Mercedes EQC: Erste Daten und Details vom Elektro-SUV

14.2.2019

Der neue Mercedes EQC ist der erste rein elektrische SUV von Daimler. Ab Mitte 2019 soll er zu Preisen ab 70.000 Euro erhältlich sein. Plus: Technische Daten & Bilder

  • Daimler bringt Mitte 2019 sein erstes eigens konstruiertes Elektroauto auf den Markt
  • Technische Daten: 450 Kilometer Reichweite, 80 kWh-Batterie, 408 PS
  • Die Nachfrage ist groß: 2019 und 2020 ist der EQC schon ausverkauft
     

Lange haben die Premiumhersteller dem Neuling Tesla das Feld bei Elektroautos überlassen. Doch jetzt kommen endlich konkurrenzfähige Fahrzeuge: Jaguar i-Pace und Audi e-tron quattro sind bereits zu haben. BMW iX3 und Porsche Taycan stehen in den Startlöchern und Mercedes wird den EQC 2019 zu den Händlern bringen. Zu Preisen jenseits der 70.000 Euro.

Potentielle Kunden müssen sich trotzdem gedulden. In einem Interview mit "Welt online" sagte Daimler-Chef Zetsche: "Wir sind sicher, dass wir die Nachfrage in 2019 nicht befriedigen können und vermutlich auch 2020 nicht."

Mercedes EQC: Moderner und stylischer Innenraum

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Mercedes EQC Cockpit
Blauschimmer: Die Farbe soll Elektro-Avantgarde signalisieren

Schade eigentlich. Denn anders als etwa der Jaguar i-Pace ist der Mercedes EQC ein Auto, das von der Stammkundschaft vergleichsweise wenig Transferleistung erfordert: Von außen, weil er zwar mit einem schwarz glänzenden Grill, blauem Strich in den LED-Scheinwerfern und blauen Speichen in den Felgen die "avantgardistische Elektro-Ästhetik" von Designchef Gorden Wagener zeigt, aber trotzdem verdammt nach konventionellem GLC aussieht.

Insgesamt ist er allerdings zehn Zentimeter länger und seine ebenso schräge wie schnörkellose Heckklappe trägt ein von Audi abgekupfertes Leuchtenband.

Und von innen, weil das 4,76 Meter lange SUV auch da ganz zeitgemäß bleibt: Es flinkert ein bisschen Kupfer oder Rose-Gold in den Konsolen, die Materialien wirken etwas technischer und die Lüfter sind moderner. Dazu kommt der freistehende Bildschirm hinter dem Lenkrad, der von der A-Klasse kommt, allerdings ein bisschen größer, brillanter und schlanker ist. Außerdem lässt er sich mit den Fingerspitzen bedienen und beherbergt die vielleicht beste Sprachsteuerung seit Siri & Co. Aber wer im GLC und der A-Klasse zurecht kommt, der macht sich auch schnell mit dem EQC vertraut.

Elektro-SUV mit beeindruckenden Fahrleistungen

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Silberner Mercedes EQC fahrend von hinten
Der Mercedes EQC fährt so komfortabel wie die S-Klasse

Vor allem aber ist das Fahren typisch Mercedes – extrem komfortabel und gediegen. Flüsterleise und wolkenweich fühlt sich der EQC bei den ersten Mitfahrten im Prototypen sogar eher nach S-Klasse an als nach einem SUV.

Denn der 650 Kilogramm schwere Akku treibt zwar das Gewicht auf 2,5 Tonnen, drückt aber den Schwerpunkt schön tief nach unten. Und weil der Motor per se geräuschlos ist, haben die Ingenieure besonders gründlich auf Vibrationen und Störgeräusche geachtet. So hört man weder das typische Straßenbahngeräusch beim Beschleunigen, noch das Gefiepe draußen aus dem Lautsprecher, das der Gesetzgeber vielerorts vorschreibt.

Sobald man aufs Fahrpedal tritt, ist es mit der Gediegenheit allerdings vorbei. Dann wird EQ plötzlich zur Konkurrenz von AMG: Wozu hat der Wagen schließlich zwei E-Motoren, die zusammen 300 kW leisten und ihre 765 Nm schon mit dem ersten Wimpernschlag auf den Asphalt bringen?

