Testfahrt Opel Combo: Wie gut ist der Deutsch-Franzose?

7.11.2018

Der Opel Combo ist ein praktischer Hochdachkombi und baugleich mit Peugeot Rifter und Citroën Berlingo. Erster Fahrbericht unserer Test-Redaktion, technische Daten, Video und das Ergebnis des Crashtests. Preis: ab 19.995 Euro

  • Den Opel Combo gibt's in zwei Längen mit vielen Ablagen und sehr guten Platzverhältnissen
  • Die Motoren leisten 76 bis 130 PS, alternative Antriebe sind nicht verfügbar
  • Direkte Konkurrenten sind VW Caddy, Renault Kangoo, Ford Tourneo und Mercedes Citan
  • Die Lieferversion Combo Cargo hat bis zu 4,4 m3 Ladevolumen und 1000 Kilogramm Zuladung

 

Dass Autohersteller Kooperationen eingehen, gemeinsam entwickeln und baugleiche Modelle unter verschiedenen Markennamen anbieten, ist heute weit verbreitet. So spart man Entwicklungskosten, hebt Synergieeffekte und lastet die Produktionskapazität aus. Das Problem dabei: Treibt man es auf die Spitze, geht die Markenidendität verloren – einer sieht aus und fährt wie der andere.

Die Gefahr besteht auch beim Trio Citroën Berlingo, Peugeot Rifter und Opel Combo. Selbst wenn deren Nasen dem jeweiligen Marken-Look angepasst wurden, sieht man spätestens beim Blick auf Profil und Heck der Hochdachkombis: Hier steht ein identisches Fahrzeug, das von drei PSA-Marken vertrieben wird.

Praktischer Hochdachkombi

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Heckansicht Opel Combo 2018
Über die große Heckklappe ist der Hochdachkombi gut zu beladen

Zwar betont Opel energisch, dass der neue Combo ein mit den Franzosen gemeinsam entwickeltes Auto sei und die Zusammenarbeit mit Peugeot und Citroën schon weit vor der Übernahme Opels durch PSA stattgefunden hätte. Doch allzu sehr scheinen sich die Rüsselsheimer nicht eingebracht zu haben: Motoren, Technik und Innenraumgestaltung tragen eine französische Handschrift.

"Wir sind in diesem Segment viel zu lange unter unseren Möglichkeiten geblieben", sagt Opels Kommunikations-Chef Johan Willems. Ein klarer Seitenhieb auf Ex-Partner Fiat. Von 2011 bis 2018 lieferten die Italiener mit dem Doblo die Basis für den Combo. Ist nun aus der Kooperation mit Peugeot und Citroën das bessere Auto entstanden?

Klares ja. Der Combo präsentiert sich mit seinen französischen Brüdern als derzeit modernster Hochdachkombi auf dem Markt. Allein 19 Fahrersassistenzsysteme vom Head-up-Display bis zum Notbremsassistenten sind zu haben, viele davon sogar serienmäßig – da sieht selbst der Marktführer VW Caddy alt aus. Und bei der Gestaltung des Innenraums hat man sich trotz sehr einfacher Kunststoffe um eine wohnliche Pkw-Atmosphäre bemüht. Denn mit schlichtem Nutzfahrzeugflair punktet heute selbst in dieser Fahrzeugklasse keiner mehr.

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Wer will, kann sich im Combo sogar ein wenig Luxus gönnen. Ein beheizbares Lenkrad etwa, einen automatischen Parkassistenten oder ein Glas-Panoramadach mit einer offenen Ablagegalerie in der Mitte und LED-Ambientebeleuchtung. Das Smartphone lässt sich  kabellos laden und via Apple CarPlay und Android Auto perfekt integrieren.

Richtig ausgetobt haben sich die Ingenieure aber im Innenraum. Mit bis zu 28 (!) Ablagemöglichkeiten stellt sich die Frage erst gar nicht, ob der dicke Autoatlas, der Kuschelzoo für die Kleinen oder die CD-Sammlung (ja, es gibt noch einen CD-Player für 180 € Aufpreis) irgendwo Platz haben. Vielmehr sollte man sich genau merken, wo man was verstaut hat, um es wieder zu finden.

Nur ein paar Beispiele: Es gibt zwei Handschuhfächer, das obere ist gekühlt. Zwischen Fahrer und Beifahrer sitzt eine riesige Ablagebox. Und selbst hinter den Köpfen der Fondpassagiere ist am Dach ein breites Fach angebracht, im Boden finden sich zwei weitere.

Viel Platz, variabler Innenraum 

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Seitenansicht Opel Combo 2018
Die Standardversion (oben) ist 4,40 Meter lang, der Combo XL 4,75

Der Vorteil der Kastenform: Platzprobleme gibt es nicht. Das Raumgefühl fällt sowohl in der 4,40 Meter langen Kurzversion als auch in der Stretchvariante (1450 € Aufpreis) mit 4,75 Metern Länge richtig gut aus. Das Longmobil ist zu empfehlen, wenn man sich für den Combo als Siebensitzer entscheidet (auch den Kurzen gibt es als Siebensitzer) oder öfter seinen kompletten Hausstand zu transportieren hat.

Nimmt der kurze Combo schon zwischen 597 und 2126 Liter Gepäck auf, glänzt der lange mit einem Fassungsvermögen von 850 bis 2693 Liter. Laut Opel sollen zwei Europaletten problemlos zu verstauen sein. Ist der Beifahrersitz umgeklappt, schluckt der Hochdachkombi sogar ein Drei-Meter-Surfbrett.

