Die elektrischen Reichweiten von Plug-in-Hybriden werden immer besser. Welche Modelle es gibt, welche der ADAC getestet hat und ob die Reichweiten realistisch sind. Mit Infos zu Kosten und Verbrauch. Plug-in-Hybride als Brücke zwischen Verbrenner und E-Auto ADAC Ecotest: Welche Plug-in-Hybride sparsam und schadstoffarm sind Aktuell sind 210 Plug-in-Modellversionen erhältlich Wie stark die Autohersteller aktuell auf Plug-in-Hybride setzen, macht sich an der Anzahl der verfügbaren Modellversionen fest: Waren bei der ADAC Marktübersicht 2023 noch 113 Plug-in-Hybride (PHEV) verzeichnet, waren es Anfang 2024 bereits 187 Modellversionen. Heute sind es 210 Modelle. Für viele kann ein Plug-in-Hybrid die ideale Brücke zwischen dem reinen Verbrenner und einem E-Auto sein. So kann man sich langsam an die E-Mobilität herantasten und das Thema Reichweitenangst außen vor lassen. Auch, wenn das bei aktuellen Elektroautos eigentlich kein Thema mehr sein sollte: E-Autos sind längst alltagstauglich geworden. Doch zurück zu den Plug-in-Hybriden. Längst gibt es Modelle, die 100 und mehr Kilometer rein elektrisch fahren – jedenfalls, wenn man den jeweiligen WLTP-Wert aus dem Prospekt zugrunde legt. Rund ein Drittel der aktuellen Plug-ins schafft diese Strecken laut Werksangabe, ohne den Verbrennungsmotor zu bemühen. Damit sind diese Modelle in der Lage, fast alle Alltagssituationen, auch die von Berufspendlern mit weiteren Arbeitswegen, zu bewältigen. Neuester Trend sind PHEV-Modelle, die auch mit bis zu 60 kW an der Schnellladesäule (DC) aufgeladen werden können. Hier lohnt sich das Nachladen also auch bei einer kurzen Pause. Die große Modellübersicht mit den Herstellerangaben zeigt, welche Modelle es derzeit auf dem Markt gibt. Tipp: Klicken oder tippen Sie in der Tabelle auf die Spalten oben (Reichweite, Preis, Leistung), dann werden die Modelle nach Ihrem gewünschten Kriterium sortiert. Diese Plug-in-Hybrid-Modelle gibt es Im linken Reiter (PHEV_AC) sind die Modelle dargestellt, die ausschließlich mit Wechselstrom geladen werden können, im rechten (PHEV_DC) die, die auch über eine Schnelllademöglichkeit via Gleichstrom verfügen. Verbrauch laut ADAC Messung In der Praxis werden die Herstellerwerte aber meist nicht erreicht. Vor allem bei kaltem Akku im Winter oder auf der Autobahn. Unter diesen Bedingungen können die Prospektreichweiten meist nicht erzielt werden. Der ADAC führt daher entsprechende Tests durch. Hier wird exakt ermittelt, wie groß die Differenz zu den Verbrauchs- und Reichweitenangaben von Plug-in-Hybriden ist, die die Hersteller machen. Die Messungen dafür erfolgen auf Basis der realitätsnahen ADAC Ecotest-Messungen. In der Tabelle unten sind alle vom ADAC gemessenen Modelle enthalten, auch Modelle, die es inzwischen nicht mehr oder mit neuerer Technik gibt. Zum Hintergrund und Verständnis der Messwerte im ADAC Ecotest (unter dem rechten Reiter der Tabelle zu finden): Es werden drei Szenarien getestet. Verbrauch mit geladenem Akku ("kombinierter Verbrauch") Verbrauch, ohne den Akku geladen zu haben ("Verbrauch im Hybridmodus") Verbrauch im reinen Elektro-Modus ("Verbrauch im E-Modus") Plug-in-Verbrauch mit geladenem Akku Das erste und wichtigste Szenario ist der Verbrauch auf 100 Kilometer im kombinierten Betrieb: Das heißt, das Auto startet mit einer vollen Batterieladung und fährt zeitweilig