VW ID Neo: Erste Testfahrt im Prototyp des Elektroautos

21.3.2019

Der VW ID Neo kommt 2020 auf den Markt und soll ab 8. Mai 2019 vorbestellbar sein. Wir konnten den Prototyp schon testen. Plus: Video, technische Daten, Infos zu Batterie, Reichweite und Preis

  • Der VW ID Neo ist das erste rein als Elektroauto konzipierte Modell von Volkswagen
  • Für die ID-Familie wurde eine komplett neue Baukasten-Architektur entwickelt
  • Die Batterie soll für bis zu 550 km Reichweite sorgen, die Preise starten bei 30.000 Euro

 

VW ist mal wieder spät dran. Denn während Kia, Hyundai und sogar Opel schon dezidierte Elektroautos verkaufen, hechelt der Marktführer dem Trend noch mit umgebauten Ups und Golfs hinterher. Doch Frank Bekemeier lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Der Wolfsburger Veteran leitet die Entwicklung des VW ID Neo, mit dem die Niedersachsen endlich mitschwimmen wollen auf der elektrischen Welle. Der ID Neo ist das erste Auto der neuen Baukasten-Architektur MEB, die den gesamten Volkswagen-Konzern in die neue Zeit führen soll.

Cockpit mit Touchscreen und Head-up-Display

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Elektroauto VW ID Neo
Noch ist wenig zu erkennen vom futuristischen Cockpit

Das ehrgeizige Ziel der Wolfsburger: Der elektrische Erstling soll zum Golf einer neuen Generation werden und Elektromobilität zum Massenphänomen machen. Nicht weniger als 27 Modelle sollen aus diesem Modularen Elektrobaukasten allein bis 2022 für die verschiedenen Marken entstehen.

Und alle bauen auf die Grundlagenarbeit, die Bekemeier daheim in Wolfsburg beim Entwickeln und hier in Südafrika beim Testen leistet. "Schließlich hat der MEB mit dem MQB von Golf & Co. nicht viel mehr gemein als ein paar Scharniere, die Türgriffe und den 12-Volt-Akku", sagt Bekemeier. "Alles andere ist von Grund auf neu."

Der ID Neo misst zwar wie der Golf etwa 4,25 Meter, hat aber einen um etwa zehn Zentimeter größeren Radstand und bietet auf der Rückbank entsprechend mehr Platz. Erst recht, weil auf dem MEB der leidige Mitteltunnel für den Allradantrieb ausgedient hat.

Er hat das futuristischere Cockpit mit einem winzigen Display hinter dem Lenkrad und einem riesigen Touchscreen daneben, er nutzt die nächste Generation Head-Up-Display mit dreimal so großer Projektionsfläche und Grafiken in Augmented Reality und er kommt bis auf die Fensterheber ganz ohne haptische Schalter aus, sondern setzt voll auf eine Sensorbedienung.

Und als wäre das nicht schon Revolution genug, baut VW neben einer Sprachsteuerung im Stil des Mercedes-Systems MBUX auch noch eine neue Mensch-Maschine-Schnittstelle ein: Eine LED-Leiste unter der gesamten Frontscheibe visualisiert die Abbiegehinweise der Navigation, macht auf eingehende Telefonate aufmerksam oder zeigt den Füllstand des Akkus.

Elektroauto VW ID Neo
Komplett neu konzipiert: Das Chassis der VW ID-Familie

Die Batterie soll 550 km Reichweite bringen

Der größte Unterschied macht aber natürlich der Antrieb: Er ist in der neuen Architektur ähnlich leicht skalierbar wie Radstand oder Spurweite und erlaubt zwei Motoren mit bis zu 80 kW vorn und 150 kW hinten sowie Akkus mit mehr als 100 kWh dazwischen. Die können mit bis zu 125 kW und später auch induktiv geladen werden: "Die Technik dafür haben wir im Baukasten bereits eingeplant," sagt Bekemeier. Für den Neo allerdings beschränkt sich der Baureihenleiter zunächst auf den Heckmotor und plant mit drei Akkupaketen, die WLTP-Reichweiten zwischen 330 und 550 Kilometern abdecken sollen.

