Auto & Innovation

VW I.D. Buzz: Erste Testfahrt

Der VW Bus wird elektrisch. Bei unserer ersten Probefahrt überzeugt der neue Bulli auf ganzer Linie. Zu welchem Preis er auf den Markt kommt, wissen wir allerdings erst zum Serienstart 2022

Abgasskandal, Kartellverdacht und Vertrauensverlust – bislang hat Volkswagen angesichts des riesigen Imageschadens nur gute Miene zum bösen Spiel gemacht. Doch jetzt nehmen die Niedersachsen ihr Schicksal wieder selbst in die Hand und blasen zur großen Charme-Offensive. Dabei setzen sie auf einen Sympathieträger, wie es ihn im ganzen Konzern nur einmal gibt: Den VW Bus. Genauer gesagt auf den legendären Bulli, mit dem die Geschichte des Transporters vor bald 70 Jahren begonnen hat. Ganz nach dem Vorbild der Designstudie I.D. Buzz soll er als elektrische Inkarnation der Ikone tatsächlich in Serie gehen, haben die Niedersachsen beim Concours d’Elegance im mondänen Pebble Beach verkündet.

Die Kunden können es kaum erwarten
„Wir haben seit der Premiere in Detroit viel Post bekommen, in der uns Kunden schreiben: ,Bitte baut dieses Auto!‘,“ sagt VW Markenvorstand Herbert Diess. Er hat die elitärste Motorshow der Welt nicht ohne Grund als Ort der Verkündung gewählt. „Der Microbus, wie der Bulli in Amerika heißt, war immer Teil des kalifornischen Lifestyles“, sagt Diess und will deshalb auch das Comeback von dort aus starten.

Dass es überhaupt noch einmal zu einer Neuauflage der Ikone kommt, hatten Fans des Bulli kaum mehr zu hoffen gewagt. Zu oft hat es VW in den letzten Jahren mit Retro-Bussen probiert, nur um die Prototypen kurz darauf wieder einzustampfen. Denn irgendwie wollten Design, Technik oder Kosten nie so richtig passen. „Doch mit dem I.D. Buzz haben wir die Lösung, wie wir den Bulli in die Zukunft bringen können“, sagt Diess: „Mit einem Elektroantrieb.“

Vielleicht ist diesmal also wirklich Zeit für ein bisschen Vorfreude. Erst recht, wenn man gebeten wird, mit einer fast magischen Geste die elektrischen Türen aufschwingen zu lassen, wenn man eingeladen wird, sich hinter das eigenwillige Lenkrad in dem ungewöhnlich cleanen Cockpit zu setzen, und wenn man dann mit dem Showcar auch noch eine Runde drehen darf.

Ein Auto, das schon immer begeistert hat
Was das I.D. Buzz so vielversprechend macht, ist nicht nur sein elektrischer Antrieb und eine Flachboden-Batterie von bis zu 111 kWh. Es ist nicht die Beschleunigung von 0 auf 100 in weniger als fünf Sekunden und auch nicht das Design, das außen schnörkelloser und innen schlichter kaum sein könnte. Sondern es ist vor allem der Umstand, dass der futuristische VW Bus dem historischen Mikrobus näher kommt als alle Generationen zuvor. Er hat das gleiche unerreichte Verhältnis von Größe und Raum, er hat denselben freundlichen Charakter.

Fazit: Natürlich ist das handgefertigte Einzelstück weniger sportlich, als das Datenblatt verspricht. Die ungewöhnlichen schlanken und hohen Reifen auf ihren 22-Zoll-Felgen sind etwas laut und nicht sehr komfortabel. Was man noch nicht ausprobieren kann, das ist der autonome Modus, den Volkswagen ab 2025 anbieten will. Weil alle Sensoren und Kameras noch fehlen, kann man nur im Stillstand versuchen, was bald auch während der Fahrt funktioniert: Man muss nur den Finger für mehr als drei Sekunden auf das VW-Logo legen oder ein bisschen an seinem Sitz ruckeln, und das Lenkrad zieht sich ins Armaturenbrett zurück. Dann kann man seinen Sessel um 180 Grad nach hinten drehen und seine ganze Aufmerksamkeit den bis zu sieben Personen widmen, die in der geräumigen Lounge Platz finden.

Und der I.D. Buzz bietet noch andere Gimmicks: Ernsthafte wie die Kameras anstelle der Spiegel, die Gesichtserkennung als Ersatz für den althergebrachten Tür- und Zündschlüssel und alberne wie den kleinen Buddha, der mit einem breiten Grinsen über dem Armaturenbrett schwebt. Ja, es hat ein bisschen länger gedauert, bis Volkswagen einen glaubwürdigen Erben des Bulli gefunden hat, und jetzt müssen wir uns bis zum Serienstart noch einmal fast fünf Jahre gedulden. Aber wenn das Serienmodell auch nur halb so gut wird wie die Studie, dann hat sich das Warten zumindest gelohnt.

Text: Thomas Geiger. Fotos: PR. © ADAC Motorwelt 09/2017

Kontakt zur Redaktion: redaktion.motorwelt@adac.de

Daten & Fakten (Herstellerangaben)

VW I.D. BUZZ
Motor: je ein Elektromotor pro Achse, 275 kW/ 374 PS
Fahrleistungen: <5,0 s auf 100 km/h, Spitze 160 km/h, Reichweite 600 km
Maße: L 4,94/B 1,98/H 1,96 m
Kofferraumvolumen: 4600 l.
Preis: 50.000 € (Schätzung)