid bekommt der Cayenne ein E-Kennzeichen© Porsche

Der Porsche Cayenne ist auch als Plug-in-Hybrid erhältlich. Für gut 96.000 Euro bietet der SUV viel Kraft aus einem Dreiliter-V6-Benziner und einem Elektromotor. ADAC Test, technische Daten, Preise

  • Die dritte Cayenne-Generation gibt es auch als Plug-in-Hybrid

  • Enorme Fahrleistungen dank Elektromotor, perfekte 8-Gang-Wandlerautomatik

  • Sehr hoher Verbrauch im Hybrid- und E-Modus

  • Konkurrenten: VW Touareg, Audi Q7, BMW X5 und Mercedes GLE 

Porsche? Klar, bei dem Namen denkt jeder spontan an den legendären 911er, an PS-starke Motoren und dynamisches Handling. Aber Elektrofahrzeuge? Da kommt einem zunächst höchstens der Taycan in den Sinn. Dabei war Porsche mit dem Cayenne S Hybrid schon 2010 Elektrifizierungs-Pionier im SUV-Segment, legte 2014 mit dem E-Hybrid sogar die Plug-in-Variante zum Aufladen nach. Mit der Einführung der dritten Cayenne-Generation 2018 gab es auch wieder Plug-in-Hybride: zunächst die hier getestete Variante, später noch den 680 PS starken Turbo S E-Hybrid.

Ladedauer des Cayenne: 2,2 bis 8 Stunden

Die Systemleistung im Paket mit dem Dreiliter-V6-Benziner beträgt immerhin 340 kW/462 PS. Über das bereitgestellte Drehmoment von 700 Nm dürfte sich auch ein leistungsverwöhnter Porsche-Fahrer nicht beschweren. Zumal das Drehmoment schon kurz über der Leerlaufdrehzahl, bei 1000 Umdrehungen, anliegt.

Die Kapazität der Batterie hat Porsche auf brutto 17,9 kWh erhöht, was dazu führt, dass die elektrische Reichweite nun bei realen 40 Kilometern liegt. Dadurch bekommt der SE Hybrid zwar das begehrte E-Kennzeichen, profitiert aber nicht von der vermutlich Ende 2022 auslaufenden steuerlichen Förderung für Plug-in-Hybride. Die werden nämlich nur gefördert, wenn sie höchstens 50 Gramm CO₂ pro Kilometer emittieren oder eine rein elektrische Mindestreichweite von 60 Kilometern haben.

Am besten wird die Batterie natürlich so oft wie möglich vollgeladen. Idealerweise sogar bei einem Zwischenstopp. Bei leerem Akku dauert das an der normalen Haushaltssteckdose immer knapp acht Stunden, per Schnellladung im besten Fall 2,2 Stunden – wenn man sich für den optionalen 7,2 kW-On-Board-Lader statt der 3,6-kW-Variante (4,5 Stunden) entschieden hat. Im Bedarfsfall kann der Cayenne SE Hybrid auch während der Fahrt geladen werden: Dann drückt man die E-Charge-Taste und der Akku wird über den Motor mit Energie befüllt. Das kann sich anbieten, um gezielt elektrisch durch ein ruhiges Wohngebiet oder durch eine Altstadt zu fahren.

Ausgezeichnete Fahrleistungen

Gestartet wird rein elektrisch im Fahr-Modus "E-Power", der maximal 136 PS sowie 400 Nm zur Verfügung stellt und bis 135 km/h Höchstgeschwindigkeit aktiv bleibt. Doch schon im E-Modus kann der Fahrer den Verbrennungsmotor zuschalten, wenn er einen spürbaren Druckpunkt des Gaspedals übertritt.

Wird der Mindestladezustand der Batterie für den E-Power-Modus unterschritten, wechselt der Cayenne auf "Hybrid Auto", was je nach Fahrsituation beide Antriebe einzeln oder gemeinsam nutzt. Komplett leistungsorientiert sind die Modi "Sport" und "Sport Plus": Hier läuft der Verbrenner immer, der E-Motor boostet zusätzlich – wenn’s denn sein muss bis Tempo 253 km/h. Im rein elektrischen Fahrmodus ist die Höchstgeschwindigkeit auf 135 km/h begrenzt.

Der Boost, wenn sich der Verbrenner beim beherzten Tritt aufs Gaspedal zuschaltet, ist enorm: Mit seinen 700 Newtonmetern Drehmoment springt der 2,3-Tonner in fünf Sekunden auf 100 km/h! Für den Überholvorgang von 60 auf 100 km/h benötigt der SUV laut ADAC Messung nur 2,9 Sekunden. Doch um das perfekte Zusammenspiel zwischen Verbrenner und E-Motor richtig genießen zu können, empfiehlt sich entspanntes Bummeln.