Höchstgeschwindigkeit: 160 bis 180 km/h

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Elektroauto VW ID Neo
VW ID Neo-Erlkönig: Abnahmefahrt am Kap der Guten Hoffnung

Auch wenn alles neu ist, zielt der ID Neo auf eine vertraute Kundschaft. "Wir wollen vor allem Menschen ansprechen, die heute einen Golf kaufen", sagt VW-Entwicklungsvorstand Frank Welsch. Deshalb wirbt der Manager auch mit den gleichen Eigenschaften wie bei seinem bisherigen Bestseller. Verlässlich und im positiven Sinne alltäglich soll der Neo fahren, fasst Welch das Lastenheft zusammen und prahlt deshalb auch nicht wie seine Kollegen bei Audi oder BMW mit spektakulären Eckdaten.

Die Fakten: Er beschleunigt mit über 300 Nm Drehmoment von der ersten Millisekunde an beim Ampelstart mit quietschenden Reifen und wischt auf der Landstraße beim Überholen locker am Vordermann vorbei. Aber genauso selbstverständlich ist es bei höheren Geschwindigkeiten mit der Elastizität nicht ganz so weit her.

Und ohne Scham gesteht Welsch ein, dass er den Neo irgendwo zwischen 160 und 180 km/h abregeln wird. Wer mehr Fahrspaß will, soll einen Audi e-tron oder einen Porsche Taycan kaufen. Oder warten, bis Welch und Bekemeier die Pflicht erledigt haben und für die Kür ein elektrisches Pendant zum GTI entwickeln dürfen.

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Audi e-tron GT Concept auf Testfahrt in Los Angeles

Die ersten Fahreindrücke sind positiv

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Elektroauto VW ID Neo
Erste Testfahrten: Motorwelt-Autor Thomas Geiger am  Steuer des VW ID Neo

Zumindest auf der ersten Testfahrt am Rande der Abstimmung am Kap der Guten Hoffnung lässt der Prototyp aber keine großen Wünsche mehr offen. Zwischen den Sonntagsfahrern auf der Garden Route jedenfalls schwimmt man locker und lässig mit. Und wenn einer der Touristen zu lange aus dem Fenster schaut, reicht ein Kickdown, schon ist man vorbei.

Mit ein bisschen Übung kommt man auch mit einem Pedal durch den etwas zähflüssigen Verkehr. Wer an dem wie beim BMW i3 neben das Lenkrad gerückten Wählschalter von D auf B stellt, hat jedenfalls so viel Rekuperationsleistung, dass er die mechanische Bremse kaum noch braucht.

Und sollte man sich mal verfahren, freut man sich über einen überraschend kleinen Wendekreis. Weil es im einstigen Motorraum nicht mehr so voll ist, können die Vorderräder weiter einschlagen und man braucht keine zehn Meter mehr zum Wenden. Damit liegt der Neo auf dem Niveau des VW Up – nur dass der einen guten halben Meter kürzer ist.

VW ID Elektroauto-Familie
Die VW ID-Familie: ID Buzz (links), ID Crozz (Mitte) und ID Neo

Die Preise starten bei ca. 30.000 Euro

Natürlich fehlt der Software fürs Infotainment noch der letzte Stand, die Lenkung ist Welsch noch nicht direkt genug, das Abrollgeräusch der ungewöhnlich großen Reifen ist ein bisschen laut, das Anfahren bisweilen ein bisschen ruckelig und dem Fahrwerk würde ein bisschen Feinschliff nicht schaden.

Bei anderen Herstellern wäre das in ein paar Monaten erledigt und die Markteinführung könnte spätestens im nächsten Sommer starten. Doch VW wäre nicht VW, wenn sich die Niedersachsen dafür nicht etwas länger Zeit ließen. Deshalb müssen die Kunden bis Anfang 2020 warten, um für einen Einstiegspreis von knapp 30.000 Euro endlich auch bei VW so richtig auf der elektrischen Welle reiten zu können.

Neueste Info: Ab 8. Mai soll der I.D. Neo vorbestellbar sein. 

 

Text: Thomas Geiger. Fotos: Ingo Barenschee (3), PR.

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