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Porsche 911 Test: Wie gut ist die Sportwagen-Ikone?

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Porsche

Wie gut ist die deutsche Sportwagen-Ikone wirklich? Der Porsche 911 Carrera S im ADAC Test. Alle Daten, neueste Infos und Preise.

  • Acht Generationen Porsche 911: Ewig gleich, immer besser

  • Neue Assistenzsysteme wie Nässedetektor und Nachtsichthilfe

  • Im ADAC Test: Porsche 911 Carrera S Coupé mit 450 PS

  • Ausfahrt mit dem neuen 911 Targa

Der Porsche 911 ist ein Phänomen. Kaum ein anderes Auto wird über einen so langen Zeitraum mit dem gleichen technischen Konzept unter der gleichen Typenbezeichnung gebaut und verkauft (seit 1964). Jede Modellgeneration ist der DNA des 911 treu geblieben. Typisch sind die geschwungenen Kotflügel vorn, ein keilförmiges Fließheck, der Zündschlüssel links vom Lenkrad und dahinter ein zentraler Drehzahlmesser. Als Antrieb dient stets ein röchelnder Sechszylinder-Boxer-Motor, der vornehmlich das Heck kraftvoll anschiebt.

Faszination Porsche 911: Coupé, Cabrio, Targa, Speedster

Und doch ist vieles neu an der aktuellen Baureihe 992, der inzwischen achten Generation 911. Beispiel Nässedetektor: Erkennen Sensoren in den vorderen Radhäusern den typischen Klang von starkem Spritzwasser, rät eine Warnanzeige zum Einlegen des "Wet Mode": Sofort gelangt die wuchtige Kraft des 3,0-Liter-Boxer sanfter an die erstmals unterschiedlich großen Räder (vorn 20, hinten 21 Zoll). Gut so, denn: Satte 530 Nm Drehmoment sorgen beim Porsche 911 Carrera S zwischen 2300 und 5000 U/min für impulsive Schubkraft, 30 Nm mehr als beim Vorgänger.

Welche Faszination von einem Porsche 911 ausgeht, hat Rennsportlegende Walter Röhrl schon als junger Mann erlebt: "Die letzten acht Tage vor der Auslieferung meines ersten 911 konnte ich nicht mehr richtig schlafen, so aufgeregt war ich." Die technische Weiterentwicklung des 992, an der Röhrl in seiner Karriere maßgeblich mitgewirkt hat, sieht er vor allem in der modernen Elektronik begründet: "Dadurch wird die Spreizung zwischen Sportlichkeit und Komfort größer. Außerdem heißt Porsches neue Fahrwerksphilosophie: härtere Federn, aber weichere Dämpfung. So etwas war früher völlig unmöglich in einem Sportwagen."

Das Cockpit wird immer digitaler

Das Cockpit ist horizontal geprägt, so wie es beim 911 von 1963 bis 1997 schon mal der Fall war. Ein 10,9 Zoll großer Touchscreen informiert über die digitale Welt, aber auch ein paar analoge Hebel gibt es noch. Nur ausgerechnet der Drehschalter links am Armaturenbrett, mit dem der Motor startet, ist arg zierlich geraten. Dank serienmäßigem Keyless Go darf der Zündschlüssel in der Hosentasche bleiben.

Das Platzangebot vorn überrascht, denn hier kommen selbst echte Sitzriesen zurecht. Die beiden winzigen Po-Schalen hinten sind aber nicht der Rede wert, so dass man von einem "2+2-Sitzer" eigentlich nicht sprechen kann. Aber was schert einen Sportwagen-Fan der Platz auf der Rückbank oder das Gepäckvolumen!

Der 911 Carrera S im ADAC Test

Wer wissen will, wie gut der Sportwagen Porsche 911 ist, darf nicht auf die Gesamtnote schauen. Denn die Gesamtnote beurteilt die Gesamtqualität eines Autos: wie viel Platz es gibt, ob das Auto für jedermann leicht zu fahren und zu bedienen ist, wie viel Komfort es bietet, wie viel Kraftstoff es verbraucht und so weiter.

Bei einem Sportwagen kommt es auf wenige spezifische Charaktereigenschaften an. Auf Motorleistung und Fahrpräzision, auf die Direktheit der Lenkung, das sofortige Ansprechen des Motors, das schnell (zu) schaltende Getriebe.