Statt einer durchgehenden Bank lassen sich auch drei Einzelsitze in der zweiten Reihe wählen, was den Combo zwar noch variabler macht, aber nicht unbedingt bequemer. Für Erwachsene sind die Sitze einfach zu eng geschnitten. Prima dagegen, dass sich die Sitzfläche beim Umklappen automatisch absenkt, damit eine brettebene und gut nutzbare Ladefläche entsteht. Und weil drei Kindersitze nebeneinander passen, dürften auch Großfamilien zufrieden sein.

Alltagstaugliche Fahrleistungen

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Seitenansicht Opel Combo 2018
Angenehm zu fahren dank softer Federung und ordentlicher Dämmung

Die sehen den Combo spätestens nach einer Probefahrt auch sicher nicht mehr nur als Notlösung im Vergleich zum deutlich teureren Zafira: Mit französisch-galantem Federungskomfort und einem im Vergleich zum Vorgänger merklich niedrigeren Geräuschniveau verlieren selbst längere Reisen ihren Schrecken.

Bei den Motoren bleibt der Combo bodenständig und übernimmt die PSA-Aggregate mit Leistungen bis 130 PS. Der Schwerpunkt liegt klar auf den Dieselmotoren, die in drei Leistungsstufen mit 76, 102 und 130 PS angeboten werden. Letzteren gibt es auch mit Acht-Gang-Automatik, die sanft schaltet und uneingeschränkt empfohlen werden könnte – nur leider kostet die Kombination mindestens 29.250 Euro.

Deutlich günstiger fährt man mit dem derzeit einzigen Benziner, dessen 110 PS im Alltag völlig ausreichen. Erst ab 130 km/h hat der 1,2-Liter-Dreizylinder keinen großen Elan mehr. 2019 wird ein zweiter Benziner mit 130 PS nachgereicht. Alternative Antriebe sind derzeit nicht vorgesehen – schade, den Vorgänger gab es noch als CNG-Erdgas-Version.

Wie so oft ist der Basispreis von 19.995 Euro für den "Selection" nur als Blickfang für die Preisliste gedacht. Weil sich für die Grundversion kaum Extras ordern lassen, sollte es schon der nächst höhere "Edition" sein. Der kostet allerdings 23.450 Euro, und mit ein wenig Schnickschnack geht's dann rasch Richtung 30.000.

Günstig ist der Opel Combo also nicht mehr, und eine eigene Identität kann man ihm auch nicht wirklich bescheinigen. Denn was der Combo kann, können Citroën Berlingo und Peugeot Rifter gleichermaßen. Doch das hat auch sein Gutes: Egal für welche der drei man sich entscheidet – man macht wenig verkehrt.

Opel Combo: 4 Sterne im EuroNCAP-Crashtest 

Der Opel Combo ist baugleich mit dem Peugeot Rifter und dem Citroën Berlingo – alle drei Fahrzeuge erreichen im EuroNCAP-Crashtest vier Punkte von fünf möglichen. Getestet wurde mit dem Peugeot.

Das Fahrzeug ist mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern in der ersten und zweiten Sitzreihe ausgestattet. Für die vorderen Plätze sind zusätzlich
Seitenairbags verbaut.

Der Insassenschutz ist gut, das Verletzungsrisiko ist für Erwachsene und Kinder überwiegend gering bis sehr gering.

Beim Fußgängerschutz gibt es Nachholbedarf: So bergen die Bereiche am Windlauf und an den A-Säulen bergen ein hohes bis sehr hohes Verletzungsrisiko. In der Nacht reagiert der Notbremsassistent nur grenzwertig auf am Fahrbahnrand längslaufende Fußgänger wie auch auf querende Fußgänger.

Der Rifter ist serienmäßig mit einem umfassenden Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten, automatischem Speed-Limiter und aktivem Spurhaltesystem ausgestattet.

Technische Daten
Opel Combo Life 1.2 Edition
Motor
3-Zylinder-Turbobenziner, 1199 cm3, 81 kW/110 PS, 205 Nm bei 1750 U/min  
Fahrleistungen
11,8 s auf 100 km/h, 175 km/h Spitze  
Verbrauch
5,5 – 5,8 l Super/100 km, 125-133 g CO2/km 
Maße Kurzversion L 4,40 / B 1,85 / H 1,84 m
Kofferraum Kurzversion
597 – 2126 l 
Maße Langversion
L 4,75 / B 1,85 / H 1,88 m 
Kofferraum Langversion
850 – 2693 l 
Preis
23.450 €, Baureihe ab 19.995 €

 

  • Das hat uns gefallen: Viel Platz. Sehr viele Ablagemöglichkeiten. Praktische Schiebetüren. Bequemer Einstieg. Gut nutzbarer Kofferraum. Viele Assistenzsysteme. 
  • Das hat uns nicht gefallen: Für Erwachsene zu schmale Sitze im Fond. Teigiges Schaltgetriebe. Reichlich billiger Kunststoff. Keine Erdgasversion mehr im Angebot.

 

Text: Jochen Wieler. Fotos: PR.

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(acfo)

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Opel Combo Cargo: Handwerkerversion mit hohem Nutzwert

Opel Combo CargoNeben der Version für Familien gibt es vom neuen Combo auch wieder eine Variante für Handwerker.

Der Kleintransporter wird ausschließlich mit Dieselmotoren angeboten (76 bis 130 PS), kommt ebenfalls in zwei Radständen (Cargo und Cargo XL) und in einer Version mit erhöhter Zuladung. Die packt bis zu 1000 Kilogramm ins Heck.

Das Ladevolumen liegt bei 3,3 bis 3,8 m3 (Cargo) und 3,9 bis 4,4 m3 (Cargo XL), die maximale Ladelänge beträgt 3,09 bzw. 3,44 Meter.

Preis: ab 16.850 Euro netto.