rein elektrisch und zeitweilig vom Verbrennungsmotor unterstützt. Der Verbrenner schaltet sich immer dann zu, wenn die Lastanforderung für den Elektroantrieb zu hoch ist – also bei starker Beschleunigung oder hoher Geschwindigkeit auf der Autobahn. Plug-in-Verbrauch ohne geladenem Akku Das zweite Szenario ist der Hybrid-Verbrennermodus. Hier wird mit einer ungeladenen Batterie im Hybrid-Modus gefahren. Der elektrische Antrieb beschränkt sich auf die während der Fahrt gewonnene Rekuperationsenergie. Dieser Wert gibt an, mit welchem tatsächlichen Verbrauch ein PHEV-Kunde unterwegs ist, der sein Fahrzeug nicht oder nur selten über das Stromnetz auflädt. Das ist slles andere als ideal im Umgang mit einem PHEV: Der Kunde hat zusätzliches Geld für einen Elektroantrieb bezahlt, den er gar nicht nutzt. Plug-in-Verbrauch im reinen Elektro-Modus In einer dritten Messung interessiert den ADAC, wie viel Strom das Plug-in-Fahrzeug verbraucht, wenn es 100 Kilometer ausschließlich mit Strom fährt: Dem Elektro-Modus (EV-Modus). Der Stromverbrauch wird für eine erzielbare Teilstrecke ermittelt und auf 100 Kilometer hochgerechnet. Er gibt damit sehr gut Aufschluss über die grundsätzliche Energie-Effizienz eines Fahrzeugs, die von seiner Aerodynamik, dem Fahrzeuggewicht und den Fahrwiderständen bestimmt wird. Summe aus Kraftstoff und Strom Schaut man auf den Verbrauch mit bei Fahrtantritt voll geladenem Akku – das ist der Anwendungsfall, wie ihn der Gesetzgeber im Blick hat –, zeigt sich: Maßgeblich ist die Summe aus Kraftstoff und Strom, der verbraucht wird. Aber während Gesetzgeber und Hersteller den Stromverbrauch mehr oder weniger ignorieren, weil vor allem die CO₂-Emissionen für sie von Belang sind (Stichwort: Flottengrenzwerte), muss der Autofahrer sowohl den Sprit von der Tankstelle als auch die Energie aus der Steckdose bezahlen. Die Angaben der Hersteller sind für den Verbraucher zudem wenig verlässlich, weil sie im Alltag kaum zu erreichen sind. Der getestete Mercedes C 300e kommt nach ADAC Messung auf einen Kraftstoffverbrauch von 1,6 Liter plus 21,1 kWh Strom. Laut Hersteller sind es 0,5 Liter plus 18,5 kWh. Und bei forscherer Fahrweise als im ADAC Ecotest definiert, klaffen die Werte noch weiter auseinander. Der Toyota Prius PHEV benötigt im ADAC Ecotest mit 1,7 Liter minimal mehr Sprit als der Mercedes, aber mit 11,5 kWh erheblich weniger Strom. Unter dem Strich verzeichnet der Toyota damit die deutlich bessere Kosten- und Umweltbilanz. Und so erhält der Toyota satte 95 Punkte und demgemäß die Höchstwertung von fünf Sternen im ADAC Ecotest. Der Mercedes schafft nur 57 Punkte und drei Sterne. Mit vier Sternen in der Umweltbilanz schneiden neun Plug-in-Hybride ab vom BMW X1 bis zum Volvo V60. Nur einen mageren Stern bekommt der BMW X5 Plug-in-Hybrid. Grund: Neben dem Kraftstoffverbrauch von 5,4 Litern genehmigt er sich 20,9 kWh Strom. Der Mercedes GLE ist kaum besser: Beide Fahrzeuge sind groß und schwer, um gehen deshalb wenig effizient mit Energie um. Fazit: Alltagstauglich durch große Reichweiten Zwei gute Nachrichten: 1. Rund ein Drittel der aktuellen PHEVs schaffen nach Werksangabe mehr als 100 Kilometer elektrisch. Tägliche Fahrten lassen sich somit gut rein elektrisch absolvieren. 