Gut zu dieser lässigen Charakteristik passt auch die perfekt schaltende Achtgang-Wandler-Automatik von ZF, für die sich Porsche im Cayenne im Gegensatz zum Doppelkupplungsgetriebe des Hybrid-Panamera entschieden hat: Der SUV kann so auch 3,5-Tonnen-Anhängelasten ziehen.

Porsche-typisches Bedienkonzept

Auch beim Plug-in-Hybrid gibt es zwei mächtige Auspuffrohre © Porsche

Der Porsche Cayenne ist serienmäßig mit einer adaptiven Dämpferregelung (PASM) ausgestattet. Der Testwagen hatte zudem die optionale Luftfederung sowie die aktive Wankstabilisierung an Bord und überzeugte mit einem nicht nur in dieser Fahrzeugklasse überdurchschnittlich guten Federungskomfort. Trotz der gewaltigen 21-Zoll-Räder und der damit verbundenen großen ungefederten Massen und der schmalen Reifenflanke werden die meisten Unebenheiten sensibel geschluckt.

Fahrdynamik ist die Domäne von Porsche, hier macht auch der Cayenne keine Abstriche. Der Wagen liegt gelassen und präzise auf der Straße, zeigt kaum Aufbaubewegungen, gleichzeitig reagiert er auf Lenkimpulse spontan und direkt. Der Geradeauslauf ist einwandfrei, trotz der breiten Räder folgt er kaum Spurrillen und lässt sich einwandfrei und entspannt beherrschen.

Das getestete Fahrzeug war mit der optionalen Hinterachslenkung inklusive Servolenkung Plus ausgestattet. Das Resultat überzeugt, die Lenkung liefert ein harmonisches sowie authentisches Lenkgefühl und bietet präzise Zielgenauigkeit. Die Zentrierung erfolgt genau richtig und macht entspannte Fahrten genauso möglich wie das Durcheilen enger Landstraßen. Im ADAC Ausweichtest wird der Porsche den Ansprüchen trotz seines hohen Gewichts absolut gerecht, er durchfährt den Parcours mit bemerkenswert hoher Geschwindigkeit und ist dabei jederzeit bestens beherrschbar.

Der Allradantrieb mit dem Porsche Traction Management (PTM) bietet dank seiner breiten Momentverteilung ausreichende Offroad-Fähigkeiten. Die Dosierbarkeit der Bremse – mitunter ein Schwachpunkt bei E-Fahrzeugen – ist im Falle des Cayenne tadellos.

Das Anzeigekonzept des Cayenne-E-Hybrid wurde an das des 918 Spyder angelehnt. Auffällig sind der Mode-Schalter des serienmäßigen Sportpakets am Lenkrad, ein zentrales Power-Meter mit Boost-Anzeige im Kombiinstrument und zusätzliche Infos im 12,3-Zoll-Touchdisplay über den momentanen Energiefluss oder die emissionsfreien Fahranteile.

Cockpit mit optionalem Head-up-Display

Cayenne-typisch ist das Bedienkonzept – das heißt: extrem gewöhnungsbedürftig. Die in Mattschwarz lackierte Mittelkonsole sieht zwar enorm stylisch aus, doch welche Unter-Funktionen sich hinter den mehr als 20 unterschiedlichen Sensor-Druckflächen verstecken, bleibt relativ lang ein Rätsel. Erfreulicherweise bietet das Infotainmentsystem noch einen Drehregler für die Lautstärke sowie einen – wenn auch recht kleinen und wenig ergonomisch platzierten – Dreh-Drück-Steller sowie Direktwahltasten für die grundlegenden Funktionen. Weniger überzeugend sind allerdings die kleinen Bedienflächen auf dem Touchscreen, der immense Funktionsumfang sowie die teils verschachtelten Menüstrukturen.

Immerhin: Im Cayenne-E-Hybrid kommt erstmals in einem Porsche ein Head-up-Display zum Einsatz! Leider nicht serienmäßig, sondern gegen 1464 Euro Aufpreis. Ganz schnell und ohne Kritik genießt man dagegen Verarbeitungsqualität und Materialanmutung des Innenraums. Und weil die Batterien platzsparend unterflur verbaut sind, ändert sich an den großzügigen Platzverhältnissen für die Passagiere vorne und hinten nichts.

