C2X oder Car-to-X: Wenn Autos mit der Umwelt kommunizieren

Mann tippt auf Display des Autos
Bei C2X kommunizieren Autos untereinander oder mit der Verkehrsinfrastruktur ∙ © iStock.com/bfk92

Vernetzung ist ein zentrales Thema im Bereich Mobilität, C2X-Kommunikation das passende Schlagwort. Heutige Autos tauschen bereits Informationen mit den Herstellern aus, aber teilweise auch untereinander, mit der Verkehrstechnik in Städten und auf Autobahnen.

Wenn Autos mit Autos oder Autos beispielsweise mit Ampeln in digitalen Kontakt treten, klingt dies nach einer Vision. Doch schon heute gibt es Einsatzfälle von C2X, die positive Wirkungen auf den Verkehrsablauf und die Sicherheit des Fahrers haben. Aktuell fehlt allerdings eine grundsätzliche Voraussetzung zur Erreichung dieser Ziele: Die Einigung über einen einheitlichen Kommunikationsstandard, der dann länder-, hersteller- und modellübergreifend ist. 

Was bedeutet C2X?

C2X ist der Oberbegriff für verschiedene Kommunikationswege innerhalb der vernetzten Mobilität. Diese können von Fahrzeug zu Fahrzeug oder von Fahrzeug zur verkehrstechnischen Infrastruktur führen. Die Fahrzeuge sind stets sowohl Sender als auch Empfänger von Daten. Der Austausch dieser Informationen sollte in Echtzeit erfolgen, damit etwa rechtzeitig vor einem Stauende gewarnt werden kann. Außerdem sollten sich die Autos untereinander direkt warnen können, ohne auf weitere Infrastruktur angewiesen zu sein.

Welche Technologie wird bei C2X eingesetzt?

Im Fahrzeug

Im Regelfall erfolgt die Kommunikation über WLAN oder Mobilfunktechnik, die im Auto fest verbaut ist. Die Kommunikation muss zeitgemäß abgesichert sein, damit nur "echte" Warnungen übermittelt werden. Die empfangenen Meldungen bzw. Gefahrenhinweise werden auf dem Mitteldisplay des Autos dargestellt, lösen Warntöne aus oder können später auch Notbremsassistenten etc. aktivieren.

In der verkehrstechnischen Infrastruktur    

Fahrzeuge benötigen für die Vernetzung und den Austausch von Informationen einen technisch vergleichbar ausgestatteten Gegenpart auf der Seite der verkehrstechnischen Infrastruktur. Der Datenaustausch sollte über einen einheitlichen Kommunikationsstandard erfolgen.

Mehr Sicherheit und besserer Verkehrsfluss bei C2X

Was leistet C2X-Kommunikation?

Sie soll für eine höhere Sicherheit sorgen und durch Stauvermeidung den Verkehrsfluss in Städten und auf Autobahnen verbessern. Bei ADAC Tests zeigte sich, dass mit C2X erstmals Unfälle komplett verhindern werden können, die durch die bisherige Techniken meist nur abgemildert wurden. "C2X wird die Zahl der im Straßenverkehr verletzten oder getöteten Personen weiter reduzieren können", sagen die Experten des ADAC.

Car2X erweitert also den Horizont der Fahrzeugsensorik durch den möglichst in Echtzeit erfolgenden Informationsaustausch mit der Umgebung. Der so gewonnene "digitale Blick um die Kurve" kann zum frühzeitigen Erkennen einer gefährlichen Situation beitragen. Ein Notarzt- oder Feuerwehrauto kann vor einer Kreuzung einen Warnhinweis auf dem Display anderer Autos in unmittelbarer Nähe auslösen. Oder aber, wenn beim Ansprechen des Anti-Schleuder-Systems ESP der nachfolgende Verkehr vor rutschigen oder glatten Stellen gewarnt wird.

Anwendungsbeispiele für Car2X-Kommunikation

Die Hersteller haben bereits einige Anwendungsbeispiele gezeigt. So können Fahrzeuge von Audi in Berlin derzeit mit mehr als 700 Ampeln über deren zentrale Steuerung kommunizieren. Dabei wird die optimale Geschwindigkeit des Fahrzeugs für die grüne Welle vorausberechnet oder dem Fahrer die verbleibende Laufzeit der aktuellen Rotphase angegeben. Damit kann Kraftstoff eingespart werden. Auf Autobahnen könnte diese Technik darüber hinaus den Verkehrsfluss optimieren. 

Bei Fahrzeugen von Mercedes-Benz gehen Warnungen zu gesperrten Kreuzungen oder über Sichteinschränkungen an andere Autos bestimmter Baureihen (bisher u.a. E-Klasse). Die Informationsübermittlung erfolgt über ein Backend, einem zentralen Server des Herstellers, an das Fahrzeug.

Volkswagen stattet seit Ende 2019 alle Golf 8, ID.3, ID.4 und weitere Konzernmodelle serienmäßig mit C2X per WLAN (Direktkommunikation) aus, die vor elf Gefahrensituationen warnen können – u.a. stehendes Pannenfahrzeug, Stauende, Einsatzfahrzeug sowie Warnschild auf der Autobahn.

Datenschutz

Bei der C2X-Kommunikation werden zwangsläufig große Datenmengen erfasst, ausgetauscht und verarbeitet. Und zwar nicht nur in den Fahrzeugen, sondern auch in der Verkehrstechnik sowie in den Backends der Hersteller und bei den Mobilfunkanbietern, wenn keine Direktkommunikation zwischen Auto und Auto verwendet wird. Die Herausforderung ist eindeutig: Ohne weitreichende Datenverarbeitung kann eine Vernetzung nicht wirksam werden.

Um potenziellem Datenmissbrauch einen Riegel vorzuschieben, muss auf jeden Fall die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) eingehalten werden. Außerdem muss der Fahrer wissen, wann welche Daten zu welchem Zweck erhoben werden, zudem muss er eigenständig entscheiden können, welche vom Hersteller angebotenen Dienste er nutzen möchte und welche Daten dieser verwenden darf.

Außerdem muss die eingesetzte IT stets auf dem aktuellen Stand der Sicherheitstechnik sein, um Manipulationen zu verhindern und mögliche Sicherheitslücken aufzudecken. Da IT-Sicherheit und funktionale Sicherheit der eingesetzten Systeme miteinander verwoben sind, ist die IT-Sicherheit ein kritischer Faktor für eine erfolgreiche Einführung von vernetztem und autonomen Fahren.

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © iStock.com/AndreyPopov

Text: Jörg Peter Urbach

Redaktion
Kontakt

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?