2. Knapp 100 PHEVs können inzwischen an einer DC-Schnellladesäule aufgeladen werden. Modelle von VW, Cupra, Landrover oder GWM beispielsweise mit bis zu 50 kW. Manche Versionen von Mercedes mit 55 oder sogar 60 kW. Der günstigste PHEV mit großer Reichweite ist der MG HS PHEV aus China. Der schafft 100 Kilometer nach WLTP-Messung, kostet "nur" 39.990 Euro und hat mit 272 PS mehr als genug Antriebsleistung für zügiges Vorankommen. Noch weiter kommt man mit einem VW Golf. Den VW Golf 1.5 eHybrid mit 150 kW/204 PS gibt es für 43.395 Euro. Seine mögliche elektrische Reichweite beträgt nominell 143 Kilometer. Dienstwagenfahrer schauen eher auf einen Audi A6 mit 105 Kilometern Reichweite. Bei BMW kommt ein 5er Plug-in ebenfalls auf über 100 Kilometer, bei Mercedes sind es deutlich mehr . So muss sich die Premium-Kundschaft eher noch gedulden oder auf einen teuren Mercedes ausweichen – oder auf den VW Passat Variant 1.5 eHybrid, den es mit 150 kW/204 PS und 126 Elektro-Kilometer für 52.405 Euro gibt (siehe Tabelle). ADAC Tipps zum Plug-in-Hybrid Ein PHEV sollte so oft wie möglich am Stromnetz aufgeladen werden, um einen möglichst hohen elektrischen Fahranteil zu erreichen. Lademöglichkeiten zu Hause und/oder an der Arbeitsstätte sind dazu unabdingbar. Was grundsätzlich gilt, trifft auch für Plug-in-Hybride zu: Das Auto sollte so klein wie möglich und nur so groß wie nötig sein. Bei häufigen Langstrecken ist ein Dieselmotor in der Regel immer noch der effizientere und emissionsärmere Antrieb. Achten Sie daher genau auf Ihr Fahrprofil. Auf der Autobahn ist es auf längeren Strecken sinnvoller, im Hybridmodus zu fahren und die aufgesparte elektrische Energie dann auf Landstraßen und innerorts zu nutzen. Dies ist auch vor dem Hintergrund einer Reduzierung der Emissionsbelastung in Städten empfehlenswert. Nutzen Sie die intelligente automatische Wahl des Fahrmodus durch gezielten Einsatz des bordeigenen Navigationsgeräts. Das Laden der Batterie über den Verbrennungsmotor im "Charge-Modus" ist ineffizient und sollte vermieden werden. Privatkäufer und Flottenbetreiber sollten darauf achten, mit der Anschaffung eines PHEV auch zeitgleich die Lademöglichkeiten durch eine Ladekarte für öffentliches Laden und/oder eigene Ladeinfrastruktur sicherzustellen. Mit der Nutzung von regenerativ erzeugtem Strom reduzieren sich die CO₂-Emissionen. Das fordert der ADAC Die Automobilhersteller geben bei den Plug-in-Hybriden im Regelfall nur den kombinierten Verbrauch für Sprit und Strom mit geladenem Akku an. Der ADAC fordert die Hersteller auf, auch die Verbrauchswerte für das rein elektrische Fahren sowie den Betrieb mit leerer Antriebsbatterie anzugeben. Auch die Unternehmen sind gefragt: Wer Plug-in-Hybride als Dienstwagen zur Verfügung stellt, sollte an betriebseigenen Stellplätzen für ausreichende Ladeinfrastruktur sorgen und zudem möglichst Ladepunkte bei den Mitarbeitern zu Hause unterstützen. Ein entscheidender Faktor für die Umweltbilanz von Plug-in-Hybriden ist schließlich die individuelle Nutzung. Wer seinen PHEV privat oder als Dienstwagen hauptsächlich auf der Autobahn bewegt, verbraucht mehr Kraftstoff als mit einem herkömmlichen Verbrenner. Autobesitzer, die ihren Wagen vor allem auf kurzen Strecken einsetzen und regelmäßig aufladen, können dagegen Sprit sparen und zumindest in der Stadt lokal emissionsfrei fahren. FAQ zur Plug-in-Technik Fachliche Beratung: Martin Ruhdorfer, Matthias Vogt (ADAC Technik Zentrum)