Mercedes EQC: Luxus-SUV mit Elektroantrieb

20.5.2019

Der neue Mercedes EQC ist der erste rein elektrische SUV von Daimler und ab sofort zum Grundpreis von 71.281 Euro bestellbar. Fahrbericht, technische Daten, alle Details.

  • Ab sofort ist das Luxus-SUV EQC mit Batterieantrieb bestellbar
  • Die Reichweite beträgt 390 Kilometer nach WLTP, die Systemleistung 408 PS
  • Sonderedition "1886" mit umfangreicher Ausstattung für 84.930 €

 

Lange haben die Premiumhersteller dem Neuling Tesla das Feld bei Elektroautos überlassen. Doch jetzt kommen endlich konkurrenzfähige Fahrzeuge: Jaguar i-Pace und Audi e-tron quattro sind bereits zu haben. BMW iX3 und Porsche Taycan stehen in den Startlöchern und Mercedes bringt den EQC im Oktober 2019 zu den Händlern.

Die Preise beginnen bei 71.281 Euro. Da wurde also mit spitzer Feder gerechnet. Denn so lautet der Netto-Listenpreis 59.900 €, und das ist knapp unter der Fördergrenze von 60.000 €. Wer sich die Sonderedition 1886 mit umfangreicher Ausstattung sichern möchte, zahlt 84.930 € brutto.

Mercedes EQC: Moderner und stylischer Innenraum

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Mercedes EQC Cockpit
Blauschimmer: Die Farbe soll Elektro-Avantgarde signalisieren

Die technische Plattform des EQC ist mit der des GLC eng verwandt. Beide Modell laufen in Bremen parallel vom Band. Erstaunlicherweise ist die Karosserie des EQC zehn Zentimeter länger. Außen erkennbar am individuellen Grill, einem blauem Strich in den LED-Scheinwerfern und blauen Speichen in den Felgen. Innen unterscheidet er sich vom GLC durch kupferfarbene Luftausströmer am Armaturenbrett und technoid wirkende Zierblenden, die sich von dort bis in die vorderen Türen herüberziehen.

Der Fahrer blickt auf zwei in Blau gehaltene Bildschirme, die als miteinander verwobene Einheit erscheinen: Hinter dem Lenkrad individuell konfigurierbare klassische Anzeigen wie Geschwindigkeit und Reichweite, rechts über der Mittelkonsole das Infotainment, die Navigation und was es sonst noch an moderneren Features zu entdecken und zu bedienen gibt. Wer beide Hände lieber am Steuer behält, kann alternativ die Sprachbedienung oder die kleinen Stellknöpfe am Volant bemühen.

Elektro-SUV mit beeindruckenden Fahrleistungen

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Silberner Mercedes EQC fahrend von hinten
Der Mercedes EQC fährt so komfortabel wie die S-Klasse

Jetzt aber Gurt festziehen, Startknopf drücken, Wählhebel auf Drive und los geht's. Schon ab den ersten Metern stellt sich das typische Mercedes-Fahrgefühl ein, das wir von den großen und luxuriösen Baureihen bei Mercedes kennen. Extrem komfortabel und gediegen fühlt sich das alles an: Das Antriebsgeräusch flüsterleise, die Federung wolkenweich. Ein Auto wie eine Trutzburg.  

Und dennoch: Wenn's drauf ankommt, kehrt der EQC auch seine sportliche Seite heraus. Kein Wunder bei einer Systemleistung von 300 kW (408 PS) beziehungsweise einem Drehmoment von satten 760 Nm. Fast ansatzlos entfaltet der EQC seine ganze Kraft, sprintet wie ein Weltklasse-Zehnkämpfer davon und wird quasi genauso schnell von den Tempobegrenzungen des öffentlichen Straßenverkehrs wieder eingefangen wie der Athlet von der 100-Meter-Ziellinie.    

Zu hören ist während des Spektakels fast nichts. Aufwendigen Maßnahmen zur Geräuschdämmung sei Dank. So finden sich vielerorts in Hohl- und Zwischenräumen zusätzliche Dämmmaterialien, dazu Verstärkungen an Blechen und Konstruktionsteilen, die Vibrationen auf ein Minimum reduzieren. Am Schnittmodell, das den Journalisten präsentiert wurde, ist auch gut die crashsichere Lage der Batterie zwischen den Achsen zu erkennen. Mit Deformationszonen vorn, hinten und zu den Seiten.     