Bei einem Sprintwert von 5,1 Sekunden tut sich deshalb an er Ampel selbst ein C 63 schwer damit, den Anschluss zu halten. Selbst wenn er nur ein paar Augenblicke später doch noch vorbeizieht. Denn mit Rücksicht auf die Reichweite hat Mercedes das Spitzentempo auf 180 km/h begrenzt.

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Elektrischer Allradantrieb, 450 km Reichweite

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Grafik Mercedes EQC Antrieb
Die 80-kWh-Batterie soll für 450 km Reichweite sorgen

Dafür prahlen sie mit einem stolzen Aktionsradius: Bei 80 kWh Akkukapazität käme der EQC nach der alten, "harmlosen" NEFZ-Norm mehr als 450 Kilometer weit, und die Ingenieure tun alles dafür, dass die Praxis der Theorie nicht allzu weit hinterherhinkt: Man kann deshalb nicht nur das Laden, sondern auch die Klimatisierung programmieren, die Navigation berücksichtigt den Energieverbrauch, und der Tempomat schaut soweit voraus, dass der EQC so effizient wie möglich fährt. Außerdem gibt es ein halbes Dutzend verschiedene Fahrprogramme und eine mehrstufige Rekuperationsregelung mit den Schaltwippen am Lenkrad.

Beim Antrieb betreten die Schwaben mit dem EQC Neuland. Doch sonst ist der elektrische Erstling aus Stuttgart vergleichsweise konventionell gestrickt. Das Design ist relativ bodenständig, vom GLC werden sogar die wuchtige Mittelkonsole sowie hinten der Tunnel im Fußraum übernommen. Damit hat man viele Platzvorteile, die ein Elektroauto normalerweise bietet, verschenkt.

Dafür gibt es vor allem zwei Gründe: Zum einen will Mercedes in der Produktion flexibel bleiben, um auf die schwer abzuschätzende Marktentwicklung zu reagieren und die Kosten niedrig zu halten. Deshalb ist der EQ C so konstruiert, dass er in den Fabriken in Bremen und Peking über das gleiche Band laufen kann wie die C-Klasse oder der GLC. Nur für die Batteriemontage braucht er eine eigene Station.

An 22-kW-Säulen lädt der EQC nur mit 7,4 kW

Und wie schnell lädt der EQC? An einer der flotten Ionity-Säulen*, die sich derzeit aber noch im Aufbau befinden, kann der Mercedes mit 110 kW (DC) aufnehmen. Bei größeren Reisen reicht so ein Kaffeestop an einer Raststätte, um in 30 Minuten Kraft für die nächste Etappe zu tanken. 

An einer gewöhnlichen Säule mit 22 kW sieht die Sache aber anders aus. Weil der EQC beim AC-Laden nur für 7,4 kW ausgelegt ist, wird das Laden zur Geduldsprobe. Erst nach rund zehn Stunden dürfte dann ein komplett leerer Akku voll sein. "Wenn die Nachfrage nach einer höheren Ladeleistung da ist, können wir das auch ändern", sagt Martin Gruber, der den Elektroantrieb verantwortet. Doch die ersten EQC werden wohl mit der kleinen Leistung ausgeliefert. Und das dürfte der einzige Haken am EQC sein.

 

Technische Daten (Herstellerangaben) Mercedes EQC
Motor 2 Asynchron-Elektromotoren, 300 kW/408 PS, Allradantrieb, 765 Nm Drehmoment
Fahrleistungen Spitze 180 km/h (abgeregelt), 0 – 100 km/h in 5,1 s, 450 km Reichweite (NEFZ)
Verbrauch 22,2 kWh/100 km, CO2-Ausstoß: 0 g/km
Maße L 4,76 / B 2,09 (mit Spiegeln) / H 1,62 m
Batterie
Lithium-Ionen, 80 kWh
Ladeleistung  110 kW (DC), 7,4 kW (AC) 
Preis über 70.000 €

 

Text: Thomas Geiger. Fotos: PR.

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