Das Raumangebot in Reihe eins ist erstklassig, auf dem Fahrerplatz findet man bis knapp zwei Meter Körpergröße genügend Platz vor, die Kopffreiheit ist noch üppiger bemessen. Auch hinten haben selbst großgewachsene Personen genug Platz, erst bei 1,95 Meter Körpergröße wird es nach oben eng. Die Beinfreiheit würde noch größere Passagiere erlauben. Das Kofferraumvolumen hat der ADAC mit 350 bis 1380 Litern gemessen. Die Kofferraumklappe öffnet und schließt ab Werk elektrisch.

Hohe Verbrauchswerte im ADAC Ecotest

Mindestens 96.237 Euro werden für den E-Hybrid fällig. Der "normale" Cayenne S mit ähnlichen Fahrleistungen kostet 99.450 Euro. Also ein Schnäppchen? Unter Umweltgesichtspunkten sicher nicht. Denn Porsche optimierte die Technik gegenüber dem Vorgängermodell vor allem unter dem Aspekt, dem Neuen noch mehr Leistung statt weniger Verbrauch zu verschaffen. Der angegebene Verbrauch von 2,4 bis 2,5 Litern Super und 21,6 bis 22 kWh auf 100 Kilometer ist messtechnische Augenwischerei, die – zumindest für dieses Fahrspaß-Auto – in der Realität wohl kein Autofahrer erreicht.

Unter reinen Spritspar-Aspekten sollte man den Cayenne E-Hybrid jedenfalls nicht ins Auge fassen, denn sparsam ist der SUV wirklich nicht. Der Stromverbrauch im E-Modus liegt bei "eindrucksvollen" 40,8 kWh pro 100 Kilometer (inkl. Ladeverluste). Fährt man dann weiter im Hybrid-Modus, liegt der Verbrauch im Durchschnitt bei recht hohen 10,7 Liter je 100 Kilometer. Damit verbunden ist eine CO₂-Bilanz von 262 g/km. Weil auch noch im anspruchsvollen Autobahnzyklus der CO-Ausstoß deutlich erhöht ist, kommt der E-Hybrid nur auf einen von fünf möglichen Ecotest-Sternen. Das ist für einen Plug-in-Hybrid nicht gerade rühmlich.

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Porsche Cayenne E-Hybrid: Technische Daten, Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

Porsche Cayenne E-Hybrid Tiptronic S (ab 10/20)

Motorart

PlugIn-Hybrid

Hubraum (Verbrennungsmotor)

2.995 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

340

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

462

Drehmoment (Systemleistung)

700 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

5.300 U/min

Antriebsart

Allrad

Beschleunigung 0-100km/h

5,0 s

Höchstgeschwindigkeit

253 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

44 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

71 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

3,1 l/100 km

Verbrauch Gesamt (NEFZ)

2,5 l/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

17,9

Batteriekapazität (Netto) in kWh

14,3

Ladeleistung (kW)

AC:2,3-22,0

Kofferraumvolumen normal

648 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

1.610 l

Leergewicht (EU)

2.370 kg

Zuladung

660 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

Anhängelast gebremst 12%

3.500 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.918 mm x 1.983 mm x 1.696 mm

Grundpreis

97.903 Euro

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)

Porsche Cayenne E-Hybrid

Überholvorgang 60 – 100 km/h

2,9 s

Bremsweg aus 100 km/h

35,1 m

Wendekreis

11,9 m

Verbrauch/CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

6,9 l Super und 14,7 kWh Strom/100 km, 262 g CO₂/km (Well-to-Wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

*

Reichweite

740 km

Innengeräusch bei 130 km/h

66,9 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

2475 / 555 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

350 / 675 / 1380 l

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Porsche Cayenne E-Hybrid Tiptronic S (ab 10/20)

Karosserie/Kofferraum

2,5

Innenraum

2,0

Komfort

1,6

Motor/Antrieb

1,2

Fahreigenschaften

1,9

Sicherheit

1,8

Umwelt/EcoTest

4,6

Gesamtnote

2,3
Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

Das hat uns gefallen: Laufruhiger 6-Zylinder mit enormen Boost-Effekt des E-Motors. Perfekt schaltende 8-Gang-Wandlerautomatik. Gut abgestimmtes adaptives Fahrwerk. Hervorragende Verarbeitung. Großzügige Platzverhältnisse. 

Das hat uns nicht gefallen: Sehr hoher Strom- und Benzinverbrauch. Erhöhter CO-Ausstoß im Autobahnzyklus. Gewöhnungsbedürftige Bedienung. Kofferraum im Vergleich zum normalen Cayenne kleiner.

Video: Porsche Cayenne im Euro NCAP Crashtest

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Hier finden Sie die ausführlichen Crashtestergebnisse zum Porsche Cayenne.