Kia Sorento im Test: Plug-in-Hybrid mit Schwächen

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Von Redaktion

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Der Kia Sorento fahrend auf einer Landstraße von hinten aufgenommen
Kia Sorento mit Plug-in-Hybrid-Antrieb im Test: Passt alles?© Kia

Wer ein SUV mit viel Platz und Komfort sucht, liegt beim Kia Sorento richtig. Der Plug‑in-Hybrid als Antrieb ist jedoch nicht unbedingt die richtige Wahl. Der ADAC Test deckt alle Schwächen auf.

  • Auf 4,81 Meter Länge viel Platz

  • Plug‑in-Hybrid als Antriebsquelle suboptimal

  • Im Gelände überraschend gut

Obwohl schon 2020 auf den Markt gekommen, hat die vierte Generation des Kia Sorento immer noch einiges zu bieten. Und sticht dabei in mancher Hinsicht sogar die SUV-Konkurrenz vom Schlag eines VW Tayron, Škoda Kodiaq, Opel Grandland und Hyundai Santa Fe aus. So bietet der Koreaner eine Menge Platz für die Familie und ihr Gepäck, eine sehr ordentliche Ausstattung sowie eine Einfachheit bei der Bedienung, die inzwischen bemerkenswert ist – bei all dem Touchscreen-Gewusel anderer Modelle.

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Kia-SUV mit Riesen-Kofferraum

Der Kia Sorento fahrend auf einer Landstraße
Unverkennbar Kia: Der Sorento mit modernisierter Front© Kia

Seit 2024 tritt der Sorento optisch modernisiert auf. Das Crossover-SUV mit fünf bis sieben Sitzen orientiert sich seitdem beim Front-Design am Elektromodell EV9 und hat ein neu gestaltetes Armaturenbrett erhalten. Auf Wunsch sind Massagesitze zu bekommen, ein digitaler Fahrzeugschlüssel für das Smartphone oder ein digitaler Innenspiegel, der das Bild der rückwärtigen Kamera überträgt.

Schon optisch wirkt das 4,82 Meter lange SUV noch einmal deutlich selbstbewusster und stattlicher als sein Vorgänger. Entscheidender ist jedoch der gegenüber dem Vorgänger um fast 4 Zentimeter gewachsene Radstand, der für mehr Platz sorgt. Vorn sitzen bis zu 1,95 Meter große Menschen kommod, auf der Rückbank reicht die Kniefreiheit für ebenso große Passagiere.

Dank flachem Kardantunnel können sich im Fußraum zudem sechs Beine gut sortieren. Aufpreis kostet eine dritte Sitzreihe, auf der sogar durchschnittlich große Erwachsene noch ausreichend Platz finden. Sieben Personen – egal ob Kinder oder Erwachsene – können also mitreisen. Oder alternativ viel Gepäck.

In den Kofferraum der aktuellen fünfsitzigen Plug‑in-Version passen nach ADAC Messmethode zwischen 520 und 1900 Liter. Unter dem Ladeboden stehen noch einmal 70 Liter Stauraum zur Verfügung. Das ist eine Menge.

Anhänger ziehen darf der Sorento Plug‑in bis zu einem Gewicht von mäßigen 1,7 Tonnen. Die Stützlast auf der Anhängerkupplung beträgt dagegen großzügige 100 Kilogramm, das reicht auch für schwere E-Bikes samt Träger.

Innenraum und Ausstattung

Im Innenraum ist Kia um gute Qualität und einen wertigen Eindruck bemüht – weitgehend mit Erfolg. Der obere Teil der Türverkleidungen und des Armaturenbretts ist weich gestaltet. Letzteres ist im vorderen Bereich mit einer geprägten Naht versehen, um Leder zu suggerieren.

Der Dachhimmel ist hochwertig, die A- und B-Säulen-Verkleidungen sind mit (wenn auch sehr dünnem) Stoff überzogen. Die gepolsterten Sonnenblenden fühlen sich angenehm hochwertig an. Einige Kanten und Ränder sind mit silbernen Applikationen aufgewertet. Die Verarbeitungsqualität passt.

Das Infotainmentsystem beherrscht den aktuellen Stand der Konnektivitäts-Technik, die unter anderem auch eine Smartphone-App umfasst, mit deren Hilfe das Fahrzeug etwa aus der Ferne verriegelt werden kann, sollte es der Fahrer einmal vergessen haben. Und wer in die Navigation ein Ziel eingibt, bekommt von der App selbst dann noch Weghinweise angezeigt, wenn er für den finalen Fußweg das Fahrzeug verlassen hat.