Natürlich treibt der 650 Kilogramm schwere Akku das Gewicht des EQC auf 2,5 Tonnen. Das ist trotz feinfühliger entkoppelter Lenkung auch stets zu spüren, wird aber nie unangenehm. Denn der Akku drückt den Schwerpunkt des Fahrzeugs tief nach unten. Beeindruckend, wie stabil das Fahrzeug mit dem Gewicht durch Kurven eilt.

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Elektrischer Allradantrieb, 450 km Reichweite

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Grafik Mercedes EQC Antrieb
Die 80-kWh-Batterie soll für bis zu 450 km Reichweite sorgen

Die 80 kWh Akkukapazität sollen den Mercedes EQC nach NEFZ-Norm 450 Kilometer, nach WLTP-Norm 390 Kilometer weit fahren lassen. In der Praxis wird es aber eher auf den bei unserer Testfahrt ausgewiesenen Bordcomputer-Wert hinauslaufen: Die rund 25 kWh (pro 100 km) bei gemäßigter Fahrweise würden für 320 Kilometer pro Akkufüllung reichen. 

Helfen auf längeren Strecken soll eine intelligente Routennavigation, wie wir sie im Prinzip schon von Tesla und dem Netz von Superchargern kennen. Heißt hier: Der Mercedes berechnet die Route mit Zwischenstopps an DC-Schnelladesäulen, wo mit 50 kW geladen werden kann oder an einer Ionity-Station. Dort kann der Mercedes mit bis zu 110 kW laden.

 

An 22-kW-Säulen lädt der EQC nur mit 7,4 kW

Eine spannende Frage wird sein, ob der Mercedes auch AC-Ladesäulen, die 22 Kilowatt Ladeleistung abgeben können, auf längeren Reiserouten ansteuert. Denn das macht im Grunde wenig Sinn. Der EQC kann an der AC-Säule nämlich aufgrund eines dafür fehlenden Ladegerätes nur mit 7.4 kW aufladen. Das würde eine zähe  Angelegenheit. 

Helfen beim Sparen könnte zudem das "haptische Gaspedal". Wer das entsprechende Fahrprogramm namens "Max Range" vorwählt, wird beim Gasgeben immer wieder durch einen spürbaren Widerstand daran erinnert, nicht weiter als bis hierher durchzutreten. Das reduziert die Leistung und verlängert auf der anderen Seite die Energiereserven im Akku, erklärt Mercedes sehr plausibel. Bei den ersten Probefahrten hatten wir allerdings den Eindruck, den vermeintlichen Widerstand kaum oder gar nicht zu spüren. An dieser Stelle sollte Mercedes vielleicht noch mal fein nachjustieren.

 

Die Extraliste ist ellenlang

Mercedes wäre aber auch nicht Mercedes, wenn die Extraliste nicht ellenlang wäre. Dass man für ein Burmester-Soundsystem lediglich 595 € zahlen soll, ist super. Eine Wallbox für knapp 800 € (plus Montage) liegt absolut im Rahmen des Üblichen. Dass die Lackfarbe Designo-Grau über 2300 € kostet? Na, schön, muss man ja nicht unbedingt nehmen. Dass aber die Sitzheizung 387 € extra kostet, die Smartphone-Anbindung (Apple CarPlay/Android Auto) 417 € und ein Head-up-Display 1178 € erscheint überzogen.

 

Technische Daten (Herstellerangaben) Mercedes EQC
Motor/Antrieb 2 Asynchron-Elektromotoren, 300 kW/408 PS, Allrad, 760 Nm Drehmoment
Fahrleistungen Spitze 180 km/h (abgeregelt), 0 – 100 km/h in 5,1 s, 471 km Reichweite (NEFZ)
Verbrauch 19,7 kWh/100 km
Maße L 4,76 / B 1,88 / H 1,62 m
Batterie Lithium-Ionen, 80 kWh
Leergewicht 2495 kg
Batteriegewicht 652 kg
Ladeleistung 110 kW (DC), 7,4 kW (AC)
zul. Anhängelast 1800 kg
Preis ab 71.281 €

 

  • Das hat uns gefallen: Viel Platz. Guter Geräusch- und Fahrkomfort. Moderne Bedienung. Hohe Sicherheit. Gute Reichweite. Intelligente Fahrprogramme/Navigation.  
  •  Das hat uns nicht gefallen: Hoher Anschaffungspreis. Teure Extras. AC-Laden nur mit 7,4 kW.         

 

Text: Wolfgang Rudschies. Fotos: PR.

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