Opel Astra Electric: Was bringt die Überarbeitung?
Von Redaktion
Opel hat 2026 den Astra überarbeitet – und damit auch den Astra Electric. Was sich alles geändert hat und ob es reicht, um mit der Konkurrenz mitzuhalten, zeigt die aktuelle Testfahrt.
Akkukapazität ist nur leicht gestiegen
Opel verspricht rund 450 Kilometer Reichweite
Preis ab 37.990 Euro, Sports Tourer ab 39.490 Euro
Bei Opel – und mittlerweile auch beim Mutterkonzern Stellantis – scheint man begriffen zu haben, was für ein Pfund Tradition sein kann. Und so reklamieren die Rüsselsheimer ein knappes Jahrhundert Kompaktsegment-Erfahrung für sich, begonnen beim Ur-Kadett 1936.
Dennoch gilt es natürlich, mit der Zeit zu gehen – die jahrzehntelange Expertise im Kernsegment sollte da durchaus von Nutzen sein. 2026 wurden der Astra und auch der Astra Electric überarbeitet.
Eine Erleuchtung? Die Front des 2026er Opel Astra

Dynamischer, mit Elementen der jüngsten Studie Opel Corsa GSE Vision Gran Turismo präsentiert sich der Opel-Evergreen Astra und Astra Sports Tourer. Das fällt zuallererst am Bug auf. Die durchgehende Lichtleiste mit dem permanent beleuchteten Opel-Blitz in der Mitte ist der Blickfang der neuen Astra-Modelle.
"Licht ist das neue Chrom", wie Philipp Röckl, bei Stellantis weltweit für die Außenbeleuchtung zuständig, sagt. Erstmals bringt Opel sein sogenanntes Intelli-Lux HD-Licht, die Rüsselsheimer Variante adaptiver, blendfreier Lichttechnologie, in die Kompaktklasse. 51.200 LED-Elemente, 25.600 pro Seite, ermöglichen so eine hochauflösende, blendfreie Lichtverteilung. Dabei wird die Fahrstrecke samt Umgebung jederzeit passgenau ausgeleuchtet.

Abhängig von der jeweiligen Verkehrssituation erkennt die Kamera vorausfahrende sowie entgegenkommende Verkehrsteilnehmer. Diese bleiben blendfrei, ohne dass man als Fahrer an Sicht einbüßt. Der "Lichttunnel", als der von den LEDs ausgesparte Bereich, wird noch schmaler als bei Vorgängertechnologien, während der Rest der Straße und des Umfelds besser ausgeleuchtet bleibt. Das funktioniert, wie der Test bei absoluter Dunkelheit auf einsamen Landstraßen in Dalmatien eindrucksvoll bestätigte.
Gleichzeitig ist die Streuung des Lichts deutlich breiter, auch und gerade an den Straßenrändern und bei Kurvenfahrten. So sind Tiere und Fußgänger, die vom bisherigen Lichtradius nicht erfasst wurden, jetzt deutlich zu erkennen. Ab etwa 50 km/h öffnet sich diese blendfreie Breitbandlichtstruktur mit einem raffinierten Vorhangeffekt.
Bei Verkehrsschildern wird übrigens die Reflexion so abgedimmt, dass sie blendfrei zu lesen sind. Ab Tempo 80 hat man rund 40 Meter weitere Sicht als bei herkömmlichen Halogenscheinwerfern. In der Top-Ausstattung "Ultimate" ist das HD-Licht enthalten.
Elektro-Kombi mit 156 PS: Reicht das?

Nicht überall strahlen die Innovationen des neuen Astra allerdings so hell wie bei der Beleuchtung. Das gilt vor allem für den rein elektrischen Antrieb des Astra Sports Tourer, wie der Wagen leicht irreführenderweise heißt. Denn sein Antrieb ist wenig performant, wenn man den Wagen mit anderen Elektroautos vergleicht. Die überaus beliebte Familienkutsche (zwei Drittel aller Astra-Kunden kaufen einen Kombi) verwechselt in ihrer E-Version Trab mit Galopp.
Elektrische Tugenden wie exzellente Dynamik bei Überholvorgängen greifen bei Landstraßenfahrt nicht, der Wagen ist nicht schneller als ein guter Benziner. Das gilt auch für die 9,5 Sekunden, die er von 0 auf 100 km/h braucht. Für ein E-Auto ist eine Motorleistung von 156 PS eher schlapp.
Dafür allerdings lag der Verbrauch auf der gefahrenen Runde mit 15,3 kWh/100 km sogar noch unter der WLTP-Angabe. Das bestätigt, dass der Astra nach wie vor sparsam ist: Im ausführlichen ADAC Test vor dem Facelift konnten die ADAC Ingenieure einen Verbrauch von beachtlich niedrigen 16,5 kWh auf 100 Kilometer (inkl. Ladeverluste) im Schnitt ermitteln.
Die mäßige Motorperformance ist schade. Aber der direkte Lenkzugriff, das fein abgestimmte Fahrwerk sowie eine gelungene Geräuschisolation des Innenraums sorgen für ein trotzdem angenehmes Fahrerlebnis.
Gut 350 Kilometer Reichweite sind realistisch