ADAC Autotest: Das steckt hinter den Ergebnissen

Die ADAC Autotest-Ergebnisse beruhen auf akribischen Messungen: Mehr als 300 Prüfpunkte untersuchen die Testingenieure des ADAC Technikzentrums in Landsberg am Lech. Vom Platzangebot über die Sicherheit bis hin zum Verbrauch.

Haben Sie dazu Fragen? Die technische Expertenhotline des ADAC ist unter der Telefonnummer 089 558 95 90 90 exklusiv für alle ADAC Mitglieder erreichbar.

Erfreulich umfangreich ist die Multimedia-Ausstattung im "Spirit". Dazu gehören DAB-Radio, Apple CarPlay sowie ein Bose-Soundsystem mit Subwoofer und zwölf Lautsprechern. Die im Alltag relevanten Funktionen sind gut zu finden und intuitiv zu bedienen. Aber es gibt auch eine Vielzahl an Individualisierungsmöglichkeiten, die erst nach einer Eingewöhnungszeit beherrscht werden.

An Assistenten ist im Kia Sorento alles drin, was zurzeit bei den Koreanern verfügbar ist, darunter Querverkehrserkennung und Notbremsassistent beim Rückwärtsfahren, ein automatisches Spurwechselsystem, ein Autobahnassistent, eine Ausstiegswarnung, ein Abstandsregeltempomat mit Tempolimit-Übernahme sowie ein Ausweichassistent.

Wer die grüne Ampel verschläft, wird vom Bordsystem zum Losfahren ermahnt. Außerdem gibt es eine sehr hilfreiche Totwinkel-Funktion: Beim Setzen des Blinkers erscheint in der Mitte des Kombiinstruments automatisch ein aus den Außenspiegeln aufgenommenes Kamerabild, das mehr darstellen kann, als über Schulterblick und Seitenspiegel möglich wäre. Das System ist schon seit einiger Zeit bekannt und hat sich in der Praxis seither bewährt.

Im Test: Kia Sorento als Plug‑in-Hybrid

Der Kia Sorento im Ausweichtest
Beim Ausweichtest schlägt sich der gewichtige Kia Sorento wacker© ADAC/Test und Technik

Der aktuell vom ADAC getestete Sorento wird von einem Plug‑in-System mit 212 kW/288 PS Leistung angetrieben. Der Vierzylinder-Turbobenziner mit 1,6 Liter Hubraum leistet 132 kW/180 PS und entwickelt ein maximales Drehmoment von 265 Nm. Zusätzlich sorgt ein Elektromotor mit 79/107 PS für Vortrieb.

Das Systemdrehmoment liegt bei 380 Nm. Der Sprint von 0 auf 100 km/h gelingt im (aufgeladenen) Hybridmodus in 8,0 Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit wird bei 206 km/h erreicht. Alles passable Werte.

Die Federung ist komfortbetont ausgelegt, im Ansprechverhalten allerdings etwas steifbeinig. Die Lenkung arbeitet zufriedenstellend, die Bremsen geben keinerlei Anlass zur Kritik.

Das Zusammenspiel von Elektro- und Verbrennungsmotor erfolgt in der Regel harmonisch und ruckarm. Nur unter hoher Last und bei niedrigem Akkustand tut sich der 1,6-Liter-Benziner etwas schwer und wirkt angestrengt.

Treibt der E-Motor den rund zwei Tonnen schweren Sorento ohne Zutun des Verbrenners an, geht es entsprechend gemächlich voran. Die rein elektrische Reichweite beträgt im ADAC Messzyklus 54 Kilometer. Kurios: Aufheizen des Innenraums ist im rein elektrischen Betrieb nicht möglich. Das will Kia der Lithium-Polymer-Batterie mit nur 13,8 kWh offenbar lieber nicht zumuten.

Im Vergleich mit der Plug‑in-Konkurrenz ist das ein ziemlich schwaches Bild. Denn die setzt inzwischen so große Akkus ein, mit denen locker 100 oder deutlich mehr Kilometer elektrisches Fahren möglich werden.

Die maximale Ladeleistung am Wechselstromanschluss (AC) ist mit 3,3 kW ebenfalls nicht mehr konkurrenzfähig, auch wenn die relativ kleine Batterie in rund 4 Stunden wieder voll geladen ist. Eine deutlich schnellere oder gar eine DC-Lademöglichkeit (50 kW) für Schnellladesäulen wird für den Sorento nicht angeboten.

