Audi e-tron GT: Erster Fahrbericht 

17.12.2018

Mit dem Audi e-tron GT bringt der Ingolstädter Konzern sein zweites Elektroauto an den Start. Erste Testfahrt im viertürigen Coupé. Marktstart ist voraussichtlich 2020. Plus: Infos zu Elektromotoren, Reichweite, Fahrleistungen

Audi e-tron GT Concept auf Testfahrt in Los Angeles
Ein echter Hingucker: Audi e-tron GT unterwegs in Los Angeles
  • Der Audi e-tron GT ist (noch) eine Studie, wird aber sehr ähnlich 2020 in Serie gehen
  • Die Fahrleistungen sind beeindruckend, die Reichweite alltagstauglich
  • Konkurrenten sind Tesla Model S und der Konzernbruder Porsche Taycan

 

Der Fahrer im Aston Martin baut fast einen Unfall, so gefangen ist sein Blick. Die Passanten bleiben mitten im Lauf stehen, und überall klicken die Foto-Handys: So viel Aufmerksamkeit hat ein Audi schon lange nicht mehr erregt. Erst recht nicht in Downtown Los Angeles, wo sie so ziemlich alles gewohnt sind, was die automobile Eitelkeit so zu Tage fördert.

Doch das hier ist kein Audi wie jeder andere und keiner, den man erst auf den dritten Blick einer Baureihe zuordnen kann. Ein paar Tage nach der Weltpremiere auf der LA Autoshow ist jetzt das neueste Elektroauto aus Ingolstadt in Los Angeles unterwegs. Und wir konnten den Audi e-tron GT dort bereits ausgiebig testen.

Der Audi e-tron GT ist eine Coupé-Limousine

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Audi e-tron GT Concept auf Testfahrt in Los Angeles
Audi e-tron GT: Scharf gezeichnete Scheinwerfer, markanter Kühlergrill

Während sich die alte Autowelt zunächst mit braven elektrischen Crossover-Modellen wie Audi e-tron quattro, Mercedes EQC und BMW iX3 auf Tesla S & Co. eingeschossen hat, will Audi es jetzt zusätzlich mit einer eleganten und Emotionen weckenden Coupé-Limousine versuchen. Und in zwei Jahren soll die Studie ziemlich genau so in Serie gehen.

Dass das keine leere Versprechung bleibt, liegt an der geschickten Familienplanung: Denn der knapp fünf Meter lange aber nur 1,38 Meter hohe Audi e-tron GT teilt sich die Plattform mit dem kommenden Porsche Taycan und kann sich deshalb auch dann rentieren, wenn die Stückzahlen nicht durch die Decke gehen sollten. Nicht umsonst ist das Projekt schließlich bei der Audi Sport GmbH angesiedelt und nicht bei der AG in Ingolstadt.

Mit der festen Produktionsabsicht vor Augen, beweist der e-tron GT im Gegensatz zu so vielen anderen Showcars deshalb auch eine gewisse Bodenhaftung – und zwar nicht nur, weil er natürlich ein quattro ist. Sondern vor allem, weil sich das Team um Designchef Marc Lichte so ziemlich alle Spinnereien und Spielereien verkniffen hat. Das vegane Interieur ist da noch die größte Extravaganz, und selbst das hat durchaus Chancen, weil Kunden immer öfter danach fragen.

Das Cockpit erinnert an den Audi A8

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Audi e-tron GT Concept auf Testfahrt in Los Angeles
Cockpit im A8-Stil: Autor Thomas Geiger am Steuer des neuen Audi e-tron GT

Hinter dem Lenkrad findet man sich sofort zurecht. Schließlich ist das Cockpit nur eine weitere Evolutionsstufe der neuen Klarheit, die mit dem A8 Einzug gehalten hat: Die Bildschirme sind aber ein bisschen größer geworden, die Grafiken ein bisschen bunter und die Knöpfe noch ein bisschen weniger. Aber fürs erste interessiert ohnehin nur der kleine Schieberegler auf dem Mitteltunnel, mit dem man auf D wechselt und die Fahrt beginnt.

Dann müssen die Cops auf ihren betagten Harleys, die dem neuen Schönheitskönig unter den Stromern Geleitschutz geben, ordentlich am Gas reißen, um überhaupt noch hinterher zu kommen. Nicht umsonst leisten die beiden Elektromotoren zusammen 590 PS und katapultieren die in jeder Hinsicht elektrisierende Alternative zum A7 in etwa 3,5 Sekunden auf Tempo 100.

Und wo für den Audi e-tron quattro, der jetzt gerade so langsam zu den Händlern rollt, bei 200 Sachen Schluss ist, bekommt der GT Auslauf bis mindestens 240 km/h. Da können die Maschinen aus Milwaukee noch so laut pöttern. Sie bleiben ohne Chance – der e-tron GT summt ihnen still und leise aber dafür um so schneller davon.

Batterie: 90 kWh, Reichweite: 400 km

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Audi e-tron GT Concept auf Testfahrt in Los Angeles
Mitschwimmen im Großstadtverkehr: Audi e-tron GT in Downtown LA

Was den Harleys der Cops an Leistung fehlt, machen ihre Fahrer allerdings mit Autorität wieder wett und sorgen damit für Ordnung auf dem Boulevard der eiligen Eitelkeiten. Beherzt bremsen sie den elektrischen Beau ein und führen ihn schön langsam durch Downtown.

Das freut nicht zuletzt den Aston-Martin-Fahrer, der eben vor lauter Staunen fast einen Unfall gebaut hätte. Denn jetzt, wo er sich wieder auf die Straße konzentriert, kann er wenigstens einen zweiten Blick riskieren auf das Auto, das seinem Rapide so erfolgreich die Schau stiehlt.

Natürlich wird der Audi e-tron GT hier in Downtown Los Angeles nie ausgefahren, und so richtig lang ist die Jungfernfahrt auch nicht. Aber über die Tage läppert sich das Programm dann doch, irgendwann sind die 90 kWh großen Akkus für eine Normreichweite von 400 Kilometern trotzdem leer und der Ausflug in die Wirklichkeit braucht eine Zwangspause.

Allerdings nur eine kurze. Denn dank seines 800 Volt-Laders zapft der e-tron binnen 20 Minuten den Strom für weitere 300 Kilometer. Dabei wäre diesmal so viel Eile gar nicht nötig: Die nächste Ausfahrt ist erst für Ende 2020 geplant – dann aber im Serienmodell.

Elektroautos: Schon gefahren und bewertet

Technische Daten (vorläufig) Audi e-tron GT
Antrieb                     2 Elektromotoren mit zusammen 434 kW / 590 PS
Fahrleistungen                     0 – 100 km/h in 3,5 s., 240 km/h Spitze
Batterie                     90 kWh, 800-Volt-Ladetechnik
Verbrauch                     k. A., lokal emissionsfrei
Reichweite                     ca. 400 km
Maße                     L ca. 4,95 m / B k. A. / H 1,38 m
Kofferraum k. A.
Preis k. A.

 

Text: Thomas Geiger. Fotos: PR.

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