Welche sportlichen Qualitäten ein Auto hat, wird im ADAC Test mit der Zielgruppen-Note Fahrspaß ausgedrückt. Test-Ingenieur Christoph Pauly: "Der aktuelle Elfer kann dank Hinterachslenkung, adaptiven Dämpfern sowie aktiven Stabilisatoren und Motorlagern mit den schnellsten Konkurrenten mithalten. Zudem ist er – im Vergleich mit ähnlich potenten Wettbewerbern – bemerkenswert alltagstauglich und mit geschliffenen Umgangsformen gesegnet." Und weiter: "Im Heck steckt ein Sechszylinder-Boxer, in dem sich zur begeisternden Drehfreude auch ein sattes Drehmoment gesellt." ADAC Note Fahrspaß: eine glatte Eins.

Die Noten, auf die es bei einem Sportwagen ankommt

Schaut man sich die für einen Sportwagen relevanten technischen Noten im Detail an, wird besonders deutlich, wie außergewöhnlich gut der Porsche 911 ist. Hinsichtlich der Fahrleistungen verfehlt er die theoretische Höchstnote 0,6 um ein Zehntel. Selbst die hier "schlechteste" Bewertung (Fahrstabilität: 1,3) gehört in die Klasse "summa cum laude".

Porsche 911 Carrera STestnote

Motor/Antrieb


Fahrleistungen

0,7

Laufkultur/Leistungsentfaltung

1,1

Schaltung/Getriebe

1,1

Fahreigenschaften


Fahrstabilität

1,3

Lenkung

1,1

Bremse

0,9

sehr gut = 0,6-1,5 | gut = 1,6-2,5 | befriedigend = 2,6-3,5 | ausreichend = 3,6-4,5 | mangelhaft = 4,6-5,5

Das Leistungspotential in Zahlen: 331 kW/450 PS Leistung, 530 Nm Drehmoment. Der Spurt von null auf 100 km/h ist in 3,7 Sekunden erledigt, als Höchstgeschwindigkeit schafft der Carrera S 308 km/h. Für den Überholvorgang eines Lkw auf der Landstraße genügen ihm gerade einmal zwei Sekunden. Zum Vergleich: Ein nicht gerade schwächlicher VW Golf mit 150 PS (Diesel wie Benziner) benötigt dafür 4,8 Sekunden.

Die Faszination lässt sich in Zahlen zwar objektiv, vom subjektiven Erlebnis her aber nur unzureichend beschreiben. Walter Röhrl drückt es so aus: "Ein Sportwagen muss
auf den kleinsten Fingerwink des Fahrers gehorchen." Und genau das tut der Porsche 911.

Tester Christoph Pauly zieht ein begeistertes Fazit: "Das Triebwerk kommt kraftvoll aus dem Drehzahlkeller, arbeitet sich zügig die Drehzahlleiter empor und lässt auch bei sehr hohen Drehzahlen nicht nach. Die Fahrstabilität ist herausragend, Lenkung und Bremsen sind eine Klasse für sich."

Neu: 7-Gang-Schaltgetriebe und Smartlift-Funktion

Dazu offeriert Porsche ein paar Neuigkeiten, die die Herzen der Fans höher schlagen lassen: Man kann die Carrera 4S-Modelle statt mit einem automatischen 8-Gang-Doppelkupplungs-Getriebe auch mit einem manuellen 7-Gang-Schaltgetriebe bekommen.

Zum Porsche Torque Vectoring, das die Kraft an den Antriebsrädern durch elektronisch gesteuerte Bremseingriffe der Fahrsituation gerecht verteilt, passt die neue Reifentemperaturanzeige: Bei niedriger Reifentemperatur warnen blaue Balken vor reduzierter Haftung. Bei wärmer werdenden Reifen wechselt die Anzeige auf Blau-Weiß. Bei Erreichen der Betriebstemperatur wird die Anzeige Weiß. Der Zirkus erinnert uns irgendwie an die Formel 1, oder?

Erstmals gibt es im Porsche Carrera auch eine so genannte Smartlift-Funktion als Extra. Die dient allerdings nicht dazu, den Porsche 911 schneller, spaßiger oder sicherer zu machen, sondern komfortabler. Offenbar war es in der Vergangenheit immer mal vorgekommen, dass der tief auf die Straße reichende Frontspoiler bei Schwellern oder Garagenauffahrten Schaden nahm.

Smartlift verhindert das nun, indem das System temporär die Bodenfreiheit des Fahrzeugs anhebt. Das funktioniert, weil sich das System die Problemstellen per GPS-Koordinaten merkt. So passiert das peinliche Malheur, dass der Spoiler aufsetzt, zumindest kein zweites Mal an der gleichen Stelle.

Neueste 911-Version: der ikonische Targa

Wie der Turbo oder das Cabriolet hat auch die Version Targa eine ganz besondere Fangemeinde. Die Leute lieben den Targa, nicht erst seit heute vor allem aus optischen Gründen. Dabei war der Targa eigentlich eine Notgeburt: Das Derivat wurde entwickelt, weil die US-Behörden in den 60er Jahren ein Verbot für Cabrios in Erwägung zogen. Grund: Offene Autos seien gefährlich, wenn sich jemand bei einem Unfall damit überschlagen sollte. Kurzerhand konstruierte Porsche also einen teiloffenen 911 mit stabilem Sicherheitsbügel.

Auch wenn der Carrera über 300 km/h schnell sein kann – am wohlsten fühlen sich der Sportwagen und seine Besatzung bei sonnigem Wetter auf kurvigen Landstraßen. Zügig und umsichtig auf langen Geraden dahingleiten, sanft in die Kurve hineinbremsen, mit höchster Lenkpräzision und kraftvoll wieder raus – purer Genuss.

Porsche 911 Targa mit Schwächen

Bei aller Fahrfreude nicht ganz so toll ist, dass der Wind bei Landstraßentempo ein störendes Bollern im Innenraum erzeugen kann, wenn man mit geöffnetem Dach fährt. Um das Bollern zu beseitigen, muss der Fahrer entweder die Seitenfenster herunterlassen – oder den für diesen Zweck konstruierten Windabweiser per Hand hochschieben. Hat man das einmal getan, streckt sich das kleine Leitblech bei der nächsten Open-Air-Fahrt automatisch in den Wind, die haltende Feder arretiert von selbst.

Ebenfalls nicht ganz optimal gelöst ist, dass sich das Verdeck des Targa nur bei stehendem Fahrzeug öffnen oder schließen lässt und nicht auch während langsamer Fahrt im ersten oder zweiten Gang. Die Kritikpunkte zeigen, dass Porsche auch in Zukunft noch Gelegenheit hat, das eine oder andere Detail seines nahezu perfekten Sportwagens zu verbessern.

Als Schmankerl hier ein Film zum Porsche 911 Turbo S:

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Porsche
Testbericht Porsche 911 Carrera S Coupé
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Porsche 911: Technische Daten

Technische Daten (Herstellerangaben) Porsche 911 Carrera S Coupé

Motor/Antrieb

6-Zylinder-Boxermotor, Bi-Turbo, Benziner, 2981 cm³, 331 kW/450 PS, 530 Nm bei 2300 U/min, Heckantrieb, 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe

Fahrleistungen

3,7 s auf 100 km/h, 308 km/h Spitze

Verbrauch (WLTP)

9,9 l Superplus/100 km, 205 g CO₂/km

Maße

L 4,52 / B 1,85 / H 1,30 m

Kofferraum

132 – 264 l

Leergewicht / Zuladung

1590 / 395 kg

Garantie

2 Jahre

Preis

ab 120.125 €

ADAC Messwerte

(Auszug)Porsche 911 Carrera S Coupé

Überholvorgang 60-100 km/h

2,0 s

Bremsweg aus 100 km/h

30,9 m

Wendekreis

10,9 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

10,0 l Super/100 km, 275 g CO₂/km (Well-to-wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

**

Reichweite

640 km

Innengeräusch bei 130 km/h

72,8 dB (A)

Leergewicht / Zuladung

1575 / 410 kg

Kofferraumvolumen

135 l

ADAC Testergebnis

Porsche 911 Carrera S Coupé

Karosserie/Kofferraum

3,3

Innenraum

2,9

Komfort

2,9

Motor/Antrieb

0,9

Fahreigenschaften

1,1

Sicherheit

2,8

Umwelt/Ecotest

3,3

Gesamtnote

2,6

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppel gewertet

Text: Ralf Schütze, Wolfgang Rudschies