Kia Sorento im Gelände gut

Verblüffend gut schlägt sich der allradgetriebene Sorento Offroad – auch ohne starke Achsverschränkung, Sperren oder Getriebeuntersetzungen. Die Macht der Regelsysteme lässt das Dickschiff steile und holprige Passagen ebenso wie weiche Untergründe ziemlich lässig meistern. Unter anderem helfen dabei die per Drehrädchen aktivierbaren Mud- oder Sand-Modi und eine Bergabfahrkontrolle. Mit Unterstützung der Rundum-Kameratechnik behält man im Kraxelmodus eine gute Übersicht, selbst wenn man durch die Windschutzscheibe nur noch Himmel sieht.

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Der Sorento PHEV ist wenig effizient

Heckansicht des Kia Sorento nach Facelift
Das Karosseriedesign des Kia Sorento verströmt US-Flair© Kia

Und wie sieht der Testverbrauch aus? Im Hybridmodus mit geladener Batterie verbraucht der Plug‑in 7,8 kWh Strom und 5,8 Liter Super pro 100 Kilometer, rein elektrisch gefahren werden hochgerechnet auf 100 Kilometer 26,4 kWh fällig. Ein Ausbund an Effizienz ist der Sorento PHEV also nicht.

Relevante Vorteile erzielt der Teilzeitstromer dann, wenn man möglichst häufig Strom nachlädt: Dann ist der Vorwärtsdrang des Antriebs im Verbund mit dem Verbrenner erstens besonders souverän, und zweitens sind innerstädtische Fahrten wie Kurzstrecken über Land vollständig elektrisch und ohne Emissionen zu bewältigen. Ob das die Wahl des aufwendigen und teuren Antriebs rechtfertigt, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Schließlich kostet der Sorento PHEV schon in der Basis-Ausführung etwas über 61.000 Euro. Der Sorento als "normaler" Hybrid dagegen wäre für rund 55.000 Euro erhältlich. Und als Diesel ist er ab 53.190 Euro (Listenpreis) zu bekommen.

Kia Sorento: Daten & Preise

Technische Daten (Herstellerangaben)

Kia Sorento 1.6 T-GDI Plug-in-Hybrid Spirit AWD Automatik (5-Sitzer) (ab 01/26)

Motorart

PlugIn-Hybrid

Hubraum (Verbrennungsmotor)

1.598 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

212

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

288

Drehmoment (Systemleistung)

380 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

6.000 U/min

Antriebsart

Allrad

Beschleunigung 0-100km/h

8,0 s

Höchstgeschwindigkeit

206 km/h

Reichweite WLTP (elektrisch)

55 km

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

87 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

3,9 l/100 km

Stromverbrauch kombiniert (WLTP)

9,7 kWh/100 km

Batteriekapazität (Brutto) in kWh

13,8

Ladeleistung (kW)

AC:3,3

Kofferraumvolumen normal

693 l

Kofferraumvolumen dachhoch mit umgeklappter Rücksitzbank

2.077 l

Leergewicht (EU)

2.070 kg

Zuladung

450 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.700 kg

Garantie (Fahrzeug)

7 Jahre oder 150.000 km

Länge x Breite x Höhe

4.815 mm x 1.900 mm x 1.695 mm

Grundpreis

66.140 Euro

Daten und Preise zu allen Versionen finden Sie hier.

ADAC Messwerte

ADAC Messwerte (Auszug)Kia Sorento 1,6 T-GDI Plug-in-Hybrid Spirit AWD Automatik (5-Sitzer)

Überholvorgang 60–100 km/h

4,4 s

Bremsweg aus 100 km/h

34,8 m

Wendekreis

12,4 m

ADAC Testverbrauch

7,8 kWh + 5,8 l/100 km

elektr. Reichweite / Reichweite

54 km / 646 km

Innengeräusch bei 130 km/h

66,0 dB(A)

Leergewicht / Zuladung

2058 / 462 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt / dachhoch

520 / 1000 / 1900 l

Fahrzeugbreite inkl. Außenspiegel

2,12 m

ADAC Testergebnis

ADAC Testergebnis

Kia Sorento 1.6 T-GDI Plug-in-Hybrid Spirit AWD Automatik (5-Sitzer) (ab 01/26)

Karosserie

2,3

Innenraum

1,8

Komfort

2,5

Antrieb

1,8

Fahreigenschaften

2,4

Sicherheit

2,4

Umwelt

4,0

Gesamtnote

2,5
Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet

sehr gut

0,6 - 1,5

gut

1,6 - 2,5

befriedigend

2,6 - 3,5

ausreichend

3,6 - 4,5

mangelhaft

4,6 - 5,5

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