Bei der ermittelten Reichweite dürfte es wohl bleiben, da ändert die um 4 kWh vergrößerte Batterie im Vergleich zum Vorgänger wenig. Im Test vor dem Facelift kam der Astra auf 350 Kilometer Reichweite.
Nichts geändert haben die Opelaner an der Ladeleistung. Geht der Akku zur Neige, kann der Opel an der Schnellladesäule mit maximal 107 kW Leistung wieder aufgeladen werden (ADAC Testwert vor dem Facelift, Werksangabe 100 kW), in 31 Minuten auf bis zu 80 Prozent. Hier hätte man sich mehr gewünscht. An der heimischen Wallbox oder an öffentlichen AC-Ladesäulen sind serienmäßig 11 kW möglich.
Gut, dass Opel immer noch eine recht komplette Bandbreite an Antrieben für seinen Kompakt-Klassiker bereithält. So gibt's den 2026er Astra zusätzlich zur elektrischen Variante als Hybrid mit 107 kW/145 PS, als reinen Diesel (96 kW/130 PS) sowie als Plug-in-Hybrid.
Innenraum fast unverändert

Außen- und Innendesign wirken nach wie vor durch Sicken und Kanten modern und dynamisch, der Innenraum wurde zum Facelift nur dezent verändert. Statt des allgegenwärtigen Klavierlacks dominiert jetzt Mattgrau, dem Preissegment entsprechend ebenfalls aus Plastik. Es hinterlässt allerdings einen unnötig billigen Eindruck im ansonsten schicken Interieur.
Das neue Lenkrad verfügt wieder über haptische Bedienelemente. Zwei 10-Zoll-Monitore sowie optional ein nicht überfrachtetes Head-up-Display sorgen für weiteren Fahrkomfort.
Ein deutlicher Beitrag zu mehr Komfort sind die serienmäßigen "Intelli-Sitze". Die mittig in der Sitzfläche verlaufende Vertiefung nimmt den Druck vom Steißbein und sorgt unterwegs für spürbare Entspannung. Ab der GS-Version trägt der Fahrersitz zudem das AGR-Gütesiegel (Aktion Gesunder Rücken e.V.), auf Wunsch gibt es das Siegel auch für den Beifahrer, inklusive Massagefunktion. Der Seitenhalt ist ebenfalls okay.
Fazit: Bis auf den mangelnden Schwung beim Elektro-Antrieb ist der neue Astra ein wirklich gelungener Evolutionsschritt des deutschen Kompakt-Dinos.
Opel Astra Electric: Technische Daten, Preis
Technische Daten (Herstellerangaben) | Opel Astra Electric Edition (ab 03/26) | Opel Astra Electric Sports Tourer Edition (ab 03/26) |
|---|---|---|
Motorart | Elektro | Elektro |
Leistung maximal in kW (Systemleistung) | 115 | 115 |
Leistung maximal in PS (Systemleistung) | 156 | 156 |
Drehmoment (Systemleistung) | 270 Nm | 270 Nm |
Antriebsart | Vorderrad | Vorderrad |
Beschleunigung 0-100km/h | 9,3 s | 9,5 s |
Höchstgeschwindigkeit | 170 km/h | 170 km/h |
Reichweite WLTP (elektrisch) | 454 km | 445 km |
CO2-Wert kombiniert (WLTP) | 0 g/km | 0 g/km |
Verbrauch kombiniert (WLTP) | 15,3 kWh/100 km | 15,6 kWh/100 km |
Batteriekapazität (Brutto) in kWh | 58,0 | 58,0 |
Ladeleistung (kW) | AC:3,2-11,0 DC:100,0 | AC:3,2-11,0 DC:100,0 |
Leergewicht (EU) | 1.733 kg | 1.765 kg |
Zuladung | 447 kg | 435 kg |
Garantie (Fahrzeug) | 2 Jahre | 2 Jahre |
Länge x Breite x Höhe | 4.374 mm x 1.859 mm x 1.488 mm | 4.642 mm x 1.859 mm x 1.498 mm |
Grundpreis | 37.990 Euro | 39.490 Euro |
Text: Daniel Killy/SP-X; ADAC